Deutsche Bibelgesellschaft

1. Korinther 15,35-38.42-44a | Letzter Sonntag des Kirchenjahres: Totensonntag | 22.11.2026

Einführung in den 1. Korintherbrief

1 Kor ist, verglichen mit den anderen paulinischen Briefen (ausgenommen Röm) und insbesondere auch im Vergleich mit antiken Privatbriefen, außergewöhnlich umfangreich; die neuere Exegese kommt ganz überwiegend zu dem Ergebnis, dass 1 Kor literarisch einheitlich ist. Die paulinische Verfasserschaft wird im Allgemeinen nicht in Frage gestellt.

1. Verfasser

Über Denken und Wirken des Paulus, die uns historisch am besten bekannte Gestalt des frühen Urchristentums, informieren die sieben allgemein als authentisch angesehenen neutestamentlichen Briefe. Eine wichtige Quelle für die paulinische Biografie ist darüber hinaus die Apostelgeschichte des Lukas, auch wenn deren historische Verlässlichkeit nicht immer gegeben ist. In ihrer Darstellung des ersten Aufenthalts des Paulus in Korinth wird der römische Statthalter Gallio erwähnt (Apg 18,12), dessen Amtszeit laut einer in Delphi gefundenen Inschrift auf das Jahr 50/51 oder 51/52 zu datieren ist. Demnach war Paulus also in den frühen 50er Jahren in Korinth. Er schrieb dann mehrere Briefe nach Korinth, einen in 1 Kor 5,9 erwähnten, nicht erhaltenen Brief, dann den kanonisch gewordenen 1 Kor und dann einige kürzere Briefe, die später vermutlich redaktionell als „2 Kor“ zusammengestellt worden sind.

2. Adressaten

Paulus war, aus der Provinz Asia kommend, in Philippi und Thessaloniki tätig. Nach kurzem Aufenthalt in Athen (Apg 17,15-18,1) kam er nach Korinth. Dort traf er Aquila und Priska, offenbar (Juden-)Christen, die aufgrund des Claudius-Edikts aus Rom nach Korinth gekommen waren.
Eine Gemeinde von Christusgläubigen entstand im Zusammenhang des Wirkens des Paulus nach Darstellung der Apg im Umfeld der Synagoge (18,4–11); aus 1 Kor geht hervor, dass zu den korinthischen Christusgläubigen auch Juden gehörten (7,18). Die Gemeinde lebte aber im Gegenüber nicht nur zu „Heiden“ (Griechen), sondern auch zu Juden (10,32). Die briefliche Korrespondenz zeigt, dass die korinthische Gemeinde für Paulus besonders wichtig war; anders als etwa im Gal nimmt er in diesen Briefen zu den aktuellen innergemeindlichen Problemen in einer Weise Stellung, als gehöre er selbst zu ihr.

3. Entstehungsort

1 Kor wurde in Ephesus geschrieben (16,8). Die in 15,32 (vgl. 2 Kor 1,8) erwähnte lebensbedrohliche Situation, die möglicherweise mit den in Apg 19,23-40 geschilderten dramatischen Ereignissen in Verbindung stand, war offensichtlich überwunden. Paulus will „bis Pfingsten“ in Ephesus bleiben und erst dann über Makedonien (16,5) wieder nach Korinth reisen. In Apg 20,31 wird von einem dreijährigen Aufenthalt in Ephesus gesprochen, 1 Kor könnte also etwa vier Jahre nach dem Gründungsbesuch in Korinth verfasst worden sein, etwa im Jahre 54/55.

4. Wichtige Themen der exegetischen Interpretation

Paulus kritisiert im Eingangsteil des 1 Kor die Existenz von innergemeindlichen „Parteien“; aber er richtet den Brief nicht an Gruppen, sondern immer an die ganze Gemeinde, schon in der Adresse (1,2) verweist er die Adressaten auf ihren „ökumenischen“ Kontext (vgl. 4,17; 7,17; 11,16; 14,33). Die Konflikte in Korinth sind offenbar „hausgemacht“; die Annahme, „von außen“ gekommene fremde Missionare („Gegner“) seien in Korinth aktiv geworden, lässt sich durch den 1 Kor – anders als dann vor allem in 2 Kor 10-13 – nicht belegen.

1 Kor ist durchgängig bestimmt durch die Reaktionen auf die akute Lage in Korinth; kein anderer Paulusbrief informiert (uns) so detailliert über die bei den Adressaten bestehende Situation. Paulus hatte durch „die (Leute) der Chloe“ (1,11; leider erfahren wir nichts Näheres über sie) wie auch durch Stephanas und dessen Begleiter (16,17f.) sowie durch mündliche Nachrichten (5,1) und durch den in 7,1 erwähnten korinthischen Brief von den Problemen in Korinth erfahren und sah sich zu einer umfassenden Reaktion herausgefordert, wobei der Brief einen persönlichen Besuch vorläufig ersetzen soll (16,5–9; vgl. 11,34).

