Die armenische Bibelgesellschaft


Wirken in einem Land mit langer christlicher Tradition
Armenien gilt als das älteste christliche Land der Welt. Die 1991 gegründete Armenische Bibelgesellschaft verbreitet die Bibel und unterstützt die Kirchen.
Die Bibelgesellschaft Armeniens liegt im Herzen von Jerewan, der Hauptstadt Armeniens, in einer Häuserreihe inmitten von Mietwohnungen und Geschäften. Gleich gegenüber an der Zakyan Straße ist der Komaygi Kinderpark, ein beliebter Rückzugsort vom hektischen Stadtleben für Familien und Kinder. Fünf Fußminuten nördlich der Bibelgesellschaft befindet sich die Blaue Moschee aus dem 18. Jahrhundert, die zurzeit als einzige Moschee in ganz Jerewan, ja ganz Armenien genutzt wird. Die Moschee wird vorwiegend von schiitischen Muslimen besucht, insbesondere von Iranern, die in Armenien leben oder als Touristen hierherkommen.
Prägende Religion
Die Zahl der Muslime in Armenien ist heute verschwindend klein. Das war nicht immer so. Im 14. Jahrhundert stand Jerewan unter der Herrschaft verschiedener muslimischer Herrscher und war vom 16. Jahrhundert bis 1828 in persischem Besitz. Die Religion, die das Land aber am meisten geprägt hat, ist das Christentum. Gregor der Erleuchter (siehe Info-Kasten), der als Apostel in Armenien wirkte, gewann König Tiridates III für diese Religion. So erhob Armenien als erstes Land der Welt 301 das Christentum zur Staatsreligion. Heute gehören über 95 Prozent der Armenier der Armenisch Apostolischen Kirche an. Sie spielt eine zentrale Rolle für ihre Identität. Weitere christliche Konfessionen machen weniger als 1 Prozent aus.
Während der Sowjetunion, zu der Armenien von 1922 bis 1991 gehörte, erlebte das Land eine bedeutende wirtschaftliche und industrielle Entwicklung, aber auch politische, kulturelle und religiöse Unterdrückung: Kirchen wurden geschlossen oder enteignet und in staatliche Gebäude umgewandelt, religiöse Aktivitäten stark eingeschränkt und viele Geistliche verfolgt, inhaftiert und ermordet. In Schulen und öffentlichen Institutionen führte die sowjetische Regierung eine intensive atheistische Propaganda; religiöse Erziehung wurde verboten, religiöse Feiertage unterdrückt oder durch säkulare Alternativen ersetzt.
Gründung der Bibelgesellschaft
Trotz dieser Repression gelang es vielen Armeniern, ihren Glauben im Geheimen zu bewahren und weiterzugeben. Die Wiederbelebung der Religion nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zeigt die tiefe Verwurzelung des Glaubens in der armenischen Gesellschaft. 1991 erklärte Armenien seine Unabhängigkeit und im gleichen Jahr wurde die Armenische Bibelgesellschaft (ABG) gegründet. In Etschmiadsin (heute Wagharschapat), einer Stadt 20 Kilometer westlich von Jerewan, beschlossen Vertreter des Weltverbandes der Bibelgesellschaften gemeinsam mit dem Oberhaupt und Patriarchen der Armenischen Apostolischen Kirche, Katholikos Vasgen I. (1908-1994), die künftige Zusammenarbeit.

Seit 1999 ist die ABG Mitglied des Weltverbandes der Bibelgesellschaften. Sie ist die wichtigste Herausgeberin und Verteilerin der Bibel in der Republik Armenien und dient Kirchen, Kirchengemeinden, Schulen, Kindern, Soldaten und verschiedenen Gemeinschaften mit dem Ziel, das Wort Gottes zu verbreiten. Sie arbeitet mit allen Kirchen und christlichen ökumenischen Organisationen zusammen. Ihre Vision ist es, Gottes Wort für alle zugänglich, erschwinglich und verständlich zu machen. Auch die Übersetzung der Heiligen Schrift, biblischer und enzyklopädischer Literatur sowie Kinderbibeln gehört zur Mission der ABG. Ihr Team besteht derzeit aus 16 Personen, von denen vier an zwei Übersetzungsprojekten arbeiten: einer Neuübersetzung der Bibel ins Ostarmenische, der Hauptsprache Armeniens, und einer Übersetzung in die westarmenische Sprache, die vor allem in der Diaspora gesprochen wird.
