Lutherbibel 1984 (LU84)
2

Der Maßstab des göttlichen Gerichts

21Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest. Denn

2,1
Mt 7,2
Joh 8,7
Jak 4,12
worin du den andern richtest, verdammst du dich selbst, weil du ebendasselbe tust, was du richtest. 2Wir wissen aber, dass Gottes Urteil recht ist über die, die solches tun. 3Denkst du aber, o Mensch, der du die richtest, die solches tun, und tust auch dasselbe, dass du dem Urteil Gottes entrinnen wirst? 4Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte,
2,4
2. Petr 3,915
Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

5Du aber mit deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufst dir selbst Zorn an auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, 6

2,6
Jer 32,19
Mt 16,27
2. Kor 5,10
der einem jeden geben wird nach seinen Werken: 7ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben; 8Ungnade und Zorn aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit;
2,8
2. Thess 1,8
9Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die Böses tun, zuerst der Juden und ebenso der Griechen; 10Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden allen denen, die Gutes tun, zuerst den Juden und ebenso den Griechen.

11Denn

2,11
2. Chr 19,7
Apg 10,34
Kol 3,25
1. Petr 1,17
es ist kein Ansehen der Person vor Gott. 12Alle, die ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verloren gehen; und alle, die unter dem Gesetz gesündigt haben, werden durchs Gesetz verurteilt werden. 13Denn vor Gott sind nicht gerecht, die das Gesetz hören, sondern
2,13
5. Mose 6,25
Mt 7,21
Jak 1,22
die das Gesetz tun, werden gerecht sein. 14Denn wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch
2,14
Apg 10,35
von Natur tun, was das Gesetz fordert, so sind sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. 15Sie beweisen damit, dass in ihr Herz geschrieben ist, was das Gesetz fordert, zumal ihr Gewissen es ihnen bezeugt, dazu auch die Gedanken, die einander anklagen oder auch entschuldigen –
2,15
Kap
16an dem Tag,
2,16
Lk 8,17
an dem Gott das Verborgene der Menschen durch Christus Jesus richten wird, wie es mein Evangelium bezeugt.

Die Anklage gegen die Juden

17Wenn du dich aber Jude nennst und verlässt dich aufs Gesetz und rühmst dich Gottes 18und kennst seinen Willen und prüfst, weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist, was das Beste zu tun sei, 19und maßt dir an, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in Finsternis sind,

2,19
Mt 15,14
20ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen, weil du im Gesetz die Richtschnur der Erkenntnis und Wahrheit hast –: 21Du lehrst nun andere und lehrst dich selber nicht? Du predigst, man solle nicht stehlen, und du stiehlst?
2,21
Ps 50,16-21
Mt 23,3-4
22Du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe? Du verabscheust die Götzen und beraubst ihre Tempel? 23Du rühmst dich des Gesetzes und schändest Gott durch Übertretung des Gesetzes? 24Denn »euretwegen wird Gottes Name gelästert unter den Heiden«, wie geschrieben steht (Jes 52,5).

25Die Beschneidung nützt etwas, wenn du das Gesetz hältst; hältst du aber das Gesetz nicht, so bist du aus einem Beschnittenen schon ein Unbeschnittener geworden. 26Wenn nun der Unbeschnittene hält, was nach dem Gesetz recht ist, meinst du nicht,

2,26
Gal 5,6
dass dann der Unbeschnittene vor Gott als Beschnittener gilt? 27Und so wird der, der von Natur unbeschnitten ist und das Gesetz erfüllt, dir ein Richter sein, der du unter dem Buchstaben und der Beschneidung stehst und das Gesetz übertrittst. 28
2,28-29
Jer 4,4
Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; 29sondern der ist ein Jude, der es inwendig verborgen ist, und
2,29
5. Mose 30,6
Phil 3,3
Kol 2,11
das ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Das Lob eines solchen ist nicht von Menschen, sondern von Gott.

3

Gottes unwandelbare Treue

31Was haben dann die Juden für einen Vorzug oder was nützt die Beschneidung? 2Viel in jeder Weise! Zum Ersten: ihnen ist anvertraut, was Gott geredet hat.

3,2
Kap
3Dass aber einige nicht treu waren, was liegt daran?
3,3
Kap
Sollte ihre Untreue Gottes Treue aufheben? 4Das sei ferne! Es bleibe vielmehr so: Gott ist wahrhaftig und
3,4
Ps 116,11
alle Menschen sind Lügner; wie geschrieben steht (Ps 51,6): »Damit du recht behältst in deinen Worten und siegst, wenn man mit dir rechtet.«

5Ist’s aber so, dass unsre Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit ins Licht stellt, was sollen wir sagen? Ist Gott dann nicht ungerecht, wenn er zürnt? – Ich rede nach Menschenweise. – 6Das sei ferne! Wie könnte sonst Gott die Welt richten? 7Wenn aber die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wird zu seiner Ehre, warum sollte ich dann noch als ein Sünder gerichtet werden? 8Ist es etwa so, wie wir verlästert werden und einige behaupten, dass wir sagen:

3,8
Kap
Lasst uns Böses tun, damit Gutes daraus komme? Deren Verdammnis ist gerecht.