Aus 1,12 geht hervor, dass es Gruppen („Parteien“) gab, die sich an bestimmten Führern orientierten (1,12); eine Ursache könnte ein ausgeprägtes Interesse an „Weisheit“ gewesen sein, die Suche nach spekulativer religiöser Erkenntnis (1,17; 1,18ff.). Welche Vorstellungen die einzelnen Gruppen vertraten, ist für uns nicht erkennbar; Paulus geht nicht auf Einzelheiten ein, sondern lehnt die Existenz von Parteien ab. Er wertet die soziale Zusammensetzung der Gemeinde als Indiz dafür, dass Gott den Maßstäben menschlicher Weisheit widerspricht (1,18-31) Möglicherweise gab es in Korinth einen religiösen Enthusiasmus (vgl. 4,8), der sich in den von Paulus offenbar zitierten Schlagworten wie „Alles ist erlaubt“ oder „Wir alle haben Erkenntnis“ niederschlug (vgl. 6,12; 8,1; 10,23). Paulus betont dagegen die Theologie des Kreuzes: Die Existenz der Christusgläubigen ist dadurch bestimmt, dass ihr Herr sich am Kreuz, d.h. in Niedrigkeit, und nicht in Herrlichkeit offenbart hat.

In 5,1–7,40 nimmt Paulus aus gegebenem Anlass zu aktuellen moralischen Problemen Stellung. Er verlangt, dass ein Mann, der „die Frau seines Vaters hat“, aus der Gemeinde ausgeschlossen wird (5,1-13); angesichts von Konflikten um Vermögensfragen (6,1–6) schlägt er die Bildung innergemeindlicher Zivilgerichtsbarkeit vor, betont aber, der Verzicht auf die Durchsetzung von Rechtsansprüchen sei das eigentlich Angemessene (6,7-11). In diesem Zusammenhang betont er dann, dass ein christusgläubiger Mensch auch körperlich seinem Herrn gehört (6,12–20); offenbar gab es in Korinth religiös motivierten „Libertinismus“, aber umgekehrt auch die Forderung nach strikter Askese (7,1). Aus 1 Kor 7,1–40 geht hervor, dass die Frage der Ehe, insbesondere der „Mischehen“, in Korinth umstritten war.

In 8,1–11,34 erörtert Paulus eingehend die Tatsache, dass Christusgläubige an Mahlzeiten teilnehmen, die auch kultischen Charakter haben können. Paulus betont die Freiheit zum Essen des „Götzenopferfleisches“ (8,1ff.), doch gebe es diese nicht abstrakt, sondern nur konkret in der Gemeinschaft der Glaubenden. Gegen den Verzehr von Opferfleisch spricht nicht eine womöglich kultische Qualität des Fleisches (10,25–27), aber der Verzicht ist geboten aus Rücksicht auf andere, die tatsächlich Anstoß nehmen (Gewissensmotiv 10,28f.). Dagegen ist eine unmittelbare Teilnahme am Opferkult („Tisch der Dämonen“) unvereinbar mit der Teilhabe am „Tisch des Herrn“ (10,14–22).

Offenbar gab es Tendenzen, die üblichen Konventionen im Verhältnis von Männern und Frauen zu verwischen. Paulus fordert insbesondere die Frauen auf, die (in der Öffentlichkeit) übliche Haartracht zu tragen, wenn sie im Gottesdienst predigen und beten (11,2–16; das dazu im direkten Widerspruch stehende rigorose Sprechverbot in 14,34.35 wurde offenkundig zu späterer Zeit in den Brieftext eingefügt). Zur gemeindlichen Mahlfeier erfuhr Paulus von Verhaltensweisen, die es aus seiner Sicht „unmöglich“ machten, das „Herrenmahl“ zu feiern, da „jeder sein eigenes Mahl vorwegnimmt“ (11,20.21). Paulus betont, dass in diesem Mahl der Tod des Herrn verkündigt wird, „bis er kommt“, und deshalb ist ein individualistischer Missbrauch der Mahlfeier verwerflich (zu 11,17–34 s.u.).

Das Pneumatikertum ist in Korinth stark entwickelt (1 Kor 12–14). Paulus betont deshalb das Zusammenwirken aller „Glieder“ innerhalb des „Leibes“, in dem es keinerlei Hierarchie gibt; abschließend bezeichnet er die Gemeinde geradezu als „Leib Christi“ (12,27). Danach (13,1–13) beschreibt er die Liebe als kritischen Maßstab für alles Handeln (vgl. 16,14); dieser Text ist kein „Lied“, sondern bezieht sich durchgängig auf die Gemeindesituation. Paulus betont, dass die Liebe höherwertig ist als alle „Geistesgaben“ und alle „Erkenntnis“. In Kap. 14 („Zungenreden“, Glossolalie) fordert er, die geistgewirkte Ekstase danach zu beurteilen, was sie zum Aufbau der Gemeinde beiträgt; dann verliere die Ekstase ihren besonderen Wert, zugleich erweise sich jede Leistung für die Gemeinde als eine Wirkung des Geistes.

