Lutherbibel 1984 (LU84)
1

Des alten Tobias Frömmigkeit, Unglück und Gebet

11Es war ein Mann mit Namen Tobias aus dem Stamme

1,1
Jos 19,32
Naftali, aus einer Stadt in Obergaliläa, zu der man kommt, wenn man von
1,1
Jos 19,36
Hazor nach Westen geht und Safed zur Linken hat. 2Der wurde mit in die Gefangenschaft geführt zur Zeit
1,2
2. Kön 18,8-11
Salmanassars, des Königs von Assyrien; und obwohl er dort unter Fremden leben musste, ist er
1,2
Jdt 11,13
dennoch von Gottes Wort nicht abgefallen. 3Darum teilte er alles, was er hatte, Tag für Tag mit seinen gefangenen Brüdern und Verwandten.

4Und als er noch einer der jüngsten Männer des Stammes Naftali war, hatte er bereits bewiesen, dass er kein Kind mehr war: 5Während alle andern

1,5
1. Kön 12,26-30
den goldnen Kälbern dienten, die Jerobeam, der König von Israel, hatte machen lassen, schied er sich von der Gemeinschaft mit ihnen 6
1,6-7
5. Mose 12,4-6
2. Mose 23,19
5. Mose 14,2228-29
und hielt sich als Einziger zum Tempel des Herrn in Jerusalem und diente dort dem Herrn und betete den Gott Israels an. Er gab auch alle Erstlinge und Zehnten mit solcher Treue, 7dass er sogar jedes dritte Jahr den Fremdlingen, Witwen und Waisen ihren Zehnten gab. 8Das alles hielt er von Jugend auf nach dem Gesetz des Herrn. 9Als er nun erwachsen war, nahm er eine Frau,
1,9
4. Mose 36,67
auch aus dem Stamm Naftali, mit Namen Hanna und zeugte mit ihr einen Sohn, den er auch Tobias nannte; 10und er lehrte ihn von Jugend auf Gott fürchten und die Sünde meiden.
1,10
5. Mose 6,67
2. Tim 3,15

11Als er nun mit Frau und Sohn und mit seinem ganzen Stamm in die Gefangenschaft nach Ninive kam 12und alle

1,12
Jdt 12,1
Dan 1,8
von den Speisen der Heiden aßen, hütete er sich und machte sich nicht unrein mit solcher Speise. 13
1,13-14
Dan 1,18-19
Und weil er von ganzem Herzen den Herrn fürchtete, ließ ihn der Herr bei König Salmanassar Gnade finden, 14sodass er ihm erlaubte, überallhin zu gehen, wohin er wollte, und zu tun, was ihm gut schien. 15So
1,15
Jak 1,27
besuchte er nun alle, die in der Gefangenschaft lebten, und
1,15
Offb 3,2
ermahnte sie, Gottes Wort treu zu bleiben. 16Und er kam in die Stadt Rages in Medien und hatte zehn Talente Silber bei sich, mit denen ihn der König beschenkt hatte. 17Und als er unter den vielen Israeliten einen Armen aus seinem Stamm mit Namen Gabaël sah, lieh er ihm das Geld und nahm einen Schuldschein von ihm.
1,17
5. Mose 15,7-8

18Lange danach aber, nach dem Tod des Königs Salmanassar, als sein Sohn Sanherib regierte, dem die Israeliten verhasst waren, 19ging Tobias wieder bei allen Israeliten umher und tröstete sie und gab ihnen von seinem Vermögen, soviel er konnte: 20

1,20
Jes 58,7
Hiob 31,17
Die Hungrigen speiste er,
1,20
Hiob 31,19
die Nackten kleidete er, die Toten und Erschlagenen begrub er.

21Dann aber kam König Sanherib aus Judäa zurück, als er hatte fliehen müssen,

1,21
2. Kön 18,35
19,35-36
weil ihn Gott um seiner Lästerung willen geschlagen hatte. Darüber war er sehr zornig und ließ viele Israeliten töten. Da war es Tobias, der sie begrub. 22Als aber der König das erfuhr, befahl er, ihn zu töten, und nahm ihm all sein Hab und Gut. 23Tobias aber floh mit seinem Sohn und seiner Frau und konnte sich, völlig mittellos, verborgen halten, weil viele ihn liebten und ihm halfen. 24Aber nach fünfundvierzig Tagen
1,24
2. Kön 19,37
wurde der König von seinen eignen Söhnen erschlagen, 25und Tobias kam wieder heim, und sein ganzes Vermögen wurde ihm wiedergegeben.

