Feministische Theologie
Andere Schreibweise: Theologischer Feminismus
(erstellt: Februar 2025)
Vorgängerartikel von Sabine Pemsel-Maier
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Digital Object Identifier: https://doi.org/10.23768/wirelex.100280
1. Feministische Theologie und Gender
1.1. Bleibende Relevanz der Feministischen Theologie
→ Gender
1.2. Rezeption von Gender-Diskursen in der Feministischen Theologie
Zugleich hat Feministische Theologie Begriffe, Methoden und Ansätze aus (nicht nur theologischen und religionspädagogischen) Genderdiskursen aufgenommen und integriert. Dies betrifft insbesondere Diversitäts- und Intersektionalitätskonzepte (Claassens/Maier/Ọlọjẹde, 2023; → Intersektionalität
1.3. Feministische Theologie und Gender: Unterschiedliche Perspektiven
Weder schließen Feministische Theologie und Gender-Theologie einander aus oder stehen in Konkurrenz zueinander, noch sind sie identisch (Arzt, 2021). Theologischer Feminismus und Gender nehmen vielmehr unterschiedliche Perspektiven ein und verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen. Feministische Theologie ist von ihrem Selbstverständnis her notwendigerweise parteilich, kämpferisch, herrschaftskritisch und insofern politisch. Denn sie geht davon aus, dass das Geschlechterverhältnis ein Ungleichheits- und Machtverhältnis ist und zielt ab auf dessen Veränderung, auf die Befreiung von Frauen von Unrechts- und Ungleichheitsstrukturen. Gender-Theologie kann selbstverständlich auch parteilich, kämpferisch, herrschaftskritisch sein, dort wo sie explizit für → Geschlechtergerechtigkeit
2. Geschichtliche Hintergründe und Entwicklungen
2.1. Säkulare Frauenrechts- und Frauenbefreiungsbewegung
Feministische Theologie verdankt sich der säkularen Frauenbewegung. Ihre erste Welle am Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts war eine Frauenrechtsbewegung im Kampf um gleiches Recht auf politische Teilhabe, vor allem Wahlrecht und den Zugang zu politischen Ämtern, im Kampf um das Recht auf Bildung, besonders Mädchenbildung, im Kampf um freie Berufswahl und um den Zugang zu Berufstätigkeit. 1896 wurden erstmals Frauen als Gasthörerinnen an Universitäten zugelassen, regulär studieren durften sie erstmals in Preußen ab 1900, in anderen Ländern erheblich später; 1918 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt, 1949 im Grundgesetz die Gleichberechtigung von Frauen und Männern (→ Jungen – Männer
Die zweite Welle der Frauenbewegung in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts verstand sich als Frauenbefreiungsbewegung. Denn obwohl rechtlich zumindest auf dem Papier weitgehend gleichgestellt, erlebten sich Frauen nach wie vor als diskriminiert und unfrei: durch ungleiche Bildungschancen – zu der Zeit besuchten noch mehr Jungen als Mädchen die Gymnasien, studierten deutlich mehr Männer als Frauen; durch schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt; in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit sahen sie sich dem Vorwurf der Doppelverdiener ausgesetzt oder wurden gar nicht eingestellt, auch wegen möglicher Ausfälle durch Schwangerschaft; durch niedrigere Löhne für die gleiche Arbeit; nicht zuletzt durch die Doppel- oder Mehrfachbelastung von Familie, Beruf und Pflege von Angehörigen. Frauengerechte Sprache rückte in den Fokus der Aufmerksamkeit, Frauenbeauftragte wurden gewählt, Frauenförderpläne geschrieben, Frauenförderprogramme etabliert.
