Lutherbibel 1984 (LU84)
40

Vom Elend des Menschen

401Großes Elend ist jedem Menschen zugeteilt, und

40,1
Hiob 7,1-4
Ps 90,10
ein schweres Joch liegt auf den Menschenkindern von Mutterleib an, bis sie zur Erde zurückkehren, die unser aller Mutter ist. 2Da sind immer Sorge,
40,2
Hebr 2,15
Furcht, Hoffnung und zuletzt der Tod 3
40,3-4
Weish 7,1-6
sowohl bei dem, der in hohen Ehren sitzt, wie bei dem, der im Staube liegt; 4sowohl bei dem, der Purpur und Krone trägt, wie bei dem, der einen groben Kittel anhat. Da sind immer Zorn, Eifersucht, Kummer, Unfriede und Todesfurcht, Hass und Streit.

5Und wenn einer des Nachts auf seinem Bett ruhen und schlafen soll, beunruhigen ihn allerlei Gedanken.

40,5
Pred 2,23
1. Mose 41,8
6Wenn er schon ein wenig ruht, so ist’s doch nichts damit; denn bald ist ihm im Schlaf, als wäre es Tag und er sähe die Feinde kommen, und er erschrickt im Traum, als fliehe er aus der Schlacht; 7und im Augenblick der Not wacht er auf und ist heilfroh, dass die Furcht umsonst war.

8

40,8-10
Kap
Dies widerfährt allem Fleisch, sowohl Menschen wie Vieh, aber den Gottlosen siebenmal mehr: 9Mord, Blutvergießen, Streit, Schwert, Unglück, Hunger, Verderben und Plage: 10Das alles ist den Gottlosen zugeteilt; denn auch die
40,10
1. Mose 6,13
Sintflut musste um ihretwillen kommen. 11Alles,
40,11
1. Mose 3,19
Pred 3,20
was aus der Erde kommt, muss wieder zu Erde werden, wie
40,11
Pred 1,7
alle Wasser wieder ins Meer fließen.

Unrecht Gut gedeihet nicht

12Alle Geschenke und unrechten Zuwendungen werden untergehen; aber die Redlichkeit bleibt ewig.

40,12
1. Chr 29,17
13Die Güter der Gottlosen versiegen wie ein Bach, wie ein starker Donner im Regen verhallt. 14Sie sind fröhlich, solange sie Geschenke nehmen; aber zuletzt gehen sie doch zugrunde. 15Die Nachkommen der Gottlosen bringen keine Zweige hervor, und die Wurzel der Ungerechten steht auf einem nackten Felsen.
40,15
Kap
16Und selbst wenn sie
40,16
Hiob 8,11-13
wie das Riedgras sehr feucht und am Wasser ständen, werden sie doch ausgerottet eher als alles Gras.

17

40,17
Jes 58,10-11
Wohltun aber ist wie ein gesegneter Garten, und Barmherzigkeit bleibt ewig.

Vom Guten und vom Besseren im Leben des Menschen

18Wer von seiner Arbeit lebt und wer

40,18
1. Tim 6,6-8
bescheiden ist, der hat ein gutes Leben; aber besser als beide hat es der, der einen
40,18
Mt 6,19-21
13,44
Schatz findet. 19Kinder zeugen und Städte gründen machen einen bleibenden Namen; aber eine untadelige
40,19
Kap
Frau wird mehr geschätzt als beides.

20Wein und Saitenspiel erfreuen das Herz; aber die Weisheit ist liebenswerter als sie beide. 21Flöte und Harfe klingen schön; aber

40,21
Spr 16,24
eine freundliche Rede ist besser als sie beide. 22Anmut und Schönheit sieht das Auge gern, aber eine grüne Saat lieber als beides.

23Einem Freund und einem Gefährten begegnet man gern, aber lieber hat man die Frau, mit der man lebt. 24Brüder und Helfer sind gut in der Not, aber mehr als beide rettet Almosengeben.

40,24
Kap
25Gold und Silber lassen einen Mann sicher stehen, aber mehr als beides ein guter Rat.

26Reichtum und Macht erhöhen den Mut, aber mehr als beides die Furcht des Herrn.

40,26
Ps 33,16-18
Jdt 9,11
27In der Furcht des Herrn
40,27
Ps 34,11
fehlt einem nichts, und man braucht keine Hilfe. 28Die Furcht des Herrn ist wie ein
40,28
gesegneter Garten, und nichts ist so schön wie sie.

