Pfingsten


Das Fest des Heiligen Geistes und der Geburtstag der Kirche
„Wie reinigendes Feuer und belebender Wind kam der Heilige Geist auf uns! Die Kraft des Geistes hat uns ermutigt und Gottes Wege sichtbar gemacht. Und das für alle Anwesenden in ihrer eigenen Sprache!“ So hätte vielleicht ein Jünger seine Erfahrung beschrieben, als er 50 Tage nach Ostern in Jerusalem war und sich das sogenannte Pfingstwunder ereignete.
Pfingsten ist das dritte Hauptfest der Kirche: Nach Weihnachten, dem Fest der Liebe Gottes zu den Menschen, und Ostern, dem Fest Jesu Christi, feiern wir an Pfingsten die Sendung des Heiligen Geistes.
Was feiern wir eigentlich an Pfingsten?
Das Wort „Pfingsten“ leitet sich von dem griechischen Wort für „fünfzigster (Tag)“ ab: „pentekoste (hemera)“. Das ist die griechische Bezeichnung für das jüdische Pilgerfest, dem sogenannten „Wochenfest“, das immer 50 Tage nach dem Passahfest gefeiert wird. Das Pfingstwunder ereignete sich, als die Jünger und Jüngerinnen das Wochenfest feierten.
Das Pfingstwunder
Das Pfingstwunder in Apostelgeschichte 2 geschieht, als viele Pilger und Pilgerinnen nach Jerusalem gekommen sind, um das jüdische Wochenfest zu feiern. Dieses Fest feiern auch die Jünger und Jüngerinnen, als sie ein „mächtiges Rauschen“ hören und „etwas wie Feuer“ sich in Form von „Flammenzungen“ auf ihnen niederlässt: Der Heilige Geist kommt auf sie herab.
Das griechische und hebräische Wort für „Geist“ kann auch „Hauch“, „Atem“, „Wind“ oder „Sturm“ bedeuten.
Dieses Wunder der göttlichen Präsenz erfüllt die Jüngerinnen und Jünger mit neuem Mut und dem lebendigen Glauben daran, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat. Sofort beginnen sie - allen voran Petrus - anderen zu verkünden, was sie selbst erlebt haben. Doch damit ist das Wunder noch nicht vollendet. Eine große Menschenmenge kommt angelaufen, weil sie das Rauschen gehört hat. Diese Menschen kommen aus Mesopotamien, Judäa, Kappadozien und noch vielen weiteren Gegenden und sie alle hören die Jünger und Jüngerinnen in ihrer eigenen Muttersprache!
Die Entstehung der ersten Gemeinde
Vom Geist Gottes geleitet, beginnt eine Bewegung, die die Christusbotschaft „bis ans äußerste Ende der Erde“ trägt (Apostelgeschichte 1,8). Schon der Erfolg der Predigt des Petrus ist atemberaubend: Viele nehmen die Botschaft über Jesus Christus an und lassen sich taufen. So entsteht die erste Gemeinde in der Nachfolge Christi. Von diesem Tag an läuft die Botschaft zuerst durch den Mittelmeerraum, dann um die ganze Welt. Überall bildeten sich Gemeinden und Kirchen. Damit ist Pfingsten sozusagen der „Geburtstag“ der Kirche.
Bibeltexte erklärt und neu erzählt
Apostelgeschichte 2 aus Stuttgarter Erklärungsbibel
Warum treffen sich die Jüngerinnen und Jünger ausgerechnet am „50. Tag“ in Jerusalem? Diese Bezeichnung geht auf die griechische Bezeichnung des frühjüdischen Wochenfestes. Lesen Sie hier umfassendere Erklärungen zum Pfingstwunder.
Rufus Beck liest Texte zu Pfingsten
Bibeltext gelesen von Rufus Beck aus: Die große Luther-Hörbibel 2017
Biblische Symbole an Pfingsten
Als Fest des Heiligen Geistes ist Pfingsten eng mit diesem verbunden. Obwohl im Bericht über das Pfingstwunder keine Taube erwähnt wird, steht der Vogel oft symbolisch für den Heiligen Geist. An Pfingsten offenbart er sich jedoch in Form von Feuerzungen. Auch der Fisch hatte für die frühe Gemeinde eine wichtige Bedeutung.
Taube

