Lutherbibel 1984 (LU84)
12

121und dein unvergänglicher Geist ist in allem.

Gottes Nachsicht in der Bestrafung der Kanaaniter

2Darum bestrafst du die, die fallen, nur leicht und

12,2
Hes 3,16-21
warnst sie, indem du sie an ihre Sünden erinnerst, damit sie von ihrer Schlechtigkeit loskommen und an dich, Herr, glauben.

3

12,3-6
Kap
Denn als du den früheren Bewohnern deines heiligen Landes feind warst, 4weil sie die widerwärtigsten Dinge trieben, Zauberei und gottlose Weihen, 5wolltest du durch die Hände unsrer Väter die vertilgen, die unbarmherzige Mörder ihrer Kinder waren 6und die sich zu Opfermahlen von Menschenfleisch zusammentaten und die sich mit Blut weihten in einer Opfergemeinde und die als Eltern ihre hilflosen Kinder mit eigner Hand töteten, 7damit das Land, das dir von allen das liebste ist, als würdige Bewohner die Kinder Gottes aufnehmen könnte.

8Dennoch schontest du sie, weil auch sie Menschen waren, und

12,8
2. Mose 23,28-30
sandtest deinem Heer Hornissen voraus, damit sie sie nur nach und nach vertilgen sollten. 9Es war dir zwar nicht unmöglich, die Gottlosen in einer Schlacht den Gerechten zu unterwerfen oder durch schreckliche Tiere oder durch ein hartes Wort auf einmal zu zerschmettern; 10aber du richtetest sie nur nach und nach und
12,10
Kap
gabst ihnen so Gelegenheit zur Buße, obgleich du wohl wusstest, dass ihr Ursprung böse und ihre Schlechtigkeit angeboren war und dass sich ihr Sinn niemals mehr ändern würde. 11Denn sie waren ein
12,11
1. Mose 9,24-25
verfluchtes Geschlecht von Anfang an.

So hast du auch nicht darum, weil du jemand gescheut hättest, ihre Sünden unbestraft gelassen. 12Denn

12,12
Dan 4,32
Röm 9,20
wer darf zu dir sagen: »Was tust du?« Oder wer kann deinem Gericht widerstehen? Oder wer darf dich beschuldigen wegen des Untergangs von Völkern, die du geschaffen hast? Oder wer darf kommen und vor dich hintreten als Verteidiger für ungerechte Menschen? 13Denn es gibt außer dir keinen Gott,
12,13
Kap
der für alle sorgte, sodass du beweisen müsstest, dass du nicht ungerecht richtest. 14Es kann dir auch weder ein König noch ein Tyrann die Stirn bieten um derer willen, die du bestrafst.

15Weil du aber gerecht bist, so regierst du alle Dinge gerecht und siehst es als deiner Majestät nicht würdig an,

12,15
Hes 18,20
jemand zu verdammen, der die Strafe nicht verdient hat. 16Denn deine Stärke ist der Ursprung der Gerechtigkeit, und weil du über alle Herr bist, so
12,16
Kap
verschonst du auch alle. 17Denn an denen, die an die Vollkommenheit deiner Macht nicht glauben, beweist du deine Stärke, und an denen, die davon wissen, bestrafst du ihren Übermut. 18Du aber, der du Herr bist über die Stärke, richtest mit Milde und regierst uns mit viel Verschonen; denn du vermagst alles, wenn du willst.

19Dein Volk aber lehrst du durch solche Werke, dass

12,19
Lk 6,35-36
der Gerechte menschenfreundlich sein soll, und deine Söhne lässt du voll guter Zuversicht sein, dass du ihnen für die Sünden Gelegenheit zur Buße gibst. 20
12,20
Apg 17,26-27
Denn wenn du die Feinde deiner Kinder und die, die des Todes schuldig waren, mit solcher Vorsicht und Schonung bestraft und ihnen Zeit und Gelegenheit gegeben hast, von ihrer Schlechtigkeit zu lassen: 21mit wie viel größerer Sorgfalt richtest du deine Söhne, deren Vätern du Eid und Bund voll guter Verheißungen gegeben hast! 22
12,22
Kap
Während du also uns erziehst, plagst du unsre Feinde tausendfach, damit wir deine Güte bedenken, wenn wir richten, und auf deine Barmherzigkeit trauen, wenn wir gerichtet werden.

Schwere Bestrafung nach vergeblicher Warnung

23

12,23-24
Kap
Daher quältest du auch die Ungerechten, die ein unverständiges Leben führten, mit ihren eignen Götzen. 24Denn sie waren so weit auf Irrwege geraten, dass sie, betrogen wie unverständige Kinder, die Tiere für Götter hielten, die unter den verabscheuten Tieren die verächtlichsten sind. 25Darum hast du ihnen wie unvernünftigen Kindern eine Strafe geschickt, die sie zum Gespött machte. 26Die sich aber durch Spott und Strafe nicht warnen lassen, werden das verdiente Gericht Gottes erfahren. 27Denn sie wurden eben durch die gequält, die sie für Götter hielten, und als sie unter ihnen litten, ärgerten sie sich über sie und
12,27
2. Mose 8,15
erkannten nun deutlich den als den wahren Gott,
12,27
2. Mose 5,2
den sie vorher nicht erkennen wollten; darum kam auch das Äußerste an Strafe über sie.