2

21Als Tobias danach an einem Fest des Herrn in seinem Hause ein herrliches Mahl bereitet hatte, sagte er zu seinem Sohn: Geh und

2,1
Sir 9,23
lade einige gottesfürchtige Männer aus unserm Stamme ein, mit uns zu essen! 2Und als er wieder heimkam, sagte er seinem Vater, einer der Israeliten liege erschlagen auf der Gasse. 3Da stand Tobias sogleich vom Tisch auf, ließ das Essen stehen, ging zu dem Toten, hob ihn auf und trug ihn unbemerkt in sein Haus, um ihn nachts heimlich zu begraben. 4Und nachdem er die Leiche versteckt hatte,
2,4
Hes 24,17
aß er sein Brot voll Trauer und Entsetzen 5
2,5-6
Am 8,10
und dachte an das Wort, das der Herr durch den Propheten Amos geredet hatte: 6Eure Feiertage sollen zu Trauertagen werden. 7Und in der Nacht ging er hin und begrub den Toten.

8Alle seine Freunde aber schalten ihn und sprachen: Erst neulich wollte dich der König aus demselben Grunde töten lassen und du bist seinem Mordbefehl kaum entkommen; und doch begräbst du schon wieder die Toten! 9Tobias aber

2,9
Apg 5,29
fürchtete Gott mehr als den König und holte weiterhin die Erschlagenen weg und verbarg sie in seinem Hause, bis er sie tief in der Nacht
2,9
Apg 8,2
begraben konnte.

10Es begab sich aber eines Tages, als er Tote begraben hatte und müde heimkam, dass er sich im Schutz einer Mauer niederlegte und einschlief. 11Da ließ eine Schwalbe aus ihrem Nest ihren heißen Dreck auf seine Augen fallen; davon wurde er blind.

12Diese Prüfung aber ließ Gott über ihn kommen, damit die Nachwelt an ihm ein

2,12
Hiob 1,21
2,10
Jak 5,11
Beispiel der Geduld hätte wie an dem heiligen Hiob. 13Denn wie er von Jugend auf Gott gefürchtet und seine Gebote gehalten hatte, so wurde er auch jetzt nicht bitter gegen Gott, weil er ihn hatte blind werden lassen, sondern blieb beständig in der Furcht Gottes und dankte Gott sein ganzes Leben lang. 14Und wie die Könige
2,14
Hiob 12,4
den heiligen Hiob verhöhnten, so verlachten den Tobias seine nächsten Verwandten und sagten: 15Wo bleibt nun, worauf du gehofft hast, wofür du deine Almosen gegeben und so viele Tote begraben hast? 16Aber Tobias wies sie zurecht und sagte: 17Redet nicht so! Denn wir sind Kinder der
2,17
Jdt 6,14
Heiligen und warten auf ein Leben, 18das Gott denen geben wird, die
2,18
2. Makk 7,1436
im Glauben treu und fest an ihm bleiben.

19Seine Frau Hanna aber ging alle Tage zum Weben und ernährte ihn mit ihrer Hände Arbeit, so gut sie konnte. 20So begab es sich, dass sie ein Ziegenböcklein heimbrachte, das sie bekommen hatte. 21Und als ihr Mann Tobias es blöken hörte, sprach er: Wenn das nur nicht gestohlen ist! Gebt’s dem Besitzer zurück; denn es ist uns nicht erlaubt, von gestohlenem Gut zu essen oder es auch nur anzurühren. 22Über diese Worte wurde seine Frau zornig und antwortete: Da sieht man, dass deine Hoffnung nutzlos war und dass deine Almosen uns nichts einbringen.

2,22
Hiob 2,9
23Mit solchen und andern Worten mehr warf sie ihm sein Elend vor.