2.2. Aufbruch von Frauen in den Kirchen
Die zunächst rein säkulare Frauenbewegung wirkte hinein in den Raum der Kirchen und sensibilisierte Frauen beider Konfessionen für ihre Situation in Bezug auf Religion, Glaube und Kirche. Sie charakterisierten sie vielfach als Unterdrückung und Diskriminierung, als Nicht-zu-Wort-Kommen und Nicht-gehört-Werden, als Marginalisierung und Verdrängung. Frauen erlebten sich und ihre Lebenswirklichkeit als unzureichend repräsentiert in kirchlichen Institutionen, in besonderer Weise durch den Ausschluss von den Weiheämtern und damit von der Teilhabe an Entscheidungsvollmacht, als zu wenig berücksichtigt in Liturgie und Predigt, in kirchlichen Verlautbarungen und Moralvorschriften, in religiösen Themen und Texten, im Religionsunterricht und im theologischen Wissenschaftsbetrieb. Der christliche Glaube geriet unter das Verdikt, patriarchal (= an den Vätern orientiert) und androzentrisch (= männerzentriert) zu sein.
Eine radikale Alternative, eher von einer Minderheit bevorzugt, war ein dezidiert postchristlicher Feminismus, der sich vom Christentum verabschiedete. Die weniger radikale Reaktion war der bewusste Verbleib innerhalb der christlichen Tradition, verbunden mit dem Ziel einer vom Feminismus getragenen Erneuerung. Die betreffenden Frauen begannen nach verschiedenen Möglichkeiten zu suchen, aus Frauenperspektive und auf der Grundlage von Frauenerfahrungen ihrem Glauben Ausdruck zu verleihen: Sie entwickelten eigene Frauenliturgien, schrieben Frauengebete und ‑lieder, kreierten Rituale als Hilfe zur Bewältigung spezifisch weiblicher Lebenssituationen und auch Lebenskrisen. Sie legten Wert auf eine Sprache, die Frauen sichtbar macht und nicht einfach als Brüder mitmeint. Sie forderten Mitsprache- und Mitgestaltungsmöglichkeiten innerhalb der Kirche ein und nahmen gezielt die Möglichkeiten wahr, die sich ihnen boten.
3. Zum Selbstverständnis Feministischer Theologie
3.1. Anliegen und Ziele
Die theologisch-akademische Antwort auf die skizzierten Entwicklungen war die Feministische Theologie. Ausgehend von den Vereinigten Staaten gegen Ende der siebziger und vor allem in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts suchte sie die Anliegen des säkularen Feminismus in die → Theologie
3.2. Merkmale
Wesentliche Merkmale Feministischer Theologie sind in dieser Definition benannt: Als Theologie von und für Frauen tritt sie als dezidiert interessensgeleitete Theologie auf, wobei sie geltend macht, dass jede Art von Theologie absichts- und interessensgeleitet ist, auch wenn sie sich dessen nicht bewusst ist und sich selbst darüber keine Rechenschaft ablegt. Sie ist damit zugleich parteiische Theologie, die eintritt für Frauen und Mädchen. Sie ist erfahrungsorientierte Theologie, die sich ausdrücklich auf deren Erfahrungen bezieht. Sie versteht sich als kontextuelle Theologie, analog zu anderen kontextuellen Theologien wie die black theology, die weiß, dass es die Frau nicht gibt, sondern Frauen in unterschiedlichsten Lebenssituationen und kulturellen, religiösen, sozialen und ökonomischen Zusammenhängen sowie mit unterschiedlichsten Interessen. Sie teilt etliche Gemeinsamkeiten mit der Befreiungstheologie, insofern sie zur Befreiung von Frauen und Mädchen beitragen möchte. Sie ist keine Theologie der Frau, sondern eine Theologie von Frauen, betrieben für Frauen und Mädchen, die nicht ohne Auswirkungen auf die von Männern betriebene Theologie bleibt.
Aufgrund dieser Merkmale gibt es nicht die eine Feministische Theologie, sondern je nach Kontext, Erfahrungshorizont und Kultur einen Plural von Feministischen Theologien. Der Singular ist jedoch insofern gerechtfertigt, als diese in ihrer unterschiedlichen Ausrichtung als gemeinsames Ziel verfolgen, Frauen und Mädchen in den Mittelpunkt zu stellen.
