Fastenzeit mit Kindern


Die Fastenzeit mit Kindern: bewusst erleben, teilen und glauben
Die Fastenzeit beginnt nach Fasching bzw. Karneval und geht bis Ostern. In dieser Zeit verzichten viele Christinnen und Christen bewusst auf etwas, wie beispielsweise auf Süßigkeiten, Fernsehen oder digitale Medien.
Familien können diese besondere Zeit gemeinsam gestalten und mit Kindern darüber sprechen, was Verzicht, Teilen und Dankbarkeit bedeuten. So wird die Fastenzeit in der Familie zu einer Gelegenheit, achtsam miteinander umzugehen, Werte zu leben, Gemeinschaft zu stärken und über den Glauben ins Gespräch zu kommen.
Auf unserer Seite finden Sie Ideen und Impulse für die Fastenzeit mit Kindern, um die Wochen bis Ostern bewusst und gemeinsam zu erleben.
Warum fasten wir?
Vielleicht hast du das schonmal mitbekommen: In der Zeit vor Ostern essen manche Menschen kein Fleisch oder keine Süßigkeiten. Sie sagen dann: „Ich faste gerade.“
Fasten bedeutet, dass Menschen für eine bestimmte Zeit auf etwas verzichten, das sie entweder sehr mögen (Schokolade zum Beispiel) oder oft benutzen (Fernsehen).
Wenn Christinnen und Christen vor Ostern fasten, dann erinnern sie damit an die schlimme Zeit, die Jesus vor seinem Tod durchgemacht hat. Jesus musste viel leiden und dann wurde er qualvoll gekreuzigt. Deswegen heißen die Wochen vor Ostern auch Fastenzeit oder Passionszeit. Das Wort „Passion“ kann auch Leiden bedeuten. Die Fastenzeit soll uns helfen, uns auf Ostern vorzubereiten – das Fest, an dem wir feiern, dass Jesus auferstanden ist.
Früher gab es beim Fasten strenge Regeln. Viele glaubten, man müsste auf etwas verzichten, um Gott zu gefallen. Später sagte Martin Luther: Das Fasten soll nicht dazu dienen, Gott zu beeindrucken. Wichtiger ist, an Jesus zu denken und zu überlegen, was wirklich zählt im Leben. Martin Luther war ein Mönch, der vor rund 500 Jahren lebte. Seine Kritik hat die Kirche bis heute stark verändert.
Darum geht es in der Fastenzeit: Wir halten inne, denken über uns und über Gott nach und schauen, wie es anderen Menschen geht. Alle dürfen natürlich selbst entscheiden, ob und worauf sie verzichten möchten. Dabei haben Menschen die Erfahrung gemacht: Wenn sie etwas weglassen, entsteht Platz für Neues – zum Beispiel für gute Gedanken, Gebete, Zeit mit anderen oder einfach Ruhe.
Bibel und Fastenzeit
Die Fastenzeit ist genau 40 Tage lang. Die Zahl 40 spielt in der Bibel eine wichtige Rolle. Darum sind auch die Texte, in denen diese Zahl vorkommt, in der Fastenzeit besonders wichtig. In den Texten geht es dabei häufig um die Vorbereitung auf etwas Neues.
Ab 8 Jahre: Jesus ist 40 Tage in der Wüste
Man könnte sagen: Auch Jesus fastet in der Bibel. Er ist für 40 Tage in der Wüste und wird in dieser Zeit vom Teufel verführt. Jesus in der Wüste zum Vorlesen und Nacherzählen:
Aus „Die Bibel - Übersetzung für Kinder. Einsteigerbibel“ 2019 Bibellesebund Verlag, Marienheide; Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart; SCM Verlag, Holzgerlingen.
In der Einsteigerbibel wird der biblische Text nicht nacherzählt, sondern Wort für Wort nach kindgerechten Vorgaben übersetzt.
