Lutherbibel 1984 (LU84)
28

281

28,1
Jes 57,21
Der Gottlose flieht, auch wenn niemand ihn jagt; der Gerechte aber ist furchtlos wie ein junger Löwe.

2Um des Landes Sünde willen wechseln häufig seine Herren; aber durch einen verständigen und vernünftigen Mann gewinnt das Recht Bestand.

3Ein gottloser Mann, der die Geringen bedrückt, ist wie ein Platzregen, der die Frucht verdirbt.

4Wer die Weisung verlässt, rühmt den Gottlosen; wer sie aber bewahrt, der bekämpft ihn.

5Böse Leute verstehen nichts vom Recht; die aber nach dem HERRN fragen, verstehen alles.

6Besser ein Armer, der in seiner Unsträflichkeit wandelt, als ein Reicher, der auf verkehrten Wegen geht.

28,6
Kap

7Wer die Lehre bewahrt, ist ein verständiger Sohn; wer aber der Schlemmer Geselle ist, macht seinem Vater Schande.

8Wer sein Gut mehrt mit Zinsen und Aufschlag, der sammelt es für den, der sich der Armen erbarmt.

28,8
Kap

9Wer sein Ohr abwendet, um die Weisung nicht zu hören,

28,9
Kap
dessen Gebet ist ein Gräuel.

10Wer die Frommen verführt auf einen bösen Weg, wird selbst in seine Grube fallen; aber die Frommen werden Gutes ererben.

11Ein Reicher meint weise zu sein, aber ein verständiger Armer durchschaut ihn.

12Wenn die Gerechten Oberhand haben, so ist herrliche Zeit;

28,12
Kap
wenn aber die Gottlosen hochkommen, verbergen sich die Leute.

13Wer seine Sünde leugnet, dem wird’s nicht gelingen;

28,13
Ps 32,3-5
1. Joh 1,8-9
wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.

14Wohl dem, der Gott allewege fürchtet! Wer aber sein Herz verhärtet, wird in Unglück fallen.

15Ein Gottloser, der über ein armes Volk regiert, ist wie ein brüllender Löwe und ein gieriger Bär.

16Wenn ein Fürst ohne Verstand ist, so geschieht viel Unrecht; wer aber unrechten Gewinn hasst, wird lange leben.

17Wer schuldig ist am Blut eines Menschen, der wird flüchtig sein bis zum Grabe, und niemand helfe ihm!

28,17
1. Mose 4,14

18Wer ohne Tadel einhergeht, dem wird geholfen; wer aber verkehrte Wege geht, wird in eine Grube fallen.

19Wer seinen Acker bebaut, wird Brot genug haben; wer aber nichtigen Dingen nachgeht, wird Armut genug haben.

20Ein treuer Mann wird von vielen gesegnet;

28,20
Kap
wer aber eilt, reich zu werden, wird nicht ohne Schuld bleiben.

21Die

28,21
Kap
Person ansehen ist nicht gut; aber mancher vergeht sich schon um ein Stück Brot.

22Wer habgierig ist,

28,22
Kap
jagt nach Reichtum und weiß nicht, dass Mangel über ihn kommen wird.

23Wer einen Menschen zurechtweist, wird zuletzt Dank haben, mehr als der da freundlich tut.

24Wer

28,24
Mt 15,5
seinem Vater oder seiner Mutter etwas nimmt und spricht, es sei nicht Sünde, der ist des Verderbers Geselle.

25Ein Habgieriger erweckt Zank; wer sich aber auf den HERRN verlässt, wird gelabt.

26Wer

28,26
Kap
sich auf seinen Verstand verlässt, ist ein Tor; wer aber in der Weisheit wandelt, wird entrinnen.

27Wer dem Armen gibt, dem wird nichts mangeln; wer aber seine Augen abwendet, der wird von vielen verflucht.

28Wenn die Gottlosen hochkommen, so verbergen sich die Leute; wenn sie aber umkommen, werden der Gerechten viel.

29

291Wer

29,1
Kap
gegen alle Warnung halsstarrig ist, der wird plötzlich verderben ohne alle Hilfe.

2Wenn

29,2
Kap
der Gerechten viel sind, freut sich das Volk; wenn aber der Gottlose herrscht, seufzt das Volk.

3Wer Weisheit liebt, erfreut seinen Vater;

29,3
Lk 15,1330
wer aber mit Huren umgeht, kommt um sein Gut.

4Ein König richtet das Land auf durchs Recht; wer aber viel Steuern erhebt, richtet es zugrunde.

5Wer seinem Nächsten schmeichelt, der spannt ihm ein Netz über den Weg.

6Wenn ein Böser sündigt, verstrickt er sich selbst; aber ein Gerechter geht seinen Weg und ist fröhlich.

7Der Gerechte weiß um die Sache der Armen; der Gottlose aber weiß gar nichts.

8Die Spötter bringen leichtfertig eine Stadt in Aufruhr; aber die Weisen stillen den Zorn.

9Wenn ein Weiser mit einem Toren rechtet, so tobt der oder lacht, aber es gibt keine Ruhe.

10Die Blutgierigen hassen den Frommen; aber die Gerechten nehmen sich seiner an.

11

29,11
Kap
Ein Tor schüttet all seinen Unmut aus, aber
29,11
Kap
ein Weiser beschwichtigt ihn zuletzt.

12Ein Herrscher, der auf Lügen hört, hat nur gottlose Diener.

13

29,13
Kap
Der Arme und sein Peiniger begegnen einander; der beiden
29,13
Hiob 33,30
Ps 13,4
das Augenlicht gab, ist der HERR.

14Ein König, der die Armen treulich richtet, dessen Thron wird für immer bestehen.

29,14
Kap

15Rute und Tadel gibt Weisheit; aber ein Knabe, sich selbst überlassen, macht seiner Mutter Schande.

29,15
Kap

16Wo viele Gottlose sind, da ist viel Sünde; aber

29,16
Ps 37,35-36
die Gerechten werden ihren Fall erleben.

17

29,17
Kap
Züchtige deinen Sohn, so wird er dir Freude machen und deine Seele erquicken.

18Wo keine Offenbarung ist, wird das Volk wild und wüst; aber wohl dem, der auf die Weisung achtet!

19Ein Knecht lässt sich mit Worten nicht in Zucht halten; denn wenn er sie auch versteht, so nimmt er sie doch nicht an.

20Siehst du einen, der

29,20
Pred 5,1-2
Jak 1,19
schnell ist zu reden, da ist für einen Toren mehr Hoffnung als für ihn.

21Wenn ein Knecht von Jugend auf verwöhnt wird, so wird er am Ende widