Lutherbibel 1984 (LU84)
16

Die verschiedene Behandlung der Ägypter und der Israeliten bei sechs weiteren Plagen

(Kapitel 16,1–19,21)

Plage durch Hunger – Speisung mit Wachteln

161Darum wurden die Ägypter mit Recht durch solche Tiere geplagt und durch eine Menge

16,1
Kap
Ungeziefer gequält. 2Statt solcher Plage tatest du deinem Volk Gutes und bereitetest ihm, weil es danach Verlangen trug, eine wunderbare Speise, nämlich
16,2
2. Mose 16,12-13
Wachteln, zur Nahrung; 3so sollte den Ägyptern, wenn sie nach Nahrung verlangten, wegen des scheußlichen Anblicks der
16,3
2. Mose 7,26-29
Tiere, die ihnen gesandt wurden, die natürliche Lust am Essen vergehen; die Israeliten aber, die nur kurze Zeit Mangel litten, sollten eine wunderbare Speise empfangen. 4Denn es sollte über die, die so tyrannisch handelten, ein unabwendbarer Mangel kommen; diesen aber sollte nur gezeigt werden, wie ihre Feinde gequält wurden.

Tod durch Insektenstich – Rettung vom Schlangenbiss

5

16,5-7
4. Mose 21,4-9
Joh 3,14-15
Es kamen zwar über die Israeliten auch böse, zornige Tiere, und sie wurden gebissen und vernichtet durch die sich krümmenden Schlangen. 6Doch blieb dein Zorn nicht bis zum Ende, vielmehr wurden sie nur kurze Zeit zur Warnung erschreckt und erhielten ein rettendes Zeichen, damit sie an das Gebot deines Gesetzes denken sollten. 7Denn die sich zu diesem Zeichen hinwandten, die wurden errettet, nicht durch das, was sie anschauten, sondern durch dich, den
16,7
1. Tim 4,10
Heiland aller Menschen.

8Und damit bewiesest du unsern Feinden, dass du es bist, der aus allem Unheil erlösen kann.

16,8
2. Mose 15,26
9Denn über die Ägypter kam durch
16,9
2. Mose 10,12-15
Offb 9,3
Heuschrecken und
16,9
2. Mose 8,16-20
Fliegen Tod und Verderben, und sie konnten keine Hilfe für ihr Leben finden; denn sie hatten’s verdient, von solchen Tieren geplagt zu werden. 10Aber deinen Kindern konnten auch die Zähne der giftigen Drachen nicht schaden; denn deine Barmherzigkeit trat dazwischen und machte sie gesund.
16,10
11Denn sie wurden dadurch angestachelt, an deine Worte zu denken, und wurden schnell wieder geheilt, damit sie nicht in tiefes Vergessen versinken, sondern deinen Wohltaten zugewandt bleiben sollten. 12Denn es heilte sie weder Kraut noch Pflaster, sondern
16,12
Ps 107,20
Mt 8,8
dein Wort, Herr, das alles heilt. 13Denn du
16,13
5. Mose 32,39
hast Gewalt über Leben und Tod; und
16,13
Tob 13,2
du führst hinunter zu den Pforten des Totenreichs und führst wieder herauf.

14Wenn aber ein Mensch in seiner Bosheit jemanden tötet, so kann er den entflohenen Geist nicht zurückholen und die hingeraffte Seele nicht wieder befreien.

Plage mit Unwetter – Speisung mit Manna

15Aber unmöglich ist’s, deiner Hand zu entfliehen.

16,15
Ps 139,7
16Denn die Gottlosen, die dich nicht kennen wollten, sind durch deinen mächtigen Arm gegeißelt worden, als sie durch ungewöhnliche Regengüsse, Hagelschläge und Unwetter, denen sie nicht entgehen konnten, verfolgt und vom Feuer verzehrt wurden.
16,16
2. Mose 9,22-26
17Und das war das Verwunderlichste, dass
16,17
Kap
das Feuer noch stärker im Wasser brannte, das doch sonst alles auslöscht. Denn
16,17
Kap
die Schöpfung streitet für die Gerechten. 18Zuweilen nämlich brannte die Flamme schwächer, um nicht die
16,18
2. Mose 8,11220
Tiere zu verbrennen, die gegen die Gottlosen geschickt worden waren; sie sollten ja sehen und erkennen, dass sie von Gottes Gericht so bedrängt wurden. 19Zuweilen aber brannte die Flamme im Wasser stärker als sonst, um die Früchte des ungerechten Landes zu verderben.

