Deutsche Bibelgesellschaft

Epheser 3,14-21 | Exaudi | 01.06.2025

Einführung in den Epheserbrief

Die aktuellen Fragen, die in der Exegese des Epheserbriefs behandelt werden, drehen sich vor allem das Verhältnis von Ekklesiologie und Christologie sowie um die Vorstellungen zur Eschatologie.

1. Verfasser

In der Exegese herrscht große Einigkeit darüber, dass der Epheserbrief nicht von Paulus verfasst wurde. Dagegen sprechen die von den authentischen Paulusbriefen abweichende eigene Sprachgestalt (z.B. die Vorliebe für überlange Sätze) sowie theologische Weiterentwicklungen, besonders in Christologie und Kosmologie (z.B. Christus, der das All zusammenfasst Eph 1,10), Soteriologie (Gott hat uns mit auferweckt und eingesetzt im Himmel in Christus 2,6), Ekklesiologie (die über die einzelne Gemeinde hinaus wachsende Kirche als Leib mit Christus als Haupt, 1,22) und die Bedeutung der apostolischen Tradition, die die Existenz der Kirche garantiert (2,20). Hinzu kommt die weitgehende Abhängigkeit des Eph vom (früheren) Kolosserbrief, bis hin zu wörtlichen Übernahmen. Der namentlich unbekannte Verfasser des Eph fühlt sich der paulinischen Tradition verpflichtet (z.B. 2,8) und will sie in seiner eigenen Zeit, vermutlich zwischen 80 und 90 n. Chr., und unter anderen Umständen erneut zur Sprache bringen. Auch der Aufbau des Briefes entspricht im Wesentlichen den authentischen Paulusbriefen, vor allem mit der Aufteilung in einen eher grundlegend-lehrhaften und einen daraus Konsequenzen ziehenden paränetischen Hauptteil. Ungewöhnlich ist aber das Nebeneinander einer ausführlichen Eulogie und Danksagung im Eingangsteil (1,3-14. 15-23) und das Fehlen von Grüßen am Schluss.

2. Adressaten

Der Eph ist nach 1,1 und der Briefüberschrift ein Schreiben an die Christen in Ephesus. Allerdings fehlt die Ortsangabe in 1,1 in den ältesten Handschriften, und es finden sich keinerlei nähere Angaben zu den Adressaten; persönliche Notizen oder Grüße fehlen, die Mahnungen bleiben allgemein. Konkrete Probleme, die die Abfassung erklären könnten, werden nicht angesprochen. Nach 1,15; 3,2f.; 4,21 scheinen sich Verfasser und Adressaten nicht einmal persönlich zu kennen. Dass die Empfänger in Ephesus beheimatet seien, geht aus dem Text nirgends hervor. Der Eph ist deshalb vielfach als Traktat, theologische Abhandlung oder auch als „Rundschreiben“ bezeichnet worden. Diese Auffassung hat wegen der Allgemeinheit des Schreibens viel für sich. Ein „situationsloses Schreiben“ ist Eph dennoch nicht, auch wenn wir seine Situation nicht mehr im Detail rekonstruieren können. Offensichtlich hat sich der Verfasser aber veranlasst gesehen, grundlegende Gedanken über die christliche Existenz und die Kirche aufzuschreiben und dabei besonders die Einheit der Kirche hervorzuheben. Die frühe Verbreitung des Schreibens im westlichen Kleinasien spricht dafür, dass die Adressaten hier zu suchen sind. Von daher lag die Provinzhauptstadt Ephesus als zugeschriebene Adresse nahe, nicht zuletzt  deshalb, weil Paulus selbst sich längere Zeit in der Stadt aufgehalten hatte.

3. Entstehungsort

Was für die Adressaten gilt, gilt auch für den Entstehungsort des Schreibens. Das westliche Kleinasien ist ein Entwicklungszentrum des frühen Christentums, wie z.B. die in Offb 2f. genannten Städte (darunter auch Ephesus) belegen. Vermutlich ist das Schreiben in diesem Umkreis entstanden. Dass der Verfasser den Kol gekannt, geschätzt und verwendet hat, unterstreicht dies (Kolossä lag etwa 170 km östlich von Ephesus).

