Lutherbibel 1984 (LU84)
2

21Als Tobias danach an einem Fest des Herrn in seinem Hause ein herrliches Mahl bereitet hatte, sagte er zu seinem Sohn: Geh und

2,1
Sir 9,23
lade einige gottesfürchtige Männer aus unserm Stamme ein, mit uns zu essen! 2Und als er wieder heimkam, sagte er seinem Vater, einer der Israeliten liege erschlagen auf der Gasse. 3Da stand Tobias sogleich vom Tisch auf, ließ das Essen stehen, ging zu dem Toten, hob ihn auf und trug ihn unbemerkt in sein Haus, um ihn nachts heimlich zu begraben. 4Und nachdem er die Leiche versteckt hatte,
2,4
Hes 24,17
aß er sein Brot voll Trauer und Entsetzen 5
2,5-6
Am 8,10
und dachte an das Wort, das der Herr durch den Propheten Amos geredet hatte: 6Eure Feiertage sollen zu Trauertagen werden. 7Und in der Nacht ging er hin und begrub den Toten.

8Alle seine Freunde aber schalten ihn und sprachen: Erst neulich wollte dich der König aus demselben Grunde töten lassen und du bist seinem Mordbefehl kaum entkommen; und doch begräbst du schon wieder die Toten! 9Tobias aber

2,9
Apg 5,29
fürchtete Gott mehr als den König und holte weiterhin die Erschlagenen weg und verbarg sie in seinem Hause, bis er sie tief in der Nacht
2,9
Apg 8,2
begraben konnte.

10Es begab sich aber eines Tages, als er Tote begraben hatte und müde heimkam, dass er sich im Schutz einer Mauer niederlegte und einschlief. 11Da ließ eine Schwalbe aus ihrem Nest ihren heißen Dreck auf seine Augen fallen; davon wurde er blind.

12Diese Prüfung aber ließ Gott über ihn kommen, damit die Nachwelt an ihm ein

2,12
Hiob 1,21
2,10
Jak 5,11
Beispiel der Geduld hätte wie an dem heiligen Hiob. 13Denn wie er von Jugend auf Gott gefürchtet und seine Gebote gehalten hatte, so wurde er auch jetzt nicht bitter gegen Gott, weil er ihn hatte blind werden lassen, sondern blieb beständig in der Furcht Gottes und dankte Gott sein ganzes Leben lang. 14Und wie die Könige
2,14
Hiob 12,4
den heiligen Hiob verhöhnten, so verlachten den Tobias seine nächsten Verwandten und sagten: 15Wo bleibt nun, worauf du gehofft hast, wofür du deine Almosen gegeben und so viele Tote begraben hast? 16Aber Tobias wies sie zurecht und sagte: 17Redet nicht so! Denn wir sind Kinder der
2,17
Jdt 6,14
Heiligen und warten auf ein Leben, 18das Gott denen geben wird, die
2,18
2. Makk 7,1436
im Glauben treu und fest an ihm bleiben.

19Seine Frau Hanna aber ging alle Tage zum Weben und ernährte ihn mit ihrer Hände Arbeit, so gut sie konnte. 20So begab es sich, dass sie ein Ziegenböcklein heimbrachte, das sie bekommen hatte. 21Und als ihr Mann Tobias es blöken hörte, sprach er: Wenn das nur nicht gestohlen ist! Gebt’s dem Besitzer zurück; denn es ist uns nicht erlaubt, von gestohlenem Gut zu essen oder es auch nur anzurühren. 22Über diese Worte wurde seine Frau zornig und antwortete: Da sieht man, dass deine Hoffnung nutzlos war und dass deine Almosen uns nichts einbringen.

2,22
Hiob 2,9
23Mit solchen und andern Worten mehr warf sie ihm sein Elend vor.

