Lutherbibel 1984 (LU84)
11

111Sie ließ ihre Werke gelingen durch einen heiligen

11,1
5. Mose 34,10-12
Hos 12,14
Propheten.

Die verschiedene Behandlung der Ägypter und der Israeliten bei der Durstplage

(11,2-16; Fortsetzung Kap 16,1–19,21)

2Die Israeliten

11,2
2. Mose 15,2227
16,1
zogen durch eine unbewohnte Wüste und schlugen ihre Zelte auf in der Einöde, 3sie widerstanden ihren Feinden und
11,3
2. Mose 17,8-13
erwehrten sich ihrer Widersacher. 4Als es sie dürstete, riefen sie dich an und ihnen
11,4
2. Mose 17,3-6
wurde Wasser gegeben aus schroffem Fels, und sie löschten den Durst aus hartem Stein.

5Denn wodurch

11,5
Kap
ihre Feinde bestraft wurden, eben dadurch geschah ihnen Gutes, als sie Not litten. 6Jene nämlich bestraftest du für den
11,6
2. Mose 1,22
Befehl, die Kinder zu töten, dadurch, dass du
11,6
2. Mose 7,19-21
das immer fließende Wasser des Nils mit Blut vermischtest; 7ihnen aber gabst du ganz unerwartet reichlich Wasser, 8nachdem du ihnen vorher durch ihren Durst gezeigt hattest, wie du die Widersacher bestrafst. 9
11,9-10
5. Mose 8,2-5
Jer 10,24-25
Hebr 12,4-11
Denn als sie zwar versucht, dabei aber nur mit Gnaden gezüchtigt worden waren, erkannten sie, wie die Gottlosen im Zorn gerichtet und gequält wurden. 10Denn du hast sie wie ein Vater zurechtgewiesen und geprüft, jene aber wie ein strenger König verhört und verdammt.

11Und es wurden die, die dabei waren, wie die, die nicht dabei waren, in gleicher Weise geplagt. 12Denn es kam doppeltes Leid über sie und Seufzen, wenn sie an das Vergangene dachten. 13Denn als sie hörten, dass jenen Gutes durch das geschah, wodurch sie selbst bestraft worden waren, spürten sie das Walten des Herrn. 14Denn

11,14
2. Mose 2,3
den sie einst ausgesetzt und ins Wasser geworfen und später verspottet und abgewiesen hatten, über den mussten sie staunen, als es am Ende so ausging,
11,14
2. Mose 7,21
während sie selbst ganz anders als die Gerechten Durst gelitten hatten.

15

11,15-16
Kap
Zur Strafe für die törichten Gedanken, die aus ihrer Ungerechtigkeit kamen und durch die sie verführt wurden, unvernünftiges Gewürm und Ungeziefer anzubeten, sandtest du unter sie eine Menge unvernünftiger Tiere, 16damit sie erkennen sollten: Womit jemand sündigt, damit wird er auch bestraft.

Gottes Erbarmen mit seiner Schöpfung

17Denn deiner allmächtigen Hand, die die Welt

11,17
1. Mose 1,2
aus ungestaltetem Stoff geschaffen hat, fehlte es nicht an Macht, über sie
11,17
3. Mose 26,22
2. Kön 2,24
eine Menge von Bären kommen zu lassen oder mutige
11,17
2. Kön 17,26
Löwen 18oder neu geschaffene, grimmige unbekannte Tiere, die
11,18
Hiob 41,10-13
Feuer speien oder stinkenden Rauch schnauben oder schreckliche Funken aus den Augen blitzen ließen 19und die ihnen nicht nur durch Verletzungen Verderben bringen, sondern sie auch mit ihrem furchtbaren Anblick völlig vernichten können. 20Aber sie könnten auch ohne dies alles durch einen einzigen Hauch fallen, verfolgt von der strafenden Gerechtigkeit und
11,20
Jes 11,4
weggerafft von dem Hauch deiner Macht.

21Aber du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet. Denn deine Kraft gewaltig zu erweisen ist dir allezeit möglich, und wer kann der Macht deines Arms widerstehen?

11,21
Jes 40,26
22Denn die ganze Welt ist vor dir wie ein
11,22
Jes 40,15
Stäublein an der Waage und wie ein Tropfen des Morgentaus, der auf die Erde fällt.

23Aber du erbarmst dich über alle; denn du kannst alles und du

11,23
Ps 130,4
übersiehst die Sünden der Menschen, damit sie
11,23
Röm 2,4
sich bessern sollen. 24Denn du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast; denn du hast ja nichts bereitet, gegen das du Hass gehabt hättest.
11,24
Jak 1,17
25Wie könnte etwas bleiben, wenn du nicht wolltest? Oder wie könnte erhalten werden, was du nicht gerufen hättest? 26Du
11,26
Kap
schonst aber alles; denn es gehört dir, Herr, du
11,26
Hes 18,23
Joh 3,16
Freund des Lebens,

12

121und dein unvergänglicher Geist ist in allem.

