Lutherbibel 1984 (LU84)
4

Das Vermächtnis des Tobias

41Als nun Tobias dachte, sein Gebet wäre erhört und er würde sterben, rief er seinen Sohn Tobias zu sich und sagte zu ihm: 2Lieber Sohn, höre meine Worte und behalte sie fest in deinem Herzen. 3Wenn Gott meine Seele zu sich nehmen wird, so

4,3
1. Mose 50,5
begrabe meinen Leib und
4,3
2. Mose 20,12
Spr 23,22
Sir 3,3518
ehre deine Mutter, solange sie lebt; 4denke daran,
4,4
Sir 7,29
was für Gefahren sie ausgestanden hat, als sie dich unter dem Herzen trug; 5und wenn sie gestorben ist, so
4,5
Jdt 16,28
begrabe sie neben mir.

6Und dein Leben lang habe Gott vor Augen und im Herzen und hüte dich davor, jemals in eine Sünde einzuwilligen und gegen die Gebote unsres Gottes zu handeln.7

4,7-12
5. Mose 15,7-11
Sir 4,1-5
Mt 6,3-4
Mit deinem Hab und Gut hilf den Armen und wende dich auch nicht von einem einzigen ab, dann wird sich das Angesicht des Herrn auch von dir nicht abwenden. 8Wo du kannst, da hilf den Bedürftigen.
4,8
Spr 3,27
9Hast du viel, so gib reichlich; hast du wenig, so gib doch das Wenige von Herzen.
4,9
Sir 35,11-12
10Denn so wirst du dir einen guten Lohn für den Tag der Not sammeln.
4,10
Lk 16,9
11Denn
4,11
Dan 4,24
Sir 3,33
1. Petr 4,8
Almosen erlösen von allen Sünden, auch vom Tode, und lassen die Seele nicht in die Finsternis geraten. 12Almosen schaffen große Zuversicht vor dem höchsten Gott.
4,12
Spr 19,17

13Hüte dich, mein Sohn, vor aller Hurerei, und außer mit deiner eignen Frau lass dich mit keiner andern ein.

4,13
Spr 6,23-24
14
4,14
Sir 10,14-16
Spr 29,23
Hoffart lass weder in deinem Herzen noch in deinen Worten herrschen, denn mit ihr hat alles Verderben seinen Anfang genommen. 15Wer für dich arbeitet, dem
4,15
3. Mose 19,13
gib sogleich seinen Lohn und
4,15
Sir 34,27
enthalte dem Tagelöhner den Lohn nicht vor. 16Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
4,16
Mt 7,12
17Teile dein Brot mit den Hungrigen und bedecke die Nackten mit Kleidern von dir.
4,17
Kap
18Gib von deinem Brot und Wein beim Begräbnis der Frommen; aber
4,18
Mt 9,11
iss und trink nicht davon mit den Sündern. 19Suche deinen Rat immer bei den Weisen.
4,19
Sir 9,21
20Preise Gott allezeit und bete, dass er dich leite und dass alles, was du dir vornimmst, durch seine Hilfe gelingt.

21Du sollst auch wissen, mein Sohn, dass ich, als du noch ein Kind warst, dem

4,21
Kap
Gabaël in der Stadt Rages in Medien zehn Talente Silber geliehen habe; seinen Schuldschein habe ich hier. Darum überlege dir, wie du zu ihm gelangen, das Geld von ihm bekommen und ihm seinen Schuldschein zurückgeben kannst! 22Sorge dich nur nicht, mein Sohn! Wir führen zwar jetzt ein armes Leben, aber wir werden viel Gutes empfangen, wenn wir Gott fürchten, die Sünde meiden und Gutes tun.
4,22
Sir 11,21-23
1. Tim 6,6

5

Der Begleiter des jungen Tobias

51Da antwortete der junge Tobias seinem Vater: Alles, was du mir gesagt hast, mein Vater, das will ich tun. 2Wie ich aber versuchen soll, das Geld zu bekommen, weiß ich nicht. Dieser Gabaël kennt mich nicht und ich kenne ihn auch nicht. Was für ein Zeichen soll ich ihm vorweisen, damit er mir Glauben schenkt? Aber auch den Weg dorthin kenne ich nicht. 3Da antwortete ihm sein Vater: Seinen Schuldschein habe ich hier; wenn du ihm den vorlegst, wird er dir sogleich das Geld geben. 4Geh aber hin und suche dir einen zuverlässigen Begleiter, der gegen Entgelt mit dir geht, damit du das Geld noch bei meinen Lebzeiten zurückbekommst.