3

31Da seufzte Tobias tief auf, fing an zu weinen und zu beten und sprach: 2Herr,

3,2
Ps 119,137
du bist gerecht, und alle deine Gerichte sind lauter Güte und Treue. 3Und nun, mein Herr, sei mir gnädig und strafe meine Sünden nicht, denke nicht daran, was ich oder meine Väter Böses getan haben.
3,3
Ps 25,7
79,8
4Denn weil wir deine Gebote nicht gehalten haben, hast du uns unsern Feinden preisgegeben, die uns berauben, gefangen halten und töten, und hast uns zu Spott und Hohn all der Völker gemacht, unter die du uns zerstreut hast.
3,4
5. Mose 28,153748
5Ach, Herr, schrecklich sind deine Gerichte, weil wir deine Gebote nicht gehalten und nicht aufrichtig gelebt haben vor dir. 6Und nun, Herr, erweise mir Gnade und nimm meinen Geist weg in Frieden; denn
3,6
1. Kön 19,4
ich will viel lieber tot sein als leben.

Saras Not und Gebet

7Es begab sich nun an demselben Tage, dass Sara, die Tochter Raguëls, in einer Stadt der Meder von einer Magd ihres Vaters auch geschmäht und gescholten wurde. 8Man hatte sie nämlich sieben Männern nacheinander gegeben, aber ein böser Geist, Aschmodai genannt, hatte sie alle getötet, sobald sie zu ihr eingehen wollten. 9Als nun Sara die Magd wegen eines Fehlers zurechtwies, gab die ihr zurück: 10Wenn wir nur von dir nicht auch einen Sohn oder eine Tochter auf Erden sehen müssen, du Männermörderin! 11Willst du mich auch töten, wie du schon sieben Männer getötet hast? 12Auf diese Worte hin ging Sara in eine Kammer oben im Haus, aß nicht und trank nicht drei Tage und drei Nächte lang,

3,12
Jdt 9,1
betete aber unablässig und flehte Gott unter Tränen an, sie von ihrer Schmach zu befreien.

13Als sie aber am dritten Tage ihr Gebet vollendete, lobte sie Gott und sprach: 14Gelobt sei dein Name, Herr, du Gott unsrer Väter; denn

3,14
Jes 54,8
Hab 3,2
wenn du gezürnt hast, erweist du Gnade und Güte, und in der Zeit der Trübsal vergibst du Sünde denen, die dich anrufen. 15Zu dir, mein Herr, kehre ich mein Angesicht, zu dir hebe ich meine Augen auf 16und bitte dich, dass du mich erlöst aus dieser schweren Schmach oder mich von der Erde wegnimmst. 17Du weißt, Herr, dass ich niemals einen Mann begehrt und meine Seele rein erhalten habe von aller
3,17
Sir 23,5
bösen Lust 18und mich nie zu zuchtloser und leichtfertiger Gesellschaft gehalten habe. 19Ich war bereit, einen Mann zu nehmen, weil ich dich fürchtete, und nicht, weil ich nach Lust gierig war.
3,19
1. Thess 4,3-5
20Entweder bin ich ihrer oder sie sind meiner nicht wert gewesen, und du hast mich vielleicht einem andern Mann vorbehalten. 21Denn dein Ratschluss ist von Menschen nicht zu ergründen.
3,21
Hiob 15,8
Weish 9,13

22Das weiß ich aber fürwahr: Jeder, der dir dient,

3,22
Jak 1,12
wird nach der Anfechtung gekrönt und aus der Trübsal erlöst, und nach der Züchtigung findet er Gnade. 23Denn
3,23
Ps 30,6
du hast nicht Gefallen an unserm Verderben: Nach dem Gewitter lässt du die Sonne wieder scheinen und nach Klagen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Deinem Namen sei ewig Ehre und Lob, du Gott Israels.