20Dagegen nährtest du dein Volk mit

16,20
Ps 78,25
Engelspeise, und unermüdlich gewährtest du ihnen
16,20
2. Mose 16,413-1531
Brot vom Himmel, das ihnen Genuss bereitete und jedem nach seinem Geschmack war. 21Denn deine Gabe machte offenbar, wie freundlich du zu deinen Kindern bist. Denn jedem, der davon aß, verwandelte sie sich nach seinem Verlangen in das, was er gern wollte. 22Schnee und
16,22
Kap
Eis hielten das Feuer aus und schmolzen nicht, damit man erkennen sollte, wie
16,22
2. Mose 9,24-25
die Früchte der Feinde vom Feuer vernichtet wurden, das im Hagel brannte und in den Regengüssen aufblitzte, 23und wie dasselbe Feuer seine eigne Kraft vergessen musste, damit die Gerechten sich nähren konnten.

24Denn die Schöpfung, die dir als dem Schöpfer dient, steigert ihre Kräfte, um die Ungerechten zu bestrafen, und mindert sie, um denen wohlzutun, die dir vertrauen.

16,24
Sir 39,29-32
25Darum ließ sie sich auch damals in mancherlei verwandeln und diente damit dir, der mit seinen Gaben alle nährt, nach dem Wunsch und der Bitte eines jeden, 26damit deine Kinder, die du, Herr, lieb hast, lernen, dass nicht die verschiedenen Früchte den Menschen ernähren, sondern dass dein Wort die erhält, die an dich glauben.
16,26
5. Mose 8,3

27Denn das, was vom Feuer nicht verzehrt wurde, zerschmolz,

16,27
2. Mose 16,21
sobald es von einem flüchtigen Strahl der Sonne erwärmt wurde, 28damit deutlich würde, dass man,
16,28
Ps 5,4
57,9
Mk 1,35
ehe die Sonne aufgeht, dir danken soll und vor dich treten, wenn es hell wird. 29Denn
16,29
Kap
die Hoffnung des Undankbaren wird wie Reif und Frost vergehen und wie unnützes Wasser wegfließen.

17

Finsternis – Licht und Feuersäule

171

17,1
2. Mose 7,3-4
Röm 11,33
Groß und unaussprechbar sind deine Gerichte, Herr; darum gingen auch die Unbelehrbaren in die Irre. 2Denn als die Ungerechten meinten, das heilige Volk unterdrücken zu können, wurden sie Gebundene der
17,2
2. Mose 10,21-23
Mt 22,13
Finsternis und Gefangene einer langen Nacht und lagen eingeschlossen unter ihren Dächern, auf der Flucht vor der ewigen Vorsehung. 3Denn als sie meinten, sie könnten sich bei ihren verborgenen Sünden verstecken unter der dunklen Decke der Vergessenheit, wurden sie zerstreut, furchtbar erschreckt und durch Gespenster geängstigt.

4Denn auch der versteckte Winkel, in dem sie waren, konnte sie nicht vor der Furcht bewahren: Getöse war um sie her, das sie erschreckte, und gräuliche Gestalten mit düsteren Mienen erschienen ihnen. 5Und die Macht des Feuers vermochte ihnen nicht zu leuchten, noch konnten die hell flammenden Sterne jene furchtbare Nacht licht machen. 6Es erschien ihnen nur ein von selbst brennendes Feuer voller Schrecken. Wenn sie aber diese Erscheinung nicht mehr sahen, hielten sie in ihrem Entsetzen das, was sie gesehen hatten, für schlimmer, als es war. 7

17,7-8
2. Mose 9,11
Auch das Gaukelwerk der Zauberkunst lag danieder, und das Pochen auf ihre Kunst wurde, wenn sie sich nun erweisen sollte, zum Spott. 8Denn die versprochen hatten, Furcht und Schrecken von den kranken Seelen vertreiben zu können, wurden selbst krank vor lächerlicher Angst. 9Denn wenn auch sonst nichts Schreckliches sie ängstigte, so wurden sie doch aufgescheucht durch das Vorbeilaufen wilder Tiere und durch das Zischen von Schlangen, und sie gingen zitternd zugrunde, weil sie sich sogar weigerten, die Luft auch nur anzusehen, die man doch nicht entbehren kann.

