Lutherbibel 1984 (LU84)
10

101Ein weiser Regent schafft seinem Volk Bestand; und wo ein Verständiger am Ruder ist, da herrscht Sicherheit.

10,1
Weish 6,26
Spr 28,12
2
10,2
Spr 29,12
Wie der Regent ist, so sind auch seine Amtleute; wie der Rat ist, so sind auch die Bürger. 3Ein
10,3
2. Kön 21,9-12
zuchtloser König richtet Land und Leute zugrunde; wenn aber die Mächtigen klug sind, so gedeiht die Stadt.

4

10,4
Spr 8,15
Jer 27,5
Dan 2,21
Alle Herrschaft auf Erden liegt in Gottes Händen; und zur rechten Zeit schickt er den rechten Mann. 5Es
10,5
1. Chr 29,12
liegt in Gottes Händen, ob ein Mann Erfolg hat, mit
10,5
Röm 13,4
dem Gesetzgeber gibt er seine Würde.

Warnung vor Überheblichkeit

6

10,6
3. Mose 19,18
Mt 18,21-22
Rechne deinem Nächsten seine Missetat nicht an, und behandle ihn niemals von oben herab! 7Den
10,7
Jes 13,11
Hoffärtigen sind Gott und die Welt feind; denn das Unrecht ist allen beiden verhasst. 8Durch Gewalt, Unrecht und Habgier geht die Königsherrschaft von einem Volk aufs andre über.
10,8
Weish 6,1

9Was überhebt sich der Mensch, der nur

10,9
1. Mose 18,27
Schmutz und Kot ist? 10Nichts anderes scheiden ja seine Eingeweide aus, solange er lebt. 11Eine leichte Krankheit – der Arzt scherzt; 12und doch heißt’s:
10,12
1. Makk 11,13-18
Heute König, morgen tot! 13Und wenn der Mensch tot ist, so fressen ihn Maden und
10,13
Hiob 17,14
Jes 14,11
Würmer.

14

10,14-16
Kap
Daher kommt aller Hochmut: wenn ein Mensch von Gott abfällt und
10,14
5. Mose 8,14
sein Herz von seinem Schöpfer weicht. 15Hochmut treibt zu allen Sünden, und wer an ihm festhält, der richtet viel Gräuel an.
10,15
1. Makk 1,17-26
16Darum hat der Herr die Hochmütigen schrecklich heimgesucht und am Ende gestürzt.
10,16
1. Makk 2,7-8
17Gott hat die hoffärtigen Fürsten vom Thron geworfen und Demütige darauf gesetzt.
10,17
Kap
18Gott hat die überheblichen Heiden mit der Wurzel ausgerottet und Demütige an ihre Stelle gesetzt.
10,18
Ps 44,3
19Gott hat das Land der Heiden verheert und völlig zugrunde gerichtet. 20Er hat viele von ihnen absterben lassen und vernichtet und
10,20
Ps 9,6-7
ihren Namen von der Erde getilgt. 21Dass die Menschen hoffärtig und bösartig sind, das ist von Gott nicht geschaffen.
10,21
Pred 7,29
10,21 Vers 22 lautete bei Luther: »Der Mensch ist nicht böse geschaffen.« Möglicherweise ist eine Randbemerkung Luthers in den Text geraten.

Vom rechten Ruhm

23Wer

10,23
Dan 3,16-18
Gott fürchtet, der wird mit Ehren bestehen; wer aber Gottes Gebote übertritt, der verliert seine Ehre. 24Unter Brüdern steht der älteste in Ehren, aber
10,24
1. Sam 16,7
der Herr sieht die an, die ihn fürchten. 25Es sollen sich Reiche und Arme, Große und Kleine allein
10,25
Jer 9,22-23
dessen rühmen, dass sie Gott fürchten.

26Es ist nicht recht,

10,26
Pred 9,14-16
einen Verständigen zu verachten, weil er arm ist, und einen Gottlosen zu ehren, weil er reich ist. 27Fürsten, Herren und Regenten stehen in hohem Ansehen; aber
10,27
Kap
so groß sind sie doch nicht wie der, der Gott fürchtet. 28
10,28
Spr 17,2
1. Mose 39,8-9
Einem weisen Knecht muss sein Herr dienen, und wenn er vernünftig ist, murrt er nicht darüber.

29Spiele nicht den Klugen, wenn du nur deinem Verlangen nachgibst, und spiele nicht den Starken, wenn du nicht weiterweißt; 30besser arbeiten und dabei reich werden als aufschneiden und ein Bettler bleiben.