Die Erhörung

24

3,24-25
Apg 10,3-4
In derselben Stunde wurden die Gebete dieser beiden von dem Herrn im Himmel erhört. 25Und der heilige
3,25
Kap
Rafael, der Engel des Herrn, wurde gesandt, beiden zu helfen, weil ihr Gebet zu gleicher Zeit dem Herrn vorgebracht worden war.

4

Das Vermächtnis des Tobias

41Als nun Tobias dachte, sein Gebet wäre erhört und er würde sterben, rief er seinen Sohn Tobias zu sich und sagte zu ihm: 2Lieber Sohn, höre meine Worte und behalte sie fest in deinem Herzen. 3Wenn Gott meine Seele zu sich nehmen wird, so

4,3
1. Mose 50,5
begrabe meinen Leib und
4,3
2. Mose 20,12
Spr 23,22
Sir 3,3518
ehre deine Mutter, solange sie lebt; 4denke daran,
4,4
Sir 7,29
was für Gefahren sie ausgestanden hat, als sie dich unter dem Herzen trug; 5und wenn sie gestorben ist, so
4,5
Jdt 16,28
begrabe sie neben mir.

6Und dein Leben lang habe Gott vor Augen und im Herzen und hüte dich davor, jemals in eine Sünde einzuwilligen und gegen die Gebote unsres Gottes zu handeln.7

4,7-12
5. Mose 15,7-11
Sir 4,1-5
Mt 6,3-4
Mit deinem Hab und Gut hilf den Armen und wende dich auch nicht von einem einzigen ab, dann wird sich das Angesicht des Herrn auch von dir nicht abwenden. 8Wo du kannst, da hilf den Bedürftigen.
4,8
Spr 3,27
9Hast du viel, so gib reichlich; hast du wenig, so gib doch das Wenige von Herzen.
4,9
Sir 35,11-12
10Denn so wirst du dir einen guten Lohn für den Tag der Not sammeln.
4,10
Lk 16,9
11Denn
4,11
Dan 4,24
Sir 3,33
1. Petr 4,8
Almosen erlösen von allen Sünden, auch vom Tode, und lassen die Seele nicht in die Finsternis geraten. 12Almosen schaffen große Zuversicht vor dem höchsten Gott.
4,12
Spr 19,17

13Hüte dich, mein Sohn, vor aller Hurerei, und außer mit deiner eignen Frau lass dich mit keiner andern ein.

4,13
Spr 6,23-24
14
4,14
Sir 10,14-16
Spr 29,23
Hoffart lass weder in deinem Herzen noch in deinen Worten herrschen, denn mit ihr hat alles Verderben seinen Anfang genommen. 15Wer für dich arbeitet, dem
4,15
3. Mose 19,13
gib sogleich seinen Lohn und
4,15
Sir 34,27
enthalte dem Tagelöhner den Lohn nicht vor. 16Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
4,16
Mt 7,12
17Teile dein Brot mit den Hungrigen und bedecke die Nackten mit Kleidern von dir.
4,17
Kap
18Gib von deinem Brot und Wein beim Begräbnis der Frommen; aber
4,18
Mt 9,11
iss und trink nicht davon mit den Sündern. 19Suche deinen Rat immer bei den Weisen.
4,19
Sir 9,21
20Preise Gott allezeit und bete, dass er dich leite und dass alles, was du dir vornimmst, durch seine Hilfe gelingt.

21Du sollst auch wissen, mein Sohn, dass ich, als du noch ein Kind warst, dem

4,21
Kap
Gabaël in der Stadt Rages in Medien zehn Talente Silber geliehen habe; seinen Schuldschein habe ich hier. Darum überlege dir, wie du zu ihm gelangen, das Geld von ihm bekommen und ihm seinen Schuldschein zurückgeben kannst! 22Sorge dich nur nicht, mein Sohn! Wir führen zwar jetzt ein armes Leben, aber wir werden viel Gutes empfangen, wenn wir Gott fürchten, die Sünde meiden und Gutes tun.
4,22
Sir 11,21-23
1. Tim 6,6