Lutherbibel 1984 (LU84)
37

371Jeder Freund sagt zwar: Ich bin auch dein Freund –; aber einige sind nur dem Namen nach Freunde. 2Wenn ein Gefährte und Freund einem feind wird, so bleibt der Gram darüber bis in den Tod. 3Ach wo kommt doch das Übel her, dass alle Welt so voll Falschheit ist?

37,3
2. Kor 11,3
4Wenn’s dem Freund gut geht, so freuen sie sich mit ihm;
37,4
Kap
wenn’s ihm aber schlecht geht, werden sie seine Feinde. 5Sie stehen ihm bei, wenn es um den Bauch geht; aber wenn es Kampf gibt, verstecken sie sich hinter dem Schild. 6Vergiss den Freund nicht in deinem Herzen, 7und denke an ihn, wenn du reich wirst.

8Jeder

37,8
Kap
Ratgeber will raten, aber einige raten zu ihrem eignen Nutzen. 9Darum hüte dich vor dem Ratgeber: Überlege zuvor, was ihm nützlich sein kann, denn er denkt vielleicht daran, zu seinem Vorteil zu raten; lass ihn nicht über dich bestimmen, 10damit er nicht sagt: Du bist auf dem rechten Weg –, selbst aber beiseite steht und achtgibt, wie es dir ergehen wird.

11Berate dich nicht mit dem, der dich missgünstig betrachtet, und vor denen, die dich beneiden, verbirg deinen Plan. 12Man fragt ja auch nicht eine Frau um Rat, wie man ihre Nebenbuhlerin freundlich behandeln soll, oder einen Ängstlichen, wie man Krieg führen soll, oder einen Kaufmann, wie hoch er deine und seine Ware schätzt, oder

37,12
Spr 20,14
einen Käufer, wie teuer du etwas verkaufen sollst, 13oder einen Missgünstigen, wie man denken, oder einen Unbarmherzigen, wie man barmherzig sein soll, oder einen Faulen, wie man viel arbeiten kann, 14oder einen für ein Jahr angeworbenen Tagelöhner, ob seine Arbeit schon zu Ende ist, oder einen trägen Hausknecht, wie viel man leisten kann. Alle diese Leute frag nicht um Rat, 15sondern halte dich stets zu gottesfürchtigen Leuten, von denen du weißt, dass sie Gottes Gebote halten;
37,15
Kap
16die gesinnt sind, wie du bist, die Mitleid mit dir haben, wenn du strauchelst.

17Und bleibe bei dem,

37,17
Dan 1,8
was dir dein Herz rät; denn du wirst keinen treueren Ratgeber finden. 18Denn mit seinem Herzen kann ein Mann oft mehr erkennen als sieben Wächter, die oben auf der Warte sitzen. 19Doch bei alledem rufe den Allerhöchsten an, dass er dein Tun gelingen und nicht fehlschlagen lässt.
37,19
Tob 4,20

20Ehe du etwas anfängst, überleg dir’s zuvor; und ehe du etwas tust, geh mit dir zurate. 21Denn wenn man etwas Neues vorhat, so treten vier Dinge auf: Gutes und Böses, Leben und Tod; und darüber

37,21
Spr 18,21
Jak 3,5
regiert allezeit die Zunge.

22Mancher ist zwar fähig, vielen andern zu raten, aber sich selbst kann er nicht helfen. 23Mancher möchte klug raten und wird doch nicht gern gehört, und so bleibt er ein Bettler; 24denn er hat nicht vom Herrn die Gnade dazu, und es ist keine Weisheit in ihm.

25Mancher ist weise nur für sich selbst; der schafft mit seinem Rat nur für sich selbst Nutzen. 26Ein weiser Mann lehrt sein Volk und schafft mit seinem Rat bleibenden Nutzen. 27Ein weiser Mann wird sehr gelobt, und alle, die ihn sehen, preisen ihn. 28Jeder hat eine

37,28
Hiob 14,5
bestimmte Zeit zu leben; aber
37,28
5. Mose 11,21
Israels Tage sind nicht zu zählen. 29Ein Weiser hat in seinem Volk großes Ansehen, und sein Name bleibt ewig.

