BasisBibel (BB)
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Samuel

1. Samuel 1,1–8,22

Die Jugendgeschichte Samuels

1. Samuel 1,1–4,1

Samuel wird geboren

11In der Stadt Ramatajim1,1 Ramatajim: Langform des Namens Rama, einer Ortschaft an der Südgrenze Efraims, in der Nähe von Bet-El gelegen. lebte ein Mann,ein Nachkomme des Zuf aus dem Gebirge Efraim1,1 Efraim: Gebirgszug im mittleren Westjordanland. Der Name kommt vom Stamm Efraim, der dort sein Siedlungsgebiet hatte..Er hieß Elkana und war der Sohn von Jeroham,dem Sohn von Elihu, dem Sohn von Tohu,dem Sohn von Zuf aus dem Stamm Efraim1,1 Efraim: Stamm Israels, der nach einem der beiden Söhne Josefs benannt ist. Sein Siedlungsgebiet liegt im mittleren Westjordanland und erstreckt sich bis zum Mittelmeer..2Der Mann hatte zwei Frauen:Die eine hieß Hanna, die andere Peninna.Peninna hatte Kinder, Hanna aber hatte keine.3Jahr für Jahr verließ Elkana seine Stadtund ging mit seiner Familie nach Schilo1,3 Schilo: Stadt etwa 35 km nördlich von Jerusalem. Dort stand ein Heiligtum, in dem die Bundeslade aufbewahrt wurde. hinauf.Er tat das, um den Herrn1,3 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. Zebaot1,3 Zebaot: Der Beiname bedeutet übersetzt »(Gott) der himmlischen Heere« und bringt die Fülle von Gottes Macht zum Ausdruck. anzubetenund ein Schlachtopfer1,3 Schlachtopfer: Fett und Innereien wurden als Dank für Gott verbrannt, während das Fleisch von den Opfernden gegessen wurde. darzubringen. –In Schilo gab es damals Priester des Herrn,nämlich Hofni und Pinhas, die beiden Söhne des Eli.

4Jedes Jahr an dem Tag,an dem Elkana das Schlachtopfer1,4 Schlachtopfer: Fett und Innereien wurden als Dank für Gott verbrannt, während das Fleisch von den Opfernden gegessen wurde. darbrachte,verteilte er die Anteile für das Festessen:Seine Frau Peninna erhielt ein Opferstückund alle ihre Söhne und Töchter ebenfalls.5Auch Hanna bekam nur ein einziges Stück1,5 ein einziges Stück: Hanna wird bei der Verteilung weder bevorzugt noch benachteiligt. In anderen Übersetzungen findet man die Deutung, dass Hanna eine doppelte Portion bekommen hat.,obwohl es Hanna war, die er lieb hatte.Der Herr aber ließ sie keine Kinder bekommen.6Peninna aber, die etwas gegen Hanna hatte,kränkte sie sehr wegen ihrer Kinderlosigkeit.Denn der Herr ließ sie keine Kinder bekommen.

7So ging es Jahr für Jahr,wenn Hanna hinaufzog zum Haus des Herrn1,7 Haus des Herrn: Heiligtum in Schilo, an dem der Gott Israels verehrt wurde..Jedes Mal fing die andere damit an, Hanna zu kränken.Da weinte sie und wollte nicht essen.8Doch Elkana, ihr Mann, sagte zu ihr:»Hanna, warum weinst du?Warum willst du nicht essen?Warum ist dir das Herz so schwer?Bin ich dir nicht mehr wert als zehn Söhne?«

9Einmal stand Hanna einfach auf,nachdem sie in Schilo1,9 Schilo: Stadt etwa 35 km nördlich von Jerusalem. Dort stand ein Heiligtum, in dem die Bundeslade aufbewahrt wurde. gegessen hatten.Der Priester Eli saß gerade auf einem Stuhlam Türpfosten vor dem Tempel des Herrn.10Hanna hatte einen ganz bitteren Tag erlebt.Unter vielen Tränen betete1,10 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. sie zum Herrn11und gab ihm das folgende Versprechen:»Ach, Herr Zebaot1,11 Zebaot: Der Beiname bedeutet übersetzt »(Gott) der himmlischen Heere« und bringt die Fülle von Gottes Macht zum Ausdruck., sieh das Elend deiner Magd an!Denk doch an mich und vergiss deine Magd nicht!Schenk deiner Magd einen Sohn!Dann will ich ihn dem Herrn überlassen1,11 dem Herrn überlassen: Hanna verspricht Gott, dass ihr Kind von Geburt an das Leben eines Nasiräers führen soll. Haareschneiden und Alkoholtrinken sind ihm verboten.sein ganzes Leben lang.Sein Haar soll niemals geschnitten werden.«12So betete sie lange vor dem Herrn.Eli beobachtete dabei ihren Mund.13Hanna redete nämlich leise vor sich hin.Nur ihre Lippen bewegten sich,doch ihre Stimme war nicht zu hören.Da meinte Eli, sie sei betrunken.