Nicht zuletzt versteht sie sich als Kritik und Neuentwurf. Ihr Ziel war nicht die Etablierung einer eigenen Teildisziplin neben den anderen theologischen Fächern, wenngleich dies in den Anfängen oftmals der einzige Weg war, an den Hochschulen überhaupt Fuß zu fassen. Ihr Ziel war vielmehr die Etablierung eines neuen theologischen Paradigmas, das auf alle theologischen Disziplinen anwendbar ist und eine Neuausrichtung der gesamten Theologie zur Folge haben sollte.
3.3. Unterschiedliche Feminismuskonzepte
3.3.1. Gleichheitsfeminismus
Innerhalb der Feministischen Theologie (und feministischer Bewegungen in Gesellschaft, Theologie und Kirche) begegnen uns zwei unterschiedliche Richtungen, um die von ihr anvisierten Ziele zu erreichen. Sie werden als Gleichheitsfeminismus und Differenzfeminismus umschrieben.
Das Leitwort des Gleichheitsfeminismus könnte lauten: „Wir sind gleich gut, intelligent, fähig etc. wie Männer!“ Zwischen Mann und Frau bestehe nichts als der viel zitierte „kleine Unterschied“, eben als kleiner Unterschied von rein sexueller Bedeutung ohne weitere Relevanz. Feminismus realisiert sich demnach als möglichst weitgehende Angleichung an männliche Vorgaben, männliche Normen, männliche Rahmenbedingungen, männliche Vorbilder, männlichen Lebensstil, männliche Berufskarrieren, bis in die Mode hinein. Dieses Ziel hat seine Berechtigung und birgt zugleich Gefahren. Frauen, die diesen Lebensentwurf wählen, gleich ob eher unbewusst oder gezielt, womöglich einer potenziellen Karriere in Wirtschaft oder Management geschuldet, wollen hinter den Männern nicht zurückstehen. Aber gleichzeitig machen sie das Männliche zum Maß aller Dinge und tun damit genau das, wovon sich der Feminismus ursprünglich distanziert und was er zu bekämpfen sucht. Innerhalb von Theologie und Kirche begegnet die Argumentation mit dem Konzept des Gleichheitsfeminismus vor allem als Forderung nach gleicher Teilhabe an der Macht, speziell in der katholischen Kirche als Forderung nach Zugang zu den Weiheämtern.
3.3.2. Differenzfeminismus
Der Gleichheitsfeminismus evozierte eine gegenläufige Bewegung, die sich als Differenzfeminismus umschreiben lässt und die agiert nach dem Motto „Wir sind (mindestens) gleichwertig, aber anders“. Dabei gibt es nicht den einen Differenzfeminismus, sondern unterschiedliche Ausprägungen, die durch unterschiedliche Interpretationen der Geschlechterdifferenz begründet sind.
Befürworterinnen des sogenannten Polaritätsmodells halten klar die Differenz zwischen Männern und Frauen aufrecht, wehren sich jedoch gegen die Hierarchisierung dieser Differenz und die damit verbundene Abwertung des Weiblichen. Stattdessen verstehen sie das Männliche und das Weibliche als zwei verschiedene, aber gleichberechtigte und einander ergänzende Pole. Ihr Ziel ist es, dass Frauen als Frauen – und gerade nicht in der Angleichung an Männer – jenseits von männlichen Zuschreibungen ihre eigene Identität entwickeln können. Diese Ausprägung des Differenzfeminismus war und ist Gegenstand wissenschaftlicher Reflexion, aber vermutlich noch mehr Gegenstand gelebter Praxis. Frauen, die sich diese Überzeugung zu eigen gemacht haben, betonen ihre weibliche Wesensart und ihre besonderen weiblichen Qualitäten. Sie wollen sich gerade nicht dem Verdikt des Männlichen unterwerfen, sondern ihr eigenes Profil entwickeln. Vielfach ist diese Profilierung des Weiblichen mit einer positiven Konnotation verbunden, ohne freilich die Frauen generell für das bessere oder gar höherwertige Geschlecht zu erklären. Aber: Weiblicher Führungsstil in Kirche und Schule erscheint als etwas Qualitätsvolles und zu Kultivierendes; Frauen gelten als sensibler als die meisten Männer, als besonders gute Zuhörerinnen usw. Dieser Ansatz hat seine Berechtigung und birgt zugleich Gefahren: Wirkt das Insistieren auf der Unterschiedlichkeit identitätsstiftend, läuft es zugleich Gefahr, doch wieder in alte Stereotypen und Rollenmuster zu verfallen.