Wenn die riesigen Taubenschwärme über dem Markusplatz von Venedig kreisen, versuchen Touristen ihre Köpfe vor ungebetenen Absonderungen zu schützen. Alles Gute kommt von oben. Biblisch gesehen stimmt das. In der Bibel ist die Taube ein Symbol für den Heiligen Geist. Dies geht auf die Schilderung von der Taufe Jesu zurück, bei der der Heilige Geist in Gestalt einer Taube vom Himmel auf Jesus herabkommt (Matthäus 3,13-17).
An Pfingsten nimmt der Heilige Geist, der zu den Jüngerinnen und Jüngern kommt, dann die Gestalt von feurigen Flammen ein. Mit überraschender Wirkung: Plötzlich können sie fremde Sprachen verstehen und sich selbst in vielen Sprachen verständigen. Sie gehen hinaus und verkünden, was sie von Jesus gehört und gesehen haben.
Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. (Matthäus 3.16-17, Lutherbibel 2017)
Feuer

Wenn Feuer einmal brennt, lässt es nichts unberührt. Was vorher war, verändert sich unwiderruflich. Wenn in der Bibel von Feuerzungen die Rede ist, dann gelten sie als ein machtvolles Zeichen für eine direkte Berührung mit dem Göttlichen. Und auch die verändert alles im Leben eines Menschen.
So spricht Gott etwa durch das Feuer des brennenden Dornbusches mit Mose, wodurch dieser den Mut aufbringt, die Israelitinnen und Israeliten aus Ägypten zu führen. Auch im Pfingstwunder offenbart sich Gott durch Feuerzungen, die auf die Jüngerinnen und Jünger herabkommen. Sie erleben hier ein sie unwiderruflich veränderndes Zeichen des Heiligen Geistes, das ihnen Mut, Verständigkeit und die Fähigkeit zu neuer Kommunikation schenkt.
In vielen Traditionen gilt Feuer zudem als Symbol der Erneuerung, Reife und Läuterung. Auch in der Medizin wurde vor der Entdeckung von Desinfektionsmitteln Feuer zur Reinigung der chirurgischen Instrumente benutzt.
Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. (Apostelgeschichte 2.2-4, Lutherbibel 2017)
Fisch

Jetzt geht’s zur Sache oder eben Butter bei die Fische. Ganz so forsch ist das Symbol des Fisches, das man auf dem Heck vieler Autos entdecken kann, jedoch ursprünglich nicht. Es ist auch keineswegs eine Werbung für einen bekannten Fischimbiss, sondern war in der Zeit der frühen Christenverfolgungen das geheime Erkennungszeichen der Christen.
Das Fischsymbol wird dabei mit der biblischen Erzählung von der Speisung der Fünftausend verknüpft. Dieser Erzählung zufolge sorgt Jesus durch ein Wunder dafür, dass viele Tausend Menschen von fünf Broten und zwei Fischen satt werden. Als Geheimzeichen taucht der Fisch oft zusammen mit den griechischen Buchstaben Ichthys auf. Sie stehen für ‚Jesus Christus Gottes Sohn Erlöser’. Auch heute noch ist der Fisch am Auto ein Zeichen dafür, dass das Auto von einem Christen oder einer Christin gefahren wird.
Es erhob sich aber an diesem Tag eine große Verfolgung über die Gemeinde in Jerusalem; da zerstreuten sich alle übers Land, über Judäa und Samarien, nur die Apostel nicht. (Apostelgeschichte 8.1, Lutherbibel 2017)