Lutherbibel 1984 (LU84)
6

Der große Fisch und der Rat des Engels

61Tobias zog dahin und sein

6,1
Kap
Hündlein lief mit ihm. Und nach der ersten Tagereise blieb er über Nacht am Ufer des Tigris. 2Er ging zum Fluss, um seine Füße zu waschen; und siehe, ein großer Fisch schoss hervor und wollte ihn verschlingen. 3Tobias erschrak und schrie mit lauter Stimme: O Herr, er will mich fressen! 4Und der Engel sagte zu ihm: Pack ihn bei den Kiemen und zieh ihn heraus! 5Und er zog ihn aufs Land; da zappelte er vor seinen Füßen.

6Da sagte der Engel zu ihm: Nimm den Fisch aus und behalte das Herz, die Galle und die Leber; denn sie sind sehr gut als Arznei. 7Tobias tat das und einige Stücke vom Fisch briet er für unterwegs, das Übrige salzten sie ein, damit sie genug für die Reise hatten, bis sie in die Stadt Rages in Medien kamen. 8Da fragte Tobias den Engel: Ich bitte dich, mein Bruder Asarja, sage mir, welche Heilkraft in den Stücken des Fisches liegt, die ich von dem Fisch behalten sollte. 9Da antwortete der Engel: Wenn du ein Stücklein vom Herzen oder von der Leber auf glühende Kohlen legst, so vertreibt der Rauch alle bösen Geister, sodass sie weder Mann noch Frau mehr schaden können. 10Und die Galle des Fisches ist eine gute Salbe für die Augen, um sie vom Star zu heilen.

11Und Tobias fragte: Wo wollen wir einkehren? Und der Engel antwortete: 12Hier wohnt ein Mann, der heißt

6,12
Kap
Raguël; er ist ein Verwandter aus deinem Stamm und hat nur eine einzige Tochter; die heißt Sara; und sonst hat er kein Kind. 13Dir wird all ihr Hab und Gut zufallen, denn du bist verpflichtet, die Tochter zur Frau zu nehmen.
6,13
Kap
14Darum wirb um sie bei ihrem Vater, so wird er sie dir zur Frau geben. 15Da antwortete Tobias: Ich habe gehört, dass sie bereits
6,15
Kap
sieben Männern angetraut war; die sind alle tot, und man sagt, ein böser Geist habe sie getötet. 16Darum fürchte ich, dass mir’s auch so gehen könnte; dann würden meine betagten Eltern vor Leid sterben, weil ich ihr einziger Sohn bin.

17Da sprach der Engel Rafael: Hör auf mich! Ich will dir sagen, was das für Leute sind, über die der böse Geist Gewalt gewinnen kann: 18nämlich solche, die ihre Ehe eingehen als Menschen, die von Gott nichts wissen wollen und sich

6,18
Kap
allein von ihrer Lust leiten lassen,
6,18
Ps 32,9
als wären sie ohne Verstand wie Rosse und Maultiere. Über solche Leute hat der böse Geist Gewalt. 19Wenn du aber mit Sara ins Brautgemach kommst, dann sollst du sie drei Tage lang nicht berühren, sondern mit ihr zusammen nur
6,19
1. Kor 7,5
dem Gebet leben. 20In der ersten Nacht sollst du die Leber des Fisches auf glühende Kohlen legen, dann wird der böse Geist vertrieben werden. 21
6,21-23
1. Mose 12,2-3
Durch die zweite Nacht aber werden dir die Verheißungen der heiligen Patriarchen zuteil. 22Durch die dritte Nacht wirst du den Segen erlangen, dass euch gesunde Kinder geboren werden. 23Wenn aber die dritte Nacht vorüber ist, sollst du dich mit der Jungfrau verbinden in der Furcht des Herrn, mehr aus Liebe zu den Kindern als aus Lust, damit du mit deinen Kindern den Segen erlangst, der den Nachkommen Abrahams zugesagt ist.

7

Die Vermählung des Tobias mit Sara

71Sie kehrten bei Raguël ein und der empfing sie mit Freuden. 2Und er sah Tobias an und sagte zu Hanna, seiner Frau: Wie gleicht der junge Mann doch meinem Vetter! 3Und als er das gesagt hatte, fragte er: Woher stammt ihr, liebe Brüder? 4Sie sagten: Aus dem

7,4
Kap
Stamm Naftali sind wir,
7,4
Kap
Weggeführte, aus Ninive. 5Raguël sagte zu ihnen: Kennt ihr Tobias, meinen Bruder? Sie antworteten: Ja, wir kennen ihn gut.

6Als nun Raguël viel Gutes von Tobias redete, sagte der Engel zu ihm: Der Tobias, nach dem du fragst, ist sein Vater. 7Und Raguël

7,7
1. Mose 24,31
eilte auf ihn zu, fiel ihm um den Hals, küsste ihn unter Tränen und sagte: O mein lieber Sohn,
7,7
Ps 112,2
gesegnet seist du, denn du bist der Sohn eines tüchtigen und frommen Mannes! 8Und Hanna, seine Frau, und Sara, ihre Tochter, fingen auch an zu weinen.

