Lutherbibel 1984 (LU84)
8

Vom rechten Verhalten gegen die Mitmenschen

81Streite nicht mit einem Mächtigen, damit du ihm nicht in die Hände fällst. 2Zanke nicht mit einem

8,2
Kap
Reichen, damit er sein Gewicht nicht gegen dich geltend macht. 3Denn viele lassen sich mit Geld bestechen, und es bewegt sogar das Herz der Könige. 4Streite nicht mit einem großmäuligen Schwätzer, damit du nicht noch Holz zu seinem Feuer trägst. 5Treibe nicht deinen Scherz mit einem Ungebildeten, damit er nicht dich und deine Vorfahren beschimpft.

6Halte dem nicht seine Sünde vor, der sich bessert, und denke daran,

8,6
Gal 6,1
Ps 19,13
dass wir alle auch Schuld tragen. 7
8,7
Kap
Verachte einen Menschen nicht, weil er alt ist; denn wir werden ja wohl auch alt werden. 8
8,8
Spr 24,17
Freue dich nicht, wenn dein Feind stirbt; denke daran,
8,8
Kap
dass wir alle sterben müssen.

9

8,9-10
Kap
Verachte nicht, was die Weisen vortragen, sondern richte dich nach ihren Weisheitssprüchen. 10Denn von ihnen kannst du Bildung empfangen und lernen, wie du dich gegenüber großen Leuten verhalten sollst. 11
8,11-12
Hiob 8,8-10
Sag dich nicht los von der Unterweisung der Alten, denn auch sie haben von ihren Vätern gelernt; 12denn von ihnen kannst du lernen, wie du verständig antworten sollst, wenn es notwendig ist.

13Blase nicht das Feuer des Gottlosen an, damit du nicht darin verbrennst. 14Setze dich nicht mit einem Streitsüchtigen auseinander, damit er dir nicht aus deinen Worten einen Strick dreht.

15Leihe keinem etwas, der mächtiger ist als du; leihst du ihm aber etwas, so

8,15
Kap
schreib es gleich ab. 16Verbürge dich nicht höher, als du kannst; wenn du aber
8,16
Kap
bürgst, so rechne damit, dass du zahlen musst.

17Zieh einen Richter nicht vor Gericht; denn man spricht das Urteil, wie er will. 18Mach dich nicht mit einem Waghals auf den Weg, damit er dich nicht ins Unglück bringt; denn er richtet sich nach seinem eignen Kopf, und du musst um seiner Torheit willen mit ihm Schaden erleiden. 19Fang nicht mit einem

8,19
Spr 22,24-25
Zornigen Streit an, und reise nicht allein mit ihm durch eine einsame Gegend; denn er scheut sich nicht, Blut zu vergießen, und wenn du keine Hilfe hast, so bringt er dich um.

20Mit einem Narren mach keine Pläne, denn er kann dein Geheimnis nicht wahren. 21Vor einem Fremden tu nichts, was geheim bleiben soll; denn du weißt nicht, was er daraus macht. 22Öffne dein Herz nicht jedem; er könnte es dir schlecht danken.

9

Vorsicht im Umgang mit Frauen

91Wache nicht zu eifersüchtig über die Frau in deinen Armen, sonst bringst du sie dahin, dir Böses anzutun. 2Lass deiner Frau keine Gewalt über dich, damit sie nicht über dich Herr wird.

9,2
1. Kön 21,4-24

3

9,3-13
Kap
Meide die Frau, die dich verführen will, damit du ihr nicht ins Netz gehst.
9,3
Spr 7,6-23
4Lass dich nicht hinreißen von der Sängerin, damit sie dich nicht mit ihren Künsten fängt. 5
9,5
Hiob 31,1
Schau nicht zu viel nach den Mädchen, es könnte dich teuer zu stehen kommen. 6Hänge dich nicht an die Huren, damit du nicht um dein Vermögen kommst.
9,6
Spr 29,3
7Gaffe nicht umher in den Straßen der Stadt, und laufe nicht durch alle einsamen Winkel.

8Wende den Blick weg von schönen Frauen, und

9,8
Spr 5,15-19
schau nicht nach Reizen, die dich nichts angehn; 9denn
9,9
2. Sam 11,2-4
Jdt 12,17
schöne Frauen haben schon viele betört, 10und Leidenschaft hat sie wie Feuer verzehrt.

11Sitze nicht bei der Frau eines andern 12und schmause nicht mit ihr 13und scherze nicht mit ihr beim Wein, damit nicht dein Herz sich ihr zuneigt und

9,13
3. Mose 20,10
dein Blut vergossen wird und du zur Grube fährst.

Vorsicht im Umgang mit Menschen

14

9,14-15
Kap
Gib einen alten Freund nicht auf; denn du weißt nicht, was du am neuen hast.
9,14
Spr 27,10
15Ein neuer Freund ist wie neuer Wein; lass ihn erst alt werden, so wird er dir gut schmecken.

16Reg dich nicht auf,

9,16
Ps 37,1-2
73,3
wenn der Gottlose in hohen Ehren steht; denn du weißt nicht,
9,16
Ps 73,16-20
welch schlimmes Ende er nehmen wird. 17Hab keinen Gefallen an dem, was den Gottlosen gefällt; bedenke, dass sie nicht bis in den Tod unbestraft bleiben.

18

9,18-20
Spr 16,14
Halt dich fern von dem, der Gewalt hat zu töten, so brauchst du dich nicht zu fürchten, dass er dich tötet. 19Musst du aber um ihn sein, so tu keinen Missgriff, damit er dir nicht das Leben nimmt, ehe du dich’s versiehst; 20und wisse, dass du zwischen Fußangeln leben musst und dich auf hohen Zinnen bewegst.

