Lutherbibel 1984 (LU84)
15

151Aber du, unser Gott, bist freundlich und treu und geduldig und regierst alles mit Barmherzigkeit.

15,1
2. Mose 34,6
2Wenn wir auch sündigen, gehören wir doch dir und kennen deine Macht.
15,2
1. Joh 3,6
Weil wir aber wissen, dass wir dir angehören, sündigen wir nicht. 3Denn dich kennen ist vollkommene Gerechtigkeit, und von deiner Macht wissen ist die Wurzel der Unsterblichkeit.
15,3
Joh 17,3
4Denn uns verführen nicht die arglistigen Einfälle der Menschen noch die unnütze Arbeit der Maler, nämlich eine Gestalt, die mit mancherlei Farbe beschmiert ist, 5deren Anblick die Unverständigen reizt, sodass sie Verlangen haben nach dem leblosen und toten Bild.

6Denn die es anfertigen und die danach verlangen und die es verehren, lieben das Böse und sind dessen wert, worauf sie hoffen. 7Denn auch ein Töpfer, der den weichen Ton mühevoll knetet, macht jedes Gefäß zu unserm Gebrauch. Er macht aber aus demselben Ton Gefäße, die zu sauberen Zwecken dienen, und andere zu gegenteiligen Zwecken, alle in gleicher Weise. Wozu aber jedes einzelne von den Gefäßen dann gebraucht wird, darüber entscheidet der Töpfer.

15,7
Röm 9,21
8Aber es ist ein böses Werk, wenn er aus demselben Ton einen nichtigen Gott macht, wo er doch selbst nicht lange zuvor aus Erde geschaffen worden ist und
15,8
Pred 12,7
nach kurzer Zeit wieder dahinfährt, von wo er genommen worden ist,
15,8
Lk 12,20
wenn die anvertraute Gabe der Seele zurückgefordert wird.

9Aber das macht ihm keine Sorge, dass er

15,9
Ps 39,5
davonmuss und dass er ein kurzes Leben hat, sondern er wetteifert mit den Gold- und Silberschmieden und ahmt die Erzgießer nach und hält es für eine Ehre, Trugbilder zu machen. 10Die Gedanken seines Herzens sind wie
15,10
Hiob 13,12
Jes 44,20
Asche, und seine Hoffnung ist geringer als Erde und sein Leben verächtlicher als Ton, 11weil er den nicht kennt, der ihn geschaffen und der ihm die wirkende Seele eingehaucht und den lebendigen Geist eingeblasen hat; 12er hält vielmehr unser menschliches Leben für ein
15,12
1. Kor 10,7
Spiel und unser menschliches Treiben für einen Jahrmarkt; denn er gibt vor,
15,12
Apg 19,24-26
man müsse überall Gewinn suchen, auch aus bösen Dingen. 13Solch einer weiß besser als alle andern, dass er sündigt, wenn er zerbrechliche Gefäße und Bilder aus irdischem Stoff schafft.

14Alle aber sind sie törichter und elender als ein kleines Kind – nämlich die Feinde deines Volks, die es unterdrücken –,

15,14
Ps 8,3
15da sie alle Götzenbilder der Heiden für Götter halten, die mit ihren Augen nicht sehen, mit ihren Nasen nicht Luft holen, mit ihren Ohren nicht hören, mit ihren Fingern an den Händen nicht fühlen können und deren Füße zu faul zum Gehen sind.
15,15
Ps 115,4-7
16Denn ein Mensch hat sie gemacht, und einer, dem der Geist nur geliehen ist, hat sie gebildet.
15,16

17Ein Mensch kann ja nicht einmal einen Gott machen, der wenigstens einem lebendigen Menschen gleich ist; sondern weil er sterblich ist, schafft er nur etwas Lebloses mit seinen ruchlosen Händen. Denn er selbst ist ja besser als das, was er verehrt; denn er lebt doch, jenes aber nie. 18Sie verehren sogar die feindseligsten Tiere, die, an ihrem Verstand gemessen, noch tiefer stehen als die andern.

15,18
Kap
19Auch sind sie nicht schön wie andre Tiere, sodass man an ihrem Anblick Gefallen haben könnte;
15,19
1. Mose 3,14-15
vielmehr ist ihnen das Lob und der Segen Gottes verloren gegangen.

16

Die verschiedene Behandlung der Ägypter und der Israeliten bei sechs weiteren Plagen

(Kapitel 16,1–19,21)

Plage durch Hunger – Speisung mit Wachteln

161Darum wurden die Ägypter mit Recht durch solche Tiere geplagt und durch eine Menge

16,1
Kap
Ungeziefer gequält. 2Statt solcher Plage tatest du deinem Volk Gutes und bereitetest ihm, weil es danach Verlangen trug, eine wunderbare Speise, nämlich
16,2
2. Mose 16,12-13
Wachteln, zur Nahrung; 3so sollte den Ägyptern, wenn sie nach Nahrung verlangten, wegen des scheußlichen Anblicks der
16,3
2. Mose 7,26-29
Tiere, die ihnen gesandt wurden, die natürliche Lust am Essen vergehen; die Israeliten aber, die nur kurze Zeit Mangel litten, sollten eine wunderbare Speise empfangen. 4Denn es sollte über die, die so tyrannisch handelten, ein unabwendbarer Mangel kommen; diesen aber sollte nur gezeigt werden, wie ihre Feinde gequält wurden.