4. Wichtige Themen

Theologie, Christologie, Kosmologie und Ekklesiologie sind wichtige Themen des Eph - und sie sind eng miteinander verbunden. Der Kosmos besteht aus zwei Räumen, Erde (4,9) und Himmel (1,3.10; 2,6). Im himmlischen Bereich befinden sich die Engel, die Äonen, die Mächte und Gewalten (1,21; 2,7), zum Bereich der Erde gehört alles Vorfindliche, hier hat der Äon dieser Welt seinen Ort (2,2), und der Weltherrscher regiert (6,12). In Christus und durch ihn ist aber alles, was im Himmel und auf Erden ist, „zusammengefasst“, (1,10), und es gibt nichts mehr, was Christus nicht unterworfen wäre (1,23). Dies gilt nicht zuletzt für Juden und Heiden, die durch einen „Zaun“ getrennt waren (2,14). Aber auch dieser Zaun ist durch Christus aufgehoben, Gemeinschaft und Einheit sind möglich geworden. In der Kirche wird dies erkannt und geglaubt. Insofern ist sie Christi Leib, Christus ist in ihr gegenwärtig, sie repräsentiert die „Fülle Christi“. Deshalb kann auch, was vor Christus Juden und Heiden voneinander schied, nicht mehr trennen (2,11-13). Durch Christus, durch sein Blut gehören beide gleichermaßen zum „Leib Christi“ und haben Zugang zum himmlischen Bereich (2,6.18); dies aber nicht im Gegensatz zur Welt, sondern im Blick auf die Welt und mit der Aufgabe, allen Menschen und kosmischen Mächten das Geheimnis Gottes zu verkündigen und vorzuleben (3,10; im Blick auf den Apostel 6,19f.).

Dies wird mit Hilfe verschiedener Bilder zum Ausdruck gebracht. Neben der Kirche als „Leib Christi“ wird sie auch als „Bauwerk“, in dem die Christen Wohnrecht haben, und als  „Tempel“ bezeichnet (2,19-22). Das Bauwerk ist jetzt schon existent (2,19f.), aber es wird auch noch daran gebaut, damit alle zur Erkenntnis des Sohnes Gottes kommen (4,11ff.). Im Rahmen der Haustafel wird das Verhältnis von Mann und Frau auf Christus und die Kirche gedeutet (5,25-32). Die verschiedenen Bilder zeigen, dass die Kirche nicht mit Sachstandsbeschreibungen zu erfassen ist, sondern als geglaubte Größe weit über ihre sichtbare Existenz hinaus reicht. Der Verfasser des Eph ist damit der erste christliche Theologe, der explizit eine Vorstellung von dem Phänomen Kirche entwickelt. Umstritten ist, ob der Eph damit die theologische Konzeption einer Universalkirche entwirft oder sich nach wie vor auf die Versammlung der Glaubenden bezieht, sodass die einzelnen Glaubenden im Blick bleiben. Beide Positionen sehen m.E. etwas Richtiges. Im Vergleich mit den unbestrittenen Paulusbriefen hat zweifellos bereits eine Entwicklung hin zur Kirche als einer die Ortsgemeinden überschreitenden Größe stattgefunden. Die Christen aller Gemeinden bauen gemeinsam an dem Bau weiter, der auf dem von den Aposteln und Propheten garantierten Fundament ruht und dessen Eckstein Christus ist (2,20). Die wachsende Zahl der Gemeinden führt aber auch zu Differenzen, und das macht die starke Mahnung zur Einheit verständlich (4,1-6). Christus ist das Haupt der Gemeinde, aber ist auch Herrscher über das  All (einschließlich aller gegenwärtig noch ungläubigen Menschen und überpersönlichen Mächte). Was in der Kirche schon erkannt wird, soll auch vor der Welt bekannt werden. Diesem Ziel dient die Einheit der Christen - und darauf liegt der Akzent, und (noch) nicht auf der Idee einer universalen Kirche im Sinne einer Heilsagentur.

Deshalb ist die Ekklesiologie auch nicht, wie oft vertreten wurde, das eine, zentrale Thema des Eph. Ohne die Christologie (und die damit verbundenen soteriologischen Aussagen) wären die Aussagen über die Kirche ihrer Grundlage beraubt. Was in der Kirche erkannt, geglaubt und von ihr in die Welt getragen wird, ist nicht in erster Linie eine Lehre von der Kirche, sondern ein Bekenntnis zu Christus (vor allem 1,3-14), der das ganze All zusammenhält. Ohne Christus als Eckstein und die apostolische Tradition (2,20) gäbe es die Kirche nicht. Ihre Aufgabe ist es, das von Christus erwirkte Heil für die ganze Welt zu verkündigen und durch ihr Handeln zu bezeugen.

Der ganze zweite Hauptteil des Eph und damit die Hälfte des Schreibens befasst sich mit der Lebensführung der Adressaten. Das hat Auswirkungen auf das Verständnis der Ekklesiologie. Gerade weil die Kirche das Geheimnis Gottes als Grundlage (1,10) und den Gottesgeist als Angeld hat (1,14), steht sie in der Gefahr, „geistlich abzuheben“ und sich über die Welt zu erheben (vgl. 2,8-10), die aber doch auch mit allem Drum und Dran von Christus zusammengehalten wird (1,10). Die umfangreiche Paränese ist deshalb die andere, notwendige Seite der ekklesiologischen Medaille. Die Lebenspraxis soll nicht nur dem Glauben der Christen entsprechen, sondern dazu helfen, den Menschenkindern (3,5) das Geheimnis Gottes zu erschließen.