10Denn die Bosheit, die von Natur aus

17,10
Jes 13,6-7
feige ist, bezeugt selbst, dass sie verdammt ist, 11und vom
17,11
Sir 14,2
Hebr 10,22-23
Gewissen bedrückt, nimmt sie immer das Schlimmste an. 12Denn Furcht ist nichts anderes, als dass einer nicht wagt, sich von seinem Verstand helfen zu lassen. 13Wenn aber die Hoffnung im Herzen zu schwach ist, hält man die Ratlosigkeit für schlimmer als die eigentliche Ursache der Plage.

14In dieser wirklichen unentrinnbaren

17,14
Nacht, die aus den Schlupfwinkeln des unentrinnbaren Totenreichs gekommen war, lagen alle im gleichen Schlaf: 15Die einen wurden bedrängt durch schreckliche Erscheinungen, die andern aber wurden dadurch gelähmt, dass ihnen der Mut entsank. Denn es kam plötzlich und unversehens Furcht über sie; 16und so wurde, wer dort zusammenbrach, bewacht und eingeschlossen wie in einem Kerker ohne Eisen.

17Ob es nun ein Bauer war oder ein Hirte oder ein Arbeiter, der sich in der Einsamkeit abmühte: er musste, plötzlich erfasst, solch unvermeidliche Not tragen. 18Denn sie waren alle zugleich mit ein und derselben Kette der Finsternis gefangen. 19Ob etwa ein Wind pfiff oder die Vögel süß sangen in den dichten Zweigen oder das Wasser gewaltig dahinschoss oder die Felsen mit lautem Gepolter herabstürzten oder Tiere, die man nicht sehen konnte, vorbeisprangen oder die grausamen wilden Tiere heulten oder der Widerhall aus den Schluchten der Berge schallte: es erschreckte sie und machte sie verzagt. 20Die ganze Welt hatte helles Licht und ging ungehindert ihren Geschäften nach; nur über die Ägypter hatte sich tiefe Nacht ausgebreitet, ein Bild der

17,20
1. Sam 2,9
Finsternis, die über sie kommen sollte; aber sie waren sich selbst noch mehr zur Last als die Finsternis.

18

181Aber

18,1
2. Mose 10,23
deine Heiligen hatten hellstes Licht, und die Feinde hörten zwar ihre Stimme, aber sahen ihre Gestalt nicht. 2Und die Ägypter priesen sie selig, dass sie nicht ebenso leiden mussten, und dankten ihnen dafür, dass sie, die vorher Unrecht erlitten hatten, ihnen jetzt keinen Schaden zufügten, und baten sie um Verzeihung, weil sie ihnen so feindlich gewesen waren.

3Dagegen gabst du den Deinen

18,3
2. Mose 13,21
eine feurige Säule, die ihnen den unbekannten Weg wies und ihnen eine unschädliche Sonne war auf jener ruhmvollen Wanderung. 4Denn die Ägypter waren’s auch wert, dass sie des Lichts beraubt und in Finsternis gefangen gehalten wurden, weil sie deine Kinder eingekerkert hielten,
18,4
Jes 2,3
durch die der Welt das unvergängliche Licht des Gesetzes gegeben werden sollte.

