Lutherbibel 1984 (LU84)
2

Gedanken der Gottlosen über das Leben und ihr Spott über den Gerechten

21Denn diese Leute, die so verkehrt denken, sagen untereinander: »Kurz und voller Leid ist unser Leben, und

2,1
Hiob 14,10-12
wenn ein Mensch dahinsoll, so gibt es keine Rettung; auch weiß man von keinem,
2,1
Mt 20,28
der aus dem Totenreich befreit. 2Denn nur zufällig sind wir geworden, und nachher werden wir sein, als wären wir nie gewesen. Denn der Atem in unsrer Nase ist nur Rauch und unser Denken nur ein Funke, der aus dem Pochen unsres Herzens entsteht. 3Wenn er verloschen ist, so geht der Leib dahin wie Asche, und der Geist zerflattert wie Luft.
2,3
Pred 3,20-21
4Unser Name wird mit der Zeit vergessen, und niemand denkt mehr an unser Wirken. Unser Leben fährt dahin, als wäre nur eine Wolke dagewesen, und zergeht wie Nebel, der von den Strahlen der Sonne verjagt und von ihrer Hitze zu Boden gedrückt wird. 5Unsre Zeit geht vorbei wie ein Schatten, und wenn es mit uns zu Ende ist, gibt es keine Wiederkehr; denn es steht unverbrüchlich fest, dass niemand wiederkommt.

6Kommt nun und lasst uns die Güter genießen, solange sie da sind, und die Welt geschwind noch auskosten, solange wir jung sind.

2,6
1. Kor 15,32
7
2,7
Jes 56,11-12
Wir wollen mit bestem Wein uns füllen und uns salben, und keine Frühlingsblume soll uns entgehen. 8Lasst uns Kränze tragen von Rosenknospen, ehe sie welk werden. 9Keine Wiese bleibe von unserm übermütigen Treiben verschont, damit man überall merkt, wie ausgelassen wir gewesen sind. Denn das ist unser Teil und das ist unser Los.

10Lasst uns

2,10
Am 8,4-6
den armen Gerechten unterdrücken und keine Witwe verschonen; wir wollen uns nicht scheuen vor dem altersgrauen Haar des Greises. 11Alles, was wir tun, das soll Recht sein; denn
2,11
Hab 1,11
es zeigt sich, dass Schwäche nichts ausrichtet.

12So

2,12
Jer 11,18-19
lasst uns dem Gerechten auflauern; denn er ist uns lästig und widersetzt sich unserm Tun und schilt uns, weil wir gegen das Gesetz sündigen, und hält uns vor, dass wir gegen die Zucht verstoßen.
2,12
Lk 11,54
13Er behauptet, Erkenntnis Gottes zu haben, und rühmt sich, Gottes Kind zu sein. 14
2,14-15
1. Petr 4,4
Er wird uns zum Vorwurf bei allem, was wir denken; 15er ist uns unleidlich, wenn er sich nur sehen lässt. Denn sein Leben unterscheidet sich von dem der andern, und ganz anders sind seine Wege. 16Als falsche Münze gelten wir ihm, und er meidet unsre Wege wie Schmutz; er rühmt,
2,16
Ps 37,37
wie es die Gerechten zuletzt gut haben werden, und prahlt damit, dass Gott sein
2,16
Sir 23,1
51,14
Vater sei. 17So lasst doch sehen, ob sein Wort wahr ist, und prüfen, was bei seinem Ende geschehen wird. 18
2,18-20
Mt 27,43
Ist der Gerechte Gottes Sohn, so wird er ihm helfen und ihn erretten aus der Hand der Widersacher. 19Durch Schmach und Qual wollen wir ihn auf die Probe stellen, damit wir erfahren, wie viel er ertragen kann, und prüfen, wie geduldig er ist.
2,19
Jak 5,6
20Wir wollen ihn zu schimpflichem Tod verurteilen; denn dann wird ihm gnädige Heimsuchung widerfahren, wie er sagt.«