Warnung vor dem Betteln

29Mein Kind, verleg dich nicht aufs Betteln; es ist besser, zu sterben als zu betteln.

40,29
Kap
30Wer sich nach fremden Tischen umsieht, dessen Leben kann nicht als rechtes Leben gelten; denn er
40,30
Dan 1,8
1. Makk 1,65
macht sich unrein mit fremden Speisen; 31aber gerade davor hütet sich ein vernünftiger, wohlerzogener Mann. 32Betteln schmeckt dem unverschämten Maul gut; aber im Bauch wird es wie Feuer brennen.

41

Vom Tod

411O Tod,

41,1
Jes 38,10
wie bitter bist du, wenn an dich ein Mensch denkt, der gute Tage und genug hat und ohne Sorgen lebt 2und dem es wohlgeht in allen Dingen und der noch gut essen kann!

3

41,3-4
Kap
O Tod, wie wohl tust du dem Armen, 4der schwach und alt ist, der in allen Sorgen steckt und nichts Besseres zu hoffen noch zu erwarten hat!

5Fürchte den Tod nicht! Denke an die, die vor dir gewesen sind und nach dir kommen werden.

41,5
Kap
So ist es vom Herrn verordnet über alle Menschen. 6Und was wehrst du dich gegen den Willen des Höchsten? Ob du zehn oder hundert oder tausend Jahre lebst, 7im Tod fragt man nicht, wie lange einer gelebt hat.

Das Schicksal der Gottlosen

8Die Kinder der Gottlosen und die sich zu den Gottlosen gesellen, die werden verworfen.

41,8
Kap
9Das Erbteil der Kinder von Gottlosen geht verloren; und ihre Nachkommen werden immer verachtet sein. 10Die Kinder werden den gottlosen Vater anklagen; denn um seinetwillen sind sie verachtet.

11

41,11-12
5. Mose 27,26
Weh euch, ihr Gottlosen, die ihr des Höchsten Gesetz verlasst! 12Werdet ihr geboren, so werdet ihr zum Fluch geboren; und sterbt ihr, so fallt ihr dem Fluch zum Opfer. 13Wie
41,13
Kap
alles, was aus der Erde kommt, wieder zu Erde wird, so kommen die Gottlosen aus dem Fluch zur
41,13
Phil 3,19
Verdammnis.

Der gute Name

14Die Menschen trauern zwar um ihren Leib, aber bei den Gottlosen wird auch

41,14
Kap
der Name vertilgt, denn er taugt nichts. 15Sieh zu, dass du einen guten Namen behältst; der
41,15
Spr 22,1
bleibt dir gewisser als tausend große Schätze Gold. 16Ein Leben, es sei so gut, wie es wolle, währt nur eine kurze Zeit; aber
41,16
Kap
ein guter Name bleibt ewig.

Rechte und falsche Scham

17Meine Kinder, bewahrt willig, was man euch gelehrt hat.

41,17
Kap
Eine Weisheit, die man verbirgt, und ein Schatz, der vergraben ist – was hat man von beiden? Besser ist ein Mensch, der seine Torheit verbirgt, als einer, der seine Weisheit verbirgt. 18So schämt euch nun der Dinge, die ich jetzt aufzähle.

19Man

41,19
Kap
schämt sich oft, wo man sich nicht zu schämen brauchte, und billigt oft, was man nicht billigen sollte.

20Schämt euch vor Vater und Mutter der Unzucht; vor dem Fürsten und Herrn der Lüge; 21vor dem Richter und Rat des Unrechts; vor Gemeinde und Volk, das Gesetz zu übertreten; 22vor dem Nächsten und Freund, treulos zu sein; vor den Nachbarn, zu stehlen.

23Schäme dich, Eid und Vertrag zu ändern und dich beim Essen mit deinem Arm aufzustützen. 24Schäme dich, dass du schlecht bestehst, wenn du abrechnen sollst, und nicht dankst, wenn man dich grüßt. 25Schäme dich, nach den Huren zu sehen und dein Angesicht von deinen Blutsfreunden abzuwenden. 26Schäme dich, Erbteil und Morgengabe an dich zu bringen und

41,26
Kap
nach einer verheirateten Frau zu blicken. 27Schäme dich, die Magd eines andern zu begehren und an ihr Bett zu treten. 28Schäme dich, deinen Freund zu schmähen, und
41,28
Kap
wenn du ihm etwas gegeben hast, so wirf es ihm nicht vor. 29Schäme dich, alles
41,29
Kap
weiterzusagen, was du gehört hast, und auszuplaudern, was dir anvertraut wurde. So schämst du dich mit Recht und wirst allen Leuten lieb und wert sein.

