Epheser 5,8b-14 | 8. Sonntag nach Trinitatis | 21.07.2024
Einführung in den Epheserbrief
Die aktuellen Fragen, die in der Exegese des Epheserbriefs
1. Verfasser
In der Exegese herrscht große Einigkeit darüber, dass der Epheserbrief nicht von Paulus verfasst wurde. Dagegen sprechen die von den authentischen Paulusbriefen abweichende eigene Sprachgestalt (z.B. die Vorliebe für überlange Sätze) sowie theologische Weiterentwicklungen, besonders in Christologie und Kosmologie (z.B. Christus, der das All zusammenfasst Eph 1,10
2. Adressaten
Der Eph ist nach 1,1
3. Entstehungsort
Was für die Adressaten gilt, gilt auch für den Entstehungsort des Schreibens. Das westliche Kleinasien ist ein Entwicklungszentrum des frühen Christentums, wie z.B. die in Offb 2f
4. Wichtige Themen
Theologie, Christologie, Kosmologie und Ekklesiologie sind wichtige Themen des Eph - und sie sind eng miteinander verbunden. Der Kosmos besteht aus zwei Räumen, Erde (4,9
Dies wird mit Hilfe verschiedener Bilder zum Ausdruck gebracht. Neben der Kirche als „Leib Christi“ wird sie auch als „Bauwerk“, in dem die Christen Wohnrecht haben, und als „Tempel“ bezeichnet (2,19-22
Deshalb ist die Ekklesiologie auch nicht, wie oft vertreten wurde, das eine, zentrale Thema des Eph. Ohne die Christologie (und die damit verbundenen soteriologischen Aussagen) wären die Aussagen über die Kirche ihrer Grundlage beraubt. Was in der Kirche erkannt, geglaubt und von ihr in die Welt getragen wird, ist nicht in erster Linie eine Lehre von der Kirche, sondern ein Bekenntnis zu Christus (vor allem 1,3-14
Der ganze zweite Hauptteil des Eph und damit die Hälfte des Schreibens befasst sich mit der Lebensführung der Adressaten. Das hat Auswirkungen auf das Verständnis der Ekklesiologie. Gerade weil die Kirche das Geheimnis Gottes als Grundlage (1,10
Dass alles, was es im Himmel und auf Erden gibt, alle Menschen, alle Mächte und Gewalten, die von den Christen schon erkannte und geglaubte Erlösung in Christus ebenfalls erkennen und in das Gotteslob (1,3-14
5. Besonderheiten
Das Schreiben ist mit dem Kol eng verwandt, und zwar im Blick auf den Gesamtaufbau (Eph 1-3
Literatur:
- Sellin, Gerhard: Der Brief an die Epheser, KEK, Göttingen 2008.
- Lindemann, Andreas: Der Epheserbrief, ZBK NT 8, Zürich 1985.
- Gese, Michael: Der Epheserbrief (BNT), Neukirchen-Vluyn 32022.
A) Exegese kompakt: Epheser 5, 8b-14
Die Abgrenzung der Predigtperikope ist unter exegetischen Gesichtspunkten problematisch (siehe unten). Deshalb wird hier der ganze Abschnitt 5,3-14 wiedergegeben.
Übersetzung
3 Unzucht aber und alle Unreinheit oder Habgier soll bei euch nicht einmal genannt werden, wie es sich Heiligen geziemt, 4 auch (nicht) Schändlichkeit und dummes Geschwätz und Witzeleien, was sich nicht gehört, sondern vielmehr Danksagung. Dies nämlich sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habgieriger, das ist ein Götzendiener, Erbteil hat an der Herrschaft des Christus und Gottes. Niemand verführe euch mit leeren Worten; wegen solche Dinge kommt nämlich der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams. 7 Werdet also nicht ihre Mitgenossen.