Einen anderen Ansatz verfolgen die differenzfeministischen Konzepte, vorgelegt in Frankreich von der Psychoanalytikerin und Kulturwissenschaftlerin Luce Irigaray (1996) und vor allem in Italien von der an der Universität Verona angesiedelten Philosophinnengruppe Diotima. So wie diese eine Schau der ganzen Wirklichkeit anstrebt, vertreten auch die Philosophinnen ein ganzheitliches Konzept. Sie verstehen die Differenz zwischen Frau und Mann als Grunddifferenz im Menschsein, jedoch nicht essentialistisch als Wesensbestimmung. Aus diesem Grund lehnen sie eine Definition weiblichen Wesens strikt ab. Weiblichkeit stellt sich für sie als Leerstelle dar, die nur individuell ausgefüllt werden kann und nicht mit den traditionellen Vorstellungen von Weiblichkeit inhaltlich gefüllt werden darf. Dieser Ansatz ist einerseits theologisch insofern anschlussfähig, als er auf die Individualität der jeweiligen Person abzielt; andererseits vermochte er die Frage nach der Geschlechterdifferenz nicht befriedigend zu lösen.
Exkurs postchristlicher gynozentrischer Feminismus: Eine Randerscheinung innerhalb der Theologie und eher einem postchristlichen Feminismus zuzurechnen ist ein gynozentrischer Feminismus, der von der Höherwertigkeit des weiblichen Geschlechts überzeugt ist. Seine Vertreterinnen, teils Matriarchatsforscherinnen, teils feministische Theologinnen (Göttner-Abendroth, 2011) berufen sich auf Göttinnenkulte und die Verehrung weiblicher Gottheiten in der Früh- und Religionsgeschichte und die Ergebnisse der Matriarchatsforschung. Inwieweit diese durch die Altertumswissenschaften nachgewiesen werden können, ist allerdings in höchstem Maße umstritten. Kritisch anzufragen ist der gynozentrische Feminismus insofern auch, als er das von ihm so heftig monierte androzentrische Konzept einfach umkehrt und damit das selbst vollzieht, was er an den Männern bemängelt.
4. Arbeitsfelder Feministischer Theologie
4.1. Themen und Inhalte
Insofern Feministische Theologie sich nicht als Teil der Theologie, sondern als Neukonzeption von Theologie versteht, bezieht sie sich auf alle theologischen Disziplinen.
Die Feministische Exegese unterzieht die Schriften des AT und NT einer kritischen Relecture, ausgehend von einer Hermeneutik des Verdachts, die von der Vermutung ausgeht, dass die Texte oder einzelne Teile oder Argumentationsmuster patriarchal gefärbt sind. Sie untersucht die Wirkungsgeschichte biblischer Texte und deckt androzentrische Auslegungstraditionen auf. Nicht zuletzt gilt ihr Interesse den bekannten und unbekannten biblischen Frauengestalten. In ähnlicher Weise sucht die Feministische Kirchengeschichte nach Frauengeschichte und Frauengeschichten und macht wenig bekannte Frauen sichtbar.
Innerhalb von → Dogmatik
Im Bereich der Praktischen Theologie hat die Feministische Theologie am stärksten eine Außenwirkung entfaltet: durch das Bemühen um frauengemäße Seelsorgekonzepte in der Pastoral, durch die Entwicklung eigener Frauenliturgien, durch Gebete und Lieder von und für Frauen, durch Frauenpredigten.