10,30
Spr 12,9

31Mein Kind, in aller Demut achte dich doch selbst, und halte dich nicht für weniger, als du bist;

10,31
2. Kor 11,5-6
32wer wird dem sein Recht geben, der sich selber schlecht macht, und wer wird dem Ehre geben, der sich selbst verachtet?

33Der Arme wird geehrt um seiner Klugheit willen und der Reiche um seiner Güter willen. 34Wird aber die Klugheit schon an einem Armen gelobt, wie viel mehr erst an einem Reichen! Und was einem Reichen übel ansteht, das steht dem Armen noch viel übler an.

11

111Die Weisheit des Geringen bringt ihn zu Ehren und setzt ihn mitten unter die Fürsten.

11,1
1. Mose 41,37-46
Dan 2,48

2Du sollst niemand rühmen um seiner Schönheit willen noch jemand verachten, weil er hässlich aussieht. 3Denn die Biene ist klein unter allem, was Flügel hat, und bringt doch die allersüßeste Frucht.

4

11,4
Apg 12,21-23
Rühme dich nicht wegen deiner herrlichen Kleider, und überhebe dich nicht an deinem Ehrentag; denn nur der Herr ist wunderbar in seinen Werken, und niemand weiß, was er tun wird. 5Viele Tyrannen haben sich auf die Erde heruntersetzen müssen, und die Krone ist dem aufgesetzt worden, an den man nicht gedacht hätte.
11,5
Kap
6Viele große Herren sind gestürzt worden, und hoch angesehene Männer sind andern in die Hände gefallen.

Vorsicht beim Richten

7Verdamme niemand, bevor du die Sache untersucht hast; wäge erst ab und tadle dann. 8Du sollst nicht urteilen, ehe du die Sache gehört hast, und lass die Leute erst ausreden.

11,8
5. Mose 17,6
9Misch dich nicht in fremde Händel, und aus dem Streit der Gottlosen halt dich heraus.

Von Wert und Unwert des Reichtums

10Mein Kind, verliere dich nicht in viele Geschäfte; denn wenn du dir zu viel vornimmst, bleibst du nicht ohne Schuld. Wenn du dich noch so sehr anstrengst, so erlangst du doch nichts; und wenn du auch davonlaufen möchtest, so kommst du doch nicht heraus. 11Mancher lässt sich’s sauer werden, müht sich und rennt dem Reichtum nach und fällt doch immer mehr zurück.

11,11
Spr 10,22
12Mancher aber lässt sich Zeit, der wohl Hilfe nötig hätte, wird immer schwächer und immer ärmer: 13den sieht Gott an in Gnaden und hilft ihm aus dem Elend und bringt ihn zu Ehren, sodass sich viele über ihn wundern.

14Es kommt alles von Gott: Glück und Unglück, Leben und Tod, Armut und Reichtum.

11,14
Hiob 1,21
2,10
Spr 22,2
Klgl 3,37-38
15Den Frommen gibt Gott Güter, die bleiben; 16und was er verleiht, das gedeiht immer und ewig.

17

11,17-19
Pred 2,21
Lk 12,16-21
Mancher kargt und spart und wird dadurch reich 18und denkt, er habe es zu etwas gebracht, 19und sagt: Nun will ich mir ein gutes Leben machen, essen und trinken von dem, was ich habe –, doch er weiß nicht, dass sein Stündlein so nahe ist und dass er alles anderen lassen und sterben muss.

20

11,20
Ps 37,3
Bleibe bei dem, was dir anvertraut ist, und übe dich darin, und halt aus in deinem Beruf, und
11,20
Ps 49,17
lass dich nicht davon beirren, wie die Gottlosen zu Geld kommen, 21
11,21-23
Tob 4,22
sondern
11,21
Kap
vertraue du Gott und bleibe in deinem Beruf; 22denn dem Herrn ist es ein Leichtes, einen Armen plötzlich reich zu machen. 23Der Segen Gottes ist der Lohn des Frommen, und in kurzer Zeit gibt er schönstes Gedeihen.

24Sage nicht: Wie viel fehlt mir noch und was werde ich künftig besitzen? 25Sage aber auch nicht:

11,25
Kap
Ich habe genug, was kann mir künftig zustoßen? 26Wenn dir’s gut geht, so bedenke, dass dir’s wieder schlecht gehen kann; und wenn dir’s schlecht geht, so bedenke, dass dir’s wieder gut gehen kann.
11,26
Kap
27Denn der Herr kann jedem im Tod leicht
11,27
Kap
vergelten, wie er’s verdient hat. 28Eine böse Stunde lässt alle Freude vergessen; und
11,28
1. Tim 5,24-25
wenn der Mensch stirbt, tritt erst hervor, wie er gelebt hat. 29Darum rühme niemand vor seinem Ende; denn was einer für ein Mensch gewesen ist, das zeigt sich in seiner Todesstunde.