Dass alles, was es im Himmel und auf Erden gibt, alle Menschen, alle Mächte und Gewalten, die von den Christen schon erkannte und geglaubte Erlösung in Christus ebenfalls erkennen und in das Gotteslob (1,3-14) einstimmen, steht freilich noch aus. Im Bild gesprochen: Der Leib Christi muss noch wachsen (4,15). Zwar sind die Christusgläubigen schon mit auferweckt und im Himmel eingesetzt (2,6), aber Vielen ist dieses Geheimnis noch fremd und unerschlossen, und Mächte und Gewalten kämpfen dagegen an (6,10). Insofern fehlt auch die Dimension der Zukunft im Eph nicht (formelhaft in 1,21). Es ist allerdings keine qualitativ andere und ganz neue Zukunft, sondern eine, die in Gottes Willen schon vor aller Zeit beschlossen ist und auf die die Christusgläubigen deshalb mit gutem Grund und fester Zuversicht hoffen können.

5. Besonderheiten

Das Schreiben ist mit dem Kol eng verwandt, und zwar im Blick auf den Gesamtaufbau (Eph 1-3 entspricht weitgehend Kol 1f., Eph 4-6 großenteils Kol 3f.) sowie den Textbestand und die Abfolge der einzelnen Aussagen; die Haustafeln sind vergleichbar (Eph 5,21-6,9; Kol 3,18-4,1) und es gibt etliche fast wörtliche Übereinstimmungen (z.B. Eph 1,1f. und Kol 1,1f.; Eph 6,21f. und Kol 4,7f.). Hinzu kommen große Ähnlichkeiten in theologischen Aussagen, vor allem zur Christologie (Christus als Haupt des Leibes = der Kirche 1,22; 4,15; 5,23; Kol 1,18; 2,19); zur Kosmologie (1,10.20-22) und zur bereits erfolgten Auferweckung der Christen (2,5.7; Kol 2,12f.; 3,1). Offensichtlich sind beide Briefe eng miteinander verwandt. Allgemein wird die literarische Abhängigkeit des Eph vom Kol angenommen. Für die Interpretation des Eph ist deshalb immer auch der Kol zu berücksichtigen.

Literatur:

  • Sellin, Gerhard: Der Brief an die Epheser, KEK, Göttingen 2008.
  • Lindemann, Andreas: Der Epheserbrief, ZBK NT 8, Zürich 1985.
  • Gese, Michael: Der Epheserbrief (BNT), Neukirchen-Vluyn 32022.

A) Exegese kompakt: Epheser 3,14-21

14Τούτου χάριν κάμπτω τὰ γόνατά μου πρὸς τὸν πατέρα, 15ἐξ οὗ πᾶσα πατριὰ ἐν οὐρανοῖς καὶ ἐπὶ γῆς ὀνομάζεται, 16ἵνα δῷ ὑμῖν κατὰ τὸ πλοῦτος τῆς δόξης αὐτοῦ δυνάμει κραταιωθῆναι διὰ τοῦ πνεύματος αὐτοῦ εἰς τὸν ἔσω ἄνθρωπον, 17κατοικῆσαι τὸν Χριστὸν διὰ τῆς πίστεως ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν, ἐν ἀγάπῃ ἐρριζωμένοι καὶ τεθεμελιωμένοι, 18ἵνα ἐξισχύσητε καταλαβέσθαι σὺν πᾶσιν τοῖς ἁγίοις τί τὸ πλάτος καὶ μῆκος καὶ ὕψος καὶ βάθος, 19γνῶναί τε τὴν ὑπερβάλλουσαν τῆς γνώσεως ἀγάπην τοῦ Χριστοῦ, ἵνα πληρωθῆτε εἰς πᾶν τὸ πλήρωμα τοῦ θεοῦ.

20Τῷ δὲ δυναμένῳ ὑπὲρ πάντα ποιῆσαι ὑπερεκπερισσοῦ ὧν αἰτούμεθα ἢ νοοῦμεν κατὰ τὴν δύναμιν τὴν ἐνεργουμένην ἐν ἡμῖν, 21αὐτῷ ἡ δόξα ἐν τῇ ἐκκλησίᾳ καὶ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ εἰς πάσας τὰς γενεὰς τοῦ αἰῶνος τῶν αἰώνων, ἀμήν.

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Übersetzung

14 Deswegen beuge ich meine Knie vor dem Vater,

15 von dem alle Vaterschaft in den Himmeln und auf Erden benannt ist,

16 dass er euch gebe – gemäß dem Reichtum seiner Herrlichkeit –

in Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist in dem inwendigen Menschen,

17 dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne,

die ihr in Liebe verwurzelt und gegründet seid,

18 damit ihr imstande seid mit allen Heiligen zu erfassen,

was die Breite und Länge und Höhe und Tiefe (ist)

19 und auch erkennen könnt die alle Erkenntnis übertreffende Liebe des Christus,

damit ihr erfüllt werdet auf alle Fülle Gottes hin.

