Lutherbibel 1984 (LU84)
11

111Tu deine Türen auf, Libanon, dass das Feuer deine Zedern verzehre! 2Heult, ihr Zypressen; denn die Zedern sind gefallen und die Herrlichen vernichtet. Heult, ihr Eichen Baschans; denn der feste Wald ist umgehauen. 3Man hört die Hirten heulen, denn ihre Herrlichkeit ist vernichtet; man hört die jungen Löwen brüllen, denn die Pracht des Jordans ist vernichtet.

Gegen die treulosen Hirten des Volkes

4So sprach der HERR, mein Gott: Hüte die Schlachtschafe! 5Denn ihre Käufer schlachten sie und halten’s für keine Sünde, und ihre Verkäufer sprechen: Gelobt sei der HERR, ich bin nun reich! Und

11,5
Jer 23,1-4
Hes 13,1-6
34,1-16
ihre Hirten schonen sie nicht. 6Darum will ich auch nicht mehr schonen die Bewohner des Landes, spricht der HERR. Und siehe, ich will die Leute fallen lassen, einen jeden in die Hand des andern und in die Hand seines Königs; sie werden das Land zerschlagen und ich will sie nicht erretten aus ihrer Hand.

7Und ich hütete die Schlachtschafe für die Händler der Schafe und nahm mir zwei Stäbe; den einen nannte ich »Huld«, den andern nannte ich »Eintracht« und hütete die Schafe. 8Und ich vertilgte die drei Hirten in einem Monat.

Und ich mochte die Schafe nicht mehr und sie wollten mich auch nicht mehr. 9Und ich sprach: Ich will euch nicht hüten; was da stirbt, das sterbe; was verschmachtet, das verschmachte; und von den Übriggebliebenen fresse ein jeder des andern Fleisch!

11,9
Jer 15,2
10Und ich nahm meinen Stab »Huld« und zerbrach ihn, um meinen Bund aufzuheben, den ich mit allen Völkern geschlossen hatte. 11Und er wurde aufgehoben am selben Tage. Und
11,11
die Händler der Schafe, die auf mich achteten, erkannten daran, dass es des HERRN Wort war.

12Und ich sprach zu ihnen:

11,12
Mt 26,15
Gefällt’s euch, so gebt her meinen Lohn; wenn nicht, so lasst’s bleiben. Und sie wogen mir den Lohn dar, dreißig Silberstücke. 13Und der HERR sprach zu mir: Wirf’s hin dem Schmelzer! Ei, eine treffliche Summe, deren ich wert geachtet bin von ihnen! Und
11,13
Mt 27,9-10
ich nahm die dreißig Silberstücke und warf sie ins Haus des HERRN, dem Schmelzer hin. 14Und ich zerbrach meinen andern Stab »Eintracht«, um die
11,14
Hes 37,22
Bruderschaft zwischen Juda und Israel aufzuheben.

15Und der HERR sprach zu mir: Nimm abermals zu dir das Gerät eines Hirten, aber eines nichtsnutzigen! 16Denn siehe, ich werde einen Hirten im Lande erwecken, der nach dem Verlorenen nicht sehen, das Verlaufene nicht suchen, der das Zerbrochene nicht heilen und das Gesunde nicht versorgen wird; aber das Fleisch der Fetten wird er fressen und ihre Klauen zerreißen. 17Weh über meinen nichtsnutzigen Hirten, der die Herde verlässt! Das Schwert komme über seinen Arm und über sein rechtes Auge! Sein Arm soll verdorren und sein rechtes Auge erlöschen.

12

Gottes Schutz für Jerusalem

121Dies ist die Last, die der HERR ankündigt.

Von Israel spricht der HERR, der den Himmel ausbreitet und die Erde gründet und den Odem des Menschen in ihm macht: 2Siehe, ich will

12,2
Jes 51,17
Jer 25,15-29
Jerusalem zum Taumelbecher zurichten für alle Völker ringsumher, und auch Juda wird’s gelten, wenn Jerusalem belagert wird. 3Zur selben Zeit will ich Jerusalem machen zum Laststein für alle Völker. Alle, die ihn wegheben wollen, sollen sich daran wund reißen; denn es werden sich alle Völker auf Erden gegen Jerusalem versammeln.
12,3
Kap

4Zu der Zeit, spricht der HERR, will ich alle Rosse scheu und ihre Reiter irre machen, aber über das Haus Juda will ich meine Augen offen halten und alle Rosse der Völker mit Blindheit plagen. 5Und die Fürsten in Juda werden sagen in ihrem Herzen: Die Bürger Jerusalems sollen getrost sein in dem HERRN Zebaoth, ihrem Gott! 6Zu der Zeit will ich die Fürsten Judas machen zum Feuerbecken mitten im Holz und

12,6
Obd 18
zur Fackel im Stroh, dass sie verzehren zur Rechten und zur Linken alle Völker ringsumher. Aber Jerusalem soll auch fernerhin bleiben an seinem Ort.

