Lutherbibel 1984 (LU84)
24

Das Hohelied der Weisheit

241

24,1-47
Spr 8,1-36
Hiob 28,1-28
Die Weisheit preist sich selbst, und unter dem Volk rühmt sie sich. 2Sie tut ihren Mund auf in der Gemeinde des Höchsten 3und lobt sich vor seinem himmlischen Heer und spricht: 4»Ich ging vom Munde des Höchsten aus
24,4
Weish 7,25
6,24
Spr 2,6
5und bedeckte wie Nebel die Erde. 6Mein Zelt war in der Höhe und mein Thron auf den Wolken.
24,6
Bar 3,29
7Ich allein durchwanderte das Himmelsgewölbe 8und durchzog die Tiefen des Abgrunds. 9Auf den Wogen im Meer, überall auf Erden, 10unter allen Menschen und Völkern gewann ich Besitz. 11Bei diesen allen suchte ich Wohnung, um bei einem von ihnen einen Erbbesitz zu finden.

12Da gebot mir der Schöpfer aller Dinge, und der mich geschaffen hat, gab mir eine bleibende Wohnung 13und sprach:

24,13
Bar 3,37-38
In Jakob sollst du wohnen, und in Israel soll dein Erbbesitz sein. 14Vor der Welt,
24,14
Kap
im Anfang bin ich geschaffen und werde ewig bleiben. 15Ich habe vor
24,15
2. Mose 40,2-3
ihm im heiligen Zelt gedient und danach
24,15
1. Kön 8,1916
auf dem Zion eine feste Stätte gefunden; so hat er mich in die geliebte Stadt gesetzt, dass ich in Jerusalem regieren sollte. 16Ich bin eingewurzelt bei einem geehrten Volk, das
24,16
5. Mose 7,6
Gottes Erbteil ist.

17

24,17-18
Ps 92,13
Ich bin hochgewachsen wie eine Zeder auf dem Libanon und wie eine Zypresse auf dem Gebirge Hermon. 18Ich bin aufgewachsen wie ein Palmbaum in En-Gedi und wie die Rosenstöcke in Jericho, 19wie ein schöner Ölbaum auf freiem Felde; ich bin aufgewachsen wie eine Platane. 20Ich strömte einen
24,20
Kap
lieblichen Geruch aus wie Zimt und köstliche Würze und duftete wie die beste Myrrhe, 21wie Galbanum und Onyx und Stakte und wie der Weihrauch im Tempel.
24,21
2. Mose 30,34-35
22Ich breitete meine Zweige aus wie eine Terebinthe, und meine Zweige waren schön und prächtig. 23Ich sprosste lieblich wie der Weinstock, 24und meine Blüte brachte herrliche und reiche Frucht.

25

24,25
Kap
Kommt her zu mir, alle, die ihr nach mir verlangt, 26und sättigt euch an meinen Früchten! 27Denn an mich zu denken ist
24,27
Kap
süßer als Honig, und mich zu besitzen süßer als Honigseim. 28
24,28-29
Joh 4,13-14
6,35
Wer von mir isst, den hungert immer nach mir; 29und wer von mir trinkt, den dürstet immer nach mir. 30Wer mir gehorcht, der wird nicht zuschanden; 31und wer mir dient, der wird unschuldig bleiben.«

32Dies alles ist das

24,32
2. Kön 23,2
Bar 4,1
Buch des Bundes, den der höchste Gott aufgerichtet hat, 33nämlich
24,33
5. Mose 33,4
das Gesetz, das uns Mose befohlen hat, das Erbe der Gemeinde Jakobs. 34
24,34-37
1. Mose 2,10-14
Jos 3,15
Es lässt Weisheit fließen wie der Pischon 35und wie der Tigris im Frühling; 36es lässt Verstand überströmen wie der Euphrat und wie der Jordan in der Ernte. 37Das Gesetz lässt Belehrung hervorbrechen wie der Nil, wie der Gihon im Herbst. 38
24,38-39
Röm 11,33
Es hat nie einen gegeben, der mit dem Lernen der Weisheit zu Ende gekommen wäre, und es wird nie einer kommen, der sie ergründen könnte. 39Denn ihr Sinn ist reicher als das Meer und ihr Rat tiefer als der große Abgrund.