Warnung vor Unmäßigkeit

30Mein Kind, prüfe, was für deinen Leib gesund ist; und sieh, was für ihn ungesund ist, das gib ihm nicht. 31Denn nicht alles ist jedem nützlich, auch mag nicht jeder alles. 32Überfriss dich nicht, wenn es dir schmeckt, und sei nicht gierig bei leckeren Speisen. 33

37,33-34
Kap
Denn viel Fressen macht krank, und ein unersättlicher Vielfraß wird sich erbrechen. 34Viele haben sich zu Tode gefressen; wer aber mäßig isst, der lebt desto länger.

38

Lob des Arztes

381Ehre den

38,1
Kol 4,14
Arzt mit gebührender Verehrung, damit du ihn hast, wenn du ihn brauchst; 2denn der Herr hat ihn geschaffen, und
38,2
2. Mose 15,26
die Heilung kommt von dem Höchsten, und Könige ehren ihn mit Geschenken. 3Die Kunst des Arztes erhöht ihn und macht ihn groß bei Fürsten und Herren.

4Der Herr lässt die

38,4
Hes 47,12
Arznei aus der Erde wachsen, und ein Vernünftiger verachtet sie nicht. 5Wurde nicht
38,5
2. Mose 15,23-25
das bittere Wasser süß durch Holz, damit man seine Kraft erkennen sollte? 6Und er hat solche Kunst den Menschen gegeben, um sich herrlich zu erweisen durch seine wunderbaren Mittel. 7Damit heilt er und vertreibt die Schmerzen, und der Apotheker macht Arznei daraus, 8damit
38,8
Joh 5,17
Gottes Werke kein Ende nehmen und es
38,8
Mt 4,23-24
Heilung durch ihn auf Erden gibt.

9

38,9-10
Jes 38,1-516-17
Jak 5,14-16
Mein Kind, wenn du krank bist, so missachte dies nicht; sondern bitte den Herrn, dann wird er dich gesund machen. 10Lass ab von der Sünde und handle rechtschaffen und reinige dein Herz von aller Missetat. 11Opfre lieblichen Geruch und
38,11
3. Mose 2,1-2
feinstes Mehl zum Gedenkopfer, und gib ein fettes Opfer, als müsstest du sterben.

12Danach lass den Arzt zu dir, denn der Herr hat ihn geschaffen; und weise ihn nicht von dir, denn du brauchst auch ihn. 13Es kann die Stunde kommen, in der dem Kranken allein durch die Hand der Ärzte geholfen wird; 14denn auch sie werden den Herrn bitten, dass er’s ihnen gelingen lässt, damit es sich mit ihm bessert und er gesund wird und wieder für sich sorgen kann.

15Wer vor seinem Schöpfer sündigt, der soll dem Arzt in die Hände fallen!

38,15
Ps 107,17-18
Joh 5,14

Von der Trauer um einen Toten

16Mein Kind, wenn einer stirbt, so beweine ihn und klage wie einer, dem großes Leid geschehen ist, und verhülle seinen Leib, wie es ihm zukommt, und bestatte ihn mit Ehren.

38,16
Tob 2,2-9
17
38,17-18
Kap
Du sollst bitterlich weinen und von Herzen betrübt sein und Leid tragen, wie er es verdient hat, 18etwa einen Tag oder zwei, damit man nicht schlecht von dir redet; und tröste dich auch wieder, damit du nicht allzu traurig wirst. 19Denn vom Trauern kommt der Tod, und die Traurigkeit des Herzens schwächt die Kräfte. 20In der Anfechtung bleibt die Traurigkeit, und ein Leben in Armut tut dem Herzen weh.

21

38,21-22
1. Thess 4,13-14
Lass die Traurigkeit nicht in dein Herz, sondern weise sie ab und denk ans Ende und vergiss es nicht; 22denn es gibt kein Wiederkommen. Du hilfst ihm nicht, und dir tust du Schaden. 23Denke daran: wie er gestorben, so musst du auch sterben. Gestern war’s an mir, heute ist’s an dir. 24Weil der Tote nun seine Ruhe hat, so höre auch du auf, ihn zu beklagen, und tröste dich wieder, weil sein Geist von ihm geschieden ist.
38,24
2. Sam 12,19-23

Vom Erlernen der Weisheit

25Wer Weisheit lernt, braucht viel Zeit, und nur wer sonst nichts zu tun hat, wird Weisheit gewinnen.