9Danach ließ Raguël einen Widder schlachten und das Mahl bereiten. 10Als er sie bat, sich zu Tisch zu setzen, sagte Tobias:

7,10
1. Mose 24,33
Ich will heute weder essen noch trinken, ehe du mir nicht meine Bitte gewährst und zusagst, mir Sara, deine Tochter, zu geben. 11Als das Raguël hörte, erschrak er; denn er dachte daran, was den sieben andern Männern widerfahren war, und er fürchtete, es könnte diesem auch so ergehen. 12Und als er zögerte und ihm keine Antwort geben wollte, sagte der Engel zu ihm: Scheue dich nicht, diesem frommen Mann deine Tochter zu geben; denn
7,12
Kap
ihm ist sie zur Frau bestimmt; darum hat sie auch kein anderer bekommen können.

13Da sagte Raguël: Ich zweifle nicht, dass Gott meine heißen Tränen und Gebete erhört hat, 14und glaube, dass er euch hat zu mir kommen lassen, weil meine Tochter

7,14
Kap
nach dem Gesetz des Mose einen Mann aus ihrem Stamm heiraten sollte; nun sei gewiss: Ich will sie dir geben. 15Und er nahm die rechte Hand seiner Tochter und legte sie Tobias in die rechte Hand und sprach:
7,15
2. Mose 3,6
Der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs sei mit euch! Er gebe euch zusammen und schenke euch seinen reichen Segen! 16Und sie nahmen eine Schriftrolle und schrieben den Ehevertrag; 17und sie lobten Gott und hielten das Mahl.

18Und Raguël rief seine Frau Hanna zu sich und ließ sie eine zweite Kammer herrichten. 19Und sie führte ihre Tochter Sara hinein; und sie weinte. 20Und sie sagte zu ihr: Sei getrost, meine Tochter! Der Herr des Himmels gebe dir nun Freude, nachdem du so viel Leid erlitten hast.

7,20
Kap

8

Hochzeitsnacht und Freudenmahl

81Nach dem Abendessen aber führten sie den jungen Tobias zu ihr in die Kammer. 2Und Tobias dachte an den Rat des Engels und nahm aus seiner Tasche ein Stück von der Leber des Fisches und legte es auf die glühenden Kohlen.

8,2
Kap
3Da
8,3
Kap
nahm der Engel Rafael den bösen Geist gefangen und
8,3
Offb 20,1-2
band ihn fest in der Wüste von Oberägypten.

4Danach forderte Tobias die Jungfrau auf: Sara, steh auf, wir wollen heute, morgen und übermorgen zu Gott beten und in diesen drei Nächten nur Gott gehören; nach der dritten Nacht aber wollen wir als Eheleute einander gehören.

8,4
Kap
5Denn wir sind
8,5
Kap
Kinder der Heiligen und können unsere Ehe
8,5
Kap
nicht beginnen wie die Heiden, die Gott nicht kennen.

6Und sie standen auf und beteten beide inständig, dass Gott sie behüten wolle. 7Und Tobias sprach: Herr, du Gott unsrer Väter, dich sollen loben Himmel, Erde, Meer, alle Quellen und Flüsse und alle deine Geschöpfe, die darin leben.

8,7
Ps 148,1-14
8Du hast Adam aus Erde vom Acker gemacht und hast ihm Eva zur Gehilfin gegeben.
8,8
1. Mose 2,718
9Und nun, Herr, du weißt, dass ich
8,9
Kap
nicht aus böser Lust meine Schwester zur Frau nehme, sondern nur, weil ich gerne Kinder haben möchte, durch die dein heiliger Name auf ewig gepriesen werde. 10Und Sara sprach: Erbarme dich unser, Herr, erbarme dich und lass uns beide gesund bleiben und alt werden.

11Und als der Hahn krähte, rief Raguël seine Diener und ging mit ihnen, ein Grab auszuheben. 12Denn er dachte: Es könnte dem Tobias vielleicht auch ergangen sein wie den sieben andern, die mit ihr vermählt waren. 13Und als sie das Grab ausgehoben hatten, kam Raguël zu seiner Frau zurück und sagte: 14Schick eine Magd hin und lass nachsehen, ob auch er tot ist, damit ich ihn begraben kann, bevor es Tag wird. 15Da schickte sie eine Magd; die trat leise in die Kammer und fand sie beide gesund und frisch im Schlaf.

16Und sie kam zurück und brachte ihnen die gute Nachricht. 17Und Raguël und seine Frau Hanna dankten Gott und sprachen: Wir danken dir, Herr, du Gott Israels, dass nicht geschehen ist, was wir befürchtet haben. Denn du hast uns deine

8,17
Jdt 13,17
Barmherzigkeit erwiesen und den Feind, der uns verfolgte, vertrieben. 18Du hast dich erbarmt über diese beiden einzigen Kinder. Und nun, Herr, gib ihnen, dass sie dir noch lange danken und dich
8,18
Lk 8,39
Eph 1,12
loben können mit dem Leben, das du ihnen erhältst, damit
8,18
Jes 37,20
alle Völker an ihnen erkennen, dass du allein Gott bist in aller Welt. 19Und sogleich befahl Raguël seinen Dienern, das Grab wieder zuzuschütten, ehe es Tag würde.

20Seiner Frau aber trug er auf, ein Mahl herzurichten und alles vorzubereiten, was man auf der Reise braucht. 21Er ließ auch zwei fette Rinder und vier Schafe schlachten und ein Festmahl zubereiten für alle seine Nachbarn und Freunde. 22Und Raguël bat Tobias dringend, zwei Wochen bei ihm zu bleiben.

8,22
1. Mose 29,27
23Und von all seinen Gütern gab er dem Tobias die Hälfte und legte schriftlich fest, dass nach seinem Tode und dem Tode seiner Frau auch die andre Hälfte dem Tobias zufallen sollte.