Lutherbibel 1984 (LU84)
27

271Wegen eines Vorteils tun viele Unrecht; und

27,1
Kap
die reich werden wollen, nehmen es nicht immer genau. 2Wie ein Nagel in der Mauer zwischen zwei Steinen steckt, 3so steckt auch Sünde zwischen Kauf und Verkauf. 4Hält einer sich nicht in der Furcht des Herrn, so wird sein Haus sehr bald zerstört werden.
27,4
Spr 15,2527

Von der Gesinnung des Menschen beim Reden

5Wenn man siebt, so bleibt Unrat zurück; ebenso haftet dem Nachdenken des Menschen etwas Unreines an. 6

27,6-7
Mt 12,33-37
15,1118-19
Wie der Ofen die neuen Töpfe erprobt, so kann man den Menschen erproben an seiner Rede. 7An den Früchten merkt man, wie der Baum gepflegt ist; ebenso merkt man an der Rede, was das Herz denkt. 8Du sollst niemand loben, bevor du ihn gehört hast; denn an der Rede erkennt man den Menschen.

9Folgst du der Gerechtigkeit nach, so wirst du sie erlangen und

27,9
Jes 61,10
anziehen wie einen schönen Rock. 10Die
27,10
Kap
Vögel gesellen sich zu ihresgleichen; ebenso hält sich die Wahrheit zu denen,
27,10
Joh 7,17
die sie tun. 11Wie der Löwe auf den Raub lauert, so lauert die Sünde auf die, die Unrecht tun.
27,11
1. Mose 4,7
1. Petr 5,8

12Ein Gottesfürchtiger redet allezeit, was weise ist; ein Narr aber ist wandelbar wie der Mond. 13Wenn du unter Unverständigen bist, so geize mit deiner Zeit; aber unter Weisen kannst du jederzeit bleiben. 14Die Rede der Narren ist unerträglich, und sie lachen, wenn sie in Sünden schwelgen.

15Wo man viel

27,15
Kap
schwören hört, da stehen einem die Haare zu Berge; und wo es Streit gibt, muss man sich die Ohren zuhalten. 16Wenn die Hoffärtigen miteinander streiten, so gibt’s
27,16
Kap
Blutvergießen, und es ist widerlich zu hören, wenn sie sich so beschimpfen.

Von der Preisgabe anvertrauter Geheimnisse

17Wer

27,17
Kap
ein Geheimnis preisgibt, der verliert das Vertrauen und wird nie mehr einen treuen Freund finden. 18Liebe deinen Freund und halt ihm die Treue. 19Wenn du aber preisgibst, was er dir anvertraut hat, so wirst du ihm vergeblich nachlaufen. 20Denn wie einer seinen Feind vernichtet, so hast du die Freundschaft mit deinem Nächsten zerstört. 21Wie wenn du einen Vogel aus der Hand lässt, so hast du deinen Freund verlassen 22und wirst ihn nicht wieder zurückholen. Lauf ihm nicht nach! Er ist zu weit weg, er ist entsprungen wie ein Reh aus der Schlinge. 23Wunden kann man verbinden, Scheltworte kann man sühnen; 24aber wenn man ein Geheimnis preisgibt, ist’s ganz aus.

Falschheit und Hinterlist

25Wer

27,25
Spr 6,12-13
mit den Augen winkt, der hat Böses im Sinn, und niemand bringt ihn davon ab. 26
27,26-27
Sach 8,16-17
Vor dir versteht er, süß zu reden, und lobt sehr, was du redest; aber hinter deinem Rücken redet er anders und verdreht dir deine Worte. 27Vieles hasse ich, aber nichts so wie ihn, und der Herr hasst ihn auch.

28

27,28-29
Ps 7,17.16
Wer einen Stein in die Höhe wirft, dem fällt er auf den Kopf; wer hinterhältig sticht, der verwundet sich selbst. 29Wer eine Grube gräbt, der fällt selbst hinein; wer eine Falle stellt, der fängt sich selbst. 30Wer dem andern Schaden tun will, dem kommt’s selbst über den Hals, ohne dass er weiß, woher es kommt.

31Die Hoffärtigen höhnen und spotten; aber die Strafe lauert auf sie wie ein Löwe. 32Die sich freuen, wenn’s dem Frommen schlecht geht, werden mit der Schlinge gefangen; Schmerz wird sie verzehren, ehe sie sterben.