7Und der HERR wird zuerst die Hütten Judas erretten, auf dass sich nicht zu hoch rühme das Haus David noch die Bürger Jerusalems wider Juda. 8Zu der Zeit wird der HERR die Bürger Jerusalems beschirmen, und es wird zu dieser Zeit geschehen, dass

12,8
Jes 33,24
der Schwache unter ihnen sein wird wie David und das Haus David wie Gott, wie der Engel des HERRN vor ihnen her.

Klage über den Durchbohrten

9Und zu der Zeit werde ich darauf bedacht sein,

12,9
Offb 20,9
alle Heiden zu vertilgen, die gegen Jerusalem gezogen sind. 10Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich
12,10
Joel 3,1
ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets. Und
12,10
Joh 19,37
Offb 1,7
sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübt um den Erstgeborenen.

11Zu der Zeit wird große Klage sein in Jerusalem, wie die um

12,11
2. Kön 5,18
Hadad-Rimmon in der Ebene von Megiddo war. 12Und das Land wird klagen, ein jedes Geschlecht besonders: das Geschlecht des Hauses David besonders und die Frauen besonders, das Geschlecht des Hauses Nathan besonders und die Frauen besonders, 13das Geschlecht des Hauses Levi besonders und die Frauen besonders, das Geschlecht Schimis besonders und die Frauen besonders; 14so auch alle andern übrig gebliebenen Geschlechter, ein jedes besonders und die Frauen besonders.

13

Ausrottung des Götzendienstes und der falschen Propheten

131Zu der Zeit werden das Haus David und die Bürger Jerusalems einen

13,1
Jes 12,3
55,1
offenen Quell haben gegen Sünde und Befleckung.

2Zu der Zeit, spricht der HERR Zebaoth,

13,2
Mi 5,12
will ich die Namen der Götzen ausrotten aus dem Lande, dass man ihrer nicht mehr gedenken soll; dazu will ich auch die
13,2
Jer 29,8-9
Propheten und allen Geist der Unreinheit aus dem Lande treiben. 3Und so soll es geschehen: Wenn jemand weiterhin als Prophet auftritt, dann sollen sein Vater und seine Mutter, die ihn gezeugt haben, zu ihm sagen:
13,3
5. Mose 13,6
Du sollst nicht am Leben bleiben; denn du redest Lüge im Namen des HERRN! Und es werden Vater und Mutter, die ihn gezeugt haben, ihn durchbohren, wenn er als Prophet auftritt. 4Denn es soll zu der Zeit geschehen, dass die Propheten, wenn sie weissagen, in Schande dastehen mit dem, was sie geschaut haben, und sie sollen nicht mehr einen härenen Mantel anziehen, um zu betrügen; 5sondern jeder wird sagen müssen: Ich bin kein Prophet, sondern ein Ackermann; denn vom Acker habe ich meinen Erwerb von Jugend auf. 6Und wenn man zu ihm sagen wird: Was sind das für Wunden auf deiner Brust?, wird er sagen: So wurde ich geschlagen im Hause derer, die mich lieben.

Der geläuterte Rest

7Schwert, mach dich auf über meinen Hirten, über den Mann, der mir der nächste ist!, spricht der HERR Zebaoth.

13,7
Mt 26,31
Schlage den Hirten, dass sich die Herde zerstreue; und ich will meine Hand wenden gegen die Kleinen. 8Und es soll geschehen in dem ganzen Lande, spricht der HERR, dass zwei Teile darin ausgerottet werden sollen und untergehen, und nur der dritte Teil soll darin übrig bleiben.
13,8
Jes 6,13
9Und ich will den dritten Teil durchs Feuer gehen lassen und läutern, wie man Silber läutert, und ihn prüfen, wie man Gold prüft. Die werden dann meinen Namen anrufen und ich will sie erhören. Ich will sagen:
13,9
Hos 2,25
Es ist mein Volk; und sie werden sagen: HERR, mein Gott!