8 Denn ihr wart einst Finsternis; nun aber (seid ihr) Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts besteht nämlich in lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit, 10 indem ihr prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, 11 und nicht teilnehmt an den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern sie vielmehr aufdeckt. 12 Denn was im Verborgenen von ihnen geschieht, schändlich ist es (davon auch nur) zu reden. 13 Das alles aber, wenn es aufgedeckt wird, wird vom Licht offenbar gemacht; 14 alles nämlich, was offenbar wird, ist Licht. Deshalb sagt man: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, und aufleuchten wird dir Christus.
1. Fragen und Hilfen zur Übersetzung
V. 11: ὑπʼ αὐτῶν kann sich auf die „Werke der Finsternis“ (V. 11) oder die „Söhne des Ungehorsams“ in V. 6 beziehen. Letztere werden als Bezugsgröße angenommen, weil man dann den Bezug zu Menschen hätte, die die „Werke der Finsternis“ vollbringen. Aber τὰ … γινόμενα (das Entstandene, das Gewordene) spricht eher dafür, an die Werke der Finsternis zu denken.
V. 13f.: ὑπὸ τοῦ φωτὸς kann sich auf das Vorangehende (alle Aufgedeckte unter dem Licht) oder auf φανεροῦται (wird vom Licht sichtbar gemacht) beziehen. Der Bezug zum Prädikat (φανεροῦται) liegt näher.
2. Literarische Gestalt
Die Abgrenzung der Perikope 5,8b-14 ist exegetisch betrachtet problematisch. Der Teilvers 8b ist klar als Konsequenz aus dem „Einst-Jetzt-Schema“ V. 8a zu erkennen (ihr wart einst Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn). Dass dieses Schema bereits in 2,2f
3. Literarischer Kontext
Im Rahmen der frühchristlichen „Bekehrungsreligion“ hat das Einst-Jetzt-Schema einen festen Platz. Es bezieht sich darauf, dass die Adressaten vor ihrer Hinwendung zu Christus einer ganz anderen Lebensorientierung folgten, die nun aber, unter dem „Licht Christi“, als grundsätzlich verfehlt erkannt wird. Das bedeutet nicht, dass die Adressaten vor ihrer Bekehrung alle ein moralisch verwerfliches Leben geführt hätten. Unzucht, Sittenlosigkeit und Habgier (πορνεία, ἀκαθαρσία, πλεονεξία 5,3, sowie εἰδωλολάτρης V. 5) dienen vielmehr als Beispiele für die in der Rückschau erkannte grundlegend falsche Orientierung, die in V. 8a mit dem Stichwort „Finsternis“ zusammengefasst ist. Nun aber, im Herrn, sind die Christen „Kinder des Lichts“, und daraus ergibt sich folgerichtig die Mahnung, als Kinder des Lichts zu wandeln (V. 8b) und sich von Christus erleuchten zu lassen (V. 14). Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit beschreiben ein Verhalten, das dem Licht angemessen ist. Das ist natürlich kein vollständiger Katalog, der das geforderte Verhalten konkret beschreibt; es geht vielmehr darum, Verhaltensmöglichkeiten anhand dieser dem Licht angemessenen „Großbegriffe“ zu prüfen. Im Verhältnis zur Welt und des eigenen Verhaltens geht es um Aufdecken, um Klärung und Prüfung. Eine Gemeinschaft mit den „Werken der Finsternis“ ist dabei ausgeschlossen. Auch wenn in V. 6 von den „Kindern des Ungehorsams“ die Rede ist, geht es V. 11f. nicht um die Abgrenzung von Menschen, sondern, wie die neutrischen Formulierungen zeigen, von verkehrten Werken, die im Licht Christi offenbar werden und die die Christen auch aus ihrer eigenen Vergangenheit (V. 8a) kennen. Im Hintergrund stehen ein Abschnitt aus dem Kol (3,5-8
In V. 14 schließt ein Zitat den Abschnitt ab. Es ist offensichtlich durch die Schlusswendung ἐπιφαύσει σοι ὁ Χριστός veranlasst, die den Gedanken von V. 8a aufnimmt (φῶς ἐν κυρίῳ). Die ersten beiden Wendungen des Zitats (schlafen ̶ aufwachen ̶ aufstehen von den Toten) passen auf den ersten Blick nicht hierzu, erklären sich aber dadurch, dass Schlaf und Tod mit Dunkelheit assoziiert sind, Aufwachen und Aufstehen dagegen mit einer Hinwendung zum Licht (vgl. in biblischer Tradition z.B. Spr 7,9
