Lutherbibel 1984 (LU84)
17

Finsternis – Licht und Feuersäule

171

17,1
2. Mose 7,3-4
Röm 11,33
Groß und unaussprechbar sind deine Gerichte, Herr; darum gingen auch die Unbelehrbaren in die Irre. 2Denn als die Ungerechten meinten, das heilige Volk unterdrücken zu können, wurden sie Gebundene der
17,2
2. Mose 10,21-23
Mt 22,13
Finsternis und Gefangene einer langen Nacht und lagen eingeschlossen unter ihren Dächern, auf der Flucht vor der ewigen Vorsehung. 3Denn als sie meinten, sie könnten sich bei ihren verborgenen Sünden verstecken unter der dunklen Decke der Vergessenheit, wurden sie zerstreut, furchtbar erschreckt und durch Gespenster geängstigt.

4Denn auch der versteckte Winkel, in dem sie waren, konnte sie nicht vor der Furcht bewahren: Getöse war um sie her, das sie erschreckte, und gräuliche Gestalten mit düsteren Mienen erschienen ihnen. 5Und die Macht des Feuers vermochte ihnen nicht zu leuchten, noch konnten die hell flammenden Sterne jene furchtbare Nacht licht machen. 6Es erschien ihnen nur ein von selbst brennendes Feuer voller Schrecken. Wenn sie aber diese Erscheinung nicht mehr sahen, hielten sie in ihrem Entsetzen das, was sie gesehen hatten, für schlimmer, als es war. 7

17,7-8
2. Mose 9,11
Auch das Gaukelwerk der Zauberkunst lag danieder, und das Pochen auf ihre Kunst wurde, wenn sie sich nun erweisen sollte, zum Spott. 8Denn die versprochen hatten, Furcht und Schrecken von den kranken Seelen vertreiben zu können, wurden selbst krank vor lächerlicher Angst. 9Denn wenn auch sonst nichts Schreckliches sie ängstigte, so wurden sie doch aufgescheucht durch das Vorbeilaufen wilder Tiere und durch das Zischen von Schlangen, und sie gingen zitternd zugrunde, weil sie sich sogar weigerten, die Luft auch nur anzusehen, die man doch nicht entbehren kann.

10Denn die Bosheit, die von Natur aus

17,10
Jes 13,6-7
feige ist, bezeugt selbst, dass sie verdammt ist, 11und vom
17,11
Sir 14,2
Hebr 10,22-23
Gewissen bedrückt, nimmt sie immer das Schlimmste an. 12Denn Furcht ist nichts anderes, als dass einer nicht wagt, sich von seinem Verstand helfen zu lassen. 13Wenn aber die Hoffnung im Herzen zu schwach ist, hält man die Ratlosigkeit für schlimmer als die eigentliche Ursache der Plage.

14In dieser wirklichen unentrinnbaren

17,14
Nacht, die aus den Schlupfwinkeln des unentrinnbaren Totenreichs gekommen war, lagen alle im gleichen Schlaf: 15Die einen wurden bedrängt durch schreckliche Erscheinungen, die andern aber wurden dadurch gelähmt, dass ihnen der Mut entsank. Denn es kam plötzlich und unversehens Furcht über sie; 16und so wurde, wer dort zusammenbrach, bewacht und eingeschlossen wie in einem Kerker ohne Eisen.

17Ob es nun ein Bauer war oder ein Hirte oder ein Arbeiter, der sich in der Einsamkeit abmühte: er musste, plötzlich erfasst, solch unvermeidliche Not tragen. 18Denn sie waren alle zugleich mit ein und derselben Kette der Finsternis gefangen. 19Ob etwa ein Wind pfiff oder die Vögel süß sangen in den dichten Zweigen oder das Wasser gewaltig dahinschoss oder die Felsen mit lautem Gepolter herabstürzten oder Tiere, die man nicht sehen konnte, vorbeisprangen oder die grausamen wilden Tiere heulten oder der Widerhall aus den Schluchten der Berge schallte: es erschreckte sie und machte sie verzagt. 20Die ganze Welt hatte helles Licht und ging ungehindert ihren Geschäften nach; nur über die Ägypter hatte sich tiefe Nacht ausgebreitet, ein Bild der

17,20
1. Sam 2,9
Finsternis, die über sie kommen sollte; aber sie waren sich selbst noch mehr zur Last als die Finsternis.

18

181Aber

18,1
2. Mose 10,23
deine Heiligen hatten hellstes Licht, und die Feinde hörten zwar ihre Stimme, aber sahen ihre Gestalt nicht. 2Und die Ägypter priesen sie selig, dass sie nicht ebenso leiden mussten, und dankten ihnen dafür, dass sie, die vorher Unrecht erlitten hatten, ihnen jetzt keinen Schaden zufügten, und baten sie um Verzeihung, weil sie ihnen so feindlich gewesen waren.

