Lutherbibel 1984 (LU84)
6

Taufe und neues Leben

61Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde?

6,1
Kap
2Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir doch gestorben sind? 3Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir
6,3
Gal 3,27
auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? 4So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.
6,4
Kol 2,12
1. Petr 3,21

5Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. 6Wir wissen ja, dass

6,6
Gal 5,24
unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen. 7Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden, 9und wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod kann hinfort über ihn nicht herrschen. 10Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben
6,10
Hebr 9,26-28
ein für alle Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott. 11So auch ihr, haltet dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christus Jesus.
6,11
2. Kor 5,15
1. Petr 2,24

12So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, und leistet seinen Begierden keinen Gehorsam.

6,12
1. Mose 4,7
13Auch gebt nicht der Sünde eure Glieder hin als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott hin als solche, die tot waren und nun lebendig sind, und
6,13
Kap
eure Glieder Gott als Waffen der Gerechtigkeit. 14Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, weil ihr ja nicht unter dem Gesetz seid, sondern
6,14
Kap
unter der Gnade.
6,14
Kap

15Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne! 16Wisst ihr nicht: wem ihr euch zu Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte seid ihr und müsst ihm gehorsam sein, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit?

6,16
Joh 8,34
17Gott sei aber gedankt, dass ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber nun von Herzen gehorsam geworden der Gestalt der Lehre, der ihr ergeben seid. 18Denn indem ihr nun
6,18
Joh 8,32
frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte geworden der Gerechtigkeit.

19Ich muss menschlich davon reden um der Schwachheit eures Fleisches willen: Wie ihr eure Glieder hingegeben hattet an den Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit zu immer neuer Ungerechtigkeit, so gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden. 20Denn als ihr Knechte der Sünde wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit. 21Was hattet ihr nun damals für Frucht? Solche, deren ihr euch jetzt schämt; denn das Ende derselben ist der

6,21
Kap
Tod. 22Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben. 23Denn
6,23
Kap
der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.

7

Freiheit vom Gesetz

71Wisst ihr nicht, liebe Brüder – denn ich rede mit denen, die das Gesetz kennen –, dass das Gesetz nur herrscht über den Menschen, solange er lebt? 2Denn

7,2
1. Kor 7,39
eine Frau ist an ihren Mann gebunden durch das Gesetz, solange der Mann lebt; wenn aber der Mann stirbt, so ist sie frei von dem Gesetz, das sie an den Mann bindet. 3Wenn sie nun bei einem andern Mann ist, solange ihr Mann lebt, wird sie eine Ehebrecherin genannt; wenn aber ihr Mann stirbt, ist sie frei vom Gesetz, sodass sie nicht eine Ehebrecherin ist, wenn sie einen andern Mann nimmt. 4Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet durch den Leib Christi, sodass ihr einem andern angehört, nämlich dem, der von den Toten auferweckt ist, damit wir Gott Frucht bringen.

5Denn solange wir dem Fleisch verfallen waren, da waren die sündigen Leidenschaften, die durchs Gesetz erregt wurden, kräftig in unsern Gliedern, sodass wir

7,5
Kap
dem Tode Frucht brachten. 6Nun aber sind wir
7,6
Kap
vom Gesetz frei geworden und ihm abgestorben, das uns gefangen hielt, sodass wir dienen
7,6
Kap
im neuen Wesen des Geistes und nicht im alten Wesen des Buchstabens.

Der Mensch unter dem Gesetz

7Was sollen wir denn nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durchs Gesetz. Denn ich wusste nichts von der Begierde, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte (2. Mose 20,17): »Du sollst nicht begehren!« 8Die Sünde aber nahm das Gebot zum Anlass und erregte in mir Begierden aller Art; denn

7,8
Kap
ohne das Gesetz war die Sünde tot. 9Ich lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, wurde die Sünde lebendig, 10ich aber starb. Und so fand sich’s,
7,10
3. Mose 18,5
dass das Gebot mir den Tod brachte, das doch
7,10
Jak 1,15
zum Leben gegeben war. 11Denn die Sünde nahm das Gebot zum Anlass und
7,11
Hebr 3,13
betrog mich und tötete mich durch das Gebot. 12So ist also das Gesetz heilig, und das Gebot ist heilig, gerecht und gut.
7,12
1. Tim 1,8
13Ist dann, was doch gut ist, mir zum Tod geworden? Das sei ferne! Sondern die Sünde,
7,13
Kap
damit sie als Sünde sichtbar werde, hat mir durch das Gute den Tod gebracht, damit die Sünde überaus sündig werde durchs Gebot.

14Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist;

7,14
Joh 3,6
ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. 15Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. 16Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, dass das Gesetz gut ist. 17So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. 18Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch7,18 Siehe Sach- und Worterklärungen (vgl. Kap 7,25; 8,3-9).,
7,18
1. Mose 6,5
8,21
nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. 19Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. 20Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.

21So finde ich nun das Gesetz, dass mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. 22Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. 23Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt7,23 Siehe Sach- und Worterklärungen. und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

7,23
Gal 5,17
24Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? 25Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!
7,25
1. Kor 15,57

So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.

8

Das Leben im Geist

81So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.

8,1
2Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. 3Denn was
8,3
Apg 13,38
15,10
dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: Er sandte seinen Sohn
8,3
Hebr 2,17
in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, 4damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern
8,4
Gal 5,1625
nach dem Geist.

5Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt. 6Aber fleischlich gesinnt sein ist der

8,6
Kap
Tod, und geistlich gesinnt sein ist
8,6
Gal 6,8
Leben und Friede. 7Denn fleischlich gesinnt sein ist
8,7
Jak 4,4
Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag’s auch nicht. 8Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen. 9Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. 10Wenn aber
8,10
Gal 2,20
Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. 11Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

12So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben.

8,12
Kap
13Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.
8,13
Kap

14Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. 15Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!

8,15
Gal 4,5-6
2. Tim 1,7
16Der
8,16
2. Kor 1,22
Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. 17Sind wir aber
8,17
Gal 4,7
Kinder, so sind wir auch
8,17
Offb 21,7
Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.

Hoffnung für die Schöpfung und Gewissheit des Heils

18Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

8,18
2. Kor 4,17
19Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass
8,19
Kol 3,4
1. Joh 3,2
die Kinder Gottes offenbar werden. 20
8,20
Pred 1,4
Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, doch auf Hoffnung; 21denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.
8,21
2. Petr 3,13
22Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet.

23Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben,

8,23
2. Kor 5,2
seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. 24Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht?
8,24
2. Kor 5,7
25Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld.
8,25
Gal 5,5

26Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. 27Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt.

28Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem

8,28
Eph 1,11
Ratschluss berufen sind. 29Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der
8,29
Kol 1,18
Hebr 1,6
Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. 30
8,30
2. Thess 2,13-14
Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die
8,30
Kap
hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

31Was wollen wir nun hierzu sagen?

8,31
Ps 118,6
Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? 32Der auch
8,32
Joh 3,16
seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

33Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht.

8,33
Jes 50,8
34Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und
8,34
1. Joh 2,1
Hebr 7,25
uns vertritt.

35

8,35-39
Ps 73,23-26
Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36Wie geschrieben steht (Ps 44,23): »Um deinetwillen
8,36
2. Kor 4,11
werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.«

37Aber

8,37
1. Joh 5,4
in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch
8,38
Eph 6,12
Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.