Lutherbibel 1984 (LU84)
20

Vom rechtzeitigen Reden und Schweigen

201Es tadelt einer oft seinen Nächsten zur

20,1
Kap
Unzeit, doch wäre es klüger, wenn er schwiege. 2Es ist besser, offen zu tadeln, als heimlich Hass zu tragen; 3und wer’s mit Dank annimmt, dem bringt’s Nutzen.

4Wer mit Gewalt ein Urteil erzwingen möchte, der ist

20,4
Kap
wie ein Verschnittener, der eine Jungfrau schänden will.

5Der eine

20,5
Spr 17,28
schweigt und wird deshalb für weise gehalten; der andere macht sich unbeliebt, weil er viel redet. 6
20,6-7
Pred 3,7
Am 5,13
Der eine schweigt, weil er nichts zu antworten weiß; der andere aber schweigt und wartet auf seine Zeit. 7Ein weiser Mann schweigt, bis er seine Zeit gekommen sieht; aber ein Prahler und Narr achtet nicht auf die rechte Zeit. 8Wer
20,8
Spr 10,19
viele Worte macht, wird verabscheut; und
20,8
1. Mose 37,5-11
wer sich zu viel anmaßt, macht sich verhasst.

Von den Wendungen des Schicksals

9Manches Unglück führt einen zum Guten, und

20,9
Mt 16,26
mancher Gewinn führt zum Schaden. 10Manche Gaben bringen keinen Gewinn; andere dagegen werden doppelt vergolten. 11Mancher,
20,11
2. Sam 16,23
17,23
1. Mose 39,20
der in hohem Ansehen steht, fällt tief; und mancher,
20,11
1. Mose 41,41
der sich bücken muss, kommt empor. 12Mancher kauft zunächst viel für wenig Geld; aber nachher muss er’s siebenfach bezahlen.

Eigennutz und Unbeliebtheit des Narren

13Ein weiser Mann macht sich durch seine Worte beliebt, aber die freundlichen Worte der Narren haben keinen Wert. 14Das Geschenk des Narren wird dir nicht viel nützen; denn mit einem Auge gibt er und mit sieben Augen wartet er, was er dafür bekommt. 15Er gibt wenig und hält es einem vielfach vor und schreit’s aus wie ein Ausrufer. 16Heute leiht er, morgen will er’s wiederhaben. Das sind widerwärtige Leute.

17Der Narr klagt: »Niemand ist mein Freund; niemand dankt mir für meine Wohltaten. 18Auch die mein Brot essen, reden nichts Gutes von mir.« 19Wie oft und von wie vielen wird er verspottet!

Unzeitiges Reden

20Besser, es kommt einer auf schlüpfrigem Boden zu Fall als

20,20
Spr 12,13
durch sein Reden; so geht’s den Bösen: plötzlich müssen sie fallen. 21Ein dummer Mensch fällt auf durch unpassende Reden; im Munde unerzogener Leute sind sie gang und gäbe. 22Auch wenn ein Narr etwas Richtiges sagt, so findet es doch keinen Anklang; denn er
20,22
redet’s nicht zur rechten Zeit.

Die Folgen von Armut und falscher Scham

23Manchen hindert nur seine Armut daran, Böses zu tun; kommt er zur Ruhe, so hat er kein schlechtes Gewissen. 24Mancher setzt sein Leben aufs Spiel aus Furcht vor Schande; aber um törichter Leute willen verliert er es. 25Mancher macht aus Scham seinem Freund Versprechungen, und eben dadurch bekommt er ihn zum Feinde.

Warnung vor Lügen

26Die

20,26
Eph 4,25
Lüge ist ein hässlicher Schandfleck an einem Menschen und ist im Munde unerzogener Leute gang und gäbe. 27Schlimmer als ein Dieb ist ein Mensch, der ständig lügt; aber zuletzt kommen sie beide an den Galgen.
20,27
3. Mose 19,11
28Ein verlogener Mensch ist ehrlos, und sein schändliches Verhalten hört nicht auf.

Rechtes und falsches Verhalten der Weisen

29Ein weiser Mann bringt sich selbst zu Ehren durch seine Worte, und

20,29
1. Mose 41,37
ein kluger Mann gefällt den Mächtigen. 30Wer
20,30
Spr 12,11
einen Acker fleißig bebaut, der macht seinen Garbenhaufen groß; und wer dem Mächtigen gefällt, kann Unrecht gutmachen.

31Geschenke und Gaben verblenden die Weisen und legen ihnen einen Zaum ins Maul, sodass sie niemand mehr zurechtweisen können.