Erkenntnisse und Methoden der Feministischen Theologie sind auf diese Weise – trotz teilweiser Nichtbeachtung und sogar gezielter Negierung – in die verschiedenen Disziplinen in unterschiedlichem Maße eingeflossen und dort Allgemeingut geworden. Allgemeingut insofern, weil heute vielfach nicht mehr bewusst ist, dass sich bestimmte Erkenntnisse innerhalb der Theologie der Feministischen Theologie verdanken, Allgemeingut auch insofern, als männliche Theologen sie selbstverständlich rezipiert haben. Exegese lässt sich heute nicht mehr betreiben ohne feministische Bibelhermeneutik (→ Hermeneutik
4.2. Feministische Religionspädagogik
Feministische → Religionspädagogik
5. Feministische Theologie im 21. Jahrhundert
5.1. Ein Inter-Diskurs
Im 21. Jahrhundert präsentiert sich die Feministische Theologie als „Inter-Diskurs“, weil sie „interdisziplinär, interkonfessionell, international, interkulturell und interreligiös“ (Meyer-Wilmes, 2002, 150) ausgerichtet ist. Sie ist interdisziplinär (Schüngel-Straumann, 2015), weil sie den Anschluss an grundsätzlich alle theologischen Wissenschaftsdisziplinen sucht. Sie ist noch erheblich stärker als in ihren Anfängen interkonfessionell vernetzt. Sie ist global ausgerichtet, insofern zu den einst fast ausschließlich dominierenden Stimmen aus Nordwesteuropa und Nordamerika vermehrt Stimmen von Frauen aus Süd- und Osteuropa und der gesamten südlichen Hemisphäre getreten sind (Vellguth/Bingener, 2021). Sie verbindet ihren Ansatz mit befreiungstheologischen Forschungen und postcolonial studies (Schüssler Fiorenza/Jost, 2015). Sie wird in wachsendem Maße interreligiös und nicht mehr nur von Christinnen betrieben, sondern hat auch in die jüdische und islamische Theologie Einzug gehalten (Çakir/Chbib/Kulaçatan, 2023). Nicht zuletzt: Feministische Theologie ist keine auf Frauen beschränkte Angelegenheit, sondern reflektiert auf Geschlechterverhältnisse und zwingt so Männer zur Auseinandersetzung mit ihrem Selbstverständnis und Selbstbild, mit ihrem Glauben und ihrer Spiritualität, mit ihren Rollen im privaten und beruflichen Leben, in Gesellschaft und Kirche.
5.2. Neue Herausforderungen und neue Aktualität
In den letzten Jahren sind inhaltliche Anliegen und Ziele der Feministischen Theologie im kirchlichen Kontext wieder stärker ins Spiel gebracht worden, allerdings vielfach nicht unter dem Label feministisch. Ein wesentlicher Grund dafür war und ist der weltweite Missbrauchsskandal (Guillard/Sharkey, 2023), der die europäischen Kirchen und letztlich die Kirchen weltweit betroffen hat, auch wenn nicht nur Frauen und Mädchen davon betroffen waren.
Innerhalb des katholischen Kontextes haben theologisch-feministische Themen vor allem durch die Fragen nach der Beteiligung von Frauen in der Kirche in den letzten Jahren verstärkt an Bedeutung gewonnen (Eckholt, 2018; Knop, 2024). Wesentlich dazu beigetragen haben die Initiative Maria 2.0, die die Zulassung von Frauen zu den geistlichen Ämtern fordert, sowie die Diskussionen im Rahmen des deutschen Synodalen Prozesses, aber auch darüber hinaus im Rahmen der Weltsynode, die Grenzen und potentielle Möglichkeiten der (Mit-)Gestaltung der Kirche durch Frauen und vor allem die Frage nach Möglichkeiten der Teilhabe am geistlichen Amt zu einem zentralen Thema gemacht haben. Im Zusammenhang damit werden zugleich Machtfragen in neuer Weise artikuliert und reflektiert (Leimgruber/Werner, 2021). Auch das Aufleben rechtspopulistischer und rechtsextremer Tendenzen im christlichen Kontext bedeuten für die Feministische Theologie neue Herausforderungen (Strube, 2019).
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