13

Die Torheit des Götzendienstes

131Es sind von Natur alle Menschen nichtig, die von Gott nichts wissen und

13,1
Röm 1,18-21
an den sichtbaren Gütern den, der wirklich Gott ist, nicht zu erkennen vermögen und die, obwohl sie auf seine Werke achten, nicht begreifen, wer der Meister ist, 2sondern das Feuer oder den Wind oder die flüchtige Luft oder die Sterne oder mächtige Wasser oder
13,2
Hiob 31,26-28
die Lichter am Himmel für Götter halten, die die Welt regieren. 3Wenn sie aber an ihrer Schönheit sich freuten und sie darum für Götter hielten, hätten sie wissen sollen,
13,3
Sir 43,30
um wie viel herrlicher der ist, der über das alles der Herr ist. Denn der aller Schönheit Meister ist, hat das alles geschaffen. 4Wenn sie aber schon über ihre Macht und Kraft staunten, hätten sie merken sollen, um wie viel mächtiger der ist, der das alles bereitet hat. 5Denn es wird an der Größe und Schönheit der Geschöpfe ihr Schöpfer wie in einem Bild erkannt.
13,5
Ps 104,1-2

6Trotzdem sind sie nicht zu sehr zu tadeln; denn sie irren vielleicht und

13,6
Apg 17,27
suchen doch Gott und hätten ihn gern gefunden. 7Denn sie gehen zwar mit seinen Werken um und erforschen sie, aber sie lassen sich durch das, was vor Augen ist, gefangen nehmen, weil so schön ist, was man sieht. 8Doch sind sie damit nicht entschuldigt. 9Denn wenn sie so viel zu erkennen vermochten, dass sie die Welt durchdringen konnten, warum haben sie nicht viel eher den Herrn über das alles gefunden?

10

13,10-19
Ps 115,3-9
Bar 6,4-73
St zu Dan 2,4-622-26
Aber die sind unglückselig und setzen ihre Hoffnung auf tote Dinge, die Werke von Menschenhand als Götter anrufen, Gold und Silber, kunstvoll verarbeitet, und Abbilder von Tieren oder unnütze Steine, behauen in alter Zeit. 11Oder es sägt ein Holzschnitzer ein handliches Stück Holz heraus, schabt geschickt seine ganze Rinde ringsum ab, bearbeitet es kunstgerecht und macht daraus ein Gerät, das für den Gebrauch im Leben nützlich ist. 12Die Abfälle von solcher Arbeit aber verbraucht er, um Speise zu kochen und sich zu sättigen. 13Ein Stück Abfall aber, das zu nichts taugt, ein krummes, mit Ästen durchwachsenes Stück Holz nimmt er und schnitzt es mit Sorgfalt, wenn er Muße hat, und gestaltet es mit Geschick, wenn er Ruhe hat, und macht’s dem Bild eines Menschen oder einem gewöhnlichen Tier gleich. 14Er bemalt es mit roter Farbe und färbt mit Schminke seine Oberfläche rot, und wo ein Flecken daran ist, übermalt er ihn. 15Und er macht ihm ein Haus, das seiner würdig ist, und bringt es an der Wand an und befestigt es mit einem Stück Eisen. 16Er sorgt dafür, dass es nicht umfällt; denn er weiß, dass es sich selber nicht helfen kann, denn es ist ein Bild und bedarf der Hilfe.

17Aber wenn er betet für sein Hab und Gut, für seine Ehe und für seine Kinder, schämt er sich nicht, mit etwas Leblosem zu reden. 18Er ruft das Schwache um Gesundheit an, bittet das Tote um Leben, fleht zu dem Unfähigsten um Hilfe und zu dem um glückliche Reise, was nicht einmal den Fuß gebrauchen kann; 19und für sein Geschäft und sein Gewerbe und das Glück seiner Hände ruft er das um Kraft an, dessen Hände ganz kraftlos sind.

14

141Ebenso tut der, der sich einschiffen will und durch wilde Fluten zu fahren gedenkt und ein Holz anruft, das viel morscher ist als das Schiff, auf dem er fährt. 2Denn es ist erfunden worden, um Handel zu treiben, und die Künstlerin Weisheit hat es gebaut. 3

14,3-4
Ps 107,23-32
Mt 8,26
Aber deine Vorsehung, Vater, steuert es hindurch; denn du gibst auch im Meer Wege und mitten in den Wellen sichere Fahrt 4und zeigst dadurch, wie du aus aller Not zu retten vermagst, damit man ein Schiff besteigen kann, auch ohne die Kunst des Seemanns zu verstehen.