26Wie kann der Weisheit erlernen, der den Pflug führt und stolz die Ochsen mit dem Stecken antreibt und nur mit solchen Arbeiten umgeht und mit nichts anderm als mit Ochsen zu reden weiß? 27Er muss daran denken, wie er ackern soll, und muss spät und früh den Kühen Futter geben.

28Ebenso geht es den Zimmerleuten und Baumeistern, die Tag und Nacht arbeiten, oder denen, die Siegel stechen und fleißig Bilder malen; die müssen daran denken, dass das Bild ähnlich wird, und früh und spät darauf bedacht sein, dass sie es vollenden.

29Ebenso geht es dem Schmied bei seinem Amboss, der auf das Schmiedewerk achtet und vom Feuer versengt wird und sich in der Hitze des Ofens müde arbeitet. 30Das Hämmern dröhnt ihm in die Ohren, und er sieht darauf, wie er das Werk richtig macht, 31und muss daran denken, wie er’s fertig bringt, und früh und spät darauf bedacht sein, dass es schön aussieht.

32Ebenso geht es dem

38,32
Jer 18,3-4
Töpfer; der muss bei seiner Arbeit sitzen und die Scheibe mit seinen Füßen drehen und muss immer um sein Werk besorgt sein und sein bestimmtes Maß an Arbeit tun. 33Er muss mit seinen Armen aus dem Ton sein Gefäß formen und muss sich mit seinen Füßen abmühen. 34Er muss daran denken, wie er’s fein glasiert, und früh und spät den Ofen fegen.

35Diese alle vertrauen auf ihre Hände, und jeder versteht sich auf sein Handwerk. 36Man kann sie beim Bau der Stadt nicht entbehren, 37sie sind weder Beisassen noch brauchen sie umherzuziehen – doch zur Beratung des Volks werden sie nicht herangezogen, und in der Gemeinde treten sie nicht hervor; 38auf dem Stuhl des Richters sitzen sie nicht, auf Bund und

38,38
Joh 7,49
Gesetz verstehen sie sich nicht; sie können Recht und Gerechtigkeit nicht lehren, 39und weise Sprüche werden bei ihnen nicht gefunden: doch sie
38,39
Spr 18,9
stützen den Bestand der Welt und denken daran, wie sie ihre Arbeit verrichten können.

39

391

39,1-3
Ps 1,2
78,2-3
Wer sich aber vorgenommen hat, über das Gesetz des Höchsten nachzusinnen, der muss die Weisheit aller Alten erforschen und in den Propheten studieren. 2Er muss die Geschichten berühmter Leute kennen und über die Sprüche nachdenken, was sie bedeuten und lehren. 3Er muss den verborgenen Sinn der Gleichnisse erforschen und mit Rätselsprüchen vertraut sein. 4Der kann den Fürsten dienen und vor den Herren erscheinen. 5Er durchzieht fremde Länder; denn er sucht zu erfahren, was bei den Menschen gut und böse ist.
39,5
Kap

6Er denkt daran,

39,6
Weish 16,28
in der Frühe den Herrn zu suchen, der ihn geschaffen hat, und betet vor dem Höchsten. 7Er tut seinen Mund getrost auf und betet für seine Sünden. 8Und wenn es dem großen Gott gefällt, so
39,8
Jak 1,5
Joh 3,34
gibt er ihm den Geist der Weisheit reichlich. 9Er kann weisen Rat und Lehre geben in Fülle, dafür dankt er dem Herrn in seinem Gebet. 10Er richtet sein Wollen und sein Wissen darauf, die
39,10
Kol 2,2-3
Geheimnisse des Herrn zu verstehen. 11Danach gibt er seine Belehrung und rühmt sich des Gesetzes des Herrn.

12Und viele preisen seine Weisheit, und sie wird niemals untergehen. 13Er wird niemals mehr vergessen werden, und

39,13
Kap
noch nach seinem Tode bleibt ihm dieser Name. 14Was er gelehrt hat, wird man in aller Welt verkünden, und die Gemeinde wird ihn rühmen. 15Solange er lebt, hat er einen größern Namen als tausend andre; und noch nach seinem Tode bleibt er ihm.