Auch in den breiten Aussagen zur Auferstehung der Toten (15,1–58) wird die Gemeindesituation sichtbar: Einige sagen „Es gibt keine Auferstehung der Toten“ (V. 12), andere lassen sich sogar „für die Toten“ taufen, um ihnen Anteil an der Auferstehung zu geben (V. 29). Paulus argumentiert vom Bekenntnis her (V. 1–11): Aus dem Glauben an Jesu Auferstehung folgt die Hoffnung auf die noch in der Zukunft liegende Auferstehung der Toten (V. 20). Die Frage, auf welche Weise die Toten auferstehen werden, sei töricht (V. 35), denn die Erfahrung lehre doch, dass der gesäte Same zuerst „stirbt“ und dass Gott ihm dann einen neuen Leib gibt (V. 35–41); in der Auferstehung der Toten wird Gott ebenso handeln (V. 42–49). Am Ende offenbart Paulus ein „Geheimnis“: Alle – die Toten und die bei der Parusie Lebenden – werden verwandelt werden, und erst dann wird der Tod besiegt sein (V. 50–55). Gegenwärtig aber wird die Macht des Todes erfahren in Form der durch das Gesetz wirksamen Sünde (V. 56).

Am Schluss (16,1-24) stehen organisatorische Anweisungen zur Sammlung der Kollekte für Jerusalem (V. 1–4), dann eine Besuchsankündigung sowie Grüße.

5. Besonderheiten

Der Argumentationsgang des Paulus im 1 Kor lässt durchgängig eine innere Kohärenz erkennen: Es gibt eine christologische, kreuzestheologische Grundlage für die Aussagen zu den unterschiedlichen Themen. Aber die Frage nach dem religiösen bzw. philosophischen Hintergrund der korinthischen Parteienbildung ist schwer zu beantworten; die Annahme, hier zeige sich eine frühe Form christlicher „Gnosis“, wird im Allgemeinen verneint, „weisheitliche“ Tendenzen sind aber deutlich erkennbar (1,18–31; 2,1–16). Die Frage, welche Vorstellung hinter der in Korinth ausgesprochenen Ablehnung der Hoffnung auf die Auferstehung der Toten (1 Kor 15,12) steht, wird kontrovers diskutiert: Möglicherweise wurde die Erwartung der Auferstehung der Toten als „unvernünftig“ angesehen; die in 15,12 zitierte Aussage könnte aber im Gegenteil auch „enthusiastisch“ gemeint gewesen sein, etwa in dem Sinne, die Glaubenden seien „bereits auferstanden“ (vgl. 2 Tim 2,18).

Literatur:

  • Hans Conzelmann, Der erste Brief an die Korinther (KEK V), Göttingen 21981.
  • Eva Ebel, Die Attraktivität früher christlicher Gemeinden. Die Gemeinde von Korinth im Spiegel griechisch-römischer Vereine (WUNT II/178), Tübingen 2004.
  • Andreas Lindemann, Der Erste Korintherbrief (HNT 9/I), Tübingen 2000 (bes. S. 247–259).
  • Margaret M. Mitchell, Art. Korintherbriefe, RGG4 Band 4, Tübingen 2001, Sp. 1688–1694.
  • Dieter Zeller, Der erste Brief an die Korinther (KEK V), Göttingen 2009.

A) Exegese kompakt: 1. Korinther 15,35-38.42-44a

Die Angabe in der Perikopenordnung für den Text der Predigt am Ewigkeitssonntag lautet: 1 Kor 15,35-38.42-49; demnach wären also V. 38-41 zu übergehen. Darüber kann aber erst nach der Exegese entschieden werden.

Die Eingangsbemerkung in V. 35 (ἐρεῖ τις) mit der doppelten Frage πῶς ἐγείρονται οἱ νεκροί; ποίῳ δὲ σώματι ἔρχονται; verweist auf einen größeren Zusammenhang: Paulus hatte in 1 Kor 15 im Anschluss an seine Frage (V. 12) von der Auferstehung der Toten gesprochen und zugunsten dieser Hoffnung einige Argumente genannt (V. 20-28 Endzeiterwartung; V. 29-34 Aspekte persönlicher Erfahrungen). Es drängt sich die (hypothetisch gestellte) Frage nach dem „Wie?“ der Auferstehung, insbesondere die Frage nach der Zukunft des Körpers, auf; darauf antwortet Paulus in V. 35-49 unter Beachtung unterschiedlicher Perspektiven.

Lässt sich die in V. 35 gestellte zweifache Frage überhaupt beantworten? Können die von Paulus ausführlich formulierten Antworten verstanden und akzeptiert werden?

