Lutherbibel 1984 (LU84)
19

191Ein Arbeiter, der sich gern vollsäuft, der wird nicht reich; und wer mit wenigem nicht haushält, der kommt bald zu Fall. 2

19,2-3
Kap
Wein und Weiber betören die Weisen; 3und wer sich an Huren hängt, der wagt zu viel; den fressen Maden und Würmer, und wer so verwegen lebt, der wird hinweggerafft.

Vom bösen Gerede

4Wer leichtgläubig ist, der ist leichtsinnig, und wer sündigt, der schadet sich selbst. 5Wer sich über eine Bosheit freut, den wird man verachten, und wer etwas nachschwatzt, dem fehlt es an Verstand. 6Hörst du etwas Böses, das schwatze nicht nach, denn solches Schweigen schadet dir nichts. 7Du sollst es weder Freund noch Feind sagen; 8und

19,8
Spr 25,9
offenbare es nicht, wenn du es ohne böses Gewissen verschweigen kannst. 9Denn man hört dir wohl zu, aber man hütet sich vor dir, und zu gelegener Zeit lässt man dich den Hass spüren.

10Hast du etwas gehört, so

19,10
Spr 11,13
lass es mit dir sterben; sei ohne Sorge, du wirst ja nicht davon platzen! 11Aber aus einem Narren bricht es heraus wie ein Kind, das geboren werden will. 12Wenn ein Wort im Narren steckt, dann ist’s genau so, wie wenn ein Pfeil in der Hüfte steckt.

13

19,13-17
3. Mose 19,17
Stell deinen Nächsten zur Rede: Vielleicht hat er’s nicht getan; oder wenn er’s getan hat, damit er’s nicht wieder tut. 14Stell deinen Nächsten zur Rede: Vielleicht hat er’s nicht gesagt; wenn er’s aber gesagt hat, damit er’s nicht wieder sagt. 15Stell deinen Freund zur Rede, denn man verleumdet die Leute gern; darum glaube nicht alles, was du hörst. 16Oft entfährt einem ein Wort, das doch nicht böse gemeint war; denn wem ist noch nie ein böses Wort entfahren?
19,16
Pred 7,21-22
Jak 3,2
17Stell deinen Nächsten zur Rede, bevor du ihm drohst, und bedenke, was Gottes Gesetz fordert.

Gottesfürchtige Weisheit und arglistige Schlauheit

18Alle

19,18
Spr 1,715,1
Weisheit besteht in der Furcht Gottes, und zu aller Weisheit gehört das Tun des Gesetzes.
19,18
Kap
19Kenntnis des Bösen ist nicht Weisheit, und die Pläne der Gottlosen sind nicht Klugheit zu nennen. 20Es gibt eine
19,20
Kap
Schlauheit, die man verabscheuen muss, und ein Tor ist, dem es an Weisheit fehlt. 21Besser ist geringe Klugheit mit Gottesfurcht als große Klugheit mit Übertretung des Gesetzes.
19,21
1. Kor 1,21

22Es ist mancher scharfsinnig, aber ein Bösewicht, und kann eine Sache so drehen, dass er recht behält. 23Es kann einer sehr ernsthaft aussehen und sein Herz ist doch voll Arglist. 24Er schlägt die Augen nieder und stellt sich taub; und wenn du nicht auf ihn achtgibst, so wird er dich übervorteilen. 25Und wenn er auch zu schwach ist, um dir zu schaden, so wird er’s doch tun, wenn er seine Zeit gekommen sieht.

26Man

19,26
Kap
sieht’s einem an, was für ein Mann er ist, und einen Vernünftigen erkennt man an seinem Auftreten. 27Denn Kleidung, Lachen und Gang zeigen, was an ihm ist.

20

Vom rechtzeitigen Reden und Schweigen

201Es tadelt einer oft seinen Nächsten zur

20,1
Kap
Unzeit, doch wäre es klüger, wenn er schwiege. 2Es ist besser, offen zu tadeln, als heimlich Hass zu tragen; 3und wer’s mit Dank annimmt, dem bringt’s Nutzen.

4Wer mit Gewalt ein Urteil erzwingen möchte, der ist

20,4
Kap
wie ein Verschnittener, der eine Jungfrau schänden will.

