Hesekiel 37,24-28 | Christvesper | 24.12.2025
Einführung zum Ezechielbuch
1. Einführung und Entstehungszeit
Das Ezechielbuch
Das Buch weist eine charakteristische Sprache (etwa die durchgehende Anrede Ezechiels mit dem Titel „Menschensohn“) sowie einen straffen Aufbau auf, der vor allem durch die durchlaufenden Datierungen erzeugt wird, die die Jahre 593–571 v.Chr. als Verkündigungszeitraum des Propheten vorstellen. Zusätzlich strukturieren die großen Visionsberichte in Ez 1–3
In seiner heute vorliegenden Endgestalt weist das Buch folgende Gliederung auf: Nach der großen Einführungsvision, die den Propheten Gott auf einem mobilen Thron schauen lässt (Ez 1–3
2. Wichtige Themen
Einige Themen verbinden kontrastierend die Unheilsansagen (Ez 1–24) mit den Heilsankündigungen (Ez 33–48): Ezechiel stellt die sündige, gottferne Existenz des Gottesvolkes in der Vergangenheit einer idealen, mit Gott vereinten Zukunft gegenüber. Besonders anschaulich wird der Entwurf der Gottesferne Israels vor dem Exil in den Geschichtsentwürfen in Ez 16
Von zentraler Bedeutung ist, auch auf Ebene der Struktur des Buches, das Gegenüber des unreinen Kultes am Jerusalemer Tempel vor dessen Vernichtung (Ez 8–11) und der Vision vom erneuerten, idealen Heiligtum mit seinem bereinigten Kult (Ez 40–48). Dieses Motiv ist verknüpft mit der Vorstellung, dass die Erneuerung des Gottesvolkes aus der Gruppe der Exilanten geschehen wird: Statt im Heiligtum (wie in Jes 6
Andere Kontrastbilder, die das Buch prägen, sind das Gegenüber der Kritik an den letzten Königen Judas (Ez 15
Ein wiederkehrendes Element ist die Auseinandersetzung des „Propheten“ mit sprichwortartig zusammengefassten Ansichten des Gottesvolkes wie z.B. in Ez 18
Einige späte Texte des Buches bereiten bereits die Apokalyptik vor, indem sie z.B. eine Mittlergestalt einführen, die die Visionen erklärt (vgl. Ez 43,3
3. Besonderheiten
Das ganze Buch Ezechiel macht den Eindruck, mehr „Theologie“ als „Prophetie“ zu sein (Kratz). Es systematisiert aus einem größeren historischen Abstand Vorstellungen, die in den älteren Prophetenbüchern als Erklärungen vor allem zur Bewältigung der Erfahrung des Untergangs Jerusalems und des Verlusts der staatlichen Souveränität entwickelt wurden. Auch wenn sich einzelne Texte im Ezechielbuch isolieren lassen, die durchaus in zeitlicher Nähe zum Ende des Staates Juda entstanden sein können (insbesondere in Ez 15*
Literatur:
- Gertz, J. C./ Körting, C. (Hrsg.), 2020, Das Buch Ezechiel. Komposition, Redaktion und Rezeption. BZAW, 516, Berlin/Boston.
- Klein, A., 2008, Schriftauslegung im Ezechielbuch. Redaktionsgeschichtliche Untersuchungen zu Ez 34–39 (BZAW 391), Berlin/New York.
- Kratz, R. G., 2022 Die Propheten Israels, München.
- Krüger, Th., 1989, Geschichtskonzepte im Ezechielbuch (BZAW 180), Berlin/New York.
- Nihan, C., 2009. Ezechiel. In: Einleitung in das Alte Testament. Hrsg. T. Römer, J.-D. Macchi and C. Nihan. Zürich, 412–430.
- Pohlmann, K.-F., Forschung am Ezechielbuch 1969-2004 (I-III). In: ThR 71 (2006), 60–309.
- Tooman, W. A./ Barter, P., 2017, (Hrsg.), Ezekiel. Current Debates and Future Directions. FAT I 112, Tübingen.
- Zimmerli, W., 21979, Ezechiel, BK.AT XIII/1.2, Neukirchen-Vluyn.