5Da ging der junge Tobias hinaus und fand einen stattlichen jungen Mann, der stand da gegürtet und wie bereit zu reisen. 6Und er

5,6
Hebr 13,2
wusste nicht, dass es ein Engel Gottes war, grüßte ihn und fragte: Woher bist du, guter Freund? 7Er antwortete: Von den Israeliten. 8Und Tobias fragte ihn: Kennst du den Weg nach Medien? 9Er antwortete: Ich kenne ihn gut und bin ihn oft gegangen und habe Herberge genommen bei unserm Bruder Gabaël, der in der Stadt Rages in Medien wohnt, die auf dem Gebirge von
5,9
Jdt 1,1
Ekbatana liegt. 10Und Tobias sagte zu ihm: Warte doch einen Augenblick auf mich, damit ich das meinem Vater sagen kann.

11Da ging Tobias hinein und sagte das alles seinem Vater; und der Vater wunderte sich und bat, der junge Mann solle zu ihm hereinkommen. 12So kam er herein, grüßte ihn und sagte:

5,12
Jak 1,1
Phil 4,4
Gott gebe dir allezeit Freude! 13
5,13-14
Jes 50,10
Aber Tobias sagte: Was soll ich für Freude haben, wenn ich im Finstern sitzen muss und das Licht des Himmels nicht sehen kann? 14Und der junge Mann sagte zu ihm: Hab Geduld, Gott wird dir bald helfen. 15Und Tobias sagte zu ihm: Kannst du meinen Sohn zu Gabaël hinführen, in die Stadt Rages in Medien? Wenn du wiederkommst, will ich dir deinen Lohn geben. 16Und der Engel sagte zu ihm: Ich will ihn hinführen und wieder zu dir zurückbringen.

17Und Tobias sagte zu ihm: Ich bitte dich: Sage mir, aus welchem Geschlecht oder aus welchem Stamme bist du? 18Und der Engel Rafael sagte: Sei doch zufrieden! Reicht es dir nicht, dass du einen Begleiter für deinen Sohn gefunden hast? Wozu willst du auch noch

5,18
Ri 13,18
wissen, woher ich bin? 19Doch um dir die Sorge zu nehmen, will ich dir’s sagen: Ich bin Asarja, der Sohn des großen Hananja. 20Und Tobias sagte: Du bist aus einem guten Geschlecht; 21ich bitte dich: Zürne mir nicht, dass ich nach deiner Herkunft gefragt habe. 22Der Engel aber sagte zu ihm: Ich will deinen Sohn wohlbehalten hin- und zurückbringen.
5,22
Jdt 13,20
23Tobias antwortete: So zieht hin! Gott sei mit euch auf dem Wege, und
5,23
1. Mose 24,7
Hebr 1,14
sein Engel geleite euch!

Der Abschied von den Eltern

24Da rüstete sich Tobias mit allem aus, was er mitnehmen wollte, nahm Abschied von Vater und Mutter und zog mit seinem Begleiter davon. 25Und als sie fort waren, fing seine Mutter an zu weinen und klagte: Den

5,25
Rut 4,14-15
Trost unsres Alters hast du uns genommen und weggeschickt. 26Ich wollte, dass das Geld nie gewesen wäre, dessentwegen du ihn weggeschickt hast. 27Wir hätten wohl zufrieden sein können in unsrer Armut und es für großen Reichtum halten sollen, dass wir unsern Sohn bei uns hatten. 28Aber Tobias sagte: Weine nicht! Unser Sohn wird frisch und gesund hin- und zurückkommen, und deine Augen werden ihn sehen. 29Denn ich glaube, dass ein guter Engel Gottes ihn geleitet und alles zum Besten lenkt, was ihm begegnet, sodass er in Freuden wieder heimkehren wird. Da schwieg seine Mutter still und gab sich zufrieden.

