Lutherbibel 1984 (LU84)
7

Die Vermählung des Tobias mit Sara

71Sie kehrten bei Raguël ein und der empfing sie mit Freuden. 2Und er sah Tobias an und sagte zu Hanna, seiner Frau: Wie gleicht der junge Mann doch meinem Vetter! 3Und als er das gesagt hatte, fragte er: Woher stammt ihr, liebe Brüder? 4Sie sagten: Aus dem

7,4
Kap
Stamm Naftali sind wir,
7,4
Kap
Weggeführte, aus Ninive. 5Raguël sagte zu ihnen: Kennt ihr Tobias, meinen Bruder? Sie antworteten: Ja, wir kennen ihn gut.

6Als nun Raguël viel Gutes von Tobias redete, sagte der Engel zu ihm: Der Tobias, nach dem du fragst, ist sein Vater. 7Und Raguël

7,7
1. Mose 24,31
eilte auf ihn zu, fiel ihm um den Hals, küsste ihn unter Tränen und sagte: O mein lieber Sohn,
7,7
Ps 112,2
gesegnet seist du, denn du bist der Sohn eines tüchtigen und frommen Mannes! 8Und Hanna, seine Frau, und Sara, ihre Tochter, fingen auch an zu weinen.

9Danach ließ Raguël einen Widder schlachten und das Mahl bereiten. 10Als er sie bat, sich zu Tisch zu setzen, sagte Tobias:

7,10
1. Mose 24,33
Ich will heute weder essen noch trinken, ehe du mir nicht meine Bitte gewährst und zusagst, mir Sara, deine Tochter, zu geben. 11Als das Raguël hörte, erschrak er; denn er dachte daran, was den sieben andern Männern widerfahren war, und er fürchtete, es könnte diesem auch so ergehen. 12Und als er zögerte und ihm keine Antwort geben wollte, sagte der Engel zu ihm: Scheue dich nicht, diesem frommen Mann deine Tochter zu geben; denn
7,12
Kap
ihm ist sie zur Frau bestimmt; darum hat sie auch kein anderer bekommen können.

13Da sagte Raguël: Ich zweifle nicht, dass Gott meine heißen Tränen und Gebete erhört hat, 14und glaube, dass er euch hat zu mir kommen lassen, weil meine Tochter

7,14
Kap
nach dem Gesetz des Mose einen Mann aus ihrem Stamm heiraten sollte; nun sei gewiss: Ich will sie dir geben. 15Und er nahm die rechte Hand seiner Tochter und legte sie Tobias in die rechte Hand und sprach:
7,15
2. Mose 3,6
Der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs sei mit euch! Er gebe euch zusammen und schenke euch seinen reichen Segen! 16Und sie nahmen eine Schriftrolle und schrieben den Ehevertrag; 17und sie lobten Gott und hielten das Mahl.

18Und Raguël rief seine Frau Hanna zu sich und ließ sie eine zweite Kammer herrichten. 19Und sie führte ihre Tochter Sara hinein; und sie weinte. 20Und sie sagte zu ihr: Sei getrost, meine Tochter! Der Herr des Himmels gebe dir nun Freude, nachdem du so viel Leid erlitten hast.

7,20
Kap

8

Hochzeitsnacht und Freudenmahl

81Nach dem Abendessen aber führten sie den jungen Tobias zu ihr in die Kammer. 2Und Tobias dachte an den Rat des Engels und nahm aus seiner Tasche ein Stück von der Leber des Fisches und legte es auf die glühenden Kohlen.

8,2
Kap
3Da
8,3
Kap
nahm der Engel Rafael den bösen Geist gefangen und
8,3
Offb 20,1-2
band ihn fest in der Wüste von Oberägypten.

4Danach forderte Tobias die Jungfrau auf: Sara, steh auf, wir wollen heute, morgen und übermorgen zu Gott beten und in diesen drei Nächten nur Gott gehören; nach der dritten Nacht aber wollen wir als Eheleute einander gehören.

8,4
Kap
5Denn wir sind
8,5
Kap
Kinder der Heiligen und können unsere Ehe
8,5
Kap
nicht beginnen wie die Heiden, die Gott nicht kennen.

6Und sie standen auf und beteten beide inständig, dass Gott sie behüten wolle. 7Und Tobias sprach: Herr, du Gott unsrer Väter, dich sollen loben Himmel, Erde, Meer, alle Quellen und Flüsse und alle deine Geschöpfe, die darin leben.

