Lutherbibel 1984 (LU84)
32

Bescheidenheit beim Gastmahl

321

32,1-2
Mt 23,611-12
Lk 12,37
17,7-10
Hat man dich zum Tischältesten eingesetzt, so überhebe dich nicht über die andern, sondern stelle dich ihnen gleich. Sorge erst für sie, dann magst du dich setzen. 2Und wenn du alles getan hast, was notwendig war, dann setz dich zu ihnen, 3damit du dich über ihre Ehrung freuen kannst und einen Kranz erhältst, weil du alles so gut geordnet hast.

4Du, der du zu den Älteren zählst, kannst reden, weil es dir zukommt 5und du Erfahrung hast; aber hindere die Spielleute nicht. 6Und wenn man lauscht, so schwatz nicht dazwischen und spare dir deine Weisheit für andere Zeiten. 7Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert Musik das Festmahl. 8Wie ein Smaragd auf schönem Golde, 9so wirken Lieder beim guten Wein.

10

32,10-11
Kap
Auch du, Jüngling, darfst reden, wenn’s nötig ist, aber höchstens zweimal, 11wenn man dich fragt. Mach es kurz und sage mit wenigen Worten viel; 12und mach es wie einer, der zwar Bescheid weiß, aber doch schweigt. 13Stell dich nicht den Vornehmen gleich, und wo Alte sind, schwatz nicht viel. 14Vor dem Donner leuchtet der Blitz; und
32,14
Spr 18,12
dem Bescheidenen geht große Gunst voraus.

15Steh beizeiten auf und sei nicht der Letzte; 16sondern geh eilends heim und sei nicht leichtsinnig. Dort freue dich nach Herzenslust, doch sündige nicht im Übermut; 17sondern danke für das alles dem, der dich geschaffen und

32,17
5. Mose 8,10
1. Kor 10,31
1. Tim 4,4
mit seinen Gütern gesättigt hat.

Bereitschaft zum Vertrauen auf das Gesetz

18

32,18
Kap
Wer den Herrn fürchtet, der nimmt Belehrung an, und
32,18
1. Sam 2,26
wer frühzeitig danach trachtet, der wird Gnade finden. 19
32,19
Spr 2,3-5
Lk 8,18
Wer nach dem Gesetz fragt, der wird’s reichlich empfangen; wer’s aber nicht mit Ernst meint, der wird daran zu Fall kommen. 20Wer den Herrn fürchtet, der findet das Recht, und
32,20
1. Kön 3,10-1216-28
seine Urteile leuchten wie ein Licht. 21Ein Gottloser lässt sich nicht zurechtweisen und findet eine Begründung, wie er sie gerade braucht.
32,21
2. Tim 4,3

22Ein vernünftiger Mann verachtet nicht guten Rat; 23aber ein übermütiger fürchtet sich vor nichts. 24Tu nichts ohne

32,24
Tob 4,19
Rat, so gereut’s dich nicht nach der Tat.

25Geh nicht den Weg, auf dem du fallen oder dich an Steinen stoßen könntest. 26Verlass dich nicht darauf, dass der Weg eben ist; ja,

32,26
2. Sam 15,1-6
hüte dich auch vor deinen eignen Kindern. 27Bei allem, was du tust,
32,27
1. Tim 4,16
hab acht auf dich selbst; denn auch so hält man die Gebote.

28Wer dem Gesetz vertraut, der achtet auf die Gebote; und

32,28
Ps 23,1
wer dem Herrn vertraut, dem wird nichts fehlen.

33

331Wer den Herrn fürchtet, dem widerfährt nichts Böses; sondern

33,1
1. Kor 10,13
wenn er angefochten ist, wird er wieder erlöst werden. 2Ein Weiser lässt sich das Gesetz nicht verleiden; aber ein Heuchler treibt umher wie ein Schiff im Sturm. 3Ein verständiger Mensch vertraut dem Gesetz, und das Gesetz gibt ihm zuverlässige Weisung wie eine
33,3
1. Sam 14,41
Losentscheidung durch Gott.33,3 Gemeint sind die Lose »Licht und Recht« (vgl. Sach- und Worterklärungen).

