Hanun
(erstellt: Februar 2026)
Permanenter Link zum Artikel: https://bibelwissenschaft.de/stichwort/20521
1. Der Name und seine Herkunft
Der Name Hanun ist ein passives Partizip der Wurzel ḥnn und bedeutet „der Begnadigte“, mit Bezug auf die Gnade einer Gottheit. In der Hebräischen Bibel sind zwei bzw. drei Figuren mit dem Namen Hanun erwähnt: (1) Hanun, König der Ammoniter (2Sam 10,1–4
1.1. Hanun, König der Ammoniter (2Sam 10,1–5 par.)
1.1.1. 2Sam 10,1–5
Nach 2Sam 10,1
Die Ammoniterkriegserzählung, die in 2Sam 10 eröffnet wird, findet ihren Abschluss in 2Sam 12,26–31
Gelegentlich wird die Nennung eines gewissen Schobi, Sohn des Nahasch, in 2Sam 17,27
1.1.2. 1Chr 19,1–5.6
Die Parallelerzählung zu 2Sam 10,1–5
1.1.3. 3Kgt (1 Kön) 12,24a
Im Anschluss an 1Kön 12,24
1.2. Hanun, Zeitgenosse Nehemias (Neh 3,13.30)
Eine Person namens Hanun wird zweimal in Neh 3 erwähnt (Neh 3,13.30
1.3. Hanunu, König von Gaza (spätes 8. Jh. v.Chr.)
Außerbiblisch ist der Name Hanun vor allem mit einem König von Gaza im 8./7. Jh. v.Chr. verbunden (zu weiteren Belegen des Namens in neuassyrischen Quellen ab ca. 800 v.Chr. vgl. Fuchs/Streck, 457f.). Dieser König findet in mehreren neuassyrischen Quellen aus der Zeit → Tiglat-Pilesers III.
Bei einem Feldzug Tiglat-Pilesers III. im Jahr 734 v.Chr. im Westen wurde die Stadt → Gaza
Die Existenz eines Königs von Gaza namens Hanun im späten 8. Jh. v.Chr. ist für die biblische Figur Hanun in 2Sam 10,1–5
1.4. Hanunu und Hanuna in Quellen aus neubabylonischer und persischer Zeit
Einige weitere außerbiblische Quellen aus neubabylonischer und persischer Zeit belegen den männlichen bzw. weiblichen Personennamen Hanun(u) bzw. Hanuna. Im sog. Hofkalender Nebukadnezars II. trägt der Beamte mit Aufsicht über die königlichen Händler (rab tamkārī ša šarri) den westsemitischen Namen Ḫanūnu (zum Text vgl. Da Riva, 213; s. weiter Alstola, 29). Ein juristischer Text aus Babylonien erwähnt einen gewissen Nargia, Sohn des Hanūnu (Strassmaier, Cyr 312; Sandowicz, 28). Ein Yehud-Stempelabdruck auf einem Krughenkel aus einer Ausgrabung in Tel Ḥarasim enthält den Namen „Hanuna“; ein anderer Krughenkel aus Ausgrabungen der Deutschen Orientgesellschaft in Babylon (1899–1917) weist einen Abdruck von demselben oder einem sehr ähnlichen Stempel auf (zu beiden Objekten vgl. Naveh, 45). Die Deutung des Namens חנונה (ḥnwnh) als Frauenname („Hanuna“) veranlasste Joseph Naveh dazu, drei weitere Yehud-Stempelabdrücke mit dem Namen חננה (ḥnnh) ebenfalls als defektive Schreibweise des weiblichen Namens „Hanuna“ zu deuten und diese Frau als Beamtin in der Verwaltung der persischen Provinz Yehud zu interpretieren (Naveh, 44–46, mit Verweis auf Avigad, 4–5).
Literaturverzeichnis
1. Lexikonartikel
- Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
- Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
- The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
- Eerdmans Dictionary of the Bible, Grand Rapids 2000
- The New Interpreter’s Dictionary of the Bible, Nashville 2006-2009
- Herders Neues Bibellexikon, Freiburg u.a. 2008
- Encyclopedia of the Bible and its Reception, Berlin / New York / Boston 2009ff.