A) Exegese kompakt: Hesekiel 37,24-28
Was hat Ezechiel mit Weihnachten zu tun? Aus historisch-kritischer Sicht auf den ersten Blick wenig. Tatsächlich trifft die Perikope aber Aussagen über das Wesen Gottes, die sogar den tiefsten Kern der Weihnachtsbotschaft berühren. In der Fülle ihrer Verheißungen liest sie sich wie der übervolle Wunschzettel eines Schreibtischtheologen.
Übersetzung
24a Und mein Diener David wird König über sie sein, und ein Hirte soll für sie alle sein. 24b Und in meinen Rechtsbestimmungen werden sie leben und meine Satzungen werden sie bewahren und sie werden sie tun. 25 Und sie werden in dem Land wohnen, das ich meinem Diener gegeben habe, (dem) Jakob, in dem eure Väter gewohnt haben, und sie werden in ihm wohnen: sie (selbst) und ihre Söhne und die Söhne ihrer Söhne bis in Ewigkeit. Und mein Diener David wird Fürst über sie sein in Ewigkeit. 26 Und ich werde mit ihnen einen Bund des Friedens schließen – ein ewiger Bund soll es sein mit ihnen. Und ich werde sie geben und zahlreich machen und ich werden mein Heiligtum in ihre Mitte geben auf ewig. 27 Und es wird meine Wohnung über ihnen sein und ich werde ihnen zum Gott werden und sie werden mir zum Volk werden. 28 Und die Völker werden erkennen, dass ich JHWH bin, der Israel heiligt, wenn mein Heiligtum in ihrer Mitte ist auf ewig.
1. Fragen und Hilfen zur Übersetzung; Besprechung textkritisch relevanter Stellen
V. 24a: רוֹעֶה אֶחָד (rôʿeh ʾeḥād̲): „ein (einziger) König“. Die Septuaginta
V. 24b: וּבְמִשְׁפָּטַי יֵלֵכוּ (ûb̲əmišpāṭai yēlēk̲û): wörtlich „in meinen Rechtsbestimmungen werden sie gehen“, i.S.v. „wandeln“.
V. 25: die Septuaginta liest „ihre Väter“ statt „eure Väter“ und gleicht damit an den Kontext an. Die Anrede „eure“ im hebr. Text bezieht sich zurück auf V. 21.
V. 25: wörtlich „auf“ dem Land/Erdboden; „auf“ ihm wohnen.
V. 25: „und ihre Söhne und die Söhne ihrer Söhne bis in Ewigkeit“ ist in der Septuaginta noch nicht bezeugt und vermutlich ein späterer Zusatz.
V. 26: „Und ich werde sie geben und zahlreich machen“ ist in der Septuaginta noch nicht bezeugt und vermutlich ein später Zusatz. Der Zusatz trägt eine Anspielung an die priesterschriftlichen Mehrungszusagen in den Text ein, wie sie z.B. in der Schöpfungserzählung Gen 1
2. Kontext und literarische Gestaltung
Im jetzigen Textzusammenhang bildet die vorliegende Perikope die Fortsetzung des Abschnitts Ez 37,15–20. Dieser beschreibt eine prophetische Zeichenhandlung, bei der der Prophet zwei Hölzer zusammenführen soll, die er mit den Namen „Josef“ und „Juda“ beschriftet hat. „Josef“ und „Juda“ sind hier Synonyme für das ehemalige Königreich Israel im Norden des heutigen Palästina/Israel und das ehemalige Königreich Juda im Süden. Ab V. 21 setzt eine längere Deutung der Symbolhandlung mit den beiden Hölzern ein, an die sich die V. 24–28 anschließen.
Ez 37,24–28 geht insofern über seinen Nahkontext hinaus, als hier diverse Themen der vorangegangen Heilsverheißungen aus Ez 34 und 36 aufgegriffen werden: Die Hirtenthematik und das erneuerte davidische Königtum sind in Ez 34 wichtig, das Leben im Land der Vorfahren wird in Ez 36 thematisiert. Allein fünfmal kommt in Ez 37,25–28 das Stichwort עוֹלָם ʿôlām „Ewig(keit)“ vor, das in Ez 37 sonst fehlt, dafür aber in Ez 34 und 36 begegnet und in Ez 37,25-28 zum Leitwort wird. Das erneuerte Heiligtum, in dem JHWH
Die vorliegende Perikope greift also vieles auf und führt manches zusammen, was zuvor/anderswo gesagt wurde: Sie ist so etwas wie eine theologische Zusammenfassung der Heilsankündigungen in Ez 33–48.