8,7
Ps 148,1-14
8Du hast Adam aus Erde vom Acker gemacht und hast ihm Eva zur Gehilfin gegeben.
8,8
1. Mose 2,718
9Und nun, Herr, du weißt, dass ich
8,9
Kap
nicht aus böser Lust meine Schwester zur Frau nehme, sondern nur, weil ich gerne Kinder haben möchte, durch die dein heiliger Name auf ewig gepriesen werde. 10Und Sara sprach: Erbarme dich unser, Herr, erbarme dich und lass uns beide gesund bleiben und alt werden.

11Und als der Hahn krähte, rief Raguël seine Diener und ging mit ihnen, ein Grab auszuheben. 12Denn er dachte: Es könnte dem Tobias vielleicht auch ergangen sein wie den sieben andern, die mit ihr vermählt waren. 13Und als sie das Grab ausgehoben hatten, kam Raguël zu seiner Frau zurück und sagte: 14Schick eine Magd hin und lass nachsehen, ob auch er tot ist, damit ich ihn begraben kann, bevor es Tag wird. 15Da schickte sie eine Magd; die trat leise in die Kammer und fand sie beide gesund und frisch im Schlaf.

16Und sie kam zurück und brachte ihnen die gute Nachricht. 17Und Raguël und seine Frau Hanna dankten Gott und sprachen: Wir danken dir, Herr, du Gott Israels, dass nicht geschehen ist, was wir befürchtet haben. Denn du hast uns deine

8,17
Jdt 13,17
Barmherzigkeit erwiesen und den Feind, der uns verfolgte, vertrieben. 18Du hast dich erbarmt über diese beiden einzigen Kinder. Und nun, Herr, gib ihnen, dass sie dir noch lange danken und dich
8,18
Lk 8,39
Eph 1,12
loben können mit dem Leben, das du ihnen erhältst, damit
8,18
Jes 37,20
alle Völker an ihnen erkennen, dass du allein Gott bist in aller Welt. 19Und sogleich befahl Raguël seinen Dienern, das Grab wieder zuzuschütten, ehe es Tag würde.

20Seiner Frau aber trug er auf, ein Mahl herzurichten und alles vorzubereiten, was man auf der Reise braucht. 21Er ließ auch zwei fette Rinder und vier Schafe schlachten und ein Festmahl zubereiten für alle seine Nachbarn und Freunde. 22Und Raguël bat Tobias dringend, zwei Wochen bei ihm zu bleiben.

8,22
1. Mose 29,27
23Und von all seinen Gütern gab er dem Tobias die Hälfte und legte schriftlich fest, dass nach seinem Tode und dem Tode seiner Frau auch die andre Hälfte dem Tobias zufallen sollte.

9

Gabaël auf der Hochzeit

91Da rief Tobias den Engel zu sich – denn er hielt ihn für einen Menschen – und sagte zu ihm: Asarja, mein Bruder, ich bitte dich, höre mich an! 2Selbst wenn ich dein Sklave würde, könnte ich dir doch deine Fürsorge nicht entgelten. 3Dennoch bitte ich dich: Nimm dir Knechte und Kamele und zieh zu Gabaël nach Rages in Medien; gib ihm diesen

9,3
Kap
Schuldschein zurück und nimm das Geld entgegen und bitte ihn, zu meiner Hochzeit zu kommen. 4Denn du weißt, mein Vater zählt die Tage; und wenn ich einen Tag zu lange fortbliebe, so wäre er betrübt. 5Du siehst auch, wie sehr mich Raguël gebeten hat, sodass ich’s ihm nicht abschlagen kann.

6Da nahm Rafael vier Knechte Raguëls und zwei Kamele und zog nach der Stadt Rages in Medien und fand Gabaël und gab ihm den Schuldschein zurück und empfing von ihm das ganze Geld. 7Und er berichtete ihm alles, was der jüngere Tobias erlebt hatte, und brachte ihn mit auf die Hochzeit.

8Und als Gabaël in das Haus Raguëls kam, fand er Tobias bei Tisch; der sprang auf und sie küssten sich. Und Gabaël weinte und lobte Gott und sprach: 9Es segne dich der Gott Israels! Denn

9,9
Kap
du bist der Sohn eines frommen, gerechten und gottesfürchtigen Mannes, der den Armen viel Gutes getan hat. 10Gesegnet seien auch deine Frau und eure Eltern! 11Und Gott gebe, dass ihr
9,11
Hiob 42,16
eure Kinder und eure Kindeskinder seht bis ins dritte und vierte Glied; und eure Nachkommen seien gesegnet vom Gott Israels, der in Ewigkeit herrscht und regiert! 12Und als alle Amen gesagt hatten, setzten sie sich zu Tische; und auch das Hochzeitsmahl feierten sie in der Furcht des Herrn.