Die Schuld aller vor Gott

9Was sagen wir denn nun? Haben wir Juden einen Vorzug? Gar keinen. Denn

3,9
Kap
wir haben soeben bewiesen, dass alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind, 10wie geschrieben steht:
3,10
Hiob 4,17
»Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. 11Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. 12Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer (Ps 14,1-3). 13Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie (Ps 5,10), Otterngift ist unter ihren Lippen (Ps 140,4); 14ihr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit (Ps 10,7). 15Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen; 16auf ihren Wegen ist lauter Schaden und Jammer, 17und
3,17
Lk 1,79
den Weg des Friedens kennen sie nicht (Jes 59,7-8). 18Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen (Ps 36,2)

19Wir wissen aber: was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, damit allen der Mund gestopft werde und

3,19
Kap
alle Welt vor Gott schuldig sei, 20weil
3,20
Ps 143,2
Gal 2,16
kein Mensch durch die Werke des Gesetzes vor ihm gerecht sein kann. Denn
3,20
Kap
durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.

Die Rechtfertigung allein durch Glauben

21Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.

3,21
Kap
22Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott,
3,22
Phil 3,9
die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: 23
3,23
1. Mose 8,21
sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten,3,23 Wörtlich: »Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit verloren, die Gott ihnen zugedacht hatte.« 24und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.
3,24
Kap

25Den hat Gott für den Glauben hingestellt als

3,25
Mt 26,28
Kol 1,20
Hebr 9,26-28
Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher 26begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.

27Wo bleibt nun

3,27
1. Kor 1,2931
das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. 28So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.
3,28
Gal 2,16
29Oder ist Gott allein der Gott der Juden? Ist er nicht auch der Gott der Heiden? Ja gewiss, auch der Heiden.
3,29
Kap
30Denn es ist der eine Gott,
3,30
Kap
der gerecht macht die Juden aus dem Glauben und die Heiden durch den Glauben. 31Wie? Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern
3,31
Mt 5,17
wir richten das Gesetz auf.

4

Abraham der Vater des Glaubens

41Was sagen wir denn von Abraham, unserm leiblichen Stammvater? Was hat er erlangt? 2Das sagen wir: Ist Abraham durch Werke gerecht, so kann er sich wohl rühmen, aber nicht vor Gott. 3Denn was sagt die Schrift?

4,3
Gal 3,6
»Abraham hat Gott geglaubt und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden.« (1. Mose 15,6) 4Dem aber, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnade zugerechnet, sondern aus Pflicht.
4,4
Kap
5Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht,
4,5
Kap
dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.

6Wie ja auch David den Menschen seligpreist, dem Gott zurechnet die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke (Ps 32,1-2): 7»Selig sind die, denen die Ungerechtigkeiten vergeben und denen die Sünden bedeckt sind! 8Selig ist der Mann, dem der Herr die Sünde nicht zurechnet!«

9Diese Seligpreisung nun, gilt sie den Beschnittenen oder auch den Unbeschnittenen? Wir sagen doch: »Abraham ist sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet worden.« 10Wie ist er ihm denn zugerechnet worden? Als er beschnitten oder als er unbeschnitten war? Ohne Zweifel: nicht als er beschnitten, sondern als er unbeschnitten war. 11Das Zeichen der Beschneidung aber empfing er

4,11
1. Mose 17,10-11
als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, als er noch nicht beschnitten war. So sollte er ein Vater werden aller, die glauben, ohne beschnitten zu sein, damit auch ihnen der Glaube gerechnet werde zur Gerechtigkeit; 12und ebenso ein Vater der Beschnittenen, wenn sie nicht nur beschnitten sind, sondern auch gehen in den Fußtapfen des Glaubens, den
4,12
Mt 3,9
unser Vater Abraham hatte, als er noch nicht beschnitten war.

13Denn die Verheißung, dass er der Erbe der Welt sein solle, ist Abraham oder seinen Nachkommen nicht zuteilgeworden durchs Gesetz, sondern durch die Gerechtigkeit des Glaubens.

4,13
1. Mose 22,17-18
14Denn wenn die vom Gesetz Erben sind, dann ist der Glaube nichts und die Verheißung ist dahin. 15Denn das Gesetz richtet nur Zorn an;
4,15
Kap
wo aber das Gesetz nicht ist, da ist auch keine Übertretung. 16Deshalb muss die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, damit sie aus Gnaden sei und die Verheißung festbleibe für alle Nachkommen, nicht allein für die, die unter dem Gesetz sind, sondern auch für die, die wie Abraham aus dem Glauben leben.

Der ist unser aller Vater 17– wie geschrieben steht (1. Mose 17,5): »Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Völker« – vor Gott, dem er geglaubt hat, der

4,17
2. Kor 1,9
Hebr 11,19
die Toten lebendig macht und ruft das, was nicht ist, dass es sei. 18Er hat geglaubt auf Hoffnung, wo nichts zu hoffen war, dass er der Vater vieler Völker werde, wie zu ihm gesagt ist (1. Mose 15,5): »So zahlreich sollen deine Nachkommen sein.« 19Und er wurde nicht schwach im Glauben, als er auf seinen eigenen Leib sah, der schon erstorben war, weil er fast hundertjährig war, und auf den erstorbenen Leib der Sara.
4,19
1. Mose 17,17
20Denn er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre 21und wusste aufs Allergewisseste:
4,21
Hebr 11,11
Was Gott verheißt, das kann er auch tun. 22Darum ist es ihm auch »zur Gerechtigkeit gerechnet worden« (1. Mose 15,6). 23Dass es ihm zugerechnet worden ist, ist aber nicht allein um seinetwillen geschrieben, 24sondern auch um unsertwillen, denen es zugerechnet werden soll, wenn wir glauben an den, der unsern Herrn Jesus auferweckt hat von den Toten, 25
4,25
Kap
welcher ist um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt.