Geist der Gnade
Sacharja 12,9-13,1


Sacharja beschreibt eine überraschende Bewegung Gottes: Er gießt „Geist der Gnade und des Gebets“ aus. Menschen lernen, ehrlich zu klagen über Brüche und Schuld – und gerade dadurch wird der Weg frei für Erneuerung. Advent wird hier zur Schule des Betens: Nicht Verdrängen, sondern Hinschauen; nicht Härte, sondern Bitte. Am Ende steht ein Bild voller Hoffnung: Eine Quelle wird geöffnet zur Reinigung. Wer so getröstet wird, gewinnt Kraft, selbst zum Trost zu werden – mitten im Alltag.
Bibeltext(e)
Sacharja 12
Klage über den Durchbohrten
Sacharja 13
Das Ende von Götzendienst und Prophetie
Hesekiel 36
Jesaja 12
In einer Situation weltpolitischer Umbrüche – vielleicht der Zusammenbruch des persischen Großreichs, das dem Volk Israel die Heimkehr aus dem Exil gebracht hatte – stellt sich für Jerusalem und das Volk Israel die Frage nach der weiteren Zukunft. Die Glaubenden sehen sich durch ihren Glauben befähigt, im Untergang des persischen Großreichs einen Impuls zur inneren Erneuerung und damit einen von Gott selbst ermöglichten Neuanfang zu sehen.
Gott sagt Jerusalem Rettung zu. Er wird alle Völker, die gegen Jerusalem vorrücken, vernichten. Dem äußeren Schutz stellt er ein Handeln an den Nachkommen Davids und den Bewohnern Jerusalems gegenüber: er wird seinen Geist über sie ausgießen. Die Rettung Jerusalems hat zwei Dimensionen: Der Rettung vor den Feinden von außen entspricht die innere Läuterung. Die Ausgießung des Geistes ermöglicht den Bewohnern Jerusalems und dem Haus David die Haltung des flehenden Betens, des Aufblickens zu Gott. Der Geist der Gnade und des Gebets öffnet den Zugang zu Gott.
Das Aufblicken zu Gott lässt die Bewohner Jerusalems aber auch auf den Blicken, mit dem sich Gott identifizier hat, den sie aber nicht erkannt und durchbohrt haben. Vermittelt durch den Geist Gottes erkennen sie ihr schuldhaftes Verhalten. Wer der Durchbohrte ist, bleibt unklar. Ist es ein Märtyrer? Vielleicht ein Prophet? Oder bezieht er sich auf den Gottesknecht aus Jesaja? Vielleicht ist er eine Metapher für alle, mit denen sich Gott in der Vergangenheit identifiziert hat und die vom Volk Israel und dem Haus Davids abgelehnt und verfolgt wurden. Im Blick auf den Durchbohrten erkennen sie ihre Schuld und stimmen ein in die Klage. Sie müssen sich eingestehen, dass sie in der Vergangenheit vieles nicht wahrgenommen haben, wo Gottes Wirken offenbar gewesen wäre. Die Hinwendung zu Gott vollendet sich letztendlich in der durch Gott selbst herbeigeführten Abwaschung der Sünde.
Impuls
Im Advent sind wir eingeladen, ehrlich auf unser Leben zu schauen und das, was uns belastet oder traurig macht, nicht zu verdrängen. Gerade die Zeit der Erwartung kann helfen, eigene Brüche und Sehnsüchte bewusst wahrzunehmen und vor Gott zu bringen. Wer sich öffnet für den Geist der Gnade, entdeckt neue Möglichkeiten der Erneuerung und des Trostes – für sich selbst und für andere.
- Wo spürst du heute eine notwendige Klage – etwas, das vor Gott ausgesprochen werden will?
- Was soll in dir gereinigt oder erneuert werden, damit dein Handeln tröstlich und klar wird?
- Wem kannst du diese Woche ganz konkret Trost zusprechen?
Gebet
Gott, du schenkst den Geist der Gnade und des Gebets.
Lass mich ehrlich klagen, was zerbrochen ist, und Hoffnung empfangen.
Öffne in mir die Quelle der Erneuerung, damit ich Trost weitergeben kann.
Amen.