21

9,21-23
Kap
Sieh dir deinen Nächsten genau an, und wenn du Rat brauchst, so suche ihn nur bei weisen Leuten, 22und besprich dich mit den Verständigen, und richte all das Deine nach Gottes Wort. 23Lade dir rechtschaffene Leute zu Gast und
9,23
Kap
dein Ruhm sei, Gott zu fürchten.9,23 Luther übersetzte: und sei fröhlich, doch mit Gottesfurcht (vgl. Tob 9,12).

Von weisen Regenten

24Das Werk lobt den Meister, und einen weisen Fürsten ehrt weise Rede. 25Es ist gefährlich, wenn ein Schwätzer regiert, und wer redet, bevor er denkt, der erntet Hass.

10

101Ein weiser Regent schafft seinem Volk Bestand; und wo ein Verständiger am Ruder ist, da herrscht Sicherheit.

10,1
Weish 6,26
Spr 28,12
2
10,2
Spr 29,12
Wie der Regent ist, so sind auch seine Amtleute; wie der Rat ist, so sind auch die Bürger. 3Ein
10,3
2. Kön 21,9-12
zuchtloser König richtet Land und Leute zugrunde; wenn aber die Mächtigen klug sind, so gedeiht die Stadt.

4

10,4
Spr 8,15
Jer 27,5
Dan 2,21
Alle Herrschaft auf Erden liegt in Gottes Händen; und zur rechten Zeit schickt er den rechten Mann. 5Es
10,5
1. Chr 29,12
liegt in Gottes Händen, ob ein Mann Erfolg hat, mit
10,5
Röm 13,4
dem Gesetzgeber gibt er seine Würde.

Warnung vor Überheblichkeit

6

10,6
3. Mose 19,18
Mt 18,21-22
Rechne deinem Nächsten seine Missetat nicht an, und behandle ihn niemals von oben herab! 7Den
10,7
Jes 13,11
Hoffärtigen sind Gott und die Welt feind; denn das Unrecht ist allen beiden verhasst. 8Durch Gewalt, Unrecht und Habgier geht die Königsherrschaft von einem Volk aufs andre über.
10,8
Weish 6,1

9Was überhebt sich der Mensch, der nur

10,9
1. Mose 18,27
Schmutz und Kot ist? 10Nichts anderes scheiden ja seine Eingeweide aus, solange er lebt. 11Eine leichte Krankheit – der Arzt scherzt; 12und doch heißt’s:
10,12
1. Makk 11,13-18
Heute König, morgen tot! 13Und wenn der Mensch tot ist, so fressen ihn Maden und
10,13
Hiob 17,14
Jes 14,11
Würmer.

14

10,14-16
Kap
Daher kommt aller Hochmut: wenn ein Mensch von Gott abfällt und
10,14
5. Mose 8,14
sein Herz von seinem Schöpfer weicht. 15Hochmut treibt zu allen Sünden, und wer an ihm festhält, der richtet viel Gräuel an.
10,15
1. Makk 1,17-26
16Darum hat der Herr die Hochmütigen schrecklich heimgesucht und am Ende gestürzt.
10,16
1. Makk 2,7-8
17Gott hat die hoffärtigen Fürsten vom Thron geworfen und Demütige darauf gesetzt.
10,17
Kap
18Gott hat die überheblichen Heiden mit der Wurzel ausgerottet und Demütige an ihre Stelle gesetzt.
10,18
Ps 44,3
19Gott hat das Land der Heiden verheert und völlig zugrunde gerichtet. 20Er hat viele von ihnen absterben lassen und vernichtet und
10,20
Ps 9,6-7
ihren Namen von der Erde getilgt. 21Dass die Menschen hoffärtig und bösartig sind, das ist von Gott nicht geschaffen.
10,21
Pred 7,29
10,21 Vers 22 lautete bei Luther: »Der Mensch ist nicht böse geschaffen.« Möglicherweise ist eine Randbemerkung Luthers in den Text geraten.

Vom rechten Ruhm

23Wer

10,23
Dan 3,16-18
Gott fürchtet, der wird mit Ehren bestehen; wer aber Gottes Gebote übertritt, der verliert seine Ehre. 24Unter Brüdern steht der älteste in Ehren, aber
10,24
1. Sam 16,7
der Herr sieht die an, die ihn fürchten. 25Es sollen sich Reiche und Arme, Große und Kleine allein
10,25
Jer 9,22-23
dessen rühmen, dass sie Gott fürchten.

26Es ist nicht recht,

10,26
Pred 9,14-16
einen Verständigen zu verachten, weil er arm ist, und einen Gottlosen zu ehren, weil er reich ist. 27Fürsten, Herren und Regenten stehen in hohem Ansehen; aber
10,27
Kap
so groß sind sie doch nicht wie der, der Gott fürchtet. 28
10,28
Spr 17,2
1. Mose 39,8-9
Einem weisen Knecht muss sein Herr dienen, und wenn er vernünftig ist, murrt er nicht darüber.

29Spiele nicht den Klugen, wenn du nur deinem Verlangen nachgibst, und spiele nicht den Starken, wenn du nicht weiterweißt; 30besser arbeiten und dabei reich werden als aufschneiden und ein Bettler bleiben.

10,30
Spr 12,9

31Mein Kind, in aller Demut achte dich doch selbst, und halte dich nicht für weniger, als du bist;

10,31
2. Kor 11,5-6
32wer wird dem sein Recht geben, der sich selber schlecht macht, und wer wird dem Ehre geben, der sich selbst verachtet?

33Der Arme wird geehrt um seiner Klugheit willen und der Reiche um seiner Güter willen. 34Wird aber die Klugheit schon an einem Armen gelobt, wie viel mehr erst an einem Reichen! Und was einem Reichen übel ansteht, das steht dem Armen noch viel übler an.