Tod der Erstgeburt – Rettung aus Todesnot

5Die Ägypter aber hatten beschlossen,

18,5
2. Mose 1,22
die kleinen Kinder der Heiligen zu töten – aber nur
18,5
2. Mose 2,2-3
eins von ihnen wurde ausgesetzt und dadurch gerettet –: da
18,5
2. Mose 12,29
nahmst du ihnen zur Strafe die Menge ihrer Kinder weg und
18,5
2. Mose 14,27-28
ließest sie alle zusammen umkommen in mächtigem Wasser. 6Jene Nacht aber
18,6
2. Mose 12,21-23
war unsern Vätern vorher angekündigt worden, damit ihnen die Verheißungen, an die sie glaubten, gewiss würden und sie darüber frohen Mutes wären. 7So wartete dein Volk auf das Heil der Gerechten und auf das Verderben der Feinde. 8Denn womit du die Widersacher bestraftest, eben damit hast du uns zu dir gerufen und uns herrlich gemacht.
18,8
Kap
9Denn im Verborgenen opferten die heiligen Kinder der Frommen und nahmen einträchtig das göttliche Gesetz an, dass die Heiligen in gleicher Weise an denselben Gütern und denselben Gefahren teilhaben sollten, nachdem sie vorher bereits die Lobgesänge der Väter angestimmt hatten.
18,9
2. Mose 12,1-28

10

18,10-11
2. Mose 12,29-30
Als Widerhall aber erscholl das wirre Geschrei der Feinde, und man hörte überall klägliches Weinen wegen ihrer Kinder. 11Denn es erging gleiche Strafe über Herr und Knecht, und der König musste ebenso wie der einfache Mann leiden. 12So hatten sie alle zusammen unzählige Tote, die den gleichen Tod gestorben waren, sodass es nicht genug Lebende gab, um sie zu begraben; denn in einem einzigen Augenblick waren ihre edelsten Nachkommen dahingesunken. 13Denn während sie vorher,
18,13
2. Mose 7,11-13
durch ihre Zauberer verhindert, ganz ungläubig waren, mussten sie jetzt beim
18,13
2. Mose 4,22-23
Untergang ihrer Erstgeborenen bekennen, dass dies Volk Gottes Sohn ist.

14Denn als alles still war und ruhte und eben Mitternacht war, 15fuhr dein allmächtiges

18,15
Offb 19,11-13
Wort vom Himmel herab, vom königlichen Thron, ein harter Kriegsmann, mitten in das Land, das zugrunde gerichtet werden sollte. 16Er trug
18,16
Hebr 4,12
Offb 19,15
ein scharfes Schwert, nämlich dein unerbittliches Gebot, und trat hin und erfüllte alles mit Toten, und obwohl er auf der Erde stand, berührte er doch den Himmel. 17Da erschreckten sie plötzlich grauenhafte Träume, und unversehens kam Furcht über sie 18und sie lagen halb tot da, der eine hier, der andre dort, und zeigten damit, aus welchem Grund sie sterben mussten. 19Denn die Träume, die sie erschreckten, hatten es ihnen vorher angezeigt, damit sie nicht zugrunde gingen, ohne zu wissen, warum sie so sehr geplagt wurden.

20

18,20-23
4. Mose 17,6-15
Aber auch die Gerechten mussten die Anfechtung des Todes erfahren, und eine Menge wurde in der Wüste dahingerafft. Aber der Zorn währte nicht lange. 21Denn eilends kam der untadelige Mann, der für sie stritt, mit der Waffe seines Amts herbei, nämlich mit Gebet und sühnendem Räucherwerk, und widerstand dem Zorn und machte dem Unheil ein Ende. Damit bewies er, dass er dein Diener war. 22Er überwand die Plage, nicht mit Körperkraft noch mit Waffengewalt, sondern mit dem
18,22
Wort unterwarf er den Züchtiger, indem er an Gottes Eid und Bund mit den Vätern erinnerte. 23Denn als schon die Toten haufenweise übereinanderlagen, trat er dazwischen und hielt den Zorn auf und schnitt ihm den Weg zu den Lebenden ab. 24Denn auf seinem langen Gewand war die ganze Welt abgebildet, und die Ehrennamen der Väter waren in die
18,24
2. Mose 28,15-21
vier Reihen der Steine eingegraben und deine Herrlichkeit auf dem
18,24
2. Mose 28,36-38
Stirnband seines Haupts. 25Davor musste der
18,25
2. Mose 12,23
Jdt 8,21
Verderber weichen, und davor musste er sich fürchten; denn es war schon genug, dass sie nur eine Probe des Zorns erfahren hatten.