5Der eine

20,5
Spr 17,28
schweigt und wird deshalb für weise gehalten; der andere macht sich unbeliebt, weil er viel redet. 6
20,6-7
Pred 3,7
Am 5,13
Der eine schweigt, weil er nichts zu antworten weiß; der andere aber schweigt und wartet auf seine Zeit. 7Ein weiser Mann schweigt, bis er seine Zeit gekommen sieht; aber ein Prahler und Narr achtet nicht auf die rechte Zeit. 8Wer
20,8
Spr 10,19
viele Worte macht, wird verabscheut; und
20,8
1. Mose 37,5-11
wer sich zu viel anmaßt, macht sich verhasst.

Von den Wendungen des Schicksals

9Manches Unglück führt einen zum Guten, und

20,9
Mt 16,26
mancher Gewinn führt zum Schaden. 10Manche Gaben bringen keinen Gewinn; andere dagegen werden doppelt vergolten. 11Mancher,
20,11
2. Sam 16,23
17,23
1. Mose 39,20
der in hohem Ansehen steht, fällt tief; und mancher,
20,11
1. Mose 41,41
der sich bücken muss, kommt empor. 12Mancher kauft zunächst viel für wenig Geld; aber nachher muss er’s siebenfach bezahlen.

Eigennutz und Unbeliebtheit des Narren

13Ein weiser Mann macht sich durch seine Worte beliebt, aber die freundlichen Worte der Narren haben keinen Wert. 14Das Geschenk des Narren wird dir nicht viel nützen; denn mit einem Auge gibt er und mit sieben Augen wartet er, was er dafür bekommt. 15Er gibt wenig und hält es einem vielfach vor und schreit’s aus wie ein Ausrufer. 16Heute leiht er, morgen will er’s wiederhaben. Das sind widerwärtige Leute.

17Der Narr klagt: »Niemand ist mein Freund; niemand dankt mir für meine Wohltaten. 18Auch die mein Brot essen, reden nichts Gutes von mir.« 19Wie oft und von wie vielen wird er verspottet!

Unzeitiges Reden

20Besser, es kommt einer auf schlüpfrigem Boden zu Fall als

20,20
Spr 12,13
durch sein Reden; so geht’s den Bösen: plötzlich müssen sie fallen. 21Ein dummer Mensch fällt auf durch unpassende Reden; im Munde unerzogener Leute sind sie gang und gäbe. 22Auch wenn ein Narr etwas Richtiges sagt, so findet es doch keinen Anklang; denn er
20,22
redet’s nicht zur rechten Zeit.

Die Folgen von Armut und falscher Scham

23Manchen hindert nur seine Armut daran, Böses zu tun; kommt er zur Ruhe, so hat er kein schlechtes Gewissen. 24Mancher setzt sein Leben aufs Spiel aus Furcht vor Schande; aber um törichter Leute willen verliert er es. 25Mancher macht aus Scham seinem Freund Versprechungen, und eben dadurch bekommt er ihn zum Feinde.

Warnung vor Lügen

26Die

20,26
Eph 4,25
Lüge ist ein hässlicher Schandfleck an einem Menschen und ist im Munde unerzogener Leute gang und gäbe. 27Schlimmer als ein Dieb ist ein Mensch, der ständig lügt; aber zuletzt kommen sie beide an den Galgen.
20,27
3. Mose 19,11
28Ein verlogener Mensch ist ehrlos, und sein schändliches Verhalten hört nicht auf.

Rechtes und falsches Verhalten der Weisen

29Ein weiser Mann bringt sich selbst zu Ehren durch seine Worte, und

20,29
1. Mose 41,37
ein kluger Mann gefällt den Mächtigen. 30Wer
20,30
Spr 12,11
einen Acker fleißig bebaut, der macht seinen Garbenhaufen groß; und wer dem Mächtigen gefällt, kann Unrecht gutmachen.

31Geschenke und Gaben verblenden die Weisen und legen ihnen einen Zaum ins Maul, sodass sie niemand mehr zurechtweisen können.

20,31
2. Mose 23,8
5. Mose 16,19
32Verheimlichte Weisheit und ein vergrabener Schatz, was nützen sie beide?
20,32
Kap
33Es ist besser, dass einer seine Torheit verbirgt, als dass einer seine Weisheit verheimlicht.