20,31
2. Mose 23,8
5. Mose 16,19
32Verheimlichte Weisheit und ein vergrabener Schatz, was nützen sie beide?
20,32
Kap
33Es ist besser, dass einer seine Torheit verbirgt, als dass einer seine Weisheit verheimlicht.

21

Warnung vor mancherlei Sünden

211Mein Kind,

21,1
Joh 8,11
hast du gesündigt, so höre damit auf und bitte, dass dir die bisherigen Sünden vergeben werden. 2
21,2
1. Mose 39,7-12
Fliehe vor der Sünde wie vor einer Schlange; denn wenn du ihr zu nahe kommst, so sticht sie dich. 3Ihre Zähne sind wie Löwenzähne und töten den Menschen. 4Jede Sünde ist wie ein zweischneidiges Schwert und verwundet so, dass niemand heilen kann.

5Wer Gewalt und Unrecht tut,

21,5
Hiob 20,10
muss zuletzt zum Bettler werden; und wer hochmütig ist, kommt zuletzt von Haus und Hof. 6
21,6
Ps 34,7
Sobald der Elende ruft, so hört’s Gott, und seine Rache wird eilends kommen.

7Wer

21,7
Jak 3,17
sich nichts sagen lässt, der ist schon auf der Bahn des Gottlosen; aber wer Gott fürchtet, der nimmt es zu Herzen. 8Wer zu reden versteht, ist weithin bekannt, und ein Kluger merkt, wo er entgleist.

9Wer

21,9
Hab 2,6-7
sein Haus baut mit fremdem Hab und Gut, der sammelt Steine für sein Grab.

10Die Schar der Gottlosen ist wie ein Haufe

21,10
Jes 1,31
Werg, das vom Feuer verzehrt wird. 11Die Gottlosen gehen zwar auf einem gepflasterten Weg; aber an seinem Ende ist der Abgrund der Hölle.
21,11
Ps 73,3-516-19
Mt 7,13

Unterschiede zwischen Weisen und Narren

12Wer Gottes Gebot hält, der

21,12
Kap
folgt seinem eignen Kopf nicht; 13und Gott mit Ernst fürchten ist Weisheit.
21,13
Hiob 28,28
14Wer nicht klug ist, der lässt sich nicht erziehen;
21,14
Kap
15es gibt aber eine Klugheit, die viel Bitterkeit schafft.
21,15
Kap

16Die Erkenntnis eines weisen Mannes wächst wie eine Flut, und

21,16
Spr 18,4
sein Rat ist wie eine lebendige Quelle. 17Das Herz des Narren ist wie ein Topf mit einem Sprung: es kann keine Lehre behalten. 18Wenn ein Vernünftiger eine gute Lehre hört, so lobt er sie und fügt noch etwas hinzu; hört sie aber einer, der üppig lebt, so missfällt sie ihm und er kehrt ihr den Rücken.

19Die Rede des Narren

21,19
Kap
drückt wie eine Last beim Gehen; aber wenn ein Weiser redet, da hört man gern zu. 20In der Gemeinde gibt man auf das acht, was der Weise redet; und was er rät, nimmt man sich zu Herzen. 21Für den Narren ist Weisheit wie ein eingefallenes Haus; und die Erkenntnis des Unverständigen hüllt sich in leere Worte. 22Wenn man den Narren erziehen will, so stellt er sich an, als wollte man ihm Fesseln an Hände und Füße legen; 23aber ein Weiser hält Zucht für goldenen Schmuck und für ein Geschmeide am rechten Arm.
21,23
Kap

24Ein Narr läuft einem ohne Weiteres ins Haus; aber ein Besonnener scheut sich davor. 25Ein Narr guckt einem ohne Weiteres zum Fenster hinein; aber ein Guterzogener bleibt draußen stehen. 26Der ist unerzogen, der an der Tür horcht; für den Vernünftigen wäre es sogar eine große Schmach.

27Die Schwätzer reden, wovon sie nichts verstehen; die Weisen aber

21,27
Kap
wägen ihre Worte mit der Goldwaage. 28Die Narren tragen ihr Herz auf der Zunge; aber die Weisen haben ihren Mund im Herzen.
21,28
Spr 13,3
29Ein Narr lacht überlaut; ein Weiser lächelt nur ein wenig.

30Wenn der Gottlose seinem Widersacher flucht, so flucht er sich selber.

21,30
Mt 5,22
31Die Verleumder bringen sich selbst in Schande, und niemand hat sie gern um sich.
21,31
Kap

22

Über Faulheit und ungeratene Kinder

221Ein fauler Mensch ist wie ein kotbeschmutzter Stein, und jeder zischt ihn aus, weil er so ekelhaft ist. 2Ein fauler Mensch ist wie ein Mistklumpen; wer ihn aufhebt, der muss sich die Hände abwischen.