Der Teufel will Jesus von Gott trennen
Der Heilige Geist erfüllte Jesus. So verließ Jesus die Gegend am Jordan. Der Heilige Geist führte ihn vierzig Tage lang in der Wüste umher. Dabei versuchte der Teufel, Jesus von Gott zu trennen. In dieser Zeit aß Jesus nichts. Nach den vierzig Tagen war er sehr hungrig. Da sagte der Teufel zu Jesus: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann befiehl diesem Stein: Werde zu Brot!“ Darauf antwortete Jesus: „In den Heiligen Schriften steht: ,Der Mensch lebt nicht nur von Brot.‘“
Da führte der Teufel Jesus hoch hinauf. Er zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Länder der Welt. Und er sagte: „Ich werde dir die ganze Macht über diese prächtigen Länder geben. Sie wurden mir übergeben und ich kann sie weitergeben, wem ich will. Wenn du mich jetzt anbetest, wird alles dir gehören.“ Jesus antwortete: „In den Heiligen Schriften steht: ,Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten. Nur ihm sollst du dienen.‘“
Da führte der Teufel Jesus nach Jerusalem. Dort stellte er ihn ganz oben auf den Tempel und sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann spring hinunter. Denn in den Heiligen Schriften steht: ,Er wird seinen Engeln befehlen, dich zu beschützen.‘ Und: ,Sie werden dich auf Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.‘“ Jesus erwiderte: „In den Heiligen Schriften steht auch: ,Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht herausfordern.‘“
Damit hatte der Teufel alles versucht, um Jesus von Gott zu trennen. Er ließ ihn eine Zeit lang in Ruhe.
Ab 5 Jahre: Noah
Auch in der Noah-Geschichte geht es um 40 Tage. In dieser Zeit ließ Gott eine große Überschwemmung über die Erde kommen. Alle Menschen und Tiere starben. Doch Noah und seine Familie retten sich auf ein Schiff und überleben. Die Geschichte erzählt von einem Neuanfang: Gott verspricht den Menschen, nie wieder die ganze Welt mit einer solchen Flut zu zerstören. Die Menschen dürfen mit Gott neu anfangen. Aber lies selbst!
Aus der „EinfachBibel“, Deutsche Bibelgesellschaft, 2025.
Noah baut eine Arche
Gott ist traurig über die Menschen.
Die Menschen machen böse Sachen.
Sie machen nicht, was Gott will.
Gott sagt: Es war falsch, Menschen zu machen.
Die Welt soll wieder ohne Menschen und ohne Tiere sein.
Gott weiß aber: Ein Mensch ist gut.
Der Mensch heißt Noah.
Noah glaubt an Gott und macht, was Gott will.
Noah ist gut zu anderen Menschen.
Noah hat eine Frau und drei Söhne.
Gott denkt: Noah und seine Familie sollen leben.
Gott sagt zu Noah: Die Menschen sind schlecht.
Sie machen böse Sachen.
Deswegen ist die Welt ein schlechter Ort.
Ich will die Welt neu machen.
Deshalb müssen alle Menschen und alle Tiere sterben.
Gott sagt zu Noah: Du musst ein Schiff bauen.
Das Schiff soll Arche heißen.
Die Arche soll sehr groß sein.
Noah macht, was Gott ihm sagt.
Noah baut die Arche.
Auf der Arche ist Platz für Noah und seine Familie.
Und für zwei Tiere von jeder Tier-Art ist auch Platz.
Immer ein Männchen und ein Weibchen.
Es fängt an zu regnen.
Die Tiere gehen in die Arche.
Noah und seine Familie gehen in die Arche.
Es regnet 40 Tage und 40 Nächte.
Alles auf der Erde muss sterben.
Nur die Arche schwimmt auf dem Wasser.
Und Gott denkt an Noah und seine Familie und die Tiere.
Der Regen hört auf.
Langsam geht das Wasser weg.
Nach 40 Tagen öffnet Noah ein Fenster von der Arche.
Noah lässt eine Taube fliegen.
Die Taube soll Noah einen trockenen Zweig bringen.
Dann weiß Noah: Die Erde ist wieder trocken.
Die Taube kommt ohne Zweig zurück.
Zweimal schickt Noah die Taube noch los.
Dann kommt die Taube mit einem Zweig zurück.