40So ging auch ich, die Weisheit, hervor wie ein Seitenarm aus dem Strom und wie ein Wassergraben, der in den Lustgarten geleitet wird. 41

24,41-44
Hes 47,1-12
Joh 7,38
Ich sprach: Ich will meinen Garten bewässern 42und meine Beete tränken. 43Da wurde mein Wasserarm zum Strom 44und mein Strom zum Meer. 45Nun lasse ich meine Lehre leuchten weithin wie der lichte Morgen und lasse sie scheinen bis in die Ferne. 46Auch schütte ich meine Lehre aus wie Prophetenworte und hinterlasse sie kommenden Geschlechtern. 47Da seht ihr, dass ich mich nicht für mich allein gemüht habe, sondern für alle, die Weisheit begehren.
24,47
Kap

25

Drei gute und drei böse Dinge

251Drei Dinge gefallen mir, die Gott und den Menschen wohlgefallen: 2wenn

25,2
Ps 133,1
Brüder eins sind und die
25,2
3. Mose 19,18
Nachbarn sich lieb haben und wenn Mann und Frau gut miteinander umgehen.

3Drei Dinge gibt es, denen ich von Herzen feind bin, und es missfällt mir sehr, dass es sie gibt: 4wenn ein Armer hoffärtig ist und ein Reicher gern lügt und ein alter Narr ein Ehebrecher ist.

Weisheit als Zierde des Alters

5Wenn du in der Jugend nicht sammelst, wie kannst du im Alter etwas finden? 6

25,6-7
Hiob 32,7
Wie schön ist’s, wenn die grauen Häupter urteilen können und die Alten Rat wissen. 7Wie schön ist bei Greisen Weisheit und bei Angesehenen Überlegung und Rat. 8Das ist die
25,8
Spr 16,31
Krone der Alten, wenn sie viel erfahren haben; und ihre Ehre ist’s, wenn sie Gott fürchten.

Zehn gute Dinge

9Neun Dinge kommen mir in den Sinn, die ich in meinem Herzen lobe, und das zehnte will ich mit meinem Munde preisen: 10ein Mann, der

25,10
Spr 23,24
Freude an seinen Kindern hat. Wer erlebt, dass er
25,10
Mt 5,44
seine Feinde untergehen sieht. 11Wohl dem, der eine
25,11
Kap
verständige Frau hat! Wer mit seinen Reden nicht entgleist. Wer denen nicht
25,11
1. Petr 2,18
dienen muss, die seiner nicht wert sind. 12Wohl dem, der einen
25,12
Kap
treuen Freund hat! Wohl dem, der klug ist! Und der da lehrt, wo man’s gern hört! 13Wie groß ist der, der weise ist! 14Aber
25,14
Kap
wer Gott fürchtet, über dem ist niemand; 15denn die Furcht Gottes geht über alles.
25,15
Kap
16Wer sie festhält, mit wem kann man den vergleichen?

Die böse Frau

17Es ist kein Leiden so groß wie Herzeleid. 18Es ist keine Bosheit so schlimm wie

25,18
Mt 14,8
Frauenbosheit. 19Es ist keine Heimsuchung so schwer wie die Heimsuchung durch Menschen, die hassen. 20Es ist keine Rachgier so maßlos wie Rachgier von Feinden. 21Es ist kein Gift so stark wie Schlangengift und ist kein Zorn so bitter wie Feindeszorn.

22Ich wollte lieber bei Löwen und Drachen wohnen als bei einer bösen Frau.

25,22
Spr 21,919
23Wenn sie böse wird, so verzerren sich ihre Züge, und sie verfinstert ihr Gesicht wie ein Bär. 24Ihr Mann muss unwillkürlich vor Bitterkeit aufseufzen, wenn er mitten unter seinen Freunden sitzt. 25Alle Schlechtigkeit ist gering gegen die
25,25
1. Kön 21,1-29
Schlechtigkeit einer Frau;
25,25
2. Kön 9,30-37
es geschehe ihr das, was den Gottlosen geschieht!

26Eine schwatzhafte Frau ist für einen stillen Mann wie ein sandiger Weg bergauf für einen alten Mann. 27Fall nicht auf die Schönheit einer Frau herein, und begehre sie nicht deswegen.