3

22,3
Spr 17,25
Ein ungeratener Sohn ist für seinen Vater eine Schande, und eine missratene Tochter bringt ihm Schaden. 4Eine vernünftige Tochter kriegt einen Mann; aber eine Tochter, die sich schändlich aufführt, bleibt sitzen und sie macht ihrem Vater Kummer; 5und welche frech ist, die ist für den Vater wie den Mann eine Schande und wird von beiden verachtet.

6Eine Rede, die zur Unzeit geschieht, ist wie fröhliches Saitenspiel, wenn einer traurig ist. Strenge Erziehung aber ist zu jeder Zeit weise.

Vom Verhalten gegen Narren

7Wer einen Narren lehrt, der leimt Scherben zusammen oder handelt wie einer, der jemand aus tiefem Schlaf weckt. 8Wer mit einem Narren redet, der redet mit einem Schlafenden, 9der am Ende fragt: Was ist denn?

10

22,10-11
Kap
Über einen Toten soll man trauern, denn das Licht ist ihm erloschen; und über einen Narren soll man trauern, denn der Verstand ist ihm erloschen. 11Doch soll man über einen Toten nicht zu sehr trauern; denn er ist zur Ruhe gekommen; 12aber das Leben des Narren ist schlimmer als der Tod. 13
22,13
1. Mose 50,10
Sieben Tage trauert man über einen Toten, aber über Narren und Gottlose ihr Leben lang.

14Rede nicht viel mit einem Narren; und geh nicht zu einem Unverständigen. 15Hüte dich vor ihm, dass du nicht Mühe durch ihn hast und durch das befleckt wirst, was er ausspeit. 16Weiche ihm aus, so bleibst du in Frieden und kommst nicht in Angst und Not durch seine Torheit. 17Was ist schwerer als Blei? Wie kann man ihn anders nennen als »Narr«? 18Es ist leichter, Sand, Salz und Eisen zu tragen, als einen unverständigen Menschen zu ertragen.

22,18
Spr 27,3

Das Herz des Weisen und des Narren in der Bewährungsprobe

19Wie

22,19
Mt 7,24-25
ein Haus, das mit Holzbalken fest gefügt ist, im Sturmwind nicht zerfällt, so ist auch ein Herz, das seiner Sache gewiss ist: das fürchtet sich vor keinem Schrecken. 20Wie eine gute Tünche an glatter Wand, so ist ein Herz, das festhält an verständiger Erkenntnis. 21Wie ein Zaun auf hohem Berge dem Wind nicht standhalten kann, 22so hält ein zaghaftes Herz, das Törichtes vorhat, keinem Schrecken stand.

Vom Verhalten gegen Freunde

23Wenn man jemand ins Auge trifft, ruft man Tränen hervor; 24und wenn man jemand ins Herz trifft, löst man Kummer aus. 25Wer einen Stein unter die Vögel wirft, der scheucht sie weg; und wer seinen Freund schmäht, der zerstört die Freundschaft.

26

22,26-27
Kap
Selbst wenn du ein Schwert gezückt hast gegen deinen Freund, so gib die Hoffnung nicht auf; denn ihr könnt wieder Freunde werden. 27Hast du gegen deinen Freund den Mund aufgetan, so sei ohne Sorge; denn ihr könnt euch wieder versöhnen; nur Schmähungen, Missachtung, Preisgabe von Geheimnissen und hinterlistige Nachrede: das verjagt jeden Freund.

28

22,28-29
Kap
Bleib deinem Freund in seiner Armut treu, damit du dich mit ihm freuen kannst, wenn’s ihm wieder gut geht. 29Halt zu ihm, wenn’s ihm schlecht geht, damit du auch sein Glück mit ihm teilen kannst.

30Rauch und Qualm gehen voraus, ehe ein Feuer brennt; so kommt’s vom Schmähen zum Blutvergießen.

22,30
Kap

31Ich schäme mich nicht, den Freund zu schützen, und ziehe mich nicht von ihm zurück. 32Widerfährt mir aber etwas Böses seinetwegen, dann wird sich jeder vor ihm hüten, der davon hört.

Bitte um Bewahrung vor bösen Worten und Gedanken

33Könnte doch

22,33
Kap
ein Schloss an meinen Mund gelegt und ein Siegel fest auf meine Lippen gedrückt werden, damit ich nicht zu Fall komme und meine Zunge mich nicht verdirbt!