Lutherbibel 1984 (LU84)
10

101Liebe Brüder, meines Herzens Wunsch ist und ich flehe auch zu Gott für sie, dass sie gerettet werden. 2Denn ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer für Gott haben, aber ohne Einsicht. 3Denn sie erkennen die

10,3
Kap
Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und suchen ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten und sind so der Gerechtigkeit Gottes nicht untertan. 4Denn
10,4
Mt 5,17
Hebr 8,13
Christus ist des Gesetzes Ende;
10,4
Joh 3,18
Gal 3,24-25
wer an den glaubt, der ist gerecht.

5Mose nämlich schreibt von der Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt (3. Mose 18,5): »Der Mensch, der das tut, wird dadurch leben.« 6Aber die Gerechtigkeit aus dem Glauben spricht so (5. Mose 30,11-14): »Sprich nicht in deinem Herzen: Wer will hinauf gen Himmel fahren?« – nämlich um Christus herabzuholen –, 7oder: »Wer will hinab in die Tiefe fahren?« – nämlich um Christus von den Toten heraufzuholen –, 8sondern was sagt sie? »Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen.« Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen.

9Denn wenn du mit deinem Munde

10,9
Mt 10,32
2. Kor 4,5
bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. 10Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet. 11Denn die Schrift spricht (Jes 28,16): »Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.« 12Es ist hier
10,12
Apg 10,34-35
15,9
kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. 13Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden« (Joel 3,5).

Israel hat keine Entschuldigung

14Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? 15Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jes 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!« 16Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jes 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen?« 17So

10,17
Joh 17,20
kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

18Ich frage aber: Haben sie es nicht gehört? Doch,

10,18
Kap
es ist ja »in alle Lande ausgegangen ihr Schall und ihr Wort bis an die Enden der Welt« (Ps 19,5). 19Ich frage aber: Hat es Israel nicht verstanden? Als Erster spricht Mose (5. Mose 32,21): »Ich will euch eifersüchtig machen auf ein Nicht-Volk; und über ein unverständiges Volk will ich euch zornig machen.« 20Jesaja aber wagt zu sagen (Jes 65,1): »Ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten, und erschien denen, die nicht nach mir fragten.«
10,20
Kap
21Zu Israel aber spricht er (Jes 65,2): »Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt nach dem Volk, das sich nichts sagen lässt und widerspricht.«

11

Nicht ganz Israel ist verstockt

111So frage ich nun:

11,1
Ps 94,14
Jer 31,37
Hat denn Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn
11,1
Phil 3,5
ich bin auch ein Israelit, vom Geschlecht Abrahams, aus dem Stamm Benjamin. 2Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift sagt von Elia, wie er vor Gott tritt gegen Israel und spricht (1. Kön 19,10): 3»Herr, sie haben deine Propheten getötet und haben deine Altäre zerbrochen, und ich bin allein übrig geblieben und sie trachten mir nach dem Leben«? 4Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? (1. Kön 19,18): »Ich habe mir übrig gelassen siebentausend Mann, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor dem Baal.« 5So geht es auch jetzt zu dieser Zeit, dass
11,5
Kap
einige übrig geblieben sind nach der Wahl der Gnade. 6Ist’s aber aus Gnade, so ist’s nicht aus Verdienst der Werke; sonst wäre Gnade nicht Gnade.

7Wie nun?

11,7
Kap
Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; die Auserwählten aber haben es erlangt. Die andern sind verstockt, 8wie geschrieben steht (Jes 29,10): »Gott hat ihnen einen Geist der Betäubung gegeben,
11,8
5. Mose 29,3
Augen, dass sie nicht sehen, und Ohren, dass sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag.« 9Und David spricht (Ps 69,23-24): »Lass ihren Tisch zur Falle werden und zu einer Schlinge und ihnen zum Anstoß und zur Vergeltung. 10Ihre Augen sollen finster werden, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken beuge allezeit.«

Die Berufung der Heiden als Hoffnung für Israel

11So frage ich nun: Sind sie gestrauchelt, damit sie fallen? Das sei ferne! Sondern

11,11
Apg 13,46
durch ihren Fall ist den Heiden das Heil widerfahren, damit Israel ihnen
11,11
Kap
nacheifern sollte. 12Wenn aber schon ihr Fall Reichtum für die Welt ist und ihr Schade Reichtum für die Heiden, wie viel mehr wird es Reichtum sein, wenn ihre Zahl voll wird.

13Euch Heiden aber sage ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, preise ich mein Amt, 14ob ich vielleicht meine Stammverwandten zum Nacheifern reizen und einige von ihnen retten könnte.