4Überlege zuvor, was du sagen willst, dann wird man dich anhören; lass dich zuvor belehren, dann kannst du recht antworten. 5Des Narren Herz ist wie ein Rad am Wagen, und seine Gedanken drehen sich wie die Nabe.

6Wie ein Hengst, der unter jedem Reiter wiehert, so ist ein Freund, der Lust zum Spott hat.

Die unterschiedlichen Ordnungen in Gottes Welt

7

33,7-9
1. Mose 2,3
3. Mose 23,1-44
Warum muss ein Tag heiliger sein als der andre, obwohl doch alle Tage im Jahre gleichermaßen von der Sonne herkommen? 8Die Weisheit des Herrn hat sie so unterschieden, und er hat die Zeiten des Jahres und die Feiertage so geordnet: 9Er hat einige ausgezeichnet und geheiligt, und andere hat er in die Reihe der übrigen Tage gestellt.

10Wie

33,10
Kap
alle Menschen aus der Erde und Adam aus dem Staube geschaffen sind, 11so hat sie doch der Herr unterschieden in seiner großen Weisheit und ihre Wege verschieden bestimmt. 12Einige hat er gesegnet, erhöht und geheiligt und zu seinem Dienst bestellt; andere aber hat er verflucht und erniedrigt und aus ihrer Stellung gestürzt.
33,12
1. Mose 4,4-5
1. Sam 2,6-8
13Denn
33,13
Röm 9,21
sie sind in seiner Hand wie Ton in des Töpfers Hand; er macht alle seine Werke, wie es ihm gefällt. 14So sind auch die Menschen in der Hand dessen, der sie gemacht hat, er gibt einem jeden, wie er es für recht hält.

15

33,15-16
Kap
Wie das Gute dem Bösen und das Leben dem Tod gegenübergestellt ist, so der Gottesfürchtige dem Gottlosen. 16So schau alle Werke des Höchsten an: Es sind immer jeweils zwei und dabei eins dem andern gegenübergestellt.

Vom Verhalten gegenüber Familie und Gesinde

17Als Letzter bin auch ich am Werk gewesen wie einer, der im Herbst

33,17
3. Mose 19,9-10
Nachlese hält; und Gott hat mir den Segen dazu gegeben, dass auch ich meine Kelter füllen konnte wie bei der Hauptlese. 18Schaut, wie ich nicht für mich allein gearbeitet habe, sondern für alle, die gern lernen wollen!
33,18
Kap
19Gehorcht mir, ihr Vornehmen im Volk, und ihr Vorsteher in der Gemeinde, vernehmt es!

20Lass den

33,20
Kap
Sohn, die Frau, den Bruder, den Freund nicht über dich verfügen, solange du lebst; und übergib niemand dein Hab und Gut, damit es dich nicht reut und du sie darum bitten musst. 21Solange du lebst und atmen kannst, überlass deinen Platz keinem andern Menschen. 22Es ist besser, dass deine Kinder dich brauchen, als dass du aus ihren Händen nehmen musst. 23Bei allem, was du tust, behalte die Entscheidung in der Hand, und lass dir deine Ehre nicht nehmen. 24Wenn dein Ende kommt, dass du davonmusst, dann teile dein Erbe aus.

25Der Esel braucht Futter, den Stock und seine Last und der Sklave Brot, Strafe und Arbeit. 26Halte den Sklaven zur Arbeit an, so hast du Ruhe vor ihm; lässt du ihn müßiggehen, so will er frei sein.

27Joch und Riemen beugen den Nacken; ein böser Sklave gehört in den Block und verdient Schläge!

33,27
Spr 29,19
28Treibe ihn zur Arbeit an, dass er nicht müßiggeht; 29denn Müßiggang lehrt viel Böses. 30
33,30-31
2. Mose 21,20-217,22-23
Phlm 16
Lege ihm Arbeiten auf, die einem Sklaven gebühren; gehorcht er dann nicht, so fessle seine Füße. Doch lege keinem zu viel auf und tu nichts, ohne ein Recht darauf zu haben. 31Hast du einen Sklaven, so halt’s mit ihm wie mit dir selbst; denn du hast ihn teuer erworben. Hast du einen Sklaven, so behandle ihn wie einen Bruder; denn du hast ihn nötig wie dein eignes Leben. 32Behandelst du ihn aber schlecht, sodass er sich aufmacht und davonläuft: wo willst du ihn dann suchen?