Warnung vor Rachsucht, Streit und Verleumdung

33Zorn und Wüten sind Gräuel, und der Gottlose hält an ihnen fest.

28

281

28,1-2
Mt 6,1214-15
Wer sich rächt, an dem wird sich der Herr wieder rächen und wird ihm seine Sünden auch anrechnen. 2Vergib deinem Nächsten, was er dir zuleide getan hat, so werden auch dir deine Sünden vergeben, wenn du darum betest. 3
28,3-5
Mt 5,23-24
18,21-35
Ein Mensch hält gegen den andern am Zorn fest – und will bei dem Herrn Gnade suchen? 4Er ist unbarmherzig gegen seinesgleichen – und will für seine Sünden bitten? 5Er ist nur Fleisch und Blut und hält am Zorn fest – wer will denn ihm seine Sünden vergeben?

6

28,6-7
Kap
Denk an das Ende und lass die Feindschaft fahren. 7Denk an das Verderben und an den Tod und bleibe bei den Geboten. 8Denk an die Gebote und lass deinen Groll gegen deinen Nächsten. 9Denk an den Bund des Höchsten und vergib, was dein Nächster gefehlt hat, ohne es zu wissen.

10

28,10-11
Spr 29,22
Halte dich fern vom Streit, so wirst du weniger sündigen. 11Denn ein zorniger Mensch entfacht Streit, und der Gottlose bringt gute Freunde auseinander und hetzt gegeneinander, die in Frieden leben. 12
28,12
Spr 26,20
Wenn viel Holz da ist, wird das Feuer umso größer, und wenn der Streit hart ist, entbrennt er umso heftiger; wenn einer Macht hat, wird sein Zorn umso größer, und wenn einer reich ist, wird sein Zorn umso heftiger.

13Schnell sein zum Zank zündet ein Feuer an, und schnell sein zum Streit führt zu Blutvergießen.

28,13
Kap
14Bläst du in einen Funken, so wird ein Feuer daraus; speist du aber darauf, so verlöscht er; und beides kann aus deinem Munde kommen.

15Den

28,15
Spr 16,28
Verleumder und Doppelzüngigen soll man verfluchen; denn er richtet viele zugrunde, die in Frieden leben. 16Ein Schandmaul28,16 Verse 16 und 18: Schandmaul wörtlich: dritte Zunge. bringt viele Leute zu Fall und vertreibt sie aus einem Land ins andre. 17Es reißt feste Städte ein und zerstört die Paläste der Fürsten. 18Ein Schandmaul verstößt redliche Frauen 19und raubt ihnen, was sie sauer erwarben. 20Wer darauf hört, hat keine Ruhe mehr und kann nicht in Frieden leben.

21Die Geißel macht Striemen; aber die Zunge zerschmettert die Knochen. 22Viele sind gefallen durch die Schärfe des Schwerts, aber nirgends so viele wie durch die

28,22
Jak 3,5-8
Zunge. 23Wohl dem, der vor ihr bewahrt bleibt und von ihrem Zorn verschont wird und ihr Joch nicht tragen muss und mit ihren Fesseln nicht gebunden ist! 24Denn ihr Joch ist eisern und ihre Fesseln ehern; 25der Tod durch sie ist ein bitterer Tod, doch immer noch besser, als mit ihr zu leben; 26aber den Gottesfürchtigen wird sie nicht unterdrücken, und er wird in ihrem Feuer nicht verbrennen. 27Wer aber den Herrn verlässt, der wird hineinfallen und darin verbrennen, und es wird nicht ausgelöscht werden; es wird ihn überfallen wie ein Löwe und ihn zerfleischen wie ein Panther.

28Du umzäunst dein Hab und Gut mit Dornen; warum machst du nicht vielmehr

28,28
Kap
vor deinen Mund Tür und Riegel? 29Du
28,29
Kap
wägst dein Silber und Gold, bevor du es aufbewahrst; warum wägst du nicht auch deine Worte auf der Goldwaage? 30Hüte dich, dass du nicht dadurch ausgleitest und hinfällst vor denen, die auf dich lauern.

