Wie ein Steinkauz in Ruinen
Der fünfte Bußpsalm
GEBET EINES ARMEN, WENN ER VERZWEIFELT IST
UND DEM Herrn SEIN HERZ AUSSCHÜTTET.
Herr, höre doch mein Gebet!
Mein Hilfeschrei soll dich erreichen!
Verbirg dein Angesicht nicht vor mir,
wenn ich in Schwierigkeiten bin.
Hab doch ein offenes Ohr für mich!
Wenn ich rufe, antworte mir bald!
Denn meine Lebenszeit löst sich auf in Rauch.
Meine Glieder brennen wie Feuer.
Ich fühle mich zerschlagen, matt wie verdorrtes Gras.
Ich mag nicht einmal mehr etwas essen.
Meine Stimme versagt vor lauter Stöhnen.
Nur noch Haut klebt an meinen Knochen.
Ich fühle mich wie eine Eule in der Wüste.
Ich gleiche einem Steinkauz in Ruinen.
Ich finde keinen Schlaf und klage
wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.
Den ganzen Tag verhöhnen mich meine Feinde.
Beim Fluchen nennen sie meinen Namen,
um mich zu verspotten.
Was ich esse, schmeckt wie trockener Staub.
Was ich trinke, ist mit meinen Tränen vermischt.
Dein glühender Zorn macht mir Angst und Bange.
Du hebst mich hoch und wirfst mich wieder hin.
Mein Leben ist nur noch ein langer Schatten.
Ja, ich fühle mich matt wie verdorrtes Gras.
Du aber, Herr, sitzt für immer auf dem Thron.
Dein Name bleibt von Generation zu Generation.
Du wirst aufstehen und dich der Stadt Zion annehmen.
Denn es ist Zeit, die Stadt zu begnadigen,
ja, der Zeitpunkt dafür ist gekommen.
Denn deine Knechte lieben die Mauern Zions.
Dass sie in Trümmern liegen, tut ihnen weh.
Doch in Zukunft werden die fremden Völker
den Namen des Herrn mit Ehrfurcht nennen.
Und alle Könige der Welt zittern
vor deiner Herrlichkeit.
Denn der Herr hat Zion wieder aufgebaut
und sich dort in seiner Herrlichkeit gezeigt.
Er hat das Gebet der verlassenen Stadt gehört.
Ihr Bittgebet hat er nicht gering geschätzt.
So soll man es aufschreiben für die Späteren,
damit das neu erschaffene Volk den Herrn lobt.
Von seiner heiligen Höhe schaute der Herr herab,
vom Himmel blickte er auf die Erde nieder.
So hört er das Stöhnen der Gefangenen
und rettet die, die den Tod erwarten.
Dann werden sie in der Stadt Zion
den Namen des Herrn wieder verkünden.
In Jerusalem singen sie zu seinem Lob.
Völker und Königreiche werden kommen,
um gemeinsam dem Herrn zu dienen.
Mitten auf meinem Lebensweg
hat er mir die Kraft genommen.
Er hat meine Lebenszeit verkürzt.
Ich sagte: »Mein Gott, lass mich nicht sterben,
jetzt, in der Mitte meines Lebens!«
Deine Zeit überdauert die Generationen.
Du hast am Anfang die Erde gegründet,
der Himmel ist das Werk deiner Hände.
Eines Tages werden sie vergehen, du aber bleibst.
Alles Geschaffene wird zerfallen wie ein Kleid.
Du wechselst es wie ein Kleidungsstück,
so wird alles Geschaffene ausgewechselt.
Du aber bleibst, deine Zeit geht nicht zu Ende.
Lass nun die Kinder deiner Knechte im Land wohnen,
und ihre Nachkommen mögen vor dir bestehen.