20 Dem aber, der tun kann überschwänglich über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen,

gemäß der Kraft, die in uns wirkt,

21 ihm (sei) die Ehre in der Kirche und in Christus Jesus

für alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit (bis in alle Geschlechter des Äons der Äonen). Amen.

1. Fragen und Hilfen zur Übersetzung

V. 14f. Πατέρα … πᾶσα πατριά: Die Paronomasie bezieht jedes Geschlecht, jede Familie, Sippe o.ä. auf Gott, von dem her alles seinen Namen hat. Eph 4,6 ist vergleichbar; dort ist ein philosophischer Hintergrund erkennbar. Hier klingt eher der Schöpfungsgedanke an (vgl. Gen 1,5.8; Ps 147,4), zumal auch die Wendung von Himmel und Erde auf den Schöpfer verweist und die Schöpfung schon in 3,9 angesprochen ist.

V. 16    εἰς τὸν ἔσω ἄνθρωπον: Die Wendung geht auf Platon zurück (rep 589a) und bezeichnet dort die Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Im Eph ist die Aussage vermutlich von 2Kor 4,6 abhängig (vgl. auch Röm 7,22). Der Zusammenhang der beiden Wendungen δυνάμει κραταιωθῆναι διὰ τοῦ πνεύματος αὐτοῦ εἰς τὸν ἔσω ἄνθρωπον und κατοικῆσαι τὸν Χριστὸν διὰ τῆς πίστεως ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν legt es nahe, den „inneren Menschen“ als glaubenden und sich an Christus orientierenden Menschen zu verstehen. In 2,15; 4,24 ist in ähnlicher Weise vom „neuen Menschen“ die Rede. Zwischen dem „inneren“ und dem „neuen“ Menschen (wie in manchen Kommentaren) zu differenzieren, ist nicht wirklich geboten.

V. 18 σὺν πᾶσιν τοῖς ἁγίοις: Die Heiligen werden hier bisweilen als Engel verstanden. Sowohl πᾶσιν als auch die Wendung ἐξισχύσητε καταλαβέσθαι (damit ihr imstande seid zu erfassen) legen aber die Deutung auf die Christen nahe.

V. 19: γνῶναί τε τὴν ὑπερβάλλουσαν τῆς γνώσεως ... πληρωθῆτε εἰς πᾶν τὸ πλήρωμα τοῦ θεοῦ … sind Beispiele für den überschwänglichen Stil des Eph. Dies trifft auch auf ὑπερεκπερισσοῦ V. 20 zu; περισσῶς (übermäßig) ist mit ὑπέρ und ἐκ doppelt gesteigert.

2. Literarische Gestaltung

Τούτου χάριν V. 14 nimmt 3,1 und den ganzen Abschnitt 3,1–13 auf. Dort ist von Paulus die Rede, der als Apostel und allergeringster der Heiligen die Aufgabe hat, den Heiden das Geheimnis Gottes nahezubringen und der dementsprechend nun in 3,14ff. vor Gott betend für sie eintritt. 3,14–19 und 3,21f. greifen aber inhaltlich und terminologisch auch auf den Lobpreis 1,3–14 und den Gebetsbericht 1,15-23 zurück und rahmen zusammen mit Kapitel 1 alles ein, was in Kapitel 2–3 vorgetragen ist.

Es handelt sich wie in 1,3–14 um einen einzigen, langen Satz, der nach dem Hauptsatz in V. 14 und der ergänzenden Bestimmung V. 15 vor allem durch das dreimalige ἵνα in V. 16.18.19 gegliedert ist: Der Apostel bittet darum, dass Gott die Adressaten durch den Reichtum seiner Gnade stärke, dass er sie die Breite und Länge, Höhe und Tiefe ebenso wie die Liebe Christi erkennen lasse und sie mit der ganzen Fülle Gottes erfülle. Zusammengenommen umschreiben diese Sätze in umfassendem Sinn und ebensolcher Sprache den christlichen Glauben. Von einem Gebet ist nicht direkt die Rede, das Beugen der Knie weist den Abschnitt aber als Gebet aus (vgl. Apg 20,36; 21,5); zwar ist Knien im zeitgenössischen Judentum und frühen Christentum keine häufige Gebetshaltung, angesichts der göttlichen Herrlichkeit aber ein angemessenes Verhalten. Adressat des Bittgebets ist Gott, der hier – wie in 2,18 – „Vater“ genannt wird, auch die beiden letzten Worte des Gebets – τοῦ θεοῦ (V. 19) – beziehen sich auf ihn und bilden mit V. 14 einen Rahmen.