3. Textgenese
Zwischen V. 24a und 24b verläuft ein literarkritischer Bruch. V. 24a bezeichnet David
Die V. 24b–28 haben einen weiteren Horizont als V. 24a, insofern sie Motive und Schlagworte aus dem gesamten Corpus der Heilsankündigungen in Ez 33–48 aufgreifen (s.o.).
Es liegt also mit Ez 37,24–28 eine Fortschreibungskette vor: Mehrere Verfasser haben zu einem relativ späten Zeitpunkt der Redaktionsgeschichte des Buches noch Ergänzungen eingebracht. Mehr noch: Es lässt sich zeigen, dass Ez 37,24a und Ez 37,24b–28 jeweils auf ein Verfahren zurückgehen, das die aktuelle Forschung mit dem Begriff „Innerbiblische Schriftauslegung“ bezeichnet (vgl. v.a. Anja Klein). Mit diesem Fachbegriff wird ein Prozess beschrieben, in dem die Redaktoren bzw. Fortschreiber zunächst als Leser der bereits vorliegenden Texte tätig sind – und diese dann auslegend ergänzen. Wer auch immer Ez 37,25–28 geschrieben hat (sicherlich nicht Ezechiel): Der, der hier die Feder führte, legt ältere Heilsaussagen aus Ez 33–48 aus und erklärt sie. Konkret wird v.a. Ez 34,25–30 aufgegriffen, aber auch weitere Texte (s.o.). Der schriftgelehrte Charakter der Passage ist hermeneutisch relevant: Es handelt sich hier eher um Theologie als um Prophetie im herkömmlichen (und alltäglichen) Sinne. „Theologie“ bezeichnet hier die systematische Zusammenstellung von allgemein-gültigen Aussagen über Gott und sein Heilshandeln, wohingegen man „Prophetie“ eher als „Dreinreden“ in eine bestimmte historische Situation mit Implikationen für die Zukunft umschreiben könnte.
Texthintergrund: Traditionsgeschichtliche und motivgeschichtliche Erklärungen:
Ez 37,24–28 liest sich wie ein geballtes Kompendium alttestamentlicher Theologie. Alle großen Themen werden hier angerissen: Bund
In solchen Fällen innerbiblischer Schriftauslegung ist es für die Erhebung des Textsinns hilfreich, nach dem Neuen zu fragen, das eine auslegende Passage über ihre Bezugstexte hinaus zu sagen hat. Der Höhe- und Zielpunkt, auf den Ez 37,24–28 zuläuft, ist Gottes Einwohnung im Heiligtum inmitten seines Volkes. Das wiederum ist ein inhaltlicher Zug, der wahrscheinlich aus Lev 26,3-13
Gott will also in sein Heiligtum mitten unter den Israeliten einziehen und dort gegenwärtig sein. Ihren Ursprung hat die Vorstellung, dass JHWH inmitten seines Volkes wohnt, in der vorexilischen Zionstheologie: Ihr galt der Tempel in Jerusalem als physischer Wohnort JHWHs, wo er mithilfe der Opfer von seinem Volk versorgt wurde. Gerade mit Blick auf die Menschwerdung Gottes an Weihnachten ist diese zunächst ziemlich „weltlich“ anmutende Vorstellung nicht vorschnell als hermeneutisch irrelevant abzuschreiben – nicht erst die christliche Zwei-Naturen-Lehre, sondern auch schon das Alte Testament kann Gott als ganz real unter den Menschen wohnend denken. Durch die Zerstörung des Tempels und Jerusalems im Jahr 587 v. Chr. durch die Neubabylonier geriet die Zionstheologie in eine Krise, ist aber in der Folgezeit nicht verschwunden, sondern eher modifiziert worden. Dabei nimmt das Volk zunehmend die Stelle des Tempels bzw. Gottesberges ein: Die Wohn-Theologie „erhält jetzt eine nationale, auf die Restitution Israels als Gottesvolk bezogene, geradezu ekklesiologische Komponente” (B. Janowski). In der Priesterschrift ist diese Theologie zum Leitmotiv ausgebaut worden. In den einschlägigen Texten (Ex 24,15-25,1
- mit der Hoffnung auf einen neuen, idealen Heilskönig und
- mit der Idee vom Bund Gottes mit seinem Volk.