3Dagegen gabst du den Deinen

18,3
2. Mose 13,21
eine feurige Säule, die ihnen den unbekannten Weg wies und ihnen eine unschädliche Sonne war auf jener ruhmvollen Wanderung. 4Denn die Ägypter waren’s auch wert, dass sie des Lichts beraubt und in Finsternis gefangen gehalten wurden, weil sie deine Kinder eingekerkert hielten,
18,4
Jes 2,3
durch die der Welt das unvergängliche Licht des Gesetzes gegeben werden sollte.

Tod der Erstgeburt – Rettung aus Todesnot

5Die Ägypter aber hatten beschlossen,

18,5
2. Mose 1,22
die kleinen Kinder der Heiligen zu töten – aber nur
18,5
2. Mose 2,2-3
eins von ihnen wurde ausgesetzt und dadurch gerettet –: da
18,5
2. Mose 12,29
nahmst du ihnen zur Strafe die Menge ihrer Kinder weg und
18,5
2. Mose 14,27-28
ließest sie alle zusammen umkommen in mächtigem Wasser. 6Jene Nacht aber
18,6
2. Mose 12,21-23
war unsern Vätern vorher angekündigt worden, damit ihnen die Verheißungen, an die sie glaubten, gewiss würden und sie darüber frohen Mutes wären. 7So wartete dein Volk auf das Heil der Gerechten und auf das Verderben der Feinde. 8Denn womit du die Widersacher bestraftest, eben damit hast du uns zu dir gerufen und uns herrlich gemacht.
18,8
Kap
9Denn im Verborgenen opferten die heiligen Kinder der Frommen und nahmen einträchtig das göttliche Gesetz an, dass die Heiligen in gleicher Weise an denselben Gütern und denselben Gefahren teilhaben sollten, nachdem sie vorher bereits die Lobgesänge der Väter angestimmt hatten.
18,9
2. Mose 12,1-28

10

18,10-11
2. Mose 12,29-30
Als Widerhall aber erscholl das wirre Geschrei der Feinde, und man hörte überall klägliches Weinen wegen ihrer Kinder. 11Denn es erging gleiche Strafe über Herr und Knecht, und der König musste ebenso wie der einfache Mann leiden. 12So hatten sie alle zusammen unzählige Tote, die den gleichen Tod gestorben waren, sodass es nicht genug Lebende gab, um sie zu begraben; denn in einem einzigen Augenblick waren ihre edelsten Nachkommen dahingesunken. 13Denn während sie vorher,
18,13
2. Mose 7,11-13
durch ihre Zauberer verhindert, ganz ungläubig waren, mussten sie jetzt beim
18,13
2. Mose 4,22-23
Untergang ihrer Erstgeborenen bekennen, dass dies Volk Gottes Sohn ist.

14Denn als alles still war und ruhte und eben Mitternacht war, 15fuhr dein allmächtiges

18,15
Offb 19,11-13
Wort vom Himmel herab, vom königlichen Thron, ein harter Kriegsmann, mitten in das Land, das zugrunde gerichtet werden sollte. 16Er trug
18,16
Hebr 4,12
Offb 19,15
ein scharfes Schwert, nämlich dein unerbittliches Gebot, und trat hin und erfüllte alles mit Toten, und obwohl er auf der Erde stand, berührte er doch den Himmel. 17Da erschreckten sie plötzlich grauenhafte Träume, und unversehens kam Furcht über sie 18und sie lagen halb tot da, der eine hier, der andre dort, und zeigten damit, aus welchem Grund sie sterben mussten. 19Denn die Träume, die sie erschreckten, hatten es ihnen vorher angezeigt, damit sie nicht zugrunde gingen, ohne zu wissen, warum sie so sehr geplagt wurden.

20

18,20-23
4. Mose 17,6-15
Aber auch die Gerechten mussten die Anfechtung des Todes erfahren, und eine Menge wurde in der Wüste dahingerafft. Aber der Zorn währte nicht lange. 21Denn eilends kam der untadelige Mann, der für sie stritt, mit der Waffe seines Amts herbei, nämlich mit Gebet und sühnendem Räucherwerk, und widerstand dem Zorn und machte dem Unheil ein Ende. Damit bewies er, dass er dein Diener war. 22Er überwand die Plage, nicht mit Körperkraft noch mit Waffengewalt, sondern mit dem
18,22
Wort unterwarf er den Züchtiger, indem er an Gottes Eid und Bund mit den Vätern erinnerte. 23Denn als schon die Toten haufenweise übereinanderlagen, trat er dazwischen und hielt den Zorn auf und schnitt ihm den Weg zu den Lebenden ab. 24Denn auf seinem langen Gewand war die ganze Welt abgebildet, und die Ehrennamen der Väter waren in die
18,24
2. Mose 28,15-21
vier Reihen der Steine eingegraben und deine Herrlichkeit auf dem
18,24
2. Mose 28,36-38
Stirnband seines Haupts. 25Davor musste der
18,25
2. Mose 12,23
Jdt 8,21
Verderber weichen, und davor musste er sich fürchten; denn es war schon genug, dass sie nur eine Probe des Zorns erfahren hatten.