35Ἀλλ’ ἐρεῖ τις· πῶς ἐγείρονται οἱ νεκροί; ποίῳ δὲ σώματι ἔρχονται; 36ἄφρων, σὺ ὃ σπείρεις, οὐ ζῳοποιεῖται ἐὰν μὴ ἀποθάνῃ· 37καὶ ὃ σπείρεις, οὐ τὸ σῶμα τὸ γενησόμενον σπείρεις ἀλλὰ γυμνὸν κόκκον εἰ τύχοι σίτου ἤ τινος τῶν λοιπῶν· 38ὁ δὲ θεὸς δίδωσιν αὐτῷ σῶμα καθὼς ἠθέλησεν, καὶ ἑκάστῳ τῶν σπερμάτων ἴδιον σῶμα. 39Οὐ πᾶσα σὰρξ ἡ αὐτὴ σὰρξ ἀλλ’ ἄλλη μὲν ἀνθρώπων, ἄλλη δὲ σὰρξ κτηνῶν, ἄλλη δὲ σὰρξ πτηνῶν, ἄλλη δὲ ἰχθύων. 40καὶ σώματα ἐπουράνια, καὶ σώματα ἐπίγεια· ἀλλ’ ἑτέρα μὲν ἡ τῶν ἐπουρανίων δόξα, ἑτέρα δὲ ἡ τῶν ἐπιγείων. 41ἄλλη δόξα ἡλίου, καὶ ἄλλη δόξα σελήνης, καὶ ἄλλη δόξα ἀστέρων· ἀστὴρ γὰρ ἀστέρος διαφέρει ἐν δόξῃ. 42Οὕτως καὶ ἡ ἀνάστασις τῶν νεκρῶν. σπείρεται ἐν φθορᾷ, ἐγείρεται ἐν ἀφθαρσίᾳ· 43σπείρεται ἐν ἀτιμίᾳ, ἐγείρεται ἐν δόξῃ· σπείρεται ἐν ἀσθενείᾳ, ἐγείρεται ἐν δυνάμει· 44σπείρεται σῶμα ψυχικόν, ἐγείρεται σῶμα πνευματικόν. Εἰ ἔστιν σῶμα ψυχικόν, ἔστιν καὶ πνευματικόν. 45οὕτως καὶ γέγραπται· ἐγένετο ὁ πρῶτος ἄνθρωπος Ἀδὰμ εἰς ψυχὴν ζῶσαν, ὁ ἔσχατος Ἀδὰμ εἰς πνεῦμα ζῳοποιοῦν. 46ἀλλ’ οὐ πρῶτον τὸ πνευματικὸν ἀλλὰ τὸ ψυχικόν, ἔπειτα τὸ πνευματικόν. 47ὁ πρῶτος ἄνθρωπος ἐκ γῆς χοϊκός, ὁ δεύτερος ἄνθρωπος ἐξ οὐρανοῦ. 48οἷος ὁ χοϊκός, τοιοῦτοι καὶ οἱ χοϊκοί, καὶ οἷος ὁ ἐπουράνιος, τοιοῦτοι καὶ οἱ ἐπουράνιοι· 49καὶ καθὼς ἐφορέσαμεν τὴν εἰκόνα τοῦ χοϊκοῦ, φορέσομεν καὶ τὴν εἰκόνα τοῦ ἐπουρανίου.

1. Korinther 15,35-49NA28Bibelstelle anzeigen

Übersetzung

Aber jemand könnte sagen: Wie werden die Toten auferweckt? In welchem Körper kommen sie? Narr! Was du säest, wird nicht lebendig gemacht, wenn es nicht stirbt. Und was du säest – nicht den Körper, der entstehen wird, säest du, sondern ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel vom Weizen oder von sonst etwas. Gott aber gibt ihm einen Körper, wie er gewollt hat, und jedem der Samen einen besonderen Körper.

Nicht jedes Fleisch ist ein und dasselbe Fleisch; vielmehr ist eines das von Menschen, ein anderes das Fleisch des Viehs, ein anderes das der Fische. Und (es gibt) himmlische Körper und (es gibt) irdische Körper. Aber eines (ist) der Glanz der himmlischen, ein anderes (der Glanz) der irdischen (Körper). Eines ist der Glanz der Sonne, und ein anderes der Glanz des Mondes, und ein anderes der Glanz der Sterne; es unterscheidet sich nämlich ein Stern vom anderen Stern in (seinem) Glanz.

So auch die Auferstehung der Toten: Gesät wird in Vergänglichkeit, auferweckt wird in Unvergänglichkeit. Gesät wird in Unehre, auferweckt wird in Herrlichkeit. Gesät wird in Schwachheit, auferweckt wird in Macht. Gesät wird ein beseelter Körper, auferweckt wird ein geistlicher Körper. 

Wenn es einen beseelten Körper gibt, dann gibt es auch einen geistlichen (Körper). So steht ja geschrieben: ‚Es wurde der erste Mensch, Adam, zur lebendigen Seele, der letzte Adam (wurde) zum lebendig machenden Geist.‘ Aber (es gibt) nicht zuerst das Geistliche, sondern das Beseelte, danach das Geistliche. Der erste Mensch von der Erde, irdisch, der zweite Mensch aus dem Himmel. Wie der Irdische beschaffen (ist), so (beschaffen) sind auch die Irdischen, und wie der Himmlische, so auch die Himmlischen. Und wie wir getragen haben (oder: tragen) das Bild des Irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des Himmlischen.

1. Fragen und Hilfen zur Übersetzung

Einige der in diesem Text verwendeten Begriffe haben bei Paulus bisweilen besondere theologische Konnotationen, sind hier aber primär vordergründig gemeint: σῶμα (V. 35-38.40) meint den Körper, dem unterschiedliche Eigenschaften zukommen können; σάρξ (V. 39) meint hier substantiell das „Fleisch“ als Substanz lebendiger Wesen; δόξα (V. 40.41) ist hier der (leuchtende) Glanz, den man mit den Augen wahrnimmt. Die Bezeichnungen ἐπουράνια und ἐπίγεια (V. 40) bezeichnen empirisch Sichtbares. In V. 42-49 wechselt Paulus in metaphorische Sprache: σῶμα (V. 44.45)

2. Beobachtungen zur literarischen Gestaltung und Kontext: Wie und womit wird argumentiert?/Was ist das Argument? Welche sprachlichen, stilistischen Elemente kommen zum Einsatz?

V. 36-38 Paulus reagiert auf die Frage nach dem möglichen σῶμα der Toten bei der Auferweckung, indem er auf die erfahrene Wirklichkeit hinweist: Das gesäte Samenkorn wird zur Pflanze, wobei antikem Denken gemäß gilt, dass der Same nach der Aussaat stirbt; Gott entscheidet dann über das σῶμα (V. 38a); er handelt dabei nicht willkürlich, zwischen Same und Pflanze besteht also Kontinuität bzw. Identität (V. 38b).

V. 39-41 Paulus formuliert in V. 39-41a selbstverständliches Wissen (durchweg Nominalsätze): Es gibt σάρξ, σῶμα und δόξα, auch wenn die Weise ihres Seins sehr unterschiedlich sein kann; Sonne, Mond und Sterne sind als leuchtende Himmelskörper im Blick, nicht als irgendwie „mythische“ Wesen. Lässt man in der Predigt aus Zeitgründen diesen kleinen Textabschnitt weg, gehen die darin enthaltenen erfahrungsbezogenen Aussagen verloren.

V. 42a Paulus beantwortet die Frage von V. 35. οὕτως verweist zurück auf V. 36-38(41) und voraus auf V. 42b-43, wobei das in V. 36 eingeführte Bild von Aussaat (σπείρεται) und Auferstehung (ἐγείρεται) aufgenommen wird. In V. 42b-43 werden die Gegensätze betont (φθορά/ἀφθαρσία „Vergänglichkeit/Unvergänglichkeit“, ἀτιμία/δόξα „Unehre/Herrlichkeit“, ἀσθένεια/δύναμις „Schwachheit/Macht“). In V. 44a modifiziert, da vom σῶμα ψυχικόν bzw. σῶμα πνευματικόν bis dahin nicht gesprochen worden war; der darin enthaltenen Aussage (σπείρεται/ἐγείρεται) folgt in V. 44b eine im Duktus der Argumentation als „logische Konsequenz“ vermittelte Behauptung. Dazu folgt (V. 45) ein durch γέγραπται eingeleitetes Schriftzitat: Paulus zitiert Gen 2,7 LXX wörtlich (ἐγένετο ὁ πρῶτος ἄνθρωπος … εἰς ψυχὴν ζῶσαν, ὁ πρῶτος und der Name „Adam“ sind eingefügt) und formuliert dazu die Gegenaussage (ὁ ἔσχατος Ἀδὰμ wurde εἰς πνεῦμα ζῳοποιοῦν), die wahrscheinlich nicht als Teil des Zitats gelesen werden soll. Die Adam-Christus-Typologie begegnete bereits in 15,21.22 (vgl. Röm 5,12-21), dort wie jetzt hier im Sinne einer Urzeit/Endzeit-Typologie in anthropologischer Perspektive (deshalb die seltsame Christusbezeichnung „letzter Adam“); entscheidend ist der fundamentale Gegensatz (ψυχὴ ζῶσα / πνεῦμα ζῳοποιοῦν). In V. 46 wird der mögliche Gedanke von vornherein korrigiert, es könne „das Geistliche“ (τὸ πνευματικόν) „dem Psychischen“ vorangegangen sein, der Gedanke einer Präexistenz Christi liegt hier also offenbar fern. In V. 47 nochmals Anspielung auf Gen 2,7 in zwei Nominalsätzen (LXX: Gott schuf den Menschen „aus Staub von der Erde“ χοῦν ἀπὸ τῆς γῆς, Paulus schreibt ἐκ γῆς χοϊκός), Christus (hier „der zweite Mensch“) ist aus dem Himmel“. Paulus vermeidet hier ἐπουράνιος als Gegenüber zu χοϊκός, aber in V. 48 stellt er ὁ χοϊκός und οἱ χοϊκοί und analog ὁ ἐπουράνιος und οἱ ἐπουράνιοι einander gegenüber. Das unterstreicht er nochmals abschließend (V. 49), jetzt bezogen auf die gegenwärtige εἰκών τοῦ χοϊκοῦ und die künftige εἰκών τοῦ ἐπουρανίου. Das Verb φορέω meint hier nicht äußerliches „Tragen“, sondern der Sinn ist vergleichbar mit dem Sein ἐν τῷ Ἀδὰμ und ἐν τῷ Χριστῷ (15,22).