Das Resultat von all dem ist die Gotteserkenntnis der Völker. Dass keine Bedingungen für den Heilswillen Gottes genannt werden (vgl. zu solchen Bedingungen Lev 26
4. Historische Einordnung
In Ez 37,25–28 liegt die jüngste Phase der Entstehung von Ez 37 und eine sehr junge Phase auch der Entstehung des Gesamtbuches vor. Es zeigt sich hier ein Stadium der Redaktionsgeschichte des Ezechielbuchs, in dem vor allem das bereits vorhandene Material ausgelegt und inhaltlich zugespitzt wurde. Was für das ganze Buch gilt, gilt für Ez 37,24–28 in gesteigerter Weise: Der Text ist wenig an konkreten Ereignissen der Gegenwart oder der nahen Zukunft (seiner Verfasser) interessiert, sondern präsentiert Theologie – hier möchte man beinahe sagen: in Reinform.
5. Perspektiven für die Predigt
Im Mittelpunkt der Perikope steht die Einwohnung Gottes inmitten seines Volkes – von diesem Mittelpunkt aus lässt sich ungezwungen ein Bogen zum Weihnachtsfest schlagen, auch ohne den Text christologisch zu überfrachten. Die Predigt kann dazu hermeneutisch bei der Beobachtung ansetzen, dass Ez 37,24–28 nicht „Prophetie“ ist, die den Messias im Sinne einer Zukunftsvorhersage ankündigt, sondern „Theologie“, die etwas über das Wesen Gottes aussagt. Von ihm weiß Ez 37,24–28, dass er bei seinem Volk wohnen möchte. Wenn Gott sein Heiligtum in Israel aufgerichtet hat, kann dies nach V. 28 zur Gotteserkenntnis auch der fremden, JHWH ursprünglich nicht verbundenen Völker führen. Schon in deutlich vorchristlicher Zeit betont also Ez 37,24–28 Gottes Drang, sich auch über Israel hinaus und zusätzlich zu diesem seinem Volk der Welt zu offenbaren und in der Welt zu wohnen.
B) Praktisch-theologische Resonanzen
1. Persönliche Resonanzen
Der erste Leseeindruck zu Ez 37 war: „Ganz schön voll der Text – aber alles schonmal gehört.“ Die Exegese hat diesen Eindruck mit ihrer Charakterisierung als „Kompendium alttestamentlicher Theologie“ positiv umgemünzt. Ja, alles schonmal gehört, aber nicht in dieser Kombination. Das, was hier geboten wird, ist ein wahrer Verheißungsstrauß. Oder vielleicht eher der übervolle Wunschzettel eines Schreibtischtheologen?
Aus diesem Bündel an Verheißungen hebt die Exegese hilfreich die Einwohnungsvorstellung als Novum des Textes gegenüber dem Vorkontext und als zu betonendes Element hervor. Gleichzeitig scheint mir auch die Rede vom Friedensbund anregend – vielleicht gerade, weil die Formulierung eine eher seltene ist.
Mit Blick auf die Entstehung des Textes, aber auch gerade auf Weihnachten, ist die Beobachtung, dass der ursprüngliche Schlusspunkt mit der Ankündigung eines Königs (V.24a) ergänzt wurde um die Einwohnung Gottes und die Erkenntnis der Völker, durchaus anregend: Nicht die Einsetzung eines Herrschers ist der Zielpunkt, sondern dass Gott inmitten seines Volkes wohnt.
