Lutherbibel 1984 (LU84)
3

Gottes unwandelbare Treue

31Was haben dann die Juden für einen Vorzug oder was nützt die Beschneidung? 2Viel in jeder Weise! Zum Ersten: ihnen ist anvertraut, was Gott geredet hat.

3,2
Kap
3Dass aber einige nicht treu waren, was liegt daran?
3,3
Kap
Sollte ihre Untreue Gottes Treue aufheben? 4Das sei ferne! Es bleibe vielmehr so: Gott ist wahrhaftig und
3,4
Ps 116,11
alle Menschen sind Lügner; wie geschrieben steht (Ps 51,6): »Damit du recht behältst in deinen Worten und siegst, wenn man mit dir rechtet.«

5Ist’s aber so, dass unsre Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit ins Licht stellt, was sollen wir sagen? Ist Gott dann nicht ungerecht, wenn er zürnt? – Ich rede nach Menschenweise. – 6Das sei ferne! Wie könnte sonst Gott die Welt richten? 7Wenn aber die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wird zu seiner Ehre, warum sollte ich dann noch als ein Sünder gerichtet werden? 8Ist es etwa so, wie wir verlästert werden und einige behaupten, dass wir sagen:

3,8
Kap
Lasst uns Böses tun, damit Gutes daraus komme? Deren Verdammnis ist gerecht.

Die Schuld aller vor Gott

9Was sagen wir denn nun? Haben wir Juden einen Vorzug? Gar keinen. Denn

3,9
Kap
wir haben soeben bewiesen, dass alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind, 10wie geschrieben steht:
3,10
Hiob 4,17
»Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. 11Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. 12Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer (Ps 14,1-3). 13Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie (Ps 5,10), Otterngift ist unter ihren Lippen (Ps 140,4); 14ihr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit (Ps 10,7). 15Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen; 16auf ihren Wegen ist lauter Schaden und Jammer, 17und
3,17
Lk 1,79
den Weg des Friedens kennen sie nicht (Jes 59,7-8). 18Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen (Ps 36,2)

19Wir wissen aber: was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, damit allen der Mund gestopft werde und

3,19
Kap
alle Welt vor Gott schuldig sei, 20weil
3,20
Ps 143,2
Gal 2,16
kein Mensch durch die Werke des Gesetzes vor ihm gerecht sein kann. Denn
3,20
Kap
durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.

Die Rechtfertigung allein durch Glauben

21Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.

3,21
Kap
22Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott,
3,22
Phil 3,9
die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: 23
3,23
1. Mose 8,21
sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten,3,23 Wörtlich: »Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit verloren, die Gott ihnen zugedacht hatte.« 24und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.
3,24
Kap

25Den hat Gott für den Glauben hingestellt als

3,25
Mt 26,28
Kol 1,20
Hebr 9,26-28
Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher 26begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.

27Wo bleibt nun

3,27
1. Kor 1,2931
das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. 28So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.
3,28
Gal 2,16
29Oder ist Gott allein der Gott der Juden? Ist er nicht auch der Gott der Heiden? Ja gewiss, auch der Heiden.
3,29
Kap
30Denn es ist der eine Gott,
3,30
Kap
der gerecht macht die Juden aus dem Glauben und die Heiden durch den Glauben. 31Wie? Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern
3,31
Mt 5,17
wir richten das Gesetz auf.

4

Abraham der Vater des Glaubens

41Was sagen wir denn von Abraham, unserm leiblichen Stammvater? Was hat er erlangt? 2Das sagen wir: Ist Abraham durch Werke gerecht, so kann er sich wohl rühmen, aber nicht vor Gott. 3Denn was sagt die Schrift?

4,3
Gal 3,6
»Abraham hat Gott geglaubt und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden.« (1. Mose 15,6) 4Dem aber, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnade zugerechnet, sondern aus Pflicht.
4,4
Kap
5Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht,
4,5
Kap
dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.

6Wie ja auch David den Menschen seligpreist, dem Gott zurechnet die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke (Ps 32,1-2): 7»Selig sind die, denen die Ungerechtigkeiten vergeben und denen die Sünden bedeckt sind! 8Selig ist der Mann, dem der Herr die Sünde nicht zurechnet!«

9Diese Seligpreisung nun, gilt sie den Beschnittenen oder auch den Unbeschnittenen? Wir sagen doch: »Abraham ist sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet worden.« 10Wie ist er ihm denn zugerechnet worden? Als er beschnitten oder als er unbeschnitten war? Ohne Zweifel: nicht als er beschnitten, sondern als er unbeschnitten war. 11Das Zeichen der Beschneidung aber empfing er

4,11
1. Mose 17,10-11
als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, als er noch nicht beschnitten war. So sollte er ein Vater werden aller, die glauben, ohne beschnitten zu sein, damit auch ihnen der Glaube gerechnet werde zur Gerechtigkeit; 12und ebenso ein Vater der Beschnittenen, wenn sie nicht nur beschnitten sind, sondern auch gehen in den Fußtapfen des Glaubens, den
4,12
Mt 3,9
unser Vater Abraham hatte, als er noch nicht beschnitten war.