Tod durch Insektenstich – Rettung vom Schlangenbiss

5

16,5-7
4. Mose 21,4-9
Joh 3,14-15
Es kamen zwar über die Israeliten auch böse, zornige Tiere, und sie wurden gebissen und vernichtet durch die sich krümmenden Schlangen. 6Doch blieb dein Zorn nicht bis zum Ende, vielmehr wurden sie nur kurze Zeit zur Warnung erschreckt und erhielten ein rettendes Zeichen, damit sie an das Gebot deines Gesetzes denken sollten. 7Denn die sich zu diesem Zeichen hinwandten, die wurden errettet, nicht durch das, was sie anschauten, sondern durch dich, den
16,7
1. Tim 4,10
Heiland aller Menschen.

8Und damit bewiesest du unsern Feinden, dass du es bist, der aus allem Unheil erlösen kann.

16,8
2. Mose 15,26
9Denn über die Ägypter kam durch
16,9
2. Mose 10,12-15
Offb 9,3
Heuschrecken und
16,9
2. Mose 8,16-20
Fliegen Tod und Verderben, und sie konnten keine Hilfe für ihr Leben finden; denn sie hatten’s verdient, von solchen Tieren geplagt zu werden. 10Aber deinen Kindern konnten auch die Zähne der giftigen Drachen nicht schaden; denn deine Barmherzigkeit trat dazwischen und machte sie gesund.
16,10
11Denn sie wurden dadurch angestachelt, an deine Worte zu denken, und wurden schnell wieder geheilt, damit sie nicht in tiefes Vergessen versinken, sondern deinen Wohltaten zugewandt bleiben sollten. 12Denn es heilte sie weder Kraut noch Pflaster, sondern
16,12
Ps 107,20
Mt 8,8
dein Wort, Herr, das alles heilt. 13Denn du
16,13
5. Mose 32,39
hast Gewalt über Leben und Tod; und
16,13
Tob 13,2
du führst hinunter zu den Pforten des Totenreichs und führst wieder herauf.

14Wenn aber ein Mensch in seiner Bosheit jemanden tötet, so kann er den entflohenen Geist nicht zurückholen und die hingeraffte Seele nicht wieder befreien.

Plage mit Unwetter – Speisung mit Manna

15Aber unmöglich ist’s, deiner Hand zu entfliehen.

16,15
Ps 139,7
16Denn die Gottlosen, die dich nicht kennen wollten, sind durch deinen mächtigen Arm gegeißelt worden, als sie durch ungewöhnliche Regengüsse, Hagelschläge und Unwetter, denen sie nicht entgehen konnten, verfolgt und vom Feuer verzehrt wurden.
16,16
2. Mose 9,22-26
17Und das war das Verwunderlichste, dass
16,17
Kap
das Feuer noch stärker im Wasser brannte, das doch sonst alles auslöscht. Denn
16,17
Kap
die Schöpfung streitet für die Gerechten. 18Zuweilen nämlich brannte die Flamme schwächer, um nicht die
16,18
2. Mose 8,11220
Tiere zu verbrennen, die gegen die Gottlosen geschickt worden waren; sie sollten ja sehen und erkennen, dass sie von Gottes Gericht so bedrängt wurden. 19Zuweilen aber brannte die Flamme im Wasser stärker als sonst, um die Früchte des ungerechten Landes zu verderben.

20Dagegen nährtest du dein Volk mit

16,20
Ps 78,25
Engelspeise, und unermüdlich gewährtest du ihnen
16,20
2. Mose 16,413-1531
Brot vom Himmel, das ihnen Genuss bereitete und jedem nach seinem Geschmack war. 21Denn deine Gabe machte offenbar, wie freundlich du zu deinen Kindern bist. Denn jedem, der davon aß, verwandelte sie sich nach seinem Verlangen in das, was er gern wollte. 22Schnee und
16,22
Kap
Eis hielten das Feuer aus und schmolzen nicht, damit man erkennen sollte, wie
16,22
2. Mose 9,24-25
die Früchte der Feinde vom Feuer vernichtet wurden, das im Hagel brannte und in den Regengüssen aufblitzte, 23und wie dasselbe Feuer seine eigne Kraft vergessen musste, damit die Gerechten sich nähren konnten.

24Denn die Schöpfung, die dir als dem Schöpfer dient, steigert ihre Kräfte, um die Ungerechten zu bestrafen, und mindert sie, um denen wohlzutun, die dir vertrauen.