21

Warnung vor mancherlei Sünden

211Mein Kind,

21,1
Joh 8,11
hast du gesündigt, so höre damit auf und bitte, dass dir die bisherigen Sünden vergeben werden. 2
21,2
1. Mose 39,7-12
Fliehe vor der Sünde wie vor einer Schlange; denn wenn du ihr zu nahe kommst, so sticht sie dich. 3Ihre Zähne sind wie Löwenzähne und töten den Menschen. 4Jede Sünde ist wie ein zweischneidiges Schwert und verwundet so, dass niemand heilen kann.

5Wer Gewalt und Unrecht tut,

21,5
Hiob 20,10
muss zuletzt zum Bettler werden; und wer hochmütig ist, kommt zuletzt von Haus und Hof. 6
21,6
Ps 34,7
Sobald der Elende ruft, so hört’s Gott, und seine Rache wird eilends kommen.

7Wer

21,7
Jak 3,17
sich nichts sagen lässt, der ist schon auf der Bahn des Gottlosen; aber wer Gott fürchtet, der nimmt es zu Herzen. 8Wer zu reden versteht, ist weithin bekannt, und ein Kluger merkt, wo er entgleist.

9Wer

21,9
Hab 2,6-7
sein Haus baut mit fremdem Hab und Gut, der sammelt Steine für sein Grab.

10Die Schar der Gottlosen ist wie ein Haufe

21,10
Jes 1,31
Werg, das vom Feuer verzehrt wird. 11Die Gottlosen gehen zwar auf einem gepflasterten Weg; aber an seinem Ende ist der Abgrund der Hölle.
21,11
Ps 73,3-516-19
Mt 7,13

Unterschiede zwischen Weisen und Narren

12Wer Gottes Gebot hält, der

21,12
Kap
folgt seinem eignen Kopf nicht; 13und Gott mit Ernst fürchten ist Weisheit.
21,13
Hiob 28,28
14Wer nicht klug ist, der lässt sich nicht erziehen;
21,14
Kap
15es gibt aber eine Klugheit, die viel Bitterkeit schafft.
21,15
Kap

16Die Erkenntnis eines weisen Mannes wächst wie eine Flut, und

21,16
Spr 18,4
sein Rat ist wie eine lebendige Quelle. 17Das Herz des Narren ist wie ein Topf mit einem Sprung: es kann keine Lehre behalten. 18Wenn ein Vernünftiger eine gute Lehre hört, so lobt er sie und fügt noch etwas hinzu; hört sie aber einer, der üppig lebt, so missfällt sie ihm und er kehrt ihr den Rücken.

19Die Rede des Narren

21,19
Kap
drückt wie eine Last beim Gehen; aber wenn ein Weiser redet, da hört man gern zu. 20In der Gemeinde gibt man auf das acht, was der Weise redet; und was er rät, nimmt man sich zu Herzen. 21Für den Narren ist Weisheit wie ein eingefallenes Haus; und die Erkenntnis des Unverständigen hüllt sich in leere Worte. 22Wenn man den Narren erziehen will, so stellt er sich an, als wollte man ihm Fesseln an Hände und Füße legen; 23aber ein Weiser hält Zucht für goldenen Schmuck und für ein Geschmeide am rechten Arm.
21,23
Kap

24Ein Narr läuft einem ohne Weiteres ins Haus; aber ein Besonnener scheut sich davor. 25Ein Narr guckt einem ohne Weiteres zum Fenster hinein; aber ein Guterzogener bleibt draußen stehen. 26Der ist unerzogen, der an der Tür horcht; für den Vernünftigen wäre es sogar eine große Schmach.

27Die Schwätzer reden, wovon sie nichts verstehen; die Weisen aber

21,27
Kap
wägen ihre Worte mit der Goldwaage. 28Die Narren tragen ihr Herz auf der Zunge; aber die Weisen haben ihren Mund im Herzen.
21,28
Spr 13,3
29Ein Narr lacht überlaut; ein Weiser lächelt nur ein wenig.

30Wenn der Gottlose seinem Widersacher flucht, so flucht er sich selber.

21,30
Mt 5,22
31Die Verleumder bringen sich selbst in Schande, und niemand hat sie gern um sich.
21,31
Kap