Lutherbibel 1984 (LU84)
22

Über Faulheit und ungeratene Kinder

221Ein fauler Mensch ist wie ein kotbeschmutzter Stein, und jeder zischt ihn aus, weil er so ekelhaft ist. 2Ein fauler Mensch ist wie ein Mistklumpen; wer ihn aufhebt, der muss sich die Hände abwischen.

3

22,3
Spr 17,25
Ein ungeratener Sohn ist für seinen Vater eine Schande, und eine missratene Tochter bringt ihm Schaden. 4Eine vernünftige Tochter kriegt einen Mann; aber eine Tochter, die sich schändlich aufführt, bleibt sitzen und sie macht ihrem Vater Kummer; 5und welche frech ist, die ist für den Vater wie den Mann eine Schande und wird von beiden verachtet.

6Eine Rede, die zur Unzeit geschieht, ist wie fröhliches Saitenspiel, wenn einer traurig ist. Strenge Erziehung aber ist zu jeder Zeit weise.

Vom Verhalten gegen Narren

7Wer einen Narren lehrt, der leimt Scherben zusammen oder handelt wie einer, der jemand aus tiefem Schlaf weckt. 8Wer mit einem Narren redet, der redet mit einem Schlafenden, 9der am Ende fragt: Was ist denn?

10

22,10-11
Kap
Über einen Toten soll man trauern, denn das Licht ist ihm erloschen; und über einen Narren soll man trauern, denn der Verstand ist ihm erloschen. 11Doch soll man über einen Toten nicht zu sehr trauern; denn er ist zur Ruhe gekommen; 12aber das Leben des Narren ist schlimmer als der Tod. 13
22,13
1. Mose 50,10
Sieben Tage trauert man über einen Toten, aber über Narren und Gottlose ihr Leben lang.

14Rede nicht viel mit einem Narren; und geh nicht zu einem Unverständigen. 15Hüte dich vor ihm, dass du nicht Mühe durch ihn hast und durch das befleckt wirst, was er ausspeit. 16Weiche ihm aus, so bleibst du in Frieden und kommst nicht in Angst und Not durch seine Torheit. 17Was ist schwerer als Blei? Wie kann man ihn anders nennen als »Narr«? 18Es ist leichter, Sand, Salz und Eisen zu tragen, als einen unverständigen Menschen zu ertragen.

22,18
Spr 27,3

Das Herz des Weisen und des Narren in der Bewährungsprobe

19Wie

22,19
Mt 7,24-25
ein Haus, das mit Holzbalken fest gefügt ist, im Sturmwind nicht zerfällt, so ist auch ein Herz, das seiner Sache gewiss ist: das fürchtet sich vor keinem Schrecken. 20Wie eine gute Tünche an glatter Wand, so ist ein Herz, das festhält an verständiger Erkenntnis. 21Wie ein Zaun auf hohem Berge dem Wind nicht standhalten kann, 22so hält ein zaghaftes Herz, das Törichtes vorhat, keinem Schrecken stand.

Vom Verhalten gegen Freunde

23Wenn man jemand ins Auge trifft, ruft man Tränen hervor; 24und wenn man jemand ins Herz trifft, löst man Kummer aus. 25Wer einen Stein unter die Vögel wirft, der scheucht sie weg; und wer seinen Freund schmäht, der zerstört die Freundschaft.

26

22,26-27
Kap
Selbst wenn du ein Schwert gezückt hast gegen deinen Freund, so gib die Hoffnung nicht auf; denn ihr könnt wieder Freunde werden. 27Hast du gegen deinen Freund den Mund aufgetan, so sei ohne Sorge; denn ihr könnt euch wieder versöhnen; nur Schmähungen, Missachtung, Preisgabe von Geheimnissen und hinterlistige Nachrede: das verjagt jeden Freund.

28

22,28-29
Kap
Bleib deinem Freund in seiner Armut treu, damit du dich mit ihm freuen kannst, wenn’s ihm wieder gut geht. 29Halt zu ihm, wenn’s ihm schlecht geht, damit du auch sein Glück mit ihm teilen kannst.

30Rauch und Qualm gehen voraus, ehe ein Feuer brennt; so kommt’s vom Schmähen zum Blutvergießen.

22,30
Kap

31Ich schäme mich nicht, den Freund zu schützen, und ziehe mich nicht von ihm zurück. 32Widerfährt mir aber etwas Böses seinetwegen, dann wird sich jeder vor ihm hüten, der davon hört.

Bitte um Bewahrung vor bösen Worten und Gedanken

33Könnte doch

22,33
Kap
ein Schloss an meinen Mund gelegt und ein Siegel fest auf meine Lippen gedrückt werden, damit ich nicht zu Fall komme und meine Zunge mich nicht verdirbt!