Nach den Bitten schließt in V. 20f. ein Lobpreis Gottes an, der alle Zeiten und Geschlechter umfasst. Oft schließen Doxologien (wie auch hier) einen Text oder Textabschnitt ab. Sie weisen ein bestimmtes Schema auf: Zunächst wird der zu Lobende genannt (meistens Gott, erst spät auch Christus, vgl. 2Tim 4,18; 2Petr 3,18), dann folgt der Begriff δόξα, oft verbunden mit einem Hinweis auf die ewige Dauer des Lobes. Das ist hier volltönend der Fall; der umfassenden Herrlichkeit Gottes ist nur ewige Dauer angemessen (vgl. ähnlich Dan 7,18 LXX). Der Hinweis auf alle Geschlechter nimmt die Eingangswendung V. 15 (πᾶσα πατριά) auf. Amen rundet die Doxologie ab (vgl. Röm 11,36; Gal 1,5; Phil 4,20) und fordert die Adressaten zur Einstimmung auf.

3. Literarischer Kontext

Liebe ist im Eph Hauptwort und theologisches Zentrum (1,4.15; 2,4; 3,17.19; 4,2.15f.; 5,2; 6,23). Sie kann sich auf die Liebe Gottes beziehen (z.B. 2,4), auf die Liebe Christi (3,17.19) oder auf die Liebe der Christen untereinander (1,15; 4,2 u.ö). Von V. 19 her ist klar, dass die Liebe der Christen in der Liebe Christi ihren Grund hat und diese wiederum in der Liebe Gottes. ἐν ἀγάπῃ ἐρριζωμένοι καὶ τεθεμελιωμένοι hat von beidem etwas, von einer Bitte und von einer Begründung.

Bei der Viererkette Breite, Länge, Höhe und Tiefe ist nur die Breite mit einem Artikel versehen, außerdem fehlt eine direkte Bezugsgröße. Beides lässt auf eine formelhafte Wendung schließen. Direkte biblische Parallelen gibt es nicht; ähnliche Aussagen sind aber vorhanden. Nach Röm 8,39 können weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes von Gott trennen; nach 1Kor 2,10 erforscht der Geist auch die Tiefen Gottes; Hi 11,8f. ist der Sache nach eng verwandt, in der LXX-Fassung allerdings terminologisch verschieden (mit anderen Konnotationen auch Sir 1,3; Spr 25,3; Offb 21,16). In der Stoa finden sich ähnliche Begriffe in astronomischer Bedeutung, bei Philo bezeichnen sie die Dimensionen der Körper bzw. des Raums. Ein Beleg aus dem Corpus Hermeticum (X 25), wo der Gnostiker die verschiedenen Dimensionen erforscht, ist spät und weist terminologisch keine hinreichende Nähe zur Eph-Stelle auf. Dies gilt auch für den Zauberpapyrus PGM IV 968ff., der zwar die vier Begriffe nennt, sich aber sonst kaum vergleichen lässt. So verschieden diese Stellen sind, zeigen sie doch übereinstimmend, dass die Dimensionen herangezogen werden konnten, um die Größe Gottes oder des Kosmos zu erfassen. In Eph 3,18 ist die Frage der Bezugsgröße der Dimensionen im Zusammenhang mit V. 19 zu klären; genannt sind hier die überfließende Liebe Christi und die Fülle Gottes. Erfassen und erkennen sind die Verben, die damit in Zusammenhang stehen. Das Erfassen und Begreifen der Liebe Christi führt zum Erfassen der Fülle Gottes in all ihren Dimensionen. „Klare Definitionen … sind für den Epheserbrief nicht typisch, aber das Grundanliegen der Logik des Füllens wird deutlich“ (Pokorný, 156). Der Sache nach steht Kol 1,19 im Hintergrund. Und wenn Eph 5,19f. zum Singen von Psalmen und geistlichen Liedern auffordert, so ist 3,14–21 selbst ein Beispiel dafür.

4. Schwerpunkte der Interpretation

Von Gott ist in umfassendem Sinn die Rede. Er ist der Vater, der allem, was ist, einen Namen gegeben hat (V. 14), dem die ganze Fülle in allen denkbaren Dimensionen zukommt (V. 18f.), der in Christus überschwänglich gibt und die Glaubenden durch seinen Geist mit Kraft begabt (V. 16). Mit dem Begriff Pleroma greift der Verfasser auf 1,23 zurück, aber mit einem etwas anderen Akzent; während in 1,23 Pleroma auf die Kirche als Leib Christi bezogen ist, der selbst wiederum den Kosmos erfüllt, ist in 3,19 die Fülle Gottes gemeint und das Erfülltsein der Glaubenden von Gott, das aber die Erkenntnis der Liebe Christi voraussetzt.

Die Liebe Christi und die Fülle Gottes zu erfassen und sich daran zu orientieren, ist Merkmal und zugleich weitergehende Aufgabe des glaubenden Menschen bzw., wie 3,16 metaphorisch formuliert, des „inwendigen Menschen“. Der Hinweis auf das Herz als Wesenszentrum zeigt, dass hier keine Unterscheidung von „innerem und äußerem“ Menschen intendiert ist; vielmehr geht es um den ganzen Menschen, der in Denken und Handeln von Christus und vom Glauben an ihn bestimmt ist (V. 17 κατοικῆσαι τὸν Χριστὸν διὰ τῆς πίστεως ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν). Die Begriffe des Erkennens (ἵνα ἐξισχύσητε καταλαβέσθαι, γνῶναί τε) werden dabei überboten von der Liebe Christi, die alle Erkenntnis übertrifft. Es ist eine glaubende Erkenntnis derer, in deren Herzen Christus „wohnt“.