3. Kontexte/(Literarischer) Kontext und historische Einordnung

Anlass für die breite Argumentation in 1 Kor 15 ist die in V. 12 zitierte, in Korinth virulente Aussage ἀνάστασις νεκρῶν οὐκ ἔστιν. Deren religionsgeschichtlicher Hintergrund ist nicht sicher erkennbar, deutlich aber ist, dass Paulus aus dem Glauben an die Auferweckung Jesu die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten ableitet. Dafür hatte er zunächst (V. 20-28.29-34) unterschiedliche Argumente vorgebracht, in V. 35-49 antwortet er auf die von ihm selbst gestellte Frage nach dem „Wie” der Auferstehung. Danach (V. 50-55) folgt die apokalyptische Schilderung des Geschehens der Auferstehung, wobei aber die zuvor eingeführte Begrifflichkeit unverändert wirksam ist (φθορά/ἀφθαρσία [V. 42] in V. 50, vgl. V. 54, zu ἐνδύσηται [V. 54] vgl. φορέσομεν V. 49).

4. Schwerpunkte der Interpretation

Paulus gibt eine ausführliche Antwort auf die Frage πῶς ἐγείρονται οἱ νεκροί; ποίῳ δὲ σώματι ἔρχονται; (V. 34). Er will die Hoffnung auf die Auferstehung inhaltlich plausibel machen und verweist dafür auf unterschiedliche empirische Parallelen und Erfahrungen, durch die Erwartung der Auferweckung der Toten vorstellbar gemacht wird.

5. Kurzcharakteristik des Textes – von der Exegese zur Predigt:

In der Predigt käme es darauf an, nicht zu gedanklichen Spekulationen einzuladen, sondern zu zeigen, wie Paulus bemüht ist, den Adressaten die fundamentale Hoffnung auf die Auferstehung der Toten auf unterschiedliche Weise zu vergewissern. Das ist die für den Ewigkeitssonntag entscheidende Botschaft, die sich aus dem Evangelium (1 Kor 15,3b-5) ergibt.

B) Praktisch-theologische Resonanzen

1. Persönliche Resonanzen: Was hat die Exegese angeregt?

Am Ende von Vorträgen (anders als bei Predigten) gehört es zum guten Stil, dass das Publikum gefragt wird, ob es noch Fragen gibt. Der Briefeschreiber Paulus hat die Meldungen seiner Adressat:innen nicht direkt vor sich, aber er kann sich vorstellen, wie jemand die Hand hebt und die Frage stellt: „wie ist das eigentlich mit der Auferstehung der Toten, wie muss ich mir das vorstellen?“ Und so antwortet Paulus, sogar mit einer kleinen Spitze („Narr!“ (ἄφρων) lese ich hier nicht allzu streng, sondern eher im Sine der Ostererzählung vom Emmausgang Lk 24,25 ἀνόητοι) liebevoll korrigierend und tröstend. Er nimmt die Frage ernst und argumentiert hier v.a. erfahrungsbezogen und im Rahmen der antiken Vorstellungswelt. Die Gemeinde in Korinth gehört dem Landwirtschafts- und Handwerksmilieu an, so dass Paulus sich auf deren Erfahrungswelt und Allgemeinwissen bezieht, auf das Säen und Wachsen von Korn. Das Samenkorn stirbt nach der Aussaat und Gott schafft Neues unter Wahrung von Kontinuität.

Hilfreich sind die Übersetzung und Ausführungen der Exegese zu σάρξ, σῶμα und δόξα – auch hier ist Paulus nahe an dem, was seine Leser und Leserinnen vor Augen haben: Mensch und Tier (auch Fische) in ihrer Substanz und den Glanz der Himmelskörper. Naturbeobachtung und Erfahrung koppeln sich mit einer antiken Kosmologie, in die Paulus nun auch die Frage der Auferweckung einträgt. Allerdings mit ein paar markanten Akzentsetzungen:

So ist es Gott, der handelt – die Transformation der Toten ist nicht ein in ihnen bereits angelegter Prozess (hier ist die Übersetzung von V.36 bei Luther 2017 etwas missverständlich) – Paulus meint Auferweckung statt Auferstehung, was V.38 bestätigt wird durch den Hinweis auf Gottes aktives Handeln: Gott gibt einen Körper. An dieser theologischen Grundaussage ändert sich auch nichts, wenn wir mit heutigen naturwissenschaftliche Kenntnissen Identität genetisch bestimmen. Im Gegenteil: die Frage der Kontinuität von irdischer und geistiger (himmlischer) Existenz ist nicht physisch-biologisch, sondern theologisch bestimmt. Dies hat Konsequenzen für den Umgang mit dem toten Körper (s.u.).

Die christologische Argumentation mit der Adam-Christus-Typologie ist frei von Spekulationen, sondern zitiert Gen 2,7 LXX als anthropologische Grundaussage, die sich auf alle Menschen ausweiten lässt: im irdischen Leben sind wir beseelter Leib. Christus, der Erste der Auferweckung, gehört zur himmlischen Welt, wie es auch den von Gott künftig Auferweckten geschieht – sie besitzen einen neuen himmlischen Leib. Die Rede von einer unsterblichen Seele ist damit nicht gemeint.