Gottes Nachsicht in der Bestrafung der Kanaaniter

2Darum bestrafst du die, die fallen, nur leicht und

12,2
Hes 3,16-21
warnst sie, indem du sie an ihre Sünden erinnerst, damit sie von ihrer Schlechtigkeit loskommen und an dich, Herr, glauben.

3

12,3-6
Kap
Denn als du den früheren Bewohnern deines heiligen Landes feind warst, 4weil sie die widerwärtigsten Dinge trieben, Zauberei und gottlose Weihen, 5wolltest du durch die Hände unsrer Väter die vertilgen, die unbarmherzige Mörder ihrer Kinder waren 6und die sich zu Opfermahlen von Menschenfleisch zusammentaten und die sich mit Blut weihten in einer Opfergemeinde und die als Eltern ihre hilflosen Kinder mit eigner Hand töteten, 7damit das Land, das dir von allen das liebste ist, als würdige Bewohner die Kinder Gottes aufnehmen könnte.

8Dennoch schontest du sie, weil auch sie Menschen waren, und

12,8
2. Mose 23,28-30
sandtest deinem Heer Hornissen voraus, damit sie sie nur nach und nach vertilgen sollten. 9Es war dir zwar nicht unmöglich, die Gottlosen in einer Schlacht den Gerechten zu unterwerfen oder durch schreckliche Tiere oder durch ein hartes Wort auf einmal zu zerschmettern; 10aber du richtetest sie nur nach und nach und
12,10
Kap
gabst ihnen so Gelegenheit zur Buße, obgleich du wohl wusstest, dass ihr Ursprung böse und ihre Schlechtigkeit angeboren war und dass sich ihr Sinn niemals mehr ändern würde. 11Denn sie waren ein
12,11
1. Mose 9,24-25
verfluchtes Geschlecht von Anfang an.

So hast du auch nicht darum, weil du jemand gescheut hättest, ihre Sünden unbestraft gelassen. 12Denn

12,12
Dan 4,32
Röm 9,20
wer darf zu dir sagen: »Was tust du?« Oder wer kann deinem Gericht widerstehen? Oder wer darf dich beschuldigen wegen des Untergangs von Völkern, die du geschaffen hast? Oder wer darf kommen und vor dich hintreten als Verteidiger für ungerechte Menschen? 13Denn es gibt außer dir keinen Gott,
12,13
Kap
der für alle sorgte, sodass du beweisen müsstest, dass du nicht ungerecht richtest. 14Es kann dir auch weder ein König noch ein Tyrann die Stirn bieten um derer willen, die du bestrafst.

15Weil du aber gerecht bist, so regierst du alle Dinge gerecht und siehst es als deiner Majestät nicht würdig an,

12,15
Hes 18,20
jemand zu verdammen, der die Strafe nicht verdient hat. 16Denn deine Stärke ist der Ursprung der Gerechtigkeit, und weil du über alle Herr bist, so
12,16
Kap
verschonst du auch alle. 17Denn an denen, die an die Vollkommenheit deiner Macht nicht glauben, beweist du deine Stärke, und an denen, die davon wissen, bestrafst du ihren Übermut. 18Du aber, der du Herr bist über die Stärke, richtest mit Milde und regierst uns mit viel Verschonen; denn du vermagst alles, wenn du willst.

19Dein Volk aber lehrst du durch solche Werke, dass

12,19
Lk 6,35-36
der Gerechte menschenfreundlich sein soll, und deine Söhne lässt du voll guter Zuversicht sein, dass du ihnen für die Sünden Gelegenheit zur Buße gibst. 20
12,20
Apg 17,26-27
Denn wenn du die Feinde deiner Kinder und die, die des Todes schuldig waren, mit solcher Vorsicht und Schonung bestraft und ihnen Zeit und Gelegenheit gegeben hast, von ihrer Schlechtigkeit zu lassen: 21mit wie viel größerer Sorgfalt richtest du deine Söhne, deren Vätern du Eid und Bund voll guter Verheißungen gegeben hast! 22
12,22
Kap
Während du also uns erziehst, plagst du unsre Feinde tausendfach, damit wir deine Güte bedenken, wenn wir richten, und auf deine Barmherzigkeit trauen, wenn wir gerichtet werden.