Die Formulierung in V. 21 ist auffällig: Gelobt werden soll Gott „in der Kirche und in Christus Jesus“. Man kann darin eine Art Gleichberechtigung und in der Kirche dementsprechend eine heilsstiftende Größe sehen. Eine Reihe von Handschriften haben das offenbar kritisiert und die verbindende Konjunktion καὶ in V. 21 gestrichen; sie ist aber gut bezeugt und als lectio difficilior anzusehen. Gleiche Heilsbedeutung haben Kirche und Christus dennoch nicht; Christus ist ihr Eckstein (2,20) und ihr Haupt, und die Kirche ordnet sich Christus unter (5,23f.). Indem sie dies aber tut, ist sie „heilig“ und soll es sein (4,12; 5,27). Und wer glaubt, gehört zur Kirche als Leib Christi und wird in und mit ihr auferbaut (4,12). Der Akzent liegt hier nicht so sehr auf den glaubenden Individuen, sondern auf der gesamten Ekklesia (vgl. 5,27).

5. Theologische Perspektivierung

Der Abschnitt umfasst ein Bittgebet und eine Doxologie. Die Sprache des Eph ist insgesamt überschwänglich; im Bittgebet und der Doxologie hat eine solche Sprache aber ihren genuinen Ort. Es geht nicht um Definition, sondern um Wunsch, Bitte und Lob.

Eph 3,14–21 bildet zusammen mit 1,3–15.15–23 einen Rahmen, innerhalb dessen die theologischen Gedanken in Kapitel 2 und 3 ausgeführt sind. Wenn 4,1 fortfährt „So ermahne ich euch nun …“ wird alles bis dahin Gesagte zur Grundlage für die folgende Paränesen. Umgekehrt werden von den folgenden Mahnungen her die überschwänglichen Aussagen der Rahmenabschnitte in Kapitel 1 und 3 geerdet. Der Blick auf die Komposition des gesamten Schreibens ist hilfreich zum Verständnis der Predigtperikope.

Von Gott wird in höchsten Tönen gesprochen: Er ist der Vater, reich an Herrlichkeit, unerreicht in jeder nur erdenklichen Dimension; überfließende Fülle ist sein Kennzeichen, und sie zeigt sich vor allem in der Liebe Christi. Die Fülle Gottes kann nur begreifen, wer die Liebe Christi erkennt und sich ihr öffnet.

So wie Gott ist, so möge er geben: Gemäß dem Reichtum seiner Herrlichkeit, in Fülle, überschwänglich und dabei die Zeiten übergreifend. Im Blick auf die Adressaten heißt das: Kraft und Stärke sollen ihren Glauben und ihr Handeln bestimmen, sie sollen die Herrlichkeit Gottes in all ihren Dimensionen erkennen und über alles Erkennen hinaus die Liebe Christi erfassen. Er möge ihre Herzen, ihre christliche Existenz, im Glauben und Handeln bestimmen. Der Verfasser lässt Paulus nicht für einzelne Glaubende bitten, auch nicht nur für die in Ephesus, sondern für sie in der Gemeinschaft aller Heiligen, d.h. aller derer, die auf Gott und Christus vertrauen. In der Gemeinschaft der Kirche werden die Herrlichkeit Gottes und die Liebe Christi schon wahrgenommen und bekannt. Indem der Apostel für die Glaubenden in der Kirche bittet, ist er ein Beispiel dafür, wie Christus die Kirche mit allem, was sie braucht, versorgt (4,11–14).

Literatur

  • Gese, Michael, Der Epheserbrief (BNT), Neukirchen-Vluyn 32022
  • Lindemann, Andreas: Der Epheserbrief (ZBK.NT 8), Zürich 1985
  • Pokorný, Petr: Der Brief des Paulus an die Epheser, ThHK 10/II, Leipzig 1992
  • Sellin, Gerhard: Der Brief an die Epheser (KEK), Göttingen 2008

B) Praktisch-theologische Resonanzen

1. Persönliche Resonanzen

Homiletisch anregend ist die Verbindung von Tempel-, Natur- und Bau-Metaphorik, die es in der Predigt auszumalen lohnt, dass einerseits Christus in den Herzen „wohnt“, andererseits die Glaubenden in der Liebe (sc. Christi) „verwurzelt“ und „gegründet“ sind (vgl. Kol 2,7). Alle drei Motive sind auch in Eph 2,20–22 miteinander verbunden, werden dort – im Anschluss an 1Kor 3,5–11.16f – ekklesiologisch gebraucht, nun aber im Gebet existenziell auf den Glauben bezogen.

