Lutherbibel 1984 (LU84)
14

141Wohl dem,

14,1
Kap
der sich nicht mit Reden vergeht und davon ein böses Gewissen hat! 2Wohl dem, der kein böses
14,2
Weish 17,11
Apg 23,1
Gewissen hat und der seine Zuversicht nicht verloren hat!

3Zu einem kleinlichen Kerl passt es nicht recht, wenn er reich ist; und was soll Geld und Gut einem Geizkragen? 4Wer viel sammelt und sich selber nichts Gutes gönnt, der sammelt’s für andere und andere werden’s verprassen.

14,4
Pred 2,21-24
5Wer sich selbst nichts Gutes gönnt, was sollte der andern Gutes tun? Er wird aber auch wenig Freude an seinem Eigentum haben. 6Es ist nichts schlimmer, als wenn einer sich selbst nichts Gutes gönnt; und das ist die rechte Strafe für seinen Geiz. 7Tut er etwas Gutes, so tut er’s nur aus Versehen; zuletzt kommt doch wieder seine Habgier zum Vorschein. 8Das ist ein böser Mensch, der nicht mit ansehen kann, dass man den Leuten Gutes tut, sondern sein Angesicht wegwendet und sich über niemand erbarmt. 9
14,9
Spr 27,20
Ein habgieriger Mensch hat nie genug an dem, was ihm beschieden ist, und kann vor lauter Geiz nicht gedeihen. 10Ein Neidhammel missgönnt den andern das Brot, und es tut ihm weh, wenn er auftischen muss.
14,10
Spr 23,6-7

11Mein Kind, tu dir selbst so viel Gutes an, wie du kannst, und gib dem Herrn die Opfer, die ihm gebühren. 12Bedenke, dass der Tod nicht auf sich warten lässt und dass du keinen

14,12
Jes 28,15
Weish 1,16
Vertrag mit dem Tod hast. 13Tu dem Freund Gutes
14,13
Spr 3,28
noch vor deinem Ende, und gib dem Armen nach deinen Kräften. 14Versäume keinen fröhlichen Tag, und lass dir die Freuden nicht entgehen, die dir beschieden sind.
14,14
Pred 2,24
7,14
14,14 Luther übersetzte frei: Vergiss der Armen nicht, wenn du den fröhlichen Tag hast, so wird dir auch Freude widerfahren, die du begehrst. 15Denn du musst doch alles, was du sauer erworben hast, andern lassen und den Ertrag deiner Arbeit den Erben geben.
14,15
Ps 49,11
16Schenke und lass dich beschenken, und gönne dir, was dir zusteht; 17denn wenn du tot bist, so hast du nichts mehr davon.

18Alles Lebendige

14,18
Ps 102,2741,5
veraltet wie ein Kleid, denn es ist das uralte Gesetz: Du musst sterben! 19Wie mit den
14,19
Jes 40,6
grünen Blättern auf einem schönen Baum – die einen fallen ab, die andern wachsen wieder – so geht’s mit dem Menschengeschlecht auch:
14,19
Pred 1,4
die einen sterben, die andern werden geboren. 20Alles vergängliche Werk muss ein Ende nehmen; 21und die es bewirken, fahren auch mit dahin.
14,21
Pred 9,6

Vom Trachten nach der Weisheit

22

14,22-25
Spr 8,34
Wohl dem, der über die Weisheit nachsinnt und sie aufnimmt in sein ganzes Denken; 23der ihre Wege von Herzen betrachtet und ihren Geheimnissen immer weiter
14,23
Kap
nachforscht, ihr wie ein Späher nachschleicht und auf ihren Wegen auf sie wartet 24und guckt zu ihrem Fenster hinein und horcht an ihrer Tür, 25sucht Herberge nahe bei ihrem Hause und schlägt seine Pflöcke bei ihren Mauern ein und richtet an ihrer Wand sein Zelt auf, sodass er eine gute Herberge hat. 26
14,26-27
Jes 25,4
Er bringt auch seine Kinder unter ihr Dach und bleibt unter ihrem Schatten; 27da wird er vor der Hitze beschirmt und hat eine herrliche Wohnung.

15

151Das alles tut nur, wer den Herrn fürchtet; und wer sich an Gottes Wort hält, der findet die Weisheit.

15,1
Kap
2Und sie wird ihm begegnen wie eine Mutter und
15,2
Weish 8,29
wird ihn empfangen wie eine junge Frau. 3Sie reicht ihm die Speise der Einsicht und den Trank der Weisheit.
15,3
Kap
4Er wird durch sie fest stehen, dass er nicht fällt, und wird sich an sie halten, dass er nicht zuschanden wird. 5
15,5-6
Weish 8,10-15
Sie wird ihn erhöhen über seine Nächsten und ihm den Mund auftun in der Gemeinde. 6Sie wird ihn
15,6
Kap
krönen mit Freude und Wonne und ihm einen
15,6
Kap
ewigen Namen verleihen.

7Aber die Narren finden die Weisheit nicht, und die Gottlosen können sie nicht entdecken. 8Sie ist weit weg von den

15,8
Spr 8,13
Hochmütigen, und die Heuchler wissen nichts von ihr.

9

15,9
Am 5,23
Es schickt sich nicht für den Gottlosen, Gott zu loben; denn es ist ihm vom Herrn nicht gegeben. 10Denn zu rechtem Lob gehört die Weisheit, dann gibt Gott Gnade dazu.

Von der Verantwortung des Menschen

11Du darfst nicht sagen: Bin ich abtrünnig geworden, so hat’s Gott getan –; denn was er hasst, das solltest du nicht tun.