2. Thematische Fokussierung
Zunächst einmal bietet die Entstehungsgeschichte des Textes für mich als Predigerin eine Linie an, in die ich mich bewusst stellen kann: Schon der Text selbst ist eine Auslegung vorheriger Verheißungen. Interessant ist, wie diese Auslegung vorgeht: Alle großen Traditionen aus den verschiedensten Literaturbereichen des Alten Testaments werden miteinander verknüpft und über ihren gemeinsamen Nenner, Gottes Beziehung zu seinem Volk, verknüpft. Das macht Mut, auch in der Predigt groß zu denken und das Weihnachtsglück nicht nur in den kleinen Gesten zu benennen. Gleichzeitig markiert der Text mit dem Motiv der Erkenntnis der Völker an Israel unumgänglich, dass die Gott-Volk-Beziehung, die hier im Blick war, zunächst eine auf das Volk Israel bezogene war und ist. Doch hier kann sich die weihnachtliche Auslegung des Textes in eine Linie mit Ez 37,24–28 stellen, das ja selbst auch schon eine Auslegung älterer Verheißungen ist. Im Zuge dessen können auch die neutestamentlichen Konzeptionen, wie Gott und Völker zusammenzudenken und ohne die wir nicht Weihnachten feiern würden, eingeholt werden. Hilfreich finde ich den Hinweis, dass die Konkretion, mit der Gottes Einwohnung im Tempelkult in den anschließenden Kapiteln Ez 40–48 ausgemalt wird, gut mit der Konkretion weihnachtlicher Inkarnationsvorstellungen in Verbindung gebracht werden kann. Ez 37 selbst formuliert, dass Gott unter den Menschen (V.26) und über ihnen (V.27) wohnt und fängt damit die schwierige Denkfigur von Gottes Präsenz ein. Die ist selbst für Kinder anhand der Weihnachtsgeschichte relevant und kann im religionspädagogischen Kontext entsprechend theologisierend aufgenommen werden: Wo ist Gott denn nun in dieser Weihnachtsgeschichte? Liegt er in der Krippe? Ist er bei den Engeln im Himmel? Ist er auch mit den Weisen unterwegs?
3. Theologische Aktualisierung
Dass Gott sich eine Wohnung unter den Menschen sucht, ist an keine Bedingungen geknüpft. Das ist das Evangelium dieses Textes. Umgekehrt geht er davon aus, dass es selbstverständlich Konsequenzen zeigen wird, wenn Gott inmitten seines Volkes lebt. Heilig wird in dieser Nacht das Volk. Heilig ist etwas, weil es zu Gott und seinem Wirkungsbereich gehört. Gott kommt auf die Welt und verändert sie so in einen Bereich, der zu ihm gehört; man könnte sagen: Die Welt ist Gott heilig.
4. Bezug zum Kirchenjahr
Das Gesamtensemble der weihnachtlichen Schriftlesungen bringt verschiedene Aspekte des Kompendiums in Ez 37 noch einmal anders zum Klingen: Die Herrschererwartung spielt auch in Jes 9,1-6
5. Anregungen
Die theologischen Grundgedanken des Textes sind durchaus anschlussfähig. Allerdings besteht die Gefahr, mit dem Text einen theologisierenden Sprachduktus in die Predigt aufzunehmen. Vielleicht bietet sich die Beobachtung, dass der Textabschnitt als Wunschzettel gelesen werden könnte, der fast alles versammelt, was im Laufe der alttestamentlichen Literaturgeschichte so ersehnt wurde, als Ausgangspunkt an. Schreiben Sie doch mal einen Wunschzettel an Gott. Greifen Sie ruhig auf „klassische“, aber auch auf neue Geschenkideen zurück.
Alternativ kann natürlich das Thema von Gottes Wohnen unter den Menschen ausgebaut werden. Der Buchkontext in Ez inszeniert diese Einwohnung über viele Kapitel detaillierter Beschreibung des zukünftigen Tempels (Ez 40–48), der gleichzeitig paradiesische Züge trägt (vgl. die Tempelquelle in Ez 47,1–12, die eigentlich eher ein Paradiesstrom ist). Die Weihnachtsgeschichte beschreibt Gottes Wohnen als Mensch unter Menschen mit Stall und Windeln nicht ganz so ausführlich, aber ebenso konkret angelegt. Gleichzeitig geht Ez 37 davon aus, dass man erkennt, wo Gott wohnt. Suchen Sie sich also am besten zwei Orte, bei denen Sie erkennen können, dass Gott dort wohnt. Beschreiben Sie deren Inventar so genau wie möglich.
Als letzte Möglichkeit sei hier noch angeregt, ein Krippenspiel zu schreiben, dass genau diesen Perikopentext in seinem Profil als Verheißungssammlung mit dem Schwerpunkt auf dem Wohnen Gottes umsetzt.
Autoren
- PD Dr. Meike Röhrig (Einführung und Exegese)
- Dr. Ann-Kathrin Knittel (Praktisch-theologische Resonanzen)
Permanenter Link zum Artikel: https://bibelwissenschaft.de/stichwort/500157
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