11,14
1. Kor 9,20-22
1. Tim 4,16
15Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten! 16Ist die
11,16
4. Mose 15,20
Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist auch der ganze Teig heilig; und wenn die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig.

Warnung an die Heidenchristen vor Überheblichkeit

17Wenn aber nun einige von den Zweigen ausgebrochen wurden und du, der du

11,17
Eph 2,11-14
ein wilder Ölzweig warst, in den Ölbaum eingepfropft worden bist und teilbekommen hast an der Wurzel und dem Saft des Ölbaums, 18so rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen, dass
11,18
Joh 4,22
nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich.

19Nun sprichst du: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde. 20Ganz recht! Sie wurden ausgebrochen um ihres Unglaubens willen; du aber stehst fest durch den Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich!

11,20
1. Kor 10,12
21Hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, wird er dich doch wohl auch nicht verschonen. 22Darum sieh die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst gegenüber denen, die gefallen sind, die Güte Gottes aber dir gegenüber,
11,22
Joh 15,24
Hebr 3,14
sofern du bei seiner Güte bleibst; sonst wirst du auch abgehauen werden. 23Jene aber, sofern sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott kann sie wieder einpfropfen. 24Denn wenn du aus dem Ölbaum, der von Natur wild war, abgehauen und wider die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wie viel mehr werden die natürlichen Zweige wieder eingepfropft werden in ihren eigenen Ölbaum.

Israels endliche Errettung

25Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange

11,25
Joh 10,16
bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; 26
11,26
Mt 23,39
und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jes 59,20; Jer 31,33):
11,26
Ps 14,7
»Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. 27Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.«

28Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. 29Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.

11,29
4. Mose 23,19
30Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams,11,30 Luther übersetzte in den Versen 30-32 »ungehorsam sein« bzw. »Ungehorsam« mit »nicht glauben« bzw. »Unglaube«. 31so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. 32Denn
11,32
Gal 3,22
Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich
11,32
1. Tim 2,4
aller erbarme.

Lobpreis der Wunderwege Gottes

33O

11,33
Jes 45,15
welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
11,33
Jes 55,8-9
Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! 34Denn
11,34
1. Kor 2,16
»wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder
11,34
Jer 23,18
wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13) 35Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm vergelten müsste«? (Hiob 41,3) 36Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

12

Das Leben als Gottesdienst

121Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr

12,1
Kap
eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. 2Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch
12,2
Eph 4,23
durch Erneuerung eures Sinnes,
12,2
Eph 5,1017
damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Die Gnadengaben im Dienst der Gemeinde

3Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand

12,3
Mt 20,26
1. Kor 4,6
mehr von sich halte, als sich’s gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder,
12,3
1. Kor 12,11
Eph 4,7
wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat.

4Denn

12,4
1. Kor 12,12
wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, 5so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied,
12,5
1. Kor 12,27
Eph 4,425
6und
12,6
1. Kor 4,7
12,4
1. Petr 4,10
haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Ist jemand prophetische Rede gegeben, so übe er sie dem Glauben gemäß. 7Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er.
12,7
1. Petr 4,11
8Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er.
12,8
Mt 6,3
Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit,
12,8
2. Kor 8,2
9,7
so tue er’s gern.

Das Leben der Gemeinde

9Die

12,9
1. Tim 1,5
Liebe sei ohne Falsch.
12,9
Am 5,15
Hasst das Böse, hängt dem Guten an. 10
12,10
Joh 13,4-15
Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich.
12,10
Phil 2,3
Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. 11
12,11
Offb 3,15
Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt.
12,11
Apg 18,25
Seid brennend im Geist.
12,11
Kol 3,23
Dient dem Herrn. 12Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. 13Nehmt euch der Nöte der Heiligen an.
12,13
3. Joh 5-8
Hebr 13,2
Übt Gastfreundschaft.

14Segnet, die euch verfolgen;

12,14
Mt 5,44
Apg 7,59
1. Kor 4,12
segnet, und flucht nicht. 15Freut euch mit den Fröhlichen und
12,15
Ps 35,13-14
2. Kor 11,29
weint mit den Weinenden. 16Seid
12,16
Kap
eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen.
12,16
Jes 5,21
Haltet euch nicht selbst für klug.

17

12,17
Spr 20,22
1. Thess 5,15
Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.
12,17
2. Kor 8,21
Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so
12,18
Mk 9,50
Hebr 12,14
habt mit allen Menschen Frieden. 19
12,19-21
3. Mose 19,18
Mt 5,38-44
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« 20Vielmehr,
12,20
2. Kön 6,22
»wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Spr 25,21-22). 21Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.