Einführung: Die Briefe
Die Briefe bilden im Neuen Testament die zweite große Gruppe von Schriften. Briefe waren für Paulus und andere Gemeindeleiter ein wichtiges Mittel, um mit den Gemeinden in Kontakt zu bleiben. Mithilfe der Briefe erinnerten sie die Gemeinde an die Gute Nachricht von Jesus. Sie setzten sich inhaltlich mit Fragen und Problemen der Gemeinden auseinander, reagierten auf falsche Lehren und gaben Anweisungen für das Gemeindeleben.
Die Gruppe der Briefe beginnt mit den 13 Briefen, in denen Paulus als Verfasser genannt wird. Die Briefe des Paulus sind die ältesten Schriften im Neuen Testament. Paulus schrieb sie in den Jahren zwischen 50 und 56 n. Chr. Zuerst entstand wahrscheinlich der erste Brief an die Thessalonicher
. Danach folgten der Brief an Philemon, der Brief an die Philipper, die beiden Briefe an die Korinther, der Brief an die Galater und der an die Römer.
Bei den anderen Briefen, in denen Paulus als Verfasser genannt wird (Epheser, Kolosser, 2. Thessalonicher, 1. und 2. Timotheus und Titus), ist heute umstritten, ob sie tatsächlich von ihm geschrieben wurden. Sie unterscheiden sich sprachlich und inhaltlich teilweise deutlich von den Briefen, die sicher von Paulus stammen. Man nimmt daher häufig an, dass sie erst später entstanden sind. Die Situation in den Gemeinden scheint sich inzwischen verändert zu haben: Nach dem Tod des Paulus haben sich falsche Lehren in den Gemeinden verbreitet. Darauf reagierten möglicherweise die Verfasser der Briefe und versuchten, die Verkündigung des Paulus an die neue Situation anzupassen. Sie schrieben die Briefe in seinem Namen, um ihre Verbundenheit mit Paulus auszudrücken. So wollten sie den Gemeinden vor Augen führen, was Paulus ihnen in ihrer Lage gesagt hätte.
Eine Sonderrolle nimmt der Hebräerbrief ein. Der Hebräerbrief selbst enthält keine Angabe über seinen Verfasser. Weil am Ende des Briefes aber Timotheus erwähnt wird (Hebräer 13,23
Auf die Paulusbriefe folgen im Neuen Testament die sogenannten katholischen Briefe. Das Wort »katholisch« kommt aus dem Griechischen und bedeutet »allgemein«. Die katholischen Briefe sind also in der Regel nicht an eine einzelne Gemeinde oder Person gerichtet, sondern an einen größeren Leserkreis oder allgemein an die gesamte Kirche. Im Unterschied zu den Paulusbriefen werden die katholischen Briefe nach ihren Verfassern benannt: Jakobus, Petrus, Johannes und Judas. Diese Personen waren wichtige Gemeindeleiter und standen in hohem Ansehen bei den ersten Gemeinden. Jakobus und Judas waren Brüder von Jesus (Markus 6,3
Die meisten Briefe im Neuen Testament folgen dem in der Antike üblichen Aufbau: Sie bestehen aus einem Briefanfang, dem Hauptteil und dem Briefschluss. Zum Briefanfang gehören Angaben zum Absender und Empfänger, ein Gruß und ein Eingangs- oder Dankgebet. Häufig gibt der Verfasser in einer sogenannten Selbstempfehlung Rechenschaft über seine Arbeit und seine Absichten. Schon am Beginn vieler Briefe lässt sich erkennen, was ihr Thema ist. Der Hauptteil der Briefe besteht meist wiederum aus mehreren Teilen. Oft sind die Teile so angeordnet, dass zuerst grundsätzliche inhaltliche Fragen behandelt werden und danach Ermahnungen für das Leben der Christen im Alltag folgen. Die meisten Briefe enden mit einem Briefschluss: Darin grüßt der Absender die Mitglieder der Gemeinde oder richtet Grüße von anderen aus. Am Briefschluss finden sich zudem häufig noch einmal Ermahnungen, manchmal auch persönliche Notizen, Hinweise auf Reisepläne sowie ein Segenswunsch.
(BasisBibel. Altes und Neues Testament, © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)