Schwere Bestrafung nach vergeblicher Warnung

23

12,23-24
Kap
Daher quältest du auch die Ungerechten, die ein unverständiges Leben führten, mit ihren eignen Götzen. 24Denn sie waren so weit auf Irrwege geraten, dass sie, betrogen wie unverständige Kinder, die Tiere für Götter hielten, die unter den verabscheuten Tieren die verächtlichsten sind. 25Darum hast du ihnen wie unvernünftigen Kindern eine Strafe geschickt, die sie zum Gespött machte. 26Die sich aber durch Spott und Strafe nicht warnen lassen, werden das verdiente Gericht Gottes erfahren. 27Denn sie wurden eben durch die gequält, die sie für Götter hielten, und als sie unter ihnen litten, ärgerten sie sich über sie und
12,27
2. Mose 8,15
erkannten nun deutlich den als den wahren Gott,
12,27
2. Mose 5,2
den sie vorher nicht erkennen wollten; darum kam auch das Äußerste an Strafe über sie.

13

Die Torheit des Götzendienstes

131Es sind von Natur alle Menschen nichtig, die von Gott nichts wissen und

13,1
Röm 1,18-21
an den sichtbaren Gütern den, der wirklich Gott ist, nicht zu erkennen vermögen und die, obwohl sie auf seine Werke achten, nicht begreifen, wer der Meister ist, 2sondern das Feuer oder den Wind oder die flüchtige Luft oder die Sterne oder mächtige Wasser oder
13,2
Hiob 31,26-28
die Lichter am Himmel für Götter halten, die die Welt regieren. 3Wenn sie aber an ihrer Schönheit sich freuten und sie darum für Götter hielten, hätten sie wissen sollen,
13,3
Sir 43,30
um wie viel herrlicher der ist, der über das alles der Herr ist. Denn der aller Schönheit Meister ist, hat das alles geschaffen. 4Wenn sie aber schon über ihre Macht und Kraft staunten, hätten sie merken sollen, um wie viel mächtiger der ist, der das alles bereitet hat. 5Denn es wird an der Größe und Schönheit der Geschöpfe ihr Schöpfer wie in einem Bild erkannt.
13,5
Ps 104,1-2

6Trotzdem sind sie nicht zu sehr zu tadeln; denn sie irren vielleicht und

13,6
Apg 17,27
suchen doch Gott und hätten ihn gern gefunden. 7Denn sie gehen zwar mit seinen Werken um und erforschen sie, aber sie lassen sich durch das, was vor Augen ist, gefangen nehmen, weil so schön ist, was man sieht. 8Doch sind sie damit nicht entschuldigt. 9Denn wenn sie so viel zu erkennen vermochten, dass sie die Welt durchdringen konnten, warum haben sie nicht viel eher den Herrn über das alles gefunden?

10

13,10-19
Ps 115,3-9
Bar 6,4-73
St zu Dan 2,4-622-26
Aber die sind unglückselig und setzen ihre Hoffnung auf tote Dinge, die Werke von Menschenhand als Götter anrufen, Gold und Silber, kunstvoll verarbeitet, und Abbilder von Tieren oder unnütze Steine, behauen in alter Zeit. 11Oder es sägt ein Holzschnitzer ein handliches Stück Holz heraus, schabt geschickt seine ganze Rinde ringsum ab, bearbeitet es kunstgerecht und macht daraus ein Gerät, das für den Gebrauch im Leben nützlich ist. 12Die Abfälle von solcher Arbeit aber verbraucht er, um Speise zu kochen und sich zu sättigen. 13Ein Stück Abfall aber, das zu nichts taugt, ein krummes, mit Ästen durchwachsenes Stück Holz nimmt er und schnitzt es mit Sorgfalt, wenn er Muße hat, und gestaltet es mit Geschick, wenn er Ruhe hat, und macht’s dem Bild eines Menschen oder einem gewöhnlichen Tier gleich. 14Er bemalt es mit roter Farbe und färbt mit Schminke seine Oberfläche rot, und wo ein Flecken daran ist, übermalt er ihn. 15Und er macht ihm ein Haus, das seiner würdig ist, und bringt es an der Wand an und befestigt es mit einem Stück Eisen. 16Er sorgt dafür, dass es nicht umfällt; denn er weiß, dass es sich selber nicht helfen kann, denn es ist ein Bild und bedarf der Hilfe.

17Aber wenn er betet für sein Hab und Gut, für seine Ehe und für seine Kinder, schämt er sich nicht, mit etwas Leblosem zu reden. 18Er ruft das Schwache um Gesundheit an, bittet das Tote um Leben, fleht zu dem Unfähigsten um Hilfe und zu dem um glückliche Reise, was nicht einmal den Fuß gebrauchen kann; 19und für sein Geschäft und sein Gewerbe und das Glück seiner Hände ruft er das um Kraft an, dessen Hände ganz kraftlos sind.