19

Untergang der Ägypter im Roten Meer – Rettung der Israeliten

191Aber die Gottlosen überfiel der Zorn ohne Erbarmen bis zum Ende. 2

19,2-3
2. Mose 12,31-33
14,5-8
Denn Gott wusste im Voraus, was sie künftig tun würden: dass sie, nachdem sie den Israeliten erlaubt hatten wegzuziehen und sie eilig entlassen hatten, es bereuen und ihnen nachjagen würden. 3Denn als sie noch Leid trugen und an den Gräbern der Toten klagten, verfielen sie auf ein anderes törichtes Vorhaben und verfolgten jetzt die als Flüchtlinge, die sie eben mit flehentlichen Bitten fortgeschickt hatten. 4
19,4-8
2. Mose 14,19-31
Jdt 9,5-7
Aber es musste so geschehen, damit sie zu einem solchen Ende kämen, wie sie es verdient hatten; und sie mussten vergessen, was ihnen widerfahren war, damit sie noch die Strafe erlitten, die bisher an ihren Qualen gefehlt hatte, 5und damit dein Volk seine wunderbare Wanderung erlebte, jene aber einen ungewöhnlichen Tod fänden.

6Denn die ganze Schöpfung wurde in ihrer Eigenart wieder neu gestaltet, um deinen Geboten zu dienen, damit deine Kinder unversehrt bewahrt blieben. 7Da zeigte sich die Wolke und überschattete das Lager; wo vorher Wasser stand, sah man trockenes Land hervorkommen; da zeigte sich im Roten Meer ein Weg ohne Hindernis, und aus den mächtigen Fluten erhob sich ein grünes Feld. 8Auf ihm zog das ganze Volk dahin, alle, die von deiner Hand beschirmt wurden, und dabei sahen sie wunderbare Wunder.

9Sie gingen wie die

19,9
Jes 63,13-14
Rosse auf der Weide und
19,9
Mal 3,20
hüpften wie die Lämmer und
19,9
2. Mose 15,1-21
lobten dich, Herr, der sie erlöst hatte. 10Denn sie dachten noch daran, wie es ihnen in der Fremde ergangen war, wie anstatt der gewöhnlichen Tiere die Erde
19,10
2. Mose 8,13
Mücken hervorbrachte und der Fluss anstatt der Fische eine Menge
19,10
2. Mose 8,2
Frösche ausspie. 11
19,11-12
2. Mose 16,13
Danach aber sahen sie auch, wie eine neue Art Vögel entstand, als sie, von Gier getrieben, um leckere Speise baten. 12Denn es kamen zu ihnen Wachteln aus dem Meer, um ihr Verlangen zu stillen.

13

19,13-16
1. Mose 19,1-11
45,16-20
2. Mose 1,8-14
22,20
Auch kamen die Strafen über die Sünder nicht ohne Zeichen, die vorher durch gewaltige Blitze geschahen; denn mit Recht litten sie um ihrer Bosheit willen, weil sie einen besonders schlimmen Hass gegen Fremde gezeigt hatten. Denn die Leute von Sodom hatten nur die Unbekannten, die zu ihnen kamen, nicht aufgenommen; diese aber zwangen die Gäste, die ihnen Gutes getan hatten, zum Sklavendienst. 14Und das nicht allein, sondern sie werden gewiss auch für das andere heimgesucht werden: 15Denn jene empfingen die Fremden gleich feindselig, sie aber plagten mit schwerer Arbeit, die sie festlich aufgenommen und denen sie schon an ihren Rechten Anteil gewährt hatten. 16Sie wurden aber auch mit Blindheit geschlagen, so wie jene an der Tür des Gerechten, als sie von dichter Finsternis überfallen wurden und jeder den Zugang zu seiner Tür suchen musste.

Schlusswort

17Denn wie auf dem Psalter die Töne verschiedene Melodien hervorbringen, obwohl sie im Klang immer gleich bleiben, so tauschten die Elemente sich gegenseitig aus, wie man deutlich sehen kann, wenn man das Geschehene betrachtet.

19,17
18Denn
19,18
2. Mose 14,22
was auf dem Lande zu leben pflegt, das ging ins Wasser, und
19,18
2. Mose 8,1
was im Wasser zu sein pflegt, stieg aufs Land. 19Das Feuer wuchs im Wasser über seine natürliche Kraft hinaus, und das Wasser vergaß seine Kraft zum Löschen.
19,19
Kap
20Die
19,20
Kap
Flammen dagegen verzehrten nicht das Fleisch der sterblichen Tiere, die darin umherliefen, und
19,20
Kap
brachten nicht die himmlische Speise zum Schmelzen, die doch wie Eis leicht schmilzt.

21Herr, du hast dein Volk in allem groß und herrlich gemacht und hast es nicht verachtet, sondern ihm allezeit und an allen Orten beigestanden.