2. Weitere Literatur
- Adam, K.-P., 2008, Erzählerwertung und Geschichtsverständnis in den Samuelbüchern (1Samuel 31, 2Samuel 1; 11; 18), in: K.-P. Adam (Hg.), Historiographie in der Antike (BZAW 373), Berlin, 131–179
- Alstola, T., 2017, Judean Merchants in Babylonia and Their Participation in Long-Distance Trade, WdO 47, 25–51
- Avigad, N., 1976, Bullae and Seals from a Post-Exilic Judean Archive, Qedem 4, Jerusalem, 1–36
- Berlejung, A., 2012, Shared Fates: Gaza and Ekron as Examples for the Assyrian Religious Policy in the West, in: N. N. May (Hg.), Iconoclasm and Text Destruction in the Ancient Near East and Beyond, Chicago, 151–174
- Da Riva, R., 2013, Nebuchadnezzar II’s Prism (EŞ 7834): A New Edition, ZA 103/2, 196–229
- Edelman, D., 1992, Art. Hanun, ABD III, 52–54
- Frame, G., 2021, The Royal Inscriptions of Sargon II, King of Assyria (721–705 BC) (RINAP 2), University Park/Pennsylvania
- Frevel, C., 22018, Geschichte Israels (Kohlhammer Studienbücher Theologie), Stuttgart
- Fuchs, A. / Streck, M.P., 2000, Art. Ḫanūnu, in: H.D. Baker (Hg.), The Prosopography of the Neo-Assyrian Empire, Volume 2, Part I: Ḫ–K, Helsinki, 457f.
- Gaß, E., 2009, Achisch von Gath als politische Witzfigur, TQ 189, 210–242
- Kalimi, I., 2016, Re-examining 2 Samuel 10–12: Redaction History versus Compositional Unity, CBQ 78, 24–46
- Klein, R.W., 2006, 1 Chronicles: A Commentary (Hermeneneia), Minneapolis
- Naveh, J., 1996, Gleanings of Some Pottery Inscriptions, IEJ 46, 44–51
- Sandowicz, M., 2024, West Semites in Babylonian Courts of Law, in: Ł. Niesiołowski-Spanò / K. Ziemba (Hgg.), Contact Zones in the Eastern Mediterranean Judeans and their neighbours in intercultural contexts: places, middlemen, transcultural contacts – sixth to second century BCE (Mundus Orientis 5), Göttingen, 19–47
- Strassmaier, J. N. (Hg.), 1980, Babylonische Texte 7. Inschriften von Cyrus, König von Babylon (538–529 v. Chr.), Leipzig
- Tadmor, H. / Yamada, S., 2011, The Royal Inscriptions of Tiglath-Pileser III (744–727 BC) and Shalmaneser V (726–722 BC), Kings of Assyria (RINAP 1), Winona Lake
- Uehlinger, C., 1998, „... und wo sind die Götter von Samarien?“: Die Wegführung syrisch-palästinischer Kultstatuen auf einem Relief Sargons II. in Ḫorṣābād/Dūr-Šarrukīn, in: M. Dietrich / I. Kottsieper (Hg.), „Und Mose schrieb dieses Lied auf“: Studien zum Alten Testament und zum Alten Orient (FS O. Loretz), Münster, 739–776.
- Uehlinger, C., 2002, Hanun von Gaza und seine Gottheiten auf Orthostatenreliefs Tiglatpilesers III., in: U. Hübner / E. A. Knauf (Hgg.), Kein Land für sich allein. Studien zum Kulturkontakt in Kanaan, Israel/Palästina und Ebirnâri für Manfred Weippert zum 65. Geburtstag (OBO 186), Fribourg/Göttingen 94–127.
- Weippert, M., 2010, Historisches Textbuch zum Alten Testament (GAT 10), Göttingen
- Willi, T., 2019, Chronik (1 Chr 17,1–22,1) (BKAT XXIV/2,3), Neukirchen-Vluyn
PDF-Archiv
Alle Fassungen dieses Artikels ab Oktober 2017 als PDF-Archiv zum Download:
Abbildungen
Unser besonderer Dank gilt allen Personen und Institutionen, die für WiBiLex Abbildungen zur Verfügung gestellt bzw. deren Verwendung in WiBiLex gestattet haben, insbesondere der Stiftung BIBEL+ORIENT (Freiburg/Schweiz)