Jetzt weiß Noah: Die Erde ist trocken.
Gott spricht zu Noah: Geh aus der Arche
mit deiner Familie und allen Tieren.
Noah macht, was Gott will.
Noah geht mit seiner Familie und allen Tieren von der Arche.
Noah baut einen Tisch für Gott.
Einen Tisch für Gott nennt man auch Altar.
An dem Altar betet Noah zu Gott.
Noah sagt: Danke Gott. Du hast mich, meine Familie
und die Tiere gerettet.
Gott sagt zu Noah und seiner Familie: Ihr gehört zu mir.
Es soll euch gut gehen.
Ich gebe euch alles, was ihr braucht.
Das bedeutet: Gott segnet Noah und seine Familie.
Gott sagt zu Noah und seiner Familie:
Bekommt viele Kinder.
Auf der Welt sollen wieder überall Menschen sein.
Und überall sollen wieder Tiere leben.
Gott sagt: Das ist mein Versprechen an euch:
Nie wieder soll die ganze Welt unter Wasser sein.
Und Gott macht einen Regen-Bogen.
Gott sagt: Der Regen-Bogen wird euch immer an
mein Versprechen erinnern.
Ab jetzt beschütze ich alle Tiere und alle Menschen.
nach 1. Mose 6,5–9,17 (Leicht verständliche Sprache)
Biblische Symbole in der Fastenzeit
Wenn Christinnen und Christen vor Ostern fasten, dann soll dies dabei helfen, sich auf Ostern vorzubereiten – das Fest, an dem wir feiern, dass Jesus auferstanden ist. Eine Vorbereitung kann sein, sich Fragen zu stellen: Wo wirkt Gott in der Welt? Wo ist Gott in meinem eigenen Leben aktiv? Dafür hören Menschen in sich hinein. Bilder und Symbole können manchmal dabei helfen.
Wasser & Brot

Die Redewendung „bei Wasser und Brot“ beschreibt, dass man nur noch das Nötigste hat. Es gibt nichts mehr extra, also weder Käse, Wurst oder Nutella. In der Fastenzeit will man sich auch auf das Nötigste, also die wichtigsten Dinge im Leben konzentrieren – quasi auf Wasser und Brot. Christinnen und Christen sind dankbar dafür, dass Gott sie versorgt.
Im Christentum haben Wasser und Brot aber noch eine weitere Bedeutung. In der Bibel steht, dass Jesus wie eine Quelle mit frischem Wasser ist. Das heißt: Alles, was gut ist und uns Leben schenkt, kommt von Gott. Daher passt es auch sehr gut, dass Jesus sich selbst als Brot des Lebens bezeichnet. Damit meint er: Jesus gibt uns das, was wir zum Leben wirklich brauchen – nicht nur für den Körper, sondern vor allem auch für das Herz.
Aber wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird nie wieder Durst haben. Denn das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle werden: Ihr Wasser fließt und fließt – bis ins ewige Leben. (Johannes 4,14, BasisBibel 2021)
Die Asche von Aschermittwoch

An Aschermittwoch beginnt für Christinnen und Christen die Fastenzeit. In manchen Gottesdiensten malt die Pfarrerin oder der Pfarrer den Gemeindemitgliedern an diesem Tag ein Kreuz aus Asche auf die Stirn.
Die Asche soll daran erinnern, dass alles Leben einmal zu Ende geht – auch unseres.
Das mag vielleicht traurig klingen, aber es hilft auch, intensiver zu leben. Zum Beispiel, indem man für Gutes „Danke“ sagt. Trotzdem soll der Gedanken an das Ende nicht erschrecken! Denn Gott hat auch versprochen: Das Leben hört nicht einfach auf. An Ostern feiern wir, dass Jesus von den Toten aufersteht und so können auch wir darauf hoffen, einmal bei Gott weiterleben zu dürfen.
Du bist ja auch aus Erde gemacht. Du bist nichts als Staub, und deshalb wirst du am Ende auch wieder zu Staub. (1 Mose 3,19, Einsteigerbibel)