Vorsicht gegenüber Fremden

30Nimm nicht jeden bei dir auf; denn die Welt ist voller List und Verleumdung. 31Wer ein falsches Herz hat, ist wie ein Lockvogel und wie ein Kundschafter, der

11,31
Lk 11,53-54
nach einer schwachen Stelle späht. 32Denn was er Gutes sieht, deutet er aufs Schlimmste, und den Allerbesten sagt er das Schändlichste nach.
11,32
Jes 5,20
33Aus einem Funken macht er ein großes Feuer, und der Gottlose lauert darauf, Blut zu vergießen. 34Hüte dich vor solchen
11,34
Spr 1,10
Buben – sie haben nichts Gutes im Sinn –, dass sie dir nicht ewige Schande anhängen. 35Nimmst du einen Fremden bei dir auf, so wird er dir Unruhe bringen und dich in deinem eignen Haus zum Fremden machen.

12

Vorsicht beim Wohltun

(vgl. Mt 5,43-48)

121Willst du Gutes tun, so sieh zu, wem du es tust; dann verdienst du Dank damit. 2Tu dem Frommen Gutes, so wird dir’s reichlich vergolten, wenn nicht von ihm, so doch gewiss vom Herrn.

12,2
Lk 14,12-14
3Tu denen nichts Gutes, die beharrlich Böses tun und die selbst nicht gern Almosen geben; 4gib dem Gottesfürchtigen, doch nimm dich des Gottlosen nicht an. 5Tu Gutes dem Demütigen, aber dem Gottlosen gib nichts.
12,5
Spr 25,21-22
Röm 12,19-21
Verweigere ihm dein Brot und gib ihm nichts, damit er dadurch nicht stärker wird als du: 6du wirst doppelt so viel Schlechtes durch ihn empfangen, wie du ihm Gutes getan hast. Denn
12,6
Lk 6,35
auch der Allerhöchste ist den Sündern Feind und wird die Gottlosen bestrafen.

Vorsicht vor falschen Freunden

7

12,7-8
Kap
Wenn’s einem gut geht, so lernt man keinen Freund richtig kennen; wenn’s einem aber schlecht geht, so wird sich der Feind nicht verbergen. 8Denn wenn’s einem gut geht, so macht das den Feind verdrossen;
12,8
Spr 19,4
wenn’s einem aber schlecht geht, so ziehen auch die Freunde sich zurück.

9

12,9-11
Spr 26,24-25
Trau niemals deinem Feinde; 10denn wie das Eisen immer wieder rostet, so lässt auch er nicht von seiner Niedertracht. 11Und wenn er sich auch verneigt und verbeugt, so halte dich dennoch zurück und hüte dich vor ihm. Und wenn du auch an ihm polierst wie an einem Spiegel, so bleibt er doch rostig. 12Stelle ihn nicht neben dich, damit er dich nicht wegstößt und an deinen Platz tritt. Setze ihn auch nicht neben dich, damit er sich nicht auf deinen Stuhl setzt und du zuletzt an meine Worte denken musst und es dich reuen wird, dass du nicht auf sie gehört hast.
12,12
Kap

13Wer hat Mitleid mit einem Schlangenbeschwörer, der gebissen wird, oder mit einem Tierbändiger, der zerrissen wird? So geht’s auch dem, der sich mit den Gottlosen einlässt und sich in ihre Sünden verwickelt. 14Er bleibt wohl eine Weile bei dir; aber wenn du strauchelst, so hält er dich nicht fest.

15

12,15-16
Jer 9,7
41,6-7
Der Feind gibt wohl gute Worte und beklagt dich sehr und stellt sich freundlich, 16kann sogar dabei weinen; aber im Herzen plant er schon, dich in die Grube zu stürzen, und wenn er Gelegenheit findet, bekommt er nicht genug von deinem Blut. 17Wenn dir Unheil widerfährt, so ist er als Erster zur Stelle 18und tut so, als wollte er dir helfen, aber bringt dich hinterrücks zu Fall. 19Mit dem Kopf nickt er Beifall und klatscht in die Hände; er beklagt dich höhnisch und zeigt dir sein wahres Gesicht.
12,19
Kap