16,24
Sir 39,29-32
25Darum ließ sie sich auch damals in mancherlei verwandeln und diente damit dir, der mit seinen Gaben alle nährt, nach dem Wunsch und der Bitte eines jeden, 26damit deine Kinder, die du, Herr, lieb hast, lernen, dass nicht die verschiedenen Früchte den Menschen ernähren, sondern dass dein Wort die erhält, die an dich glauben.
16,26
5. Mose 8,3

27Denn das, was vom Feuer nicht verzehrt wurde, zerschmolz,

16,27
2. Mose 16,21
sobald es von einem flüchtigen Strahl der Sonne erwärmt wurde, 28damit deutlich würde, dass man,
16,28
Ps 5,4
57,9
Mk 1,35
ehe die Sonne aufgeht, dir danken soll und vor dich treten, wenn es hell wird. 29Denn
16,29
Kap
die Hoffnung des Undankbaren wird wie Reif und Frost vergehen und wie unnützes Wasser wegfließen.

17

Finsternis – Licht und Feuersäule

171

17,1
2. Mose 7,3-4
Röm 11,33
Groß und unaussprechbar sind deine Gerichte, Herr; darum gingen auch die Unbelehrbaren in die Irre. 2Denn als die Ungerechten meinten, das heilige Volk unterdrücken zu können, wurden sie Gebundene der
17,2
2. Mose 10,21-23
Mt 22,13
Finsternis und Gefangene einer langen Nacht und lagen eingeschlossen unter ihren Dächern, auf der Flucht vor der ewigen Vorsehung. 3Denn als sie meinten, sie könnten sich bei ihren verborgenen Sünden verstecken unter der dunklen Decke der Vergessenheit, wurden sie zerstreut, furchtbar erschreckt und durch Gespenster geängstigt.

4Denn auch der versteckte Winkel, in dem sie waren, konnte sie nicht vor der Furcht bewahren: Getöse war um sie her, das sie erschreckte, und gräuliche Gestalten mit düsteren Mienen erschienen ihnen. 5Und die Macht des Feuers vermochte ihnen nicht zu leuchten, noch konnten die hell flammenden Sterne jene furchtbare Nacht licht machen. 6Es erschien ihnen nur ein von selbst brennendes Feuer voller Schrecken. Wenn sie aber diese Erscheinung nicht mehr sahen, hielten sie in ihrem Entsetzen das, was sie gesehen hatten, für schlimmer, als es war. 7

17,7-8
2. Mose 9,11
Auch das Gaukelwerk der Zauberkunst lag danieder, und das Pochen auf ihre Kunst wurde, wenn sie sich nun erweisen sollte, zum Spott. 8Denn die versprochen hatten, Furcht und Schrecken von den kranken Seelen vertreiben zu können, wurden selbst krank vor lächerlicher Angst. 9Denn wenn auch sonst nichts Schreckliches sie ängstigte, so wurden sie doch aufgescheucht durch das Vorbeilaufen wilder Tiere und durch das Zischen von Schlangen, und sie gingen zitternd zugrunde, weil sie sich sogar weigerten, die Luft auch nur anzusehen, die man doch nicht entbehren kann.

10Denn die Bosheit, die von Natur aus

17,10
Jes 13,6-7
feige ist, bezeugt selbst, dass sie verdammt ist, 11und vom
17,11
Sir 14,2
Hebr 10,22-23
Gewissen bedrückt, nimmt sie immer das Schlimmste an. 12Denn Furcht ist nichts anderes, als dass einer nicht wagt, sich von seinem Verstand helfen zu lassen. 13Wenn aber die Hoffnung im Herzen zu schwach ist, hält man die Ratlosigkeit für schlimmer als die eigentliche Ursache der Plage.

14In dieser wirklichen unentrinnbaren

17,14
Nacht, die aus den Schlupfwinkeln des unentrinnbaren Totenreichs gekommen war, lagen alle im gleichen Schlaf: 15Die einen wurden bedrängt durch schreckliche Erscheinungen, die andern aber wurden dadurch gelähmt, dass ihnen der Mut entsank. Denn es kam plötzlich und unversehens Furcht über sie; 16und so wurde, wer dort zusammenbrach, bewacht und eingeschlossen wie in einem Kerker ohne Eisen.

17Ob es nun ein Bauer war oder ein Hirte oder ein Arbeiter, der sich in der Einsamkeit abmühte: er musste, plötzlich erfasst, solch unvermeidliche Not tragen. 18Denn sie waren alle zugleich mit ein und derselben Kette der Finsternis gefangen. 19Ob etwa ein Wind pfiff oder die Vögel süß sangen in den dichten Zweigen oder das Wasser gewaltig dahinschoss oder die Felsen mit lautem Gepolter herabstürzten oder Tiere, die man nicht sehen konnte, vorbeisprangen oder die grausamen wilden Tiere heulten oder der Widerhall aus den Schluchten der Berge schallte: es erschreckte sie und machte sie verzagt. 20Die ganze Welt hatte helles Licht und ging ungehindert ihren Geschäften nach; nur über die Ägypter hatte sich tiefe Nacht ausgebreitet, ein Bild der

17,20
1. Sam 2,9
Finsternis, die über sie kommen sollte; aber sie waren sich selbst noch mehr zur Last als die Finsternis.