13Denn die Verheißung, dass er der Erbe der Welt sein solle, ist Abraham oder seinen Nachkommen nicht zuteilgeworden durchs Gesetz, sondern durch die Gerechtigkeit des Glaubens.

4,13
1. Mose 22,17-18
14Denn wenn die vom Gesetz Erben sind, dann ist der Glaube nichts und die Verheißung ist dahin. 15Denn das Gesetz richtet nur Zorn an;
4,15
Kap
wo aber das Gesetz nicht ist, da ist auch keine Übertretung. 16Deshalb muss die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, damit sie aus Gnaden sei und die Verheißung festbleibe für alle Nachkommen, nicht allein für die, die unter dem Gesetz sind, sondern auch für die, die wie Abraham aus dem Glauben leben.

Der ist unser aller Vater 17– wie geschrieben steht (1. Mose 17,5): »Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Völker« – vor Gott, dem er geglaubt hat, der

4,17
2. Kor 1,9
Hebr 11,19
die Toten lebendig macht und ruft das, was nicht ist, dass es sei. 18Er hat geglaubt auf Hoffnung, wo nichts zu hoffen war, dass er der Vater vieler Völker werde, wie zu ihm gesagt ist (1. Mose 15,5): »So zahlreich sollen deine Nachkommen sein.« 19Und er wurde nicht schwach im Glauben, als er auf seinen eigenen Leib sah, der schon erstorben war, weil er fast hundertjährig war, und auf den erstorbenen Leib der Sara.
4,19
1. Mose 17,17
20Denn er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre 21und wusste aufs Allergewisseste:
4,21
Hebr 11,11
Was Gott verheißt, das kann er auch tun. 22Darum ist es ihm auch »zur Gerechtigkeit gerechnet worden« (1. Mose 15,6). 23Dass es ihm zugerechnet worden ist, ist aber nicht allein um seinetwillen geschrieben, 24sondern auch um unsertwillen, denen es zugerechnet werden soll, wenn wir glauben an den, der unsern Herrn Jesus auferweckt hat von den Toten, 25
4,25
Kap
welcher ist um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt.

5

Frieden mit Gott

51Da wir nun

5,1
Kap
gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir
5,1
Jes 53,5
Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; 2durch ihn haben wir auch
5,2
Joh 14,6
Eph 3,12
den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird. 3Nicht allein aber das, sondern
5,3
Jak 1,2-3
wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, 4Geduld aber
5,4
Jak 1,12
Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, 5
5,5
Ps 22,6
25,320
Hebr 6,18-19
Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

6Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. 7Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. 8Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

5,8
Joh 3,16
1. Joh 4,10
9Um wie viel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem
5,9
Kap
Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind! 10Denn wenn wir
5,10
2. Kor 5,18
mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch
5,10
Kap
Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind. 11Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.

Adam und Christus

12Deshalb, wie durch einen Menschen

5,12
1. Mose 3,19
die Sünde in die Welt gekommen ist und
5,12
Kap
der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben. 13Denn die Sünde war wohl in der Welt, ehe das Gesetz kam; aber
5,13
Kap
wo kein Gesetz ist, da wird Sünde nicht angerechnet. 14Dennoch herrschte der Tod von Adam an bis Mose auch über die, die nicht gesündigt hatten durch die gleiche Übertretung wie Adam, welcher ist ein Bild dessen, der kommen sollte.

15Aber nicht verhält sich’s mit der Gabe wie mit der Sünde. Denn wenn durch die Sünde des Einen die Vielen gestorben sind, um wie viel mehr ist Gottes Gnade und Gabe den Vielen überreich zuteilgeworden durch die Gnade des einen Menschen Jesus Christus. 16Und nicht verhält es sich mit der Gabe wie mit dem, was durch den einen Sünder geschehen ist. Denn das Urteil hat von dem Einen her zur Verdammnis geführt, die Gnade aber hilft aus vielen Sünden zur Gerechtigkeit. 17Denn wenn wegen der Sünde des Einen der Tod geherrscht hat durch den Einen, um wie viel mehr werden die, welche die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben durch den Einen, Jesus Christus.

18Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt.

5,18
1. Kor 15,21-22
19Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern geworden sind, so
5,19
Kap
werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten.

20

5,20
Kap
Das Gesetz aber ist dazwischen hineingekommen, damit die Sünde mächtiger würde. Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade noch viel mächtiger geworden, 21damit, wie die Sünde geherrscht hat zum Tode,
5,21
Kap
so auch die Gnade herrsche durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unsern Herrn.