Echte Ehrfurcht
Maleachi 1,6-14


Maleachi hält dem Tempelgottesdienst den Spiegel vor: Verehrung ohne inneren Ernst verfehlt ihr Ziel. Gott klagt „billige Opfer“ an, nicht, um zu beschämen, sondern um zu heilen. Echte Ehre zeigt sich dort, wo Herz, Worte und Handeln zusammenfinden. Das, was wir singen, soll unsere Woche prägen, und nicht nur die Stunde im Gottesdienst.
Bibeltext(e)
Maleachi 1
Gegen minderwertige Opfer
Micha 6
Psalm 51
Maleachi beginnt mit einer einfachen, aber entwaffnenden Logik: „Ein Sohn ehrt den Vater und ein Knecht seinen Herrn. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre?“. Gott ist für das Volk Israel Vater und Herr. Daher gebührt ihm Ehre.
Die Anrede gilt den Priestern am Tempel, die für die rechte Durchführung der Opfer verantwortlich sind. Ihnen wird vorgeworfen, Gott nicht zu ehren, sondern seinen Namen und damit Gott selbst zu verachten. Der Vorwurf erregt Widerspruch: „Womit verachten wir deinen Namen?“ Maleachi greift den Zwischenruf auf: Im Opfern blinder, lahme und kranker, also kultisch untauglicher Tiere. Das, so Maleachi, verachtet den Namen Gottes. Wer Gott als großen König bekennt, kann ihn nicht gleichzeitig erniedrigen, indem er ihm solche Opfergaben darbringt. Der Prophet zieht einen treffenden Vergleich: wenn eine solche Gabe schon den Statthalter des persischen Königs nicht milde zu stimmen vermag, um wieviel weniger Gott. Weil die Priester die Opfer ohne die gebotene Ehrfurcht feiern, sind sie verantwortlich, wenn Gott sich dem Volk nicht mehr zuwendet. Deshalb sollen die Tore des Tempels verschlossen werden, um diesen unnützen Kult zu beenden.
Im Folgenden weitet der Prophet die Kritik noch aus: Während die ganze Welt Gott verehrt, verachten die Kultteilnehmer – nicht nur die Priester, sondern das ganze Volk, das an den Opfern teilnimmt – nicht nur Gottes Name. Sie entweihen ihn durch ihre Haltung sogar. Wer Gott ein fehlerloses Tier als Dank verspricht, aber dann ein fehlerhaftes opfert, muss Gott erzürnen. Denn Gott ist ein großer König, dem Ehrfurcht gebührt. Und diese Ehrfurcht wird ihm durch ein solches Verhalten verweigert.
Impuls
Advent ist Prüfzeit für unser Inneres: Was wir über Gott singen, soll in Entscheidungen spürbar werden.
- Welcher kleine Schritt würde Gott Ehrfurcht erweisen?
- Woran erkennst du diese Woche, dass Herz, Worte und Handeln näher zusammengerückt sind?
Gebet
Gott, du bist würdig, geehrt zu werden – nicht nur mit Worten, sondern mit dem ganzen Leben.
Hilf mir, ehrlich zu werden vor dir und vor mir selbst.
Schenke mir ein Herz, das dich sucht, und Hände, die Gutes tun.
Lass meine Anbetung heute spürbar werden – in meinen Entscheidungen, in meiner Liebe, in meinem Alltag.
Amen.