34

Nichtigkeit der Träume

341

34,1-7
Jer 23,25-32
Pred 5,6
Unweise Leute betrügen sich selbst mit törichten Hoffnungen, und Narren verlassen sich auf Träume. 2Wer auf Träume hält, der greift nach dem Schatten und will den Wind haschen. 3Träume sind nichts anderes als Bilder ohne Wirklichkeit.

4Was unrein ist, wie kann das rein sein? Und was falsch ist, wie kann das wahr sein? 5

34,5
Jer 14,14
Eigne Weissagung und Zeichendeutung und Träume sind nichts, und man sieht dabei Wahnbilder wie eine Gebärende; 6und wenn es nicht kommt
34,6
4. Mose 12,6
Hiob 33,15-18
durch Eingebung des Höchsten, so halt nichts davon. 7Denn Träume betrügen viele Leute, und es schlägt denen fehl, die darauf bauen. 8Aber das Gesetz trügt nicht und erfüllt sich, und was die Weisheit spricht mit wahrhaftigem Mund, das geschieht auch.

Erfahrung des Weisen und Vertrauen des Frommen

9Ein Mann,

34,9
Apg 27,9-10
der viel herumgekommen ist, versteht viel, und einer mit viel Erfahrung kann Weisheit lehren. 10Wer nicht erfahren ist, der versteht wenig; 11wer aber weit herumgekommen ist, der ist voll Klugheit. 12Weil ich weit herumgekommen bin, konnte ich viel lernen, und ich weiß mehr, als ich sage. 13Oft bin ich in Todesgefahr gekommen, doch durch mein Wissen daraus errettet worden.

14Der Geist der Gottesfürchtigen wird am Leben bleiben; 15denn ihre Hoffnung richtet sich auf den, der ihnen helfen kann. 16

34,16-17
Ps 27,1
112,17
Wer den Herrn fürchtet, der braucht vor nichts zu erschrecken noch zu verzagen; denn er ist seine Zuversicht. 17Wohl dem, der den Herrn fürchtet! 18Worauf verlässt er sich? Wer ist sein Halt?

19Die

34,19
Kap
Augen des Herrn sehen auf die, die ihn lieb haben. Er ist ein gewaltiger Schild, eine starke Stütze,
34,19
Jes 4,5-6
ein Schutz gegen die Hitze, ein schützendes Dach am heißen Mittag, er bewahrt vor dem Straucheln, er hilft vor dem Fall; 20er erfreut das Herz und macht das Angesicht fröhlich und
34,20
Ps 103,3-5
gibt Gesundheit, Leben und Segen.

Von unrechten und rechten Opfern

21

34,21-23
Spr 15,8
1. Sam 15,22
Wer von unrechtem Gut opfert, dessen Opfer ist eine Lästerung; 22und solche Gaben der Gottlosen sind nicht wohlgefällig. 23Die Gaben der Gottlosen gefallen dem Höchsten gar nicht, auch vergibt er Sünden nicht, selbst wenn man viel opfert.

24Wer vom Besitz der Armen opfert, der ist wie einer, der den Sohn vor den Augen des Vaters schlachtet. 25Der Arme hat nichts zum Leben als ein wenig Brot;

34,25
2. Sam 12,1-5
wer ihn auch noch darum bringt, der ist ein Mörder. 26
34,26-27
3. Mose 19,13
Tob 4,15
Wer seinem Nächsten die Nahrung nimmt, der tötet ihn. 27Wer dem Arbeiter seinen Lohn nicht gibt, der ist ein Bluthund.

28Wenn einer baut und der andre einreißt: was haben sie davon anderes als Mühe? 29Wenn einer betet und der andre flucht: wessen Stimme soll der Herr erhören? 30Wer

34,30
4. Mose 19,11-12
sich wäscht, wenn er einen Toten angerührt hat, und rührt ihn wieder an: was hilft ihm sein Waschen? 31So ist der Mensch, der für seine Sünden fastet und sündigt immer wieder: wer soll sein Gebet erhören, und was hilft ihm sein Fasten?
34,31
Jes 58,3-5