23

231Herr, Vater und Herrscher über mein Leben, verlass mich nicht, wenn sie mich verführen wollen, und lass mich durch sie nicht zu Fall kommen. 2Könnte doch jemand eine Geißel für meine Gedanken beschaffen und eine Zuchtrute zur Weisheit für mein Herz, dass ich nicht geschont werde, wenn ich falsch handle, und meine Sünden nicht unbestraft bleiben, 3damit meine Torheiten nicht noch mehr werden und meine Sünden nicht zunehmen, damit ich nicht zu Fall komme vor meinen Feinden und ihnen zum Spott werde!

4Herr,

23,4
Ps 89,27
Weish 2,16
Vater und Gott meines Lebens, 5behüte mich vor
23,5
Hiob 31,1
lüsternem Blick und wende von mir alle
23,5
Tob 3,17
bösen Begierden! 6Lass mich nicht in Wollust und Unkeuschheit geraten und behüte mich vor schamlosem Sinn!

Warnung vor Zungensünden

7

23,7-8
Spr 10,1419
Liebe Kinder, lernt den Mund halten; denn wer ihn hält, der wird sich mit seinen Worten nicht verfangen, 8wie der Gottlose sich verfängt und der Lästerer und Stolze durch sie zu Fall kommen.

9Gewöhne deinen Mund nicht ans

23,9
Mt 5,33-37
Schwören und nicht daran,
23,9
2. Mose 20,7
den Namen des Heiligen ständig zu nennen. 10Denn wie ein Knecht, der beim Verhör oft geschlagen wird, nicht ohne Striemen ist, 11so kann auch der nicht rein von Sünde bleiben, der oft schwört und Gottes Namen ständig nennt. 12Wer oft schwört, der sündigt oft, und die Plage wird seinem Hause nicht fernbleiben. 13Schwört er
23,13
3. Mose 5,4-6
unbedacht, so sündigt er dennoch; hält er’s nicht, so sündigt er zweifach; 14schwört er aber falsch, so wird er nicht gerecht gesprochen; sein Haus wird hart bestraft werden.

15Es gibt eine Art zu reden, die dem Tod gleicht; davor behüte Gott das Haus Jakob! 16Die Gottesfürchtigen fliehen dies alles und besudeln sich nicht mit dieser Sünde. 17Gewöhne deinen Mund nicht an rohe und schmutzige Reden; denn dabei kommt es zur Sünde.

18Denk an deinen Vater und deine Mutter, wenn du unter vornehmen Leuten sitzt, 19damit du dich nicht vor ihnen vergisst und nicht durch dein Benehmen zum Narren wirst und schließlich wünschst, du wärst nie geboren, und

23,19
Jer 20,14
den Tag deiner Geburt verfluchst. 20Wer sich daran gewöhnt, schändlich zu reden, der nimmt sein Leben lang keine Zucht an.

Warnung vor Unzucht

21Zwei Arten von Menschen begehen viele Sünden und die dritte bringt Strafe über sich: 22Wer voll brünstiger Gier ist, der ist wie ein brennendes Feuer und hört nicht auf, bis er sich selbst verzehrt hat. 23Ein Mann, der an sich selbst Unzucht treibt, hat keine Ruhe, bis das Feuer ausgebrannt ist. 24Einem sittenlosen Menschen scheint alle Speise süß, und er lässt nicht ab, bis er ein Ende nimmt.

25Ein Mann, der seine Ehe bricht und denkt bei sich:

23,25
Hiob 24,15
Wer sieht mich schon? 26Es ist finster um mich und die Wände verbergen mich, sodass mich
23,26
St zu Dan 1,20
niemand sieht; was soll ich scheuen? Der Allerhöchste achtet auf meine Sünden nicht –, 27der scheut nur die Augen der Menschen 28und bedenkt nicht, dass die Augen des Herrn vieltausendmal heller sind als die Sonne und
23,28
Kap
alles sehen, was die Menschen tun, und auch in die verborgenen Winkel schauen; 29alle Dinge sind ihm bekannt, ehe sie geschaffen werden, und ebenso, wenn sie vollbracht sind. 30
23,30-34
2. Mose 20,14
5. Mose 22,22
Dieser Mann wird öffentlich in der Stadt bestraft werden, 31und er wird ergriffen werden, wenn er sich’s am wenigsten versieht.

32Ebenso wird’s auch einer Frau ergehen, die ihren Mann betrügt und einen Erben von einem andern bekommt. 33Erstens ist sie dem Gebot des Höchsten ungehorsam; zum andern versündigt sie sich an ihrem Mann; zum Dritten bekommt sie durch ihren Ehebruch Kinder von einem andern. 34Eine solche Frau wird man der Gemeinde vorführen, und ihre Kinder müssen’s büßen. 35Ihre Kinder werden nicht Wurzel schlagen, und ihre Zweige werden nicht Frucht bringen.

23,35
Kap
36Wenn man sich an sie erinnert, flucht man ihr, und ihre Schande wird niemals ausgetilgt.
23,36
Weish 10,8
37Daran lernen die Nachkommen, dass nichts besser ist, als Gott zu fürchten, und nichts
23,37
Ps 119,103
süßer, als auf Gottes Gebote zu achten.