2. Thematische Fokussierung

Die Frage von V.35, wie man sich die leibliche Auferstehung der Toten vorzustellen habe, beschäftigt nicht nur die Menschen in Korinth, ob zu christlichen Gemeinde gehörend, zu Juden oder zu den vielen anderen Gruppen mit ihren sicher pluralen religiösen und kultischen Vorstellungen und Riten. Die Frage beschäftigt auch heutige Menschen, und die Vielfalt der religiösen und weltanschaulichen Vorstellungen hat nicht abgenommen. Die Doppelfrage aus V.35 kann und wird auch von heutigen Menschen gestellt werden, wenn – wie am Ewigkeitssonntag – die christliche Auferweckungshoffnung benannt wird: Wie werden die Toten auferweckt? Wie soll man sich das vorstellen? Der Tonfall kann dabei spekulativ sein (als offene, ehrliche Frage), sophistisch-ironisch (als Ablehnung überkommener naiver Auferstehungsvorstellungen) oder trauernd-hoffend als Frage, welche Zukunft ein verstorbener geliebter Mensch bei Gott haben wird und ob diese Zukunft auch eine gemeinsame sein kann. Je nachdem, wen der Prediger, die Predigerin sich als Gegenüber vorstellt, wird auch der Tonfall der Rede ausfallen. Das ist nicht viel anders als bei Paulus und den Adressat:innen in Korinth.

Deshalb lohnt ein kurzer Ausflug in die Vielgestalt altorientalischer Vorstellungen, um über heutige ins Nachdenken zu kommen.

Auch in altorientalischer Zeit gab es keine einheitliche Konzeption des Todes oder der postmortalen Existenz von Menschen (und Tieren); jede Kultur unterschied sich von der anderen, was auch bedeutende Unterschiede in der Bestattungs- und Trauerpraxis mit sich brachte. Vorstellungen und Wissen wurden maßgeblich über Mythen und Bilder transportiert, die wir heute als archäologischen Ausgrabungsstätten und Artefakte bestaunen. Es gibt aber ein paar gemeinsame Strukturen, die heutige Annahmen und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen infrage stellen können. Gemeinsam ist beispielsweise, dass die ‚Unterwelt‘ als Räumlichkeit vorgestellt war, aus der es keine Rückkehr gab und in der die Herrschaftsverhältnisse anders sind als in der irdischen Welt. In vielen Mythen ist die Unterwelt als ungemütlicher, lichtloser, ja sogar qualvoller Raum gedacht, was sich auch in alttestamentlichen Texten widerspiegelt wie in Jes 5,14; 14,8-12, Hiob 17,13-16 oder Ps 6,5-6 Das Wohlergehen der Verstorbenen hing in manchen Kulturen davon ab, ob die Hinterbliebenen und Nachkommen eine positive Erinnerungskultur (so im Gilgamesch-Epos durch das Aufstellen eine Stele des Klans im Heiligtum) pflegten und die Verstorbenen kultisch mit Nahrung versorgten. Eine Auferstehung wird nicht erwartet, ein Totengericht gibt es nicht überall, aber der Status und Zustand der Toten hängt von der lebenden Familie ab, denn trotz der getrennten Räumlichkeiten gibt es keine vollständige Trennung zwischen Toten und Lebenden. Materielle Medien wie Gräber und Stelen und kultische Handlungen des Gedenkens und Versorgens ermöglichen eine Unterstützung mit den Verstorbenen. 

Die Antwort des Paulus gewinnt noch einmal an Profil, denn er setzt andere Akzente: er erzählt keinen Mythos, sondern bezieht Naturbeobachtung in seine Bildsprache mit ein. Er zeichnet ein Bild das nicht von Finsternis und Gottesferne geprägt ist. Ganz im Gegenteil lässt er Gott als mächtig erscheinen, der den Seelen nicht einfach einen neuen Körper überzieht (das wäre dann weiter ein beseelter irdischer Körper), sondern einen geistlichen, also in allem der göttlichen Welt entstammenden und zugehörigen Körper. Dass es diesen im auferweckten Christus gibt und dieser auch schon erschien, hat Paulus in den vorigen Abschnitten des Briefes bereits klargestellt. Besonders bemerkenswert ist die Lichtmetaphorik in den Vv. 40f, denn der leuchtende Glanz, den man mit den Augen wahrnehmen kann, widerspricht den Vorstellung des finsteren, lichtlosen Schattenreichs. Entsprechend dreht Paulus in den Gegensätzen Vv.42b-43 auch das Verhältnis radikal um, entgegen vieler populärer und mythischer Vorstellungen der Antike: das himmlische Leben ist nicht einfach eine licht- und farblose Kopie des Irdischen.