14Also schimpfte Eli mit ihr:»Wie lange soll das noch gehen,so betrunken wie du bist?Schlaf erst mal deinen Rausch aus!«15Hanna antwortete ihm:»Nein, mein Herr! Ich bin eine verzweifelte Frau.Wein und Bier1,15 Bier: Ein durch Gärung von Getreide alkoholhaltiges Getränk, im Vergleich zu heute viel süßer und trüber. habe ich nicht getrunken.Mein Herz habe ich ausgeschüttet vor dem Herrn.16Halte deine Magd1,16 deine Magd: Selbstbezeichnung der Niedrigkeit, mit der Hanna ihrem Gesprächspartner gegenüber Respekt erweist. nicht für eine verkommene Frau!Ich habe doch die ganze Zeit nur gebetet1,16 Gebet: Reden des Menschen mit Gott.,weil ich Kummer habe und ganz traurig bin.«17Da antwortete ihr Eli: »Geh in Frieden!Der Gott Israels wird dir geben,was du von ihm erbeten1,17 erbeten: Eli gibt Hanna die Zusage, dass Gott ihr Gebet erhören und ihren Kinderwunsch erfüllen wird. hast.«18Und sie sagte: »So soll es geschehen.Sei so gut und denke an deine Magd!«Dann ging die Frau ihres Wegs und aß wieder.Ihr Gesicht war nicht mehr traurig.

19Am anderen Morgen standen sie1,19 sie: Elkana mit seiner Familie. früh aufund fielen vor dem Herrn auf die Knie und beteten.Dann kehrten sie heim nach Rama1,19 Rama: Ortschaft an der Südgrenze Efraims, in der Nähe von Bet-El gelegen..Elkana schlief mit seiner Frau Hanna,und der Herr dachte an sie.20So geschah es im Verlauf eines Jahres:Hanna wurde schwanger, brachte einen Sohn zur Weltund nannte ihn Samuel.Sie gab ihm diesen Namen, weil sie sagte:»Vom Herrn habe ich ihn erbeten1,20 habe ich ihn erbeten: Wortspiel mit dem Namen »Samuel«, der im Hebräischen ähnlich klingt wie das Wort für »bitten«.

Hanna erfüllt ihr Versprechen

21Elkana ging mit der ganzen Familie wieder nach Schilo,um dem Herrn1,21 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. das jährliche Schlachtopfer1,21 Schlachtopfer: Fett und Innereien wurden als Dank für Gott verbrannt, während das Fleisch von den Opfernden gegessen wurde. darzubringen.Auch wollte er ein weiteres Opfer darbringen,zu dem er sich durch ein Gelübde1,21 Gelübde: Versprechen, das ein Mensch Gott gibt. Es muss in jedem Fall eingelöst werden. verpflichtet hatte.22Hanna aber war nicht mitgekommen.Sie hatte nämlich zu ihrem Mann gesagt:»Solange der Kleine noch gestillt wird,bleibe ich zu Hause.Danach bringe ich ihn zum Heiligtum.Dort soll er vor dem Herrn erscheinenund für immer in seinem Dienst stehen.«23Und ihr Mann Elkana hatte geantwortet:»Tu, was du für richtig hältst!Bleib, bis er nicht mehr gestillt werden muss!Wenn nur der Herr sein Wort hält.«So blieb seine Frau zu Hause.Sie stillte ihren Sohn, bis er drei Jahre1,23 drei Jahre: Für gewöhnlich wurden Kinder bis zum Alter von drei Jahren gestillt und anschließend entwöhnt. alt war.24Als sie ihn nicht mehr stillte,machte sie sich mit ihm auf den Weg.Sie nahm einen dreijährigen Stier mit,dazu einen Sack Mehl1,24 Sack Mehl: Wörtlich »ein Efa«. Ein Efa ist ein Gefäß zum Abmessen von Getreide und Mehl und fasst etwa 20–21 l. 20 l Mehl wiegen etwa 12 kg. und einen Krug Wein.Sie brachte ihren Sohn nach Schilo1,24 Schilo: Stadt etwa 35 km nördlich von Jerusalem. Dort stand ein Heiligtum, in dem die Bundeslade aufbewahrt wurde. hinaufzum Haus des Herrn.Der Junge war wirklich noch sehr jung.

25Nachdem sie1,25 sie: Elkana und Hanna. den Stier geschlachtet hatten,brachten sie den Jungen zum Priester Eli.26Seine Mutter sagte: »Verzeih mir, mein Herr!Bei deinem Leben, mein Herr: Ich bin die Frau,die damals neben dir stand und zum Herrn betete.27Ich habe diesen Jungen erbeten,und der Herr hat mir gegeben,was ich von ihm erbeten habe.28Ja, ich habe ihn für den Herrn erbeten!Sein ganzes Leben soll er dem Herrn dienenals einer, der dafür erbeten worden ist.«Und sie1,28 sie: So mit der ältesten Handschrift aus Qumran auf Hanna zu beziehen. fiel dort vor dem Herrn auf die Knie.