29

Von Darlehen und ihrer Rückgabe

291Der Barmherzige

29,1
Ps 37,2126
Tob 1,17
leiht seinem Nächsten, und wer ihm aufhilft, der hält die Gebote. 2
29,2
Mt 5,42
Leihe deinem Nächsten, wenn er’s nötig hat, und gib’s auch dem Nächsten wiederum zurück zur bestimmten Zeit. 3Halte, was du zugesagt hast, und handle ehrlich mit ihm, so findest du allezeit, was du brauchst.

4Mancher meint, er habe gefunden, was er doch geborgt hat, und macht dem Ärger, der ihm geholfen hat. 5Er küsst einem die Hand, bis er’s empfängt, und redet unterwürfig, weil der Nächste Geld hat; 6aber wenn er’s zurückgeben soll, so verzögert er’s und klagt sehr, es sei schwere Zeit. 7Und wenn er’s auch kann, gibt er kaum die Hälfte zurück und rechnet’s jenem als Gewinn an. 8Kann er’s aber nicht, so bringt er jenen um sein Geld und macht ihn schließlich sich zum Feind nicht ohne Schuld; 9denn er bezahlt ihn mit Fluchen und Schelten und gibt ihm Schmähworte statt Dank.

10Mancher leiht ungern, nicht aus Bosheit, sondern weil er fürchtet, schuldlos um das Seine zu kommen.

29,10
Kap
11
29,11-17
Kap
Doch habe Geduld mit deinem Nächsten in der Not, und lass ihm aus Barmherzigkeit Zeit.
29,11
Mt 18,29
12Hilf dem Armen um des Gebots willen, und lass ihn in der Not nicht leer von dir weggehen.
29,12
5. Mose 15,7-11
13
29,13
Lk 6,3035
Verlier lieber dein Geld um deines Bruders und Freundes willen, und
29,13
Mt 25,18
vergrabe es nicht unter einen Stein, wo es doch verrostet. 14Sammle dir
29,14
Mt 6,20
einen Schatz nach dem Gebot des Allerhöchsten; der
29,14
Jak 5,2-3
wird für dich besser sein als Gold. 15Lege dir einen Schatz von Wohltaten an; der wird dich erretten aus allem Unglück
29,15
Kap
16und für dich streiten gegen deinen Feind 17besser als ein starker Schild oder ein schwerer Spieß.

Vom Bürgschaftleisten

18Ein rechtschaffener Mann wird Bürge für seinen Nächsten; 19aber ein Schamloser lässt ihn im Stich. 20Vergiss nicht, was dein Bürge für dich getan hat; 21denn er hat sich mit seinem Leben für dich eingesetzt. 22Der Gottlose bringt seinen Bürgen um Hab und Gut, 23und ein Undankbarer lässt seinen Retter im Stich.

24

29,24
Spr 6,1-2
Bürge werden hat viele reiche Leute zugrunde gerichtet und hin und her geworfen wie die Wellen im Meer. 25Es hat mächtige Leute von Haus und Hof vertrieben, sodass sie in fremden Ländern umherirren mussten.

26Ein Gottloser, der sich zur Bürgschaft drängt und Gewinn davon haben will, der wird der Strafe nicht entgehen. 27Hilf deinem Nächsten aus, soviel du kannst; doch

29,27
Kap
sieh dich vor, dass du nicht selbst darüber zu Schaden kommst.

Vom Elend in der Fremde

28Das Erste zum Leben sind Wasser und Brot, Kleider und Haus – das braucht man am nötigsten.

29,28
Kap
29Besser ein armes Leben in der eignen Hütte als ein köstlich gedeckter Tisch in fremden Häusern. 30Lass dir genügen, ob du wenig oder viel hast; dann wirst du nicht die Schmähung hören, dass du ein Fremder bist; denn
29,30
Kap
es ist ein schlimmes Leben, von Haus zu Haus zu ziehen. 31Und wo du fremd bist, darfst du deinen Mund nicht auftun. 32Ein Fremdling wirst du bleiben und Schmähworte herunterschlucken müssen; 33dazu musst du bittere Worte hören, nämlich: Du Fremder, geh hin und bereite den Tisch und lass mich essen, was du hast!, 34oder: Zieh aus, du Fremder, ich habe einen besseren Gast gekriegt; mein Bruder zieht zu mir, ich muss das Haus haben. 35Das ist schwer für einen vernünftigen Menschen, dass er um der Bleibe willen gescholten und als Gläubiger gekränkt wird.