21Das alles denken sie – und irren; denn ihre Bosheit hat sie verblendet, 22sodass sie Gottes Geheimnisse nicht erkennen; auch haben sie nicht die Hoffnung, dass ein frommes Leben belohnt wird, und sie achten die Ehre für nichts, die untadeligen Seelen gegeben wird. 23Denn Gott hat den Menschen

2,23
Kap
zur Unvergänglichkeit geschaffen und ihn
2,23
1. Mose 1,27
zum Abbild seines eignen Wesens gemacht. 24
2,24-25
1. Mose 3,419
Joh 8,44
Röm 5,12
Aber durch des Teufels Neid ist der Tod in die Welt gekommen, 25und es müssen ihn erfahren, die ihm angehören.

3

Hoffnung des Gerechten – Hoffnungslosigkeit des Gottlosen

31Aber die Seelen der Gerechten

3,1
Joh 10,28-29
sind in Gottes Hand, und keine Qual rührt sie an. 2In den Augen der Unverständigen gelten sie als tot, und ihr Abscheiden wird für Strafe gehalten 3und ihr Weggehen von uns für Verderben; aber sie sind im Frieden. 4Denn wenn sie auch nach Meinung der Menschen viel zu leiden haben, so sind sie doch
3,4
2. Makk 7,92336
2. Kor 4,17–5,1
erfüllt von Hoffnung auf Unsterblichkeit. 5
3,5-6
Sir 2,5
1. Petr 1,6-7
Sie werden ein wenig gezüchtigt, aber viel Gutes wird ihnen widerfahren; denn Gott versucht sie und findet sie seiner wert. 6Er prüft sie wie Gold im Schmelzofen und nimmt sie an wie ein Ganzopfer.

7Und zur Zeit ihrer gnädigen Heimsuchung werden sie aufleuchten und aufsteigen wie Funken überm Stoppelfeld.

3,7
Dan 12,3
8Sie werden
3,8
1. Kor 6,2
die Heiden richten und über die Völker herrschen, und der Herr wird König sein über sie in Ewigkeit. 9Die auf ihn vertrauen, werden seine Zuverlässigkeit erfahren, und
3,9
1. Joh 4,16
die treu sind in der Liebe, werden bei ihm bleiben. Denn
3,9
Kap
Gnade und Barmherzigkeit wohnt bei seinen Heiligen, und er sucht seine Auserwählten gnädig heim.

10Aber die Gottlosen werden die Strafe empfangen, die ihnen nach ihrer Gesinnung zukommt; denn sie beachten den Gerechten nicht und weichen vom Herrn. 11Denn wer Weisheit und Zucht verachtet, ist ein unglückseliger Mensch. Ihre Hoffnung ist nichtig und ihre Mühe ist umsonst und ihr Tun ist unnütz. 12Ihre Frauen sind töricht und ihre Kinder böse. Verflucht ist, was von ihnen geboren wird.

Auch der Gerechte kann kinderlos sein

13Selig ist die Unfruchtbare, wenn sie

3,13
Hebr 13,4
unbefleckt ist und keine verbotene Ehe3,13 d. i. eine durchs Gesetz verbotene Ehe (vgl. 3. Mose 18,6-18; Esra 9,1-2). kennengelernt hat; sie wird die Frucht dafür genießen zu der Zeit, wenn die Menschen gerichtet werden. 14Selig ist auch ein
3,14
Jes 56,3-5
Entmannter, der nichts Unrechtes tut und nichts Böses gegen den Herrn erdenkt; dem wird für seine Treue eine auserlesene Gabe und ein besseres Los im Tempel des Herrn gegeben werden. 15Denn wer sich recht müht, empfängt herrliche Frucht, und aus Einsicht wächst hervor, was ohne Tadel ist.

16Aber die Kinder der Ehebrecher geraten nicht, und die Nachkommen aus gesetzwidriger Ehe werden vertilgt.