42

421Aber über Folgendes schäme dich nicht, und nimm keine falsche Rücksicht, durch die du sündigen könntest: Schäme dich nicht, Gesetz und Bund des Höchsten zu halten, 2den Gottlosen, wenn er recht hat, gerecht zu sprechen; 3mit dem Nächsten und Gefährten genau abzurechnen; das Erbteil der Freunde gerecht zu verteilen;

42,3
Lk 16,10-11
4rechtes Maß und Gewicht zu halten; zufrieden zu sein, ob du viel oder wenig gewinnst;
42,4
Kap
5Gewinn zu erzielen beim
42,5
Spr 20,14
Handeln mit Kaufleuten;
42,5
Kap
die Kinder streng zu erziehen; den bösen
42,5
Kap
Sklaven kräftig zu züchtigen; 6auf eine schlechte Frau gut aufzupassen; alles gut zu verschließen, wo viele zugreifen können; 7alles zu zählen und abzuwiegen, was du herausgibst; jede Ausgabe und Einnahme aufzuschreiben; 8die Unverständigen und Toren zurechtzuweisen, auch
42,8
Tit 2,2
die alten Leute, dass sie nicht mit den jungen zanken. So wirst du ein aufrechter Mann sein und bei allen Leuten geachtet.

Von Töchtern und Frauen

9Eine Tochter bereitet dem Vater viele unruhige Nächte, von denen niemand weiß, und die

42,9
Kap
Sorge um sie nimmt ihm den Schlaf: solange sie jung ist, dass sie verblühen könnte, oder
42,9
5. Mose 24,1-3
wenn sie einen Mann hat, dass er ihrer überdrüssig wird, 10oder solange sie noch unberührt ist, dass sie verführt und im Haus ihres Vaters schwanger werden könnte; oder wenn sie bei ihrem Mann ist, dass sie sich nicht ordentlich hält oder er kein Kind von ihr haben kann. 11Wenn deine Tochter nicht auf sich hält, so bewache sie scharf, dass sie dich nicht vor deinen Feinden zum Spott macht und die ganze Stadt von dir redet und du in aller Munde bist und dich vor allen Leuten schämen musst.
42,11
Kap

12Sieh dich nicht um nach schönen Menschen, und

42,12
Kap
suche nicht die Gesellschaft von Frauen! 13Denn wie aus den Kleidern Motten kommen, so kommt von Frauen viel Schlechtigkeit. 14Es ist besser, bei einem groben Mann zu sein als
42,14
Pred 7,26
bei einer freundlichen Frau, die einen zu Hohn und Spott macht.

Gottes Herrlichkeit in der Natur

15Ich will nun preisen des Herrn Werke und verkünden, was ich gesehen habe.

42,15
Kap
Durch das Wort des Herrn sind seine Werke geworden. 16Die Sonne blickt auf alle Welt herab und gibt ihr Licht, und des Herrn Werk ist seiner Herrlichkeit voll. 17Es ist selbst den Engeln des Herrn nicht gegeben,
42,17
Kap
alle seine Wunderwerke zu verkünden, die der allmächtige Herr geschaffen hat, damit das All durch seine Herrlichkeit besteht.

18Er allein

42,18
Spr 15,11
erforscht den Abgrund und das Herz der Menschen und
42,18
Joh 2,25
durchschaut, was sie vorhaben. 19Denn der Höchste weiß alle Dinge und sieht voraus, was geschehen wird. 20Er verkündet, was vergangen und was zukünftig ist, und offenbart, was verborgen ist; es entgeht ihm kein Gedanke, und nichts ist ihm verborgen. 21Er hat die
42,21
Spr 3,19
Werke seiner Weisheit fest gegründet, wie er selber ist von Ewigkeit zu Ewigkeit.
42,21
Jes 48,12-13
22Man
42,22
Kap
kann sie weder größer noch geringer machen, und er
42,22
Jes 40,13
hat keinen Ratgeber nötig.

23Wie herrlich sind alle seine Werke, obwohl man

42,23
Hiob 37,523
kaum einen Funken davon erkennen kann. 24Dies alles lebt und bleibt für immer, und wenn er sie braucht,
42,24
Kap
sind sie alle gehorsam. 25Es sind
42,25
Kap
immer zwei; eins steht dem andern gegenüber, und dem, was er gemacht hat, fehlt nichts. 26Er hat es so geordnet, dass eins dem andern nützt.