3. Theologische Aktualisierung

Der Textabschnitt aus der umfangreichen Briefkorrespondenz zwischen Paulus und der Gemeinde in Korinth eröffnet uns neue Perspektiven im Umgang mit den Toten in der Gegenwart. Auch hier ist aktuell vieles im Umbruch und hat sich an Vorstellungen und Praktiken geändert. Der christliche Glaube an die leibliche Auferstehung der Toten im Gefolge der Auferweckung Jesu Christi an Ostern verliert deutlich an Zustimmung. Dennoch halten viele Menschen an positiven Vorstellungen („Mama sieht uns jetzt von oben zu und passt auf uns auf“) fest, die nur in metaphorischer Sprache, kaum aber in einer realistischen, naturwissenschaftlich oder philosophisch plausiblen Weise gefasst werden kann. So erwägt der Philosoph Wilhelm Schmid, nachdem er energetische, kosmische, digitale, reinkarnatorische und theologisch Optionen durchgespielt hat: „Einige Möglichkeiten sind also vorstellbar, den Tod zu überleben“ (W. Schmid 2024, 84). Jede Generation greift dazu auf das Bezugswissen und die Erfahrung ihrer Zeit zurück, wie Paulus auf den agrarischen Bereich.

Was am Ewigkeitssonntag aber im Zentrum stehen dürfte, ist das Bedürfnis, dass Lebende und Verstorbene in Verbindung zu bleiben vermögen. Wenn in der Gemeinde Trauernde am Gottesdienst teilnehmen, wird der „Verlust des Resonanzraums“, der mit dem Tod eines Menschen verbunden ist, noch sehr spürbar sein. Paulus macht deutlich, dass diese Sehnsucht in Gottes schöpferischer und lichterfüllter Liebe einen Hoffnungsgrund besitzt und schon jetzt gelebt werden kann, nicht zuletzt in der sinnlich-körperlichen Erinnerungs- und Gedenkkultur des christlichen Gottesdienstes.

4. Wie prägt der Text den Sonn- oder Feiertag im Kirchenjahr?

Der Predigttext vereindeutigt den Doppelkasus Totensonntag & / Ewigkeitssonntag zugunsten der Frage nach der christlichen Jenseitshoffnung. Die Art und Weise, wie Paulus auf die Ausgangsfrage eingeht, kann auch die Gestaltung des Gottesdienstes prägen, sowohl im Blick auf die Wortverkündigung als auch auf rituelle Gesten.

Die Rede von der Körperlichkeit ist angesichts der Veränderungen des Bestattungswesens ernst zu nehmen. Binnen zweier Generationen haben sich die Kremierung des Leichnams und die Bestattung von Urnen in speziellen Gräbern, in Ruheforsten und Friedwäldern, bei Seebestattungen oder auch als Verstreuen der Asche deutlich verbreitet. Es gibt kirchlicherseits keine Einwände mehr: die Auferweckung ist nicht an das Vorhandensein von ‚Gebeinen‘ gebunden. Die jüngste Bestattungsform der ‚Reerdigung‘ sieht sogar eine beschleunigte und völlige Kompostierung des Leichnams vor. Damit einher geht eine Ablösung der Leiblichkeit von Tod und Trauer. Viele der im Gottesdienst Trauernden werden – auch bei unterschiedlicher Bestattungsform – ihre Trauer auch körperlich erfahren, als Verlust des anderen Körpers und seiner Resonanzfähigkeit. Die Worte des Paulus machen Mut, Trauer nicht vollends zu spiritualisieren, sondern von einem neuen Körper zu sprechen, einem neuen Resonanzraum, der erfüllt ist von Beziehungen zwischen Gott und Mensch und unter Menschen (und vielleicht auch Tieren).

5. Anregungen und Inszenierungsimpulse für Predigende

Paulus spricht auch vom himmlischen Glanz, der mit Augen zu sehen ist. Das an vielen Orten übliche Ritual, am Totensonntag Kerzen für die Verstorbenen anzuzünden, kann im Sinne des Ewigkeitssonntags neu gedeutet werden: als ein Glanz der Ewigkeit, vom Osterlicht kommend und als eine Botschaft an die Lebenden – nicht als Erinnerung, sondern als Strahlen, Glänzen und Trösten in die Dunkelheit der Trauer hinein. Das lenkt dann schon fast hinüber zu den Lichtern der Adventzeit und dem Licht, das Gott in die Welt schickt. Die Doxa ist als Glanz schon jetzt mit den Augen wahrnehmbar – das lässt sich mit dem Ritual des Entzündens von Kerzen verbinden.

Literatur

  • Michaela Bauks, „Soul-Concepts“ in Ancient Near Eastern Mythical Texts and Their Implications for the Primeval History, in: Vetus Testamentum 66 (2016), 181–193.
  • Monika Müller, Trauer – Verlust von Resonanz, in: Leidfaden, 2025 (Heft2), 16–19.
  • Wilhelm Schmid, Den Tod überleben. Vom Umgang mit dem Unfassbaren, Berlin: Insel-Verlag 2024.

Autoren

  • Prof. i.R. Dr. Andreas Lindemann (Einführung und Exegese)
  • Prof. Dr. Traugott Roser (Praktisch-theologische Resonanzen)

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