5

14,5-6
Kap
Du willst aber, dass nicht ungenutzt bleibt, was du durch deine Weisheit geschaffen hast. Deshalb vertrauen die Menschen ihr Leben auch ganz geringem Holz an und werden auf einem Floß gerettet, wenn sie durch die Meereswellen fahren. 6Denn auch vor alters, als die hochmütigen Riesen umkamen, flüchteten die, an denen die Hoffnung der Welt hing, auf ein Floß, das deine Hand lenkte, und hinterließen so der Welt die Stammeltern für ein neues Geschlecht. 7Denn ein solches
14,7
1. Petr 2,24
Holz, das einer gerechten Sache dient, soll gesegnet sein; 8aber
14,8
5. Mose 27,15
verflucht soll das sein, was mit Händen geschnitzt ist, wie auch der, der es schnitzte; dieser, weil er’s machte, jenes, weil es Gott genannt wird, obwohl es doch vergänglich ist.

9Denn Gott sind beide gleich verhasst, der Gottlose und sein gottloses Werk; 10denn das Werk wird samt dem Meister bestraft werden. 11Darum werden auch

14,11
Jer 46,25
die Götzen der Heiden heimgesucht; denn sie sind in der Schöpfung Gottes zum Gräuel und zum Ärgernis für die Seelen der Menschen geworden und zum Fallstrick für die Füße der Unverständigen. 12Denn
14,12
Hes 16,17
Götzenbilder zu ersinnen ist der Anfang der Hurerei, und sie zu erfinden ist des Lebens Verderben.

13Von Anfang an sind sie nicht gewesen und werden auch nicht ewig bleiben; 14sondern durch eitlen Wahn der Menschen sind sie in die Welt gekommen, und darum ist ihnen auch ein schnelles Ende zugedacht. 15Denn als ein Vater über seinen Sohn, der ihm allzu früh genommen wurde, Leid und Schmerzen trug, ließ er ein Bild machen und

14,15
2. Makk 11,23
verehrte den, der längst tot war, jetzt als Gott und stiftete für die Seinen geheime Gottesdienste und Feiern. 16Danach festigte sich mit der Zeit solch gottloser Brauch und wurde wie ein Gesetz gehalten.

Auch

14,16
Dan 3,1-7
musste man Bilder verehren auf das Gebot der Tyrannen hin. 17Die Leute konnten sie nicht von Angesicht zu Angesicht ehren, weil sie zu ferne wohnten, und machten sich aus der Ferne eine Vorstellung von ihrem Aussehen und fertigten ein sichtbares Bild des Königs an, den sie ehren wollten, damit sie durch ihren Eifer dem Abwesenden schmeichelten, als ob er anwesend wäre. 18Damit er noch mehr verehrt würde, lockte der Ehrgeiz der Künstler auch die an, die ihn nicht kannten. 19Denn der, der vielleicht dem Fürsten gefallen wollte, machte das Bild durch seine Kunst so, dass es nicht nur ähnlich, sondern auch schön aussah. 20Die Menge aber, die von der Anmut des Werkes angezogen wurde, hielt jetzt den für einen Gott, der kurz zuvor nur als Mensch geehrt worden war.

21Dies wurde zu einer Gefahr für das Leben:

14,21
Jer 2,27
Wenn den Leuten etwas Schlimmes zugestoßen war oder wenn sie den Tyrannen dienen mussten, gaben sie den Steinen und dem Holz den Namen, der keinem andern gebührt.
14,21
Offb 9,20
16,9

22Sodann ließen sie sich nicht daran genügen, dass sie in der Erkenntnis Gottes irrten, sondern, obwohl sie in ihrer Unwissenheit wie im Kriege lebten, nannten sie das auch noch

14,22
Jer 6,13-15
7,9-10
Frieden. 23Denn entweder
14,23
Kap
töten sie ihre Kinder zum Opfer oder kommen zu Gottesdiensten zusammen, die sie geheim halten müssen, oder feiern wilde Gelage nach absonderlichen Satzungen 24und halten so weder ihren Wandel noch ihre Ehen rein, sondern einer tötet den andern mit List oder kränkt ihn durch Ehebruch; 25
14,25-26
Röm 1,26-32
und überall herrschen ohne Unterschied Blutvergießen, Mord, Diebstahl, Betrug, Schändung, Untreue, Streit, Meineid, Beunruhigung der Guten, 26Undank, Befleckung der Seelen, widernatürliche Unzucht, Zerrüttung der Ehen, Ehebruch und Ausschweifungen.

27Denn den namenlosen Götzen zu dienen, das ist Anfang, Ursache und Ende alles Bösen. 28Feiern sie ein Fest, so geraten sie in Raserei; weissagen sie, so ist’s lauter Lüge. Sie leben nicht recht und schwören leichtfertig falsche Eide. 29Denn weil sie an leblose Götzen glauben, fürchten sie keinen Schaden, wenn sie falsch schwören.

30Doch wird für beides gerechte Strafe über sie kommen: dafür, dass sie nicht recht von Gott denken, weil sie sich zu den Götzen halten, und dafür, dass sie unrecht und falsch schwören und Frömmigkeit verachten. 31Denn über die Bosheit der Ungerechten kommt nicht die Macht derer,

14,31
Am 8,14
bei denen sie schwören, sondern immer die Strafe, die sie mit ihrem Sündigen verdienen.