6

Der große Fisch und der Rat des Engels

61Tobias zog dahin und sein

6,1
Kap
Hündlein lief mit ihm. Und nach der ersten Tagereise blieb er über Nacht am Ufer des Tigris. 2Er ging zum Fluss, um seine Füße zu waschen; und siehe, ein großer Fisch schoss hervor und wollte ihn verschlingen. 3Tobias erschrak und schrie mit lauter Stimme: O Herr, er will mich fressen! 4Und der Engel sagte zu ihm: Pack ihn bei den Kiemen und zieh ihn heraus! 5Und er zog ihn aufs Land; da zappelte er vor seinen Füßen.

6Da sagte der Engel zu ihm: Nimm den Fisch aus und behalte das Herz, die Galle und die Leber; denn sie sind sehr gut als Arznei. 7Tobias tat das und einige Stücke vom Fisch briet er für unterwegs, das Übrige salzten sie ein, damit sie genug für die Reise hatten, bis sie in die Stadt Rages in Medien kamen. 8Da fragte Tobias den Engel: Ich bitte dich, mein Bruder Asarja, sage mir, welche Heilkraft in den Stücken des Fisches liegt, die ich von dem Fisch behalten sollte. 9Da antwortete der Engel: Wenn du ein Stücklein vom Herzen oder von der Leber auf glühende Kohlen legst, so vertreibt der Rauch alle bösen Geister, sodass sie weder Mann noch Frau mehr schaden können. 10Und die Galle des Fisches ist eine gute Salbe für die Augen, um sie vom Star zu heilen.

11Und Tobias fragte: Wo wollen wir einkehren? Und der Engel antwortete: 12Hier wohnt ein Mann, der heißt

6,12
Kap
Raguël; er ist ein Verwandter aus deinem Stamm und hat nur eine einzige Tochter; die heißt Sara; und sonst hat er kein Kind. 13Dir wird all ihr Hab und Gut zufallen, denn du bist verpflichtet, die Tochter zur Frau zu nehmen.
6,13
Kap
14Darum wirb um sie bei ihrem Vater, so wird er sie dir zur Frau geben. 15Da antwortete Tobias: Ich habe gehört, dass sie bereits
6,15
Kap
sieben Männern angetraut war; die sind alle tot, und man sagt, ein böser Geist habe sie getötet. 16Darum fürchte ich, dass mir’s auch so gehen könnte; dann würden meine betagten Eltern vor Leid sterben, weil ich ihr einziger Sohn bin.

17Da sprach der Engel Rafael: Hör auf mich! Ich will dir sagen, was das für Leute sind, über die der böse Geist Gewalt gewinnen kann: 18nämlich solche, die ihre Ehe eingehen als Menschen, die von Gott nichts wissen wollen und sich

6,18
Kap
allein von ihrer Lust leiten lassen,
6,18
Ps 32,9
als wären sie ohne Verstand wie Rosse und Maultiere. Über solche Leute hat der böse Geist Gewalt. 19Wenn du aber mit Sara ins Brautgemach kommst, dann sollst du sie drei Tage lang nicht berühren, sondern mit ihr zusammen nur
6,19
1. Kor 7,5
dem Gebet leben. 20In der ersten Nacht sollst du die Leber des Fisches auf glühende Kohlen legen, dann wird der böse Geist vertrieben werden. 21
6,21-23
1. Mose 12,2-3
Durch die zweite Nacht aber werden dir die Verheißungen der heiligen Patriarchen zuteil. 22Durch die dritte Nacht wirst du den Segen erlangen, dass euch gesunde Kinder geboren werden. 23Wenn aber die dritte Nacht vorüber ist, sollst du dich mit der Jungfrau verbinden in der Furcht des Herrn, mehr aus Liebe zu den Kindern als aus Lust, damit du mit deinen Kindern den Segen erlangst, der den Nachkommen Abrahams zugesagt ist.