Lobpreis der Werke Gottes

16Ich habe mir noch mehr überlegt und will es sagen; denn rund wie der Vollmond bin ich

39,16
Hiob 32,18
voll von Gedanken. 17Gehorcht mir, ihr frommen Söhne, und ihr werdet wachsen wie die Rosen,
39,17
Ps 1,3
an den Bächen gepflanzt, 18und werdet
39,18
Kap
lieblichen Duft geben wie Weihrauch und blühen wie die Lilien. Verbreitet Wohlgeruch 19und singt ein Loblied! Lobt den Herrn für alle seine Werke, preist seinen Namen herrlich! 20Dankt ihm und lobt ihn mit Singen und Klingen und stimmt dies Danklied an:

21

39,21
1. Mose 1,31
Ps 104,24
Alle Werke des Herrn sind sehr gut; und was er gebietet, das geschieht
39,21
Ps 104,27
zur rechten Zeit. 22Und man darf nicht sagen: Was ist das? Was soll das? Denn
39,22
Pred 3,11
zur rechten Zeit trifft alles ein, wie damals,
39,22
2. Mose 14,21-22
Jos 3,14-16
1. Mose 1,9
als durch sein Gebot das Wasser stand wie eine Mauer und durch sein Wort die Wasser standen, wie in ein Gefäß gefasst. 23
39,23
Ps 33,9
Durch sein Gebot schafft er alles, was er will, und
39,23
Dan 4,32
wenn er hilft, kann’s niemand hindern.

24Die Werke aller Menschen sind vor ihm, und

39,24
Kap
vor seinen Augen ist nichts verborgen. 25Er sieht alles vom Anfang der Welt bis ans Ende der Welt, und vor ihm ist kein Ding zu wunderbar. 26Man darf nicht sagen: Was ist das? Was soll das? Denn er hat alles geschaffen, damit es zu etwas dienen soll. 27Denn sein Segen fließt daher wie ein Strom und
39,27
Ps 65,10
tränkt die Erde wie eine große Flut. 28Ebenso trifft sein Zorn die Heiden, wie damals, als er
39,28
1. Mose 14,3
19,24-26
ein wasserreiches Land in ein Salzmeer verwandelte.

29Sein Tun ist bei den Heiligen recht; aber die Gottlosen stoßen sich daran.

39,29
Ps 18,27
30
39,30-32
Weish 16,24
1. Tim 4,4
Von Anfang an ist das Gute für die Frommen geschaffen und ebenso das Böse für die Gottlosen. 31Der Mensch bedarf zu seinem Leben vor allem Wasser, Feuer, Eisen, Salz, Mehl, Milch, Honig, Wein, Öl und Kleider. 32Das alles kommt den Frommen zugut, aber für die Gottlosen wandelt es sich zum Bösen. 33
39,33-34
Ps 104,4
Jes 2,12-17
Es gibt Winde, die sind zur Strafe geschaffen, und durch ihr Stürmen richten sie schweren Schaden an; 34und wenn die Strafe kommen soll, so toben sie und besänftigen dadurch den Zorn dessen, der sie geschaffen hat. 35Feuer, Hagel, Hunger, Tod, das alles ist zur Strafe geschaffen.
39,35
2. Mose 9,22-25
Weish 5,21-23
36Wilde Tiere, Skorpione, Schlangen und das Schwert sind auch zur Strafe geschaffen,
39,36
Kap
um die Gottlosen zugrunde zu richten. 37Mit Freuden
39,37
Ps 148,8
erfüllen sie seinen Befehl und sind bereit, wenn er sie auf Erden braucht; und wenn ihre Zeit kommt, widersetzen sie sich ihm nicht.

38Darum war ich von Anfang an meiner Sache gewiss und bedachte es und schrieb’s nieder, 39dass

39,39
alle Werke des Herrn gut sind und jedes zu seiner Zeit einen Zweck erfüllt 40und dass man nicht sagen darf: Es ist nicht alles gut; denn alles ist zu seiner Zeit sinnvoll. 41Darum soll man den Namen des Herrn loben und danken mit Herz und Mund.