15,11
Jak 1,13-14
12Du darfst nicht sagen: Er selbst hat mich verführt –; denn er braucht keinen Gottlosen. 13Der Herr
15,13
Kap
hasst alles, was ein Gräuel ist; und wer ihn fürchtet, der scheut sich davor.

14Er hat im Anfang

15,14
1. Mose 2,7
den Menschen geschaffen und
15,14
1. Mose 2,16-17
ihm die Entscheidung überlassen. 15Wenn du willst, so
15,15
1. Joh 5,3
kannst du die Gebote halten und in rechter Treue tun, was ihm gefällt. 16Er hat dich vor Feuer und Wasser gestellt; ergreife das, was du willst! 17Der Mensch
15,17
5. Mose 30,15-20
Jer 21,8
hat vor sich Leben und Tod; was er davon will, das wird ihm gegeben werden.

18Denn die Weisheit des Herrn ist groß, er ist stark und mächtig 19und

15,19
Kap
sieht alles: 20
15,20
Ps 33,18
34,1634,19
Seine Augen sehen auf die, die ihn fürchten, und er weiß genau, was recht getan oder Heuchelei ist. 21Er hat niemand geboten,
15,21
Ps 5,5
gottlos zu sein, und niemand erlaubt zu sündigen.

16

Vom Ernst der Vergeltung Gottes

161Wünsche dir nicht viele Kinder, wenn sie dann missraten, und freue dich nicht über Söhne, wenn sie dann gottlos werden, und freue dich nicht darüber, dass du viele Kinder hast, wenn sie nicht den Herrn fürchten.

16,1
Spr 17,21
Weish 4,13
2Verlass dich nicht darauf, dass sie am Leben bleiben, und vertraue nicht auf ihre große Zahl. 3Denn besser ein frommes Kind als tausend gottlose, 4und besser ohne Kinder sterben als gottlose Kinder haben. 5Ein frommer Mann kann einer Stadt zur Blüte verhelfen, aber wie zahlreich die Gottlosen auch sind, so wird ihre Stadt doch veröden.
16,5
Spr 2,21-22

6Das hab ich mit eignen Augen oft gesehen und mit eignen Ohren noch Schlimmeres gehört: 7Feuer bricht aus im Haufen der Gottlosen, und Gottes Zorn entbrannte über das ungehorsame Volk.

16,7
4. Mose 11,1
16,35
8Der Herr verschonte die
16,8
1. Mose 6,4-7
Bar 3,26-28
Riesen der Vorzeit nicht, die auf ihre Stärke pochten und abtrünnig wurden. 9Er schonte auch die nicht, bei denen Lot als Fremdling lebte, sondern verdammte sie um ihres Übermuts willen.
16,9
1. Mose 19,1-28
10Und er erbarmte sich nicht über das Volk, das er dem Untergang geweiht hatte, sondern trieb sie aus ihrem Land um ihrer Sünde willen.
16,10
5. Mose 7,1-2
11So hat er auch die
16,11
2. Mose 12,37
4. Mose 14,21-23
5. Mose 2,14
sechshunderttausend hinweggerafft, weil sie allesamt ungehorsam waren. Wie sollte denn ein einzelner Ungehorsamer unbestraft bleiben?

12Denn

16,12
Kap
Gott ist zwar barmherzig, aber er ist auch zornig. Er lässt sich versöhnen, aber er straft auch schrecklich. So groß, wie seine Barmherzigkeit ist, so groß ist auch seine Strafe; und er
16,12
Jer 17,10
richtet jeden, wie er’s verdient. 13Der Gottlose wird mit seinem Raub nicht entkommen, doch was der Fromme erhofft, wird nicht ausbleiben. 14Jede Wohltat findet ihre Stätte bei Gott, und
16,14
Hiob 34,11
jedem wird widerfahren, wie er’s verdient hat.

Gegen leichtsinnigen Zweifel an Gottes Vergeltung

15

16,15-22
Kap
Sage nicht: Der Herr sieht nach mir nicht; wer fragt im Himmel nach mir? 16Unter dem großen Haufen bemerkt er mich nicht; was bin ich gegen die ganze große Welt? 17Denn siehe, der ganze Himmel, das Meer und die Erde erbeben, wenn er sie heimsucht; 18die Berge und die Grundfesten der Erde erzittern, wenn er sie nur anschaut. 19Doch um mich kann er sich dabei nicht kümmern, und wer achtet schon auf meine Wege? Wenn ich sündige, sieht mich kein Auge; 20wenn ich ganz im Geheimen betrüge, wer merkt es? Und wer macht schon bekannt, was an gerechten Taten geschieht? 21Was soll einer da noch hoffen, wenn er sich ans Gesetz hält?
16,21
Mal 3,1416
22Das meinen nur Leute, denen es an Verstand fehlt, und nur ein beschränkter Mensch denkt so.

Von Gottes Recht, den Menschen zur Verantwortung zu ziehen

23Mein Kind, höre mir zu und lerne Weisheit und beherzige meine Worte! 24Ich will dir eine zuverlässige Lehre geben und dich mit Sorgfalt unterrichten: 25Als der Herr im Anfang seine Werke erschuf 26und von ihrem Ursprung an ihnen ihre Bestimmung gab, 27

16,27-28
1. Mose 1,16-18
Ps 19,5-7
Jes 40,26
da hat er für immer geordnet, was sie tun, und für alle Zeit, wie weit ihre Herrschaft reichen sollte, dass sie nicht müde noch matt werden noch ihren Dienst versäumen 28und keins das andere behindern, sondern dass alle immer seinem Befehl gehorsam sein sollten. 29Danach hat er auf die Erde geblickt und sie mit seinen Gütern erfüllt 30und das Erdreich mit
16,30
1. Mose 1,20-25
Tieren bevölkert, die
16,30
Pred 3,19-20
wieder zur Erde zurückkehren.