2. Thematische Fokussierung

Die Liebe (3,17) bildet die theologische Mitte des Epheserbriefs (s.o.). Die Liebe Christi zu erkennen (3,19), lebt vom Verkündigen, Kennenlernen und Verinnerlichen dieser Liebesbotschaft, darf aber nicht zu einer intellektuellen Verengung des Glaubensverständnisses verleiten, weil die Liebe Christi alles Bitten und Verstehen übersteigt. Deshalb zielen die drei ἵνα-Sätze auf das Empfangen und Begreifen in einem umfassenden Sinn: existenziell auf die Stärkung des Glaubens durch den Heiligen Geist, kognitiv auf die Erkenntnis der Liebe Christi und ganzheitlich auf das Erfüllt-Werden von Gott.

Der Vaterbegriff wird positiv gebraucht, doch könnte er in der Predigtrezeption aufgrund einschlägiger Erfahrungen und öffentlicher Diskussionen auch negative Assoziationen wecken.

Der innere Mensch darf nicht in romantischer Tradition auf die Innerlichkeit reduziert werden, sondern benennt parallel zum Herzen das Zentrum der Person in ihrer Gottesbeziehung.

3. Theologische Aktualisierung

„Mit allen Heiligen“ (3,18; vgl. 1,1.15; 6,18) wird die Einheit der Kirche als Hauptthema des Epheserbriefs angesprochen (vgl. 2,14–21; 4,1–6.13). Im Gebet sind alle Generationen bis in alle Ewigkeit (2,21) ökumenisch weltweit und zu allen Zeiten verbunden, gestern, heute und morgen.

4. Bezug zum Kirchenjahr

Gebet und Doxologie fügen sich mit Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern (5,19) gut ein in die Reihe der Sonntage Jubilate – Kantate – Rogate. Auf die Metaphorik des Predigttextes könnte EG 166 als Eingangslied einstimmen „Tut mir auf die schöne Pforte“ sowie als Schriftlesung die Verheißung aus Jer 31,33f., dass die Gotteserkenntnis im neuen Bund ins Herz gegeben sein soll.

5. Anregungen

Eine besondere Herausforderung des Predigttextes besteht im überlangen Satzbau, seiner überfrachteten Sprache, den verdichteten Aussagen. Diese Eigenart erklärt sich dadurch, dass im Epheserbrief ein Paulusschüler aus allen Schreiben des Apostels die Summe seiner Theologie „auf Kürzeste“ (3,3f.) zusammenfasst. Davon hebt sich die betende und lobpreisende Sprache ab, die auf den Gottesdienst als Sitz im Leben hinweist. Nicht ohne Grund bettet der Verfasser den ersten, theologischen Hauptteil des Briefes (Kap. 2f.) zwischen Eulogie (1,3ff.) und Doxologie (3,20f.) in einen Lobpreis Gottes ein, um so nach der lehrhaften Argumentation wieder zum Modus des Gebets zu wechseln, bevor er mit der Paränese fortfährt (4,1ff.). Dass der Glaube über Bitten und Verstehen hinausgeht (3,20), macht ihn nicht unvernünftig, sondern übersteigt die Fassungskraft der Vernunft (vgl. Phil 4,7), mündet aber in den überschwänglichen Lobpreis Gottes, der sich geistgewirkt, begeisternd und mitreißend entfaltet im ganzen Reichtum kirchenmusikalischer Lieddichtung von der Alten Kirche bis zur Gegenwart. Die vollmundige Sprache ist Ausdruck überfließender Freude (wes das Herz voll ist…). Homiletisch angemessen wäre nicht eine argumentativ erklärend lehrende, sondern eine hymnisch mitreißende und seelsorglich ansprechende Tonalität, die sich in den Textduktus einschwingt, in die Liturgie einfügt und einreiht in die Sonntage Jubilate, Kantate, Rogate.

Dies könnte in Gestalt einer Liedpredigt geschehen, die sich in mehrere Schritte gliedert. Sie könnte einsetzen mit dem Lobpreis der allumfassenden göttlichen Vaterschaft in Schöpfung und Erlösung, darin das Schöpferlob in aller kosmischen Weite konkretisieren, veranschaulichen und ausmalen, sich durch Ps 104 inspirieren lassen und zu EG 503,1-3+8 überleiten (Geh aus mein Herz).

Ein zweiter Teil könnte die Theologie der Liebe im Epheserbrief nachzeichnen und besingen (z.B. EG 23,1+7; 325; 401; 409).

Ein dritter Teil könnte die Metaphorik aufgreifen in der Bitte um das Wohnungnehmen und Raumgeben, Wurzelschlagen und Früchtebringen. Die Bilder sind nicht statisch, sondern beschreiben einen dynamischen Prozess.