24

Das Hohelied der Weisheit

241

24,1-47
Spr 8,1-36
Hiob 28,1-28
Die Weisheit preist sich selbst, und unter dem Volk rühmt sie sich. 2Sie tut ihren Mund auf in der Gemeinde des Höchsten 3und lobt sich vor seinem himmlischen Heer und spricht: 4»Ich ging vom Munde des Höchsten aus
24,4
Weish 7,25
6,24
Spr 2,6
5und bedeckte wie Nebel die Erde. 6Mein Zelt war in der Höhe und mein Thron auf den Wolken.
24,6
Bar 3,29
7Ich allein durchwanderte das Himmelsgewölbe 8und durchzog die Tiefen des Abgrunds. 9Auf den Wogen im Meer, überall auf Erden, 10unter allen Menschen und Völkern gewann ich Besitz. 11Bei diesen allen suchte ich Wohnung, um bei einem von ihnen einen Erbbesitz zu finden.

12Da gebot mir der Schöpfer aller Dinge, und der mich geschaffen hat, gab mir eine bleibende Wohnung 13und sprach:

24,13
Bar 3,37-38
In Jakob sollst du wohnen, und in Israel soll dein Erbbesitz sein. 14Vor der Welt,
24,14
Kap
im Anfang bin ich geschaffen und werde ewig bleiben. 15Ich habe vor
24,15
2. Mose 40,2-3
ihm im heiligen Zelt gedient und danach
24,15
1. Kön 8,1916
auf dem Zion eine feste Stätte gefunden; so hat er mich in die geliebte Stadt gesetzt, dass ich in Jerusalem regieren sollte. 16Ich bin eingewurzelt bei einem geehrten Volk, das
24,16
5. Mose 7,6
Gottes Erbteil ist.

17

24,17-18
Ps 92,13
Ich bin hochgewachsen wie eine Zeder auf dem Libanon und wie eine Zypresse auf dem Gebirge Hermon. 18Ich bin aufgewachsen wie ein Palmbaum in En-Gedi und wie die Rosenstöcke in Jericho, 19wie ein schöner Ölbaum auf freiem Felde; ich bin aufgewachsen wie eine Platane. 20Ich strömte einen
24,20
Kap
lieblichen Geruch aus wie Zimt und köstliche Würze und duftete wie die beste Myrrhe, 21wie Galbanum und Onyx und Stakte und wie der Weihrauch im Tempel.
24,21
2. Mose 30,34-35
22Ich breitete meine Zweige aus wie eine Terebinthe, und meine Zweige waren schön und prächtig. 23Ich sprosste lieblich wie der Weinstock, 24und meine Blüte brachte herrliche und reiche Frucht.

25

24,25
Kap
Kommt her zu mir, alle, die ihr nach mir verlangt, 26und sättigt euch an meinen Früchten! 27Denn an mich zu denken ist
24,27
Kap
süßer als Honig, und mich zu besitzen süßer als Honigseim. 28
24,28-29
Joh 4,13-14
6,35
Wer von mir isst, den hungert immer nach mir; 29und wer von mir trinkt, den dürstet immer nach mir. 30Wer mir gehorcht, der wird nicht zuschanden; 31und wer mir dient, der wird unschuldig bleiben.«

32Dies alles ist das

24,32
2. Kön 23,2
Bar 4,1
Buch des Bundes, den der höchste Gott aufgerichtet hat, 33nämlich
24,33
5. Mose 33,4
das Gesetz, das uns Mose befohlen hat, das Erbe der Gemeinde Jakobs. 34
24,34-37
1. Mose 2,10-14
Jos 3,15
Es lässt Weisheit fließen wie der Pischon 35und wie der Tigris im Frühling; 36es lässt Verstand überströmen wie der Euphrat und wie der Jordan in der Ernte. 37Das Gesetz lässt Belehrung hervorbrechen wie der Nil, wie der Gihon im Herbst. 38
24,38-39
Röm 11,33
Es hat nie einen gegeben, der mit dem Lernen der Weisheit zu Ende gekommen wäre, und es wird nie einer kommen, der sie ergründen könnte. 39Denn ihr Sinn ist reicher als das Meer und ihr Rat tiefer als der große Abgrund.

40So ging auch ich, die Weisheit, hervor wie ein Seitenarm aus dem Strom und wie ein Wassergraben, der in den Lustgarten geleitet wird. 41

24,41-44
Hes 47,1-12
Joh 7,38
Ich sprach: Ich will meinen Garten bewässern 42und meine Beete tränken. 43Da wurde mein Wasserarm zum Strom 44und mein Strom zum Meer. 45Nun lasse ich meine Lehre leuchten weithin wie der lichte Morgen und lasse sie scheinen bis in die Ferne. 46Auch schütte ich meine Lehre aus wie Prophetenworte und hinterlasse sie kommenden Geschlechtern. 47Da seht ihr, dass ich mich nicht für mich allein gemüht habe, sondern für alle, die Weisheit begehren.
24,47
Kap