3,16
Sir 23,32-35
17Denn wenn sie auch lange leben, werden sie doch nichts gelten, und ihr Alter wird zuletzt doch ohne Ehre sein. 18Sterben sie aber bald, so haben sie nichts zu hoffen und keinen Trost am Tage des Gerichts. 19Denn die Ungerechten
3,19
Ps 73,19
nehmen ein schlimmes Ende.

4

41

4,1
Sir 16,1-3
Besser ist’s, keine Kinder zu haben, wenn man dabei in Tugend lebt; denn sie bringt ewigen Ruhm und wird bei Gott und den Menschen anerkannt. 2Ist sie da, nimmt man sie zum Vorbild; ist sie aber nicht da, so sehnt man sich nach ihr, und in der Ewigkeit zieht sie bekränzt einher; denn
4,2
1. Kor 9,24-25
sie hat im Ringen um einen herrlichen Kampfpreis gesiegt.

3Aber

4,3
Sir 41,8-9
die kinderreiche Menge der Gottlosen ist nichts nütze und weil sie aus unechten Schösslingen hervorgegangen ist, kann sie nicht tief wurzeln und keinen festen Grund gewinnen. 4Und wenn sie auch eine Zeit lang an den Zweigen grünt, so wird sie doch, weil sie auf lockerem Grund steht, vom Wind geschüttelt und vom Sturm entwurzelt. 5Die zu schwach gebliebenen Äste werden zerbrochen, und so wird ihre Frucht unbrauchbar, zu unreif zum Essen und taugt zu nichts. 6Denn die Kinder, die in gesetzwidriger Ehe geboren werden, sind Zeugen für die Schlechtigkeit ihrer Eltern im Gericht.

Der früh vollendete Gerechte

7Wenn aber der Gerechte zu frühzeitig stirbt, so ist er doch in der Ruhe.

4,7
Kap
8Denn ein ehrenvolles Alter muss nicht lange währen und wird nicht nach der Zahl der Jahre gemessen; 9Einsicht ist für die Menschen das wahre graue Haar und ein unbeflecktes Leben das rechte Greisenalter.

10

4,10-11
1. Mose 5,21-24
Sir 44,16
Der Gott wohlgefiel, wurde ihm lieb und weil er unter Sündern lebte, wurde er hinweggenommen; 11er wurde entrückt, damit nicht Schlechtigkeit seinen Sinn verkehren und Trug seine Seele verführen könnte. 12Denn böse Beispiele verderben das Gute, und die lockende Begierde verkehrt den arglosen Sinn. 13Obwohl früh vollendet, hat er doch viele Jahre erfüllt. 14Denn seine Seele gefiel dem Herrn; darum eilte sie fort von den bösen Menschen.

15Aber die Leute, die es sahen, beachteten es nicht und

4,15
Jes 57,1
nahmen’s nicht zu Herzen, dass
4,15
Kap
Gnade und Barmherzigkeit bei seinen Auserwählten wohnt und dass er seine Heiligen gnädig heimsucht. 16Es verurteilt aber der verstorbene Gerechte die lebenden Gottlosen und der Frühvollendete den Ungerechten mit seinem hohen Alter. 17Sie sehen wohl das Ende des Weisen, aber sie merken nicht, was der Herr über ihn beschlossen und wofür er ihn bewahrt hat. 18Sie sehen’s wohl und achten’s nicht.

Aber

4,18
Ps 2,4
der Herr wird sie verlachen, und sie werden sterben, und man ehrt ihren Leichnam nicht, und
4,18
Jes 14,4-21
sie werden unter den Toten ewig zum Gespött. 19Denn er wird sie zum Schweigen bringen und zu Boden stürzen und aus ihrem Grund reißen, sodass sie ganz und gar vernichtet 20und in der Qual sein werden; und
4,20
Spr 10,7
die Erinnerung an sie wird verloren gehen. Wenn ihre Sünden zusammengerechnet werden, dann werden sie verzagt daherkommen, und ihre Missetaten werden ihnen gegenübertreten und sie überführen.