Das Wohnen ist ein Ausdruck, der aus der Jerusalemer Tempeltheologie stammt und Gottes Gegenwart im Tempel umschreibt (Jes 6,1–3). Im Epheserbrief wird er zunächst auf die Kirche als heiliger Tempel und Wohnung Gottes übertragen (Eph 2,21f; vgl. 1Kor 3,16), im Predigttext aber für das Herz gebraucht (3,17), in dem Gott durch den Heiligen Geist in den Glaubenden einzieht und Wohnung nimmt. Dies geschieht durch das Singen von Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern (5,19) wie dem Christushymnus aus Kol 1,15-20 oder dem dreigliedrigen Bekenntnis zum dreieinigen Gott in Eph 4,4-6. Solches Singen bringt nicht nur den Glauben zur Sprache, verleiht nicht nur der Gottesbeziehung Ausdruck, gibt nicht nur dem Lobpreis Gottes äußerlich Gestalt. Das Singen solcher Lieder geht auch zu Herzen, kräftigt die Christusbeziehung, stärkt die Identität in Christus, tröstet und ermuntert, erquickt die Seele, richtet den Geist auf, ermutigt den inneren Menschen und macht das Herz fest. Das gemeinsame Singen verbindet zugleich die Gemeinde miteinander. Alte und neue Lieder stiften generationsübergreifend Gemeinschaft auch über unterschiedliche Epochen, Frömmigkeitsprägungen und Musikstile hinweg. Ökumenisches Liedgut wirkt darüber hinaus konfessionsverbindend, wie es den sieben Kennzeichen für Einheit der Kirche aus dem Epheserbrief entspricht (4,4-6). Daraus sind die vier Kennzeichen der Kirche im Nizänischen Glaubensbekenntnis entstanden, dessen Jubiläum 1700 Jahre 2025 gefeiert wird: wir glauben die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche.

Der Glaube braucht Wurzeln, um wachsen und Frucht bringen zu können. Ps 1 vergleicht den Frommen mit einem „Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht.“ Die Verwurzelung führt zum Wachsen des Leibes Christi (Eph 4,15f.; vgl. Kol 2,19). Die Kirche wächst durch die eine Taufe (2,5f.; 4,5). Der Glaube wächst in der Erkenntnis der Liebe Christi (3,17.19) zu dem hin, der das Haupt ist, Christus (4,15). Die Glaubenden sind „Gottes Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen“ (2,10). Das Wachstum trägt Früchte. Frucht (5,9; Kol 1,6.10) ist ein Bild für die guten Werke (Eph 2,10). Sie sind Gaben des Geistes (Gal 5,22), unter denen die Liebe (Eph 4,2.15f; 5,1f) die erste (Gal 5,22) und größte ist (1Kor 13,13). So sollen die Glaubenden in Demut, Sanftmut, Geduld und Liebe einander ertragen (Eph 4,2.15f; 5,1f)., in lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit (5,9). Auch Jesus spricht in der Bergpredigt vom guten Baum und den guten Früchten als Bild für die guten Werke, die die Menschen sehen und für die sie den Vater im Himmel preisen sollen (Mt 5,16; 7,16-21).

„Gegründet“ ist der Glaube auf Christus als Fundament (1Kor 3,11) bzw. Eckstein (Eph 2,20). Auch die Baumetaphorik ist ebenso dynamisch wie das Bild vom Wachstum. Sie zielt auf die Bauarbeiten, den inneren und äußeren Aufbau, innerlich die Erbauung der Gläubigen, äußerlich den Aufbau der Gemeinde. Dabei geht es nicht um das Stark-Sein der Glaubenden oder die Macht der Kirche, sondern um die Kraft Gottes, die stärkt und festigt, tröstet und ermuntert, ermutigt und vergewissert (3,16.18.20), getrost und unverzagt ausharren lässt (Ps 27,14). Gebetet wird nicht um (stoische) Unerschütterlichkeit, sondern dass Christus im Herzen einzieht und Wohnung nimmt, dass der Glaube in Christus einen festen Grund hat, das Festwerden in ihm erbittet und dort Halt findet wie im Bild vom Felsen, sei es in Form eines Vertrauensbekenntnisses oder als Bitte um solches Gestärktwerden (Ps 18,2f.32.47; 27,5; 28,1; 30,8; 31,3f; 40,3; 61,3f.; 62,3.7f.; 71,3; 144,1f).

So könnte der Schlussteil die Bitten der drei ἵνα-Sätze aufnehmen um das Erkennen und Begreifen der Liebe Christi, um die Stärkung und Vergewisserung des Glaubens durch den Heiligen Geist, um das Erfüllt-Werden von Gott, das geistgewirkt und geisterfüllt seinerseits überfließt zum Lobpreis Gottes, sei es als Bitte: Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir wird ein guter Baum (EG 503,13-15), sei es als Bekenntnis der Zuversicht: Die Kirche steht gegründet (EG 264,1-3).

Autoren

  • Prof. Dr. Peter Müller (Einführung und Exegese)
  • Prof. Dr. Ulrich Heckel (Praktisch-theologische Resonanzen)

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