25,27
Spr 6,25
28Wenn die Frau ihren Mann ernährt, 29so gibt es lauter Streit, Beschimpfung und große Schande.

30Eine böse Frau schafft ein betrübtes Herz, ein trauriges Angesicht und Herzeleid. 31Eine Frau, die ihren Mann nicht glücklich macht, lässt seine Hände schlaff werden und lähmt seine Knie.

32Die Sünde

25,32
1. Mose 3,6
nahm ihren Anfang bei einer Frau, und
25,32
Röm 5,12
um ihretwillen müssen wir alle sterben. 33Wie man Wasser nicht durchbrechen lassen soll, so soll man einer bösen Frau ihren Willen nicht lassen. 34Will sie dir nicht folgen, so scheide dich von ihr.

26

Gute Frauen – böse Frauen

261

26,1-4
Kap
Wohl dem, der eine gute Frau hat! Der lebt noch einmal so lange. 2Eine tüchtige Frau ist für ihren Mann eine Freude, und er verbringt seine Jahre in Frieden. 3Eine gute Frau ist eine köstliche Gabe und wird dem gegeben, der Gott fürchtet.
26,3
1. Mose 24,14
4Ob er reich oder arm ist, sein Herz ist guter Dinge, und er ist allezeit fröhlich.

5Vor drei Dingen scheut sich mein Herz und vor dem vierten graut mir: 6böse Gerüchte in der Stadt, Volksauflauf, Verleumdung 7– alles ärger als der Tod –; 8das aber ist Herzeleid und Kummer, wenn eine Frau gegen die andre eifert; doch die Geißel der Zunge ist allen gemeinsam. 9Eine böse Frau gleicht einem schlecht sitzenden Joch; 10wer sie nimmt, der fasst einen Skorpion an.

11Eine betrunkene Frau erregt Ärgernis, sie wird auch ihre Scham nicht verdeckt lassen. 12Eine lüsterne Frau erkennt man an ihrem Blick und an ihren frechen Augen.

26,12
Spr 6,25
13
26,13-14
Kap
Wenn deine Tochter nicht auf sich hält, so bewache sie scharf, damit sie Nachgiebigkeit nicht ausnutzt. 14Wenn du merkst, dass sie frech um sich sieht, so pass gut auf; sonst wundere dich nicht, wenn sie dir Schande macht. 15Wie ein Wanderer, der durstig ist, lechzt und vom nächstbesten Wasser trinkt, das er bekommen kann, so setzt sie sich vor jedem Zelt nieder und bietet sich an.

16Eine anmutige Frau erfreut ihren Mann, und wenn sie verständig mit ihm umgeht, mehrt sie sein Wohlergehen. 17Eine Frau, die schweigen kann, ist eine Gabe Gottes, 18und eine wohlerzogene Frau ist nicht zu bezahlen. 19Es gibt nichts Liebenswerteres auf Erden als eine Frau,

26,19
1. Tim 2,9-10
die auf sich hält, 20und nichts kommt einer solchen Frau gleich.

21Wie die Sonne, wenn sie aufgeht, an dem hohen Himmel des Herrn eine Zierde ist, so ist die Schönheit einer guten Frau eine Zierde in ihrem Hause. 22Ein schönes Antlitz auf hoher Gestalt ist wie die helle Lampe auf dem heiligen Leuchter.

26,22
2. Mose 25,3137
23Schöne Beine auf schlanken Fesseln 24sind wie goldene Säulen auf silbernen Füßen.

Drei schlimme Dinge

25Zwei Dinge sind’s, die mich verdrießen, und das dritte erregt meinen Zorn: 26wenn man einen tüchtigen Mann schließlich Armut leiden lässt und

26,26
1. Kön 12,8
wenn man einsichtsvolle Männer am Ende verachtet 27und wenn sich einer von der Gerechtigkeit zur Sünde wendet – den hat Gott zum Schwert verurteilt.
26,27
Ps 78,566264

Vom Betrug beim Handel

28Ein Kaufmann kann sich schwer hüten vor Unrecht und ein Händler frei bleiben von Sünden.

26,28
Kap