4. Schwerpunkte der Interpretation
Dass von Unzucht, Unreinheit, Habgier nicht einmal die Rede sein soll (V. 12), greift V. 3f. auf. Dort ist mit μηδὲ ὀνομαζέσθω der Übergang zu dem dummen Geschwätz V. 4 geschaffen. In V. 12 bringt die Wendung αἰσχρόν ἐστιν καὶ λέγειν zum Ausdruck, dass dafür wirklich kein Platz in der christlichen Gemeinde ist. Der Schwerpunkt des kleinen Abschnitts ist aber ein anderer. Zunächst werden den „Werken der Finsternis“ in eher allgemeiner Formulierung Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit gegenübergestellt; sie werden sodann mit der Aufforderung, das Handeln daran zu prüfen, was vom Herrn her angemessen und gut ist, wobei der Maßstab eben in Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit liegt. Wer diesem Maßstab folgt, kann sich nicht auf die Werke der Finsternis einlassen, sondern wird sie vielmehr aufdecken (V. 11) und sich dabei vom Licht leiten lassen, das in Christus aufscheint (V. 14). Hierin liegt die paränetische Hauptaussage des Abschnitts.
V. 13.14a setzen einen anderen Akzent, der um die Begriffe verborgen, aufdecken / offenbaren und Licht kreist. Einerseits soll das im Verborgenen Geschehene (also die Werke der Finsternis) möglichst gar nicht angesprochen, andererseits aber aufgedeckt werden. Und V. 14a fügt an, dass alles, was offenbar wird, Licht ist. Wie können die fruchtlosen Werke der Finsternis nun aber als Licht bezeichnet werden? Zum Verständnis wichtig ist die Frage, wer als Licht und als dessen Urheber angesehen wird. Nach V. 8b.11 sollen die Christen, als Licht, das sie sind, die Werke der Finsternis aufdecken. Aber sie sind nicht aus sich selbst Licht, sondern „Licht im Herrn“, und am Ende von V. 14 ist von Christus die Rede, der als Licht aufscheint. Im Licht dieses Herrn wird alles, auch das (einst und jetzt) Verborgene, werden auch die Werke der Finsternis offenbar. Nicht als solche sind die „Werke der Finsternis“, die es offenbar weiter gibt, nun Licht; sie sind es aber insofern, als sie „im Licht des Herrn“ erkennbar werden als das, was sie sind. Das sollen die Christen ansprechen, das sollen sie prüfen (vgl. Röm 12,2
Wichtig ist, dass ab V. 8 die Adressaten nicht den „Kindern des Ungehorsams“ gegenübergestellt werden, sondern den „fruchtlosen Werken der Finsternis“. Es geht nicht um eine Opposition bestimmten Menschen, sondern einem bestimmten Verhalten gegenüber, von dem die Christen sich fernhalten sollten, das ihnen aber aus ihrer eigenen Vergangenheit nicht unbekannt ist.
5. Theologische Perspektivierung
Licht und Dunkelheit sind grundlegende Elemente der Welterfahrung und dementsprechend im antiken Judentum, bei Griechen und Römern und auch im NT Grundmetaphern zur Deutung der Welt: Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm (1Joh 1,5
Der Glaube an Christus eröffnet eine neue Perspektive, die die eigene Vergangenheit, die gegenwärtige Welt und das eigene Handeln in neuem Licht erscheinen lässt. Die Lichtmetapher prägt den ganzen Abschnitt, bezieht sich auf das Handeln und dessen Beweggründe (wandelt im Licht; Güte, Gerechtigkeit, Wahrheit) und steht für die glaubende Existenz insgesamt (ihr seid Licht). Die Christen sind Licht, weil sie von Christus als dem Licht erleuchtet werden. Im Hintergrund steht eine erkenntnistheoretische Überlegung, die schon von Empedokles und Aristoteles formuliert worden war: Gleiches wird nur von Gleichem erkannt. Weil die Christen durch Christus erleuchtet sind, können sie das Licht erkennen und ins Dunkel der Welt bringen.
Das sollen sie auch tun. Der vorgeschlagene Predigttext setzt mit einem Imperativ ein: Führt euer Leben als Kinder des Lichts. Dieser Imperativ setzt aber den unmittelbar vorangehenden Zuspruch „ihr seid Licht in dem Herrn“ voraus. Dieser Zuspruch ist außerordentlich groß und zugleich für das Verständnis der Predigtperikope unerlässlich. Ohne Christus als Quelle des Lichts und ohne sowohl die Erfahrung als auch den Maßstab von Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit wären die Christen mit ihrem „Prüfauftrag“ (V. 10) heillos überfordert. Ihnen ist zuerst selbst „ein Licht aufgegangen“, und nur deshalb können sie Licht sein. Deshalb sollte zumindest die zweite Aussage von V. 8a (ihr seid Licht in dem Herrn) zum Predigttext hinzugenommen werden. Wenn einer Predigt nur Eph 5,8 (ab νῦν δὲ φῶς ἐν κυρίῳ) bis 14 zugrunde gelegt werden, stehen die Lichtmetaphorik und die Wirkungen des Lichts im Vordergrund. Geht man von dem ganzen Abschnitt 5,3-14 aus, verschieben sich die Akzente; dann kommt zum einen das konkrete Handeln paränetisch stärker in den Blick und zum anderen die christliche Existenz in ihrer Geschichtlichkeit (einst ̶ jetzt). Exegetisch betrachtet wäre das vorzuziehen, homiletisch betrachtet vielleicht nicht.
B) Praktisch-theologische Resonanzen
Die Hinzuziehung weiterer Verse 5, 3-8a mag „erstaunen“. Erhält der Text doch dadurch zwei Schwerpunkte (paränetische und ästhetisch-ethisch). Gerade diese Doppelheit ermöglicht verschiedene Zugriffe, so dass die Frage nach dem Predigttext abhängig sein dürfte von dem Fokus, der gesetzt wird. Eine Beschränkung auf Eph 5,8b-14 betont die Bedeutung des vor allem in anthropologischer Hinsicht zu entfaltenden Lichts. Die Behandlung des gesamten Abschnitts 5,3 ̶ 14 profiliert die Veränderung christlicher Existenz in paränetischer Rahmung, die aber nicht im Sinne einer sicheren Erwartungshaltung missverstanden werden darf.
1. Persönliche Resonanzen
Die Gegenüberstellung von Licht und Finsternis wird nicht aus gnostischen oder gnostizistischen Strömungen abgeleitet, sondern aus einer metaphorischen Interpretation. Es geht weniger um die diabolischen Mächte der Finsternis und die Gegenmächte des Lichts als vielmehr darum, wie das Licht zu den Menschen kommt. Als Grunderfahrung oder Grundmetapher zur Deutung von Welt durchdringt die Gott zugeschriebene Lichtmetaphorik weite Teile des Neuen Testaments (1Joh 1,5
Die Attribuierung des Lichts an die Christen greift eine erkenntnistheoretische Überlegung der Antike auf. Insofern Gleiches nur von Gleichem erkannt wird, gilt, dass die Christen, die durch Christus erleuchtet sind, das Licht erkennen und ins Dunkel der Welt bringen können. Verstehe ich die Exegese richtig, so bedeutet dies, dass Christus die Christen erleuchtet, so dass sie das Licht erkennen können. Nur: Wenn Christus mit dem Licht identisch, dann impliziert diese Überlegung eine Tautologie. Wenn ich die Aussage als Metapher verstehe, dann muss ich fragen, welche Substitute sich ggf. finden lassen. Grundsätzlich wird man sich – und möglicherweise auch den Hörerenden – den Unterschied zwischen einem Zugang zum Text, der mit erkenntnistheoretischem Besteck erfolgt, und einem Ansatz, der sich auf emotional konnotierte (religiöse) Lichtmetaphorik einlässt, zu verdeutlichen haben.
2. Thematische Fokussierung
Der Text setzt stark auf implizite Perspektivenwechsel. Betrifft dies im ersten Teil (Eph 5,3-8a
3. Theologische Aktualisierung
Der Anspruch des Textes besteht darin, die Christen aufzufordern, negative Vorkommnisse nicht zum Dauerthema zu machen. Dies geschieht nicht mit der Absicht, jeglichen Zwist oder Streitigkeiten auszublenden oder „auszusitzen“, sondern soll zum Ausdruck zu bringen, dass in der christlichen Gemeinde weder für Unzucht – das schließt vergangene und aktuelle Missbrauchsfälle ein –, Unreinheit, Habgier noch für dummes Geschwätz irgendein Raum vorhanden ist. Der Anspruch lässt stereotype Mahnungen und einfache Paränesen hinter sich und greift über engstirnige, kleinlich moralistische Forderungen hinaus. Ähnlich verhält es sich mit den „Werken der Finsternis“: Sofern man sich daran orientiert, was der Herr fordert, ist es nicht möglich, sich auf Werke der Finsternis einzulassen. Man wird mit ihnen so umgehen, dass sie als Werke der Finsternis offenbar gemacht werden.
Die Gewärtigkeit des Perspektivenwechsels im Spiegel der damit korrelierenden, aber nicht zeitlich determinierten Ansage, mitten im Licht zu sein, ist ein Gedanke, der den Duktus der Predigt begleiten kann. Die Orientierung an Christus eröffnet eine neue Sicht auch auf die eigene Vergangenheit, die Welt und das eigene Handeln. Es ist „ein Licht aufgegangen“, das den Christusgläubigen weiterhin leuchten wird.
4. Bezug zum Kirchenjahr
Der Text nötigt mir distanzierte Vorsicht ab, da die Art seines Insistierens auf Perspektivenwechseln immer mit dem Ausmitteln einer Balance zwischen assertorischer Rede und reflektiertem Umgang mit dieser Redeform einhergeht. So besteht die Gefahr, von Gott zu verlangen, dass er direkt in den Verlauf der Gegenwart eingreift und eine geschichtsmächtige Wendung der Ereignisse herbei führt. Ein solches Handeln ist Gott zwar unbedingt zuzutrauen. Seine sichere Erwartung ist aber nur um den Preis möglich, dass die Enttäuschung bei einem Ausbleiben umso größer ist. Gerade, weil ich gewiss bin, dass Gott in der Geschichte handelt, ist mir in höchstem Maße bewusst, dass ich sein Handeln immer erst im Nachhinein als solches identifizieren kann. Insofern scheint mir der Verweis auf die Orientierung an Zukunft eröffnenden und Vergangenheit bewältigenden Momenta (statt Momentum) fast sachgemäßer und religiös angemessener als die Vorstellung, hier könne etwas im Voraus geändert werden. Die Menschen sind eingeladen, sich für das Wirken des Lichts zu öffnen, d.h. sich auf die Veränderungen, die das Licht, wenn es da ist, mit sich bringt, einzulassen.
5. Anregungen
„Ein Licht aufgehen“: Den Christusgläubigen ist ein Licht aufgegangen, das ihnen auch weiterhin leuchten wird. Ein Kanon, der die Predigt unterbricht, kann dies verdeutlichen: Wach auf, der du schläfst…. bzw. ein Mitternachtsruf: Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Möglichkeit, etwas, das sie belastet, zu beenden oder zumindest zu verändern. Welche alternativen Verhaltensweisen, Veränderungen oder auch Perspektivenwechsel kommen Ihnen in den Sinn und was würden Sie am liebsten tun? Welche Konsequenzen hätte ihre Entscheidung?
Autoren
- Prof. Dr. Peter Mülller (Einführung und Exegese)
- Prof. Dr. Antje Roggenkamp (Praktisch-theologische Resonanzen)
Permanenter Link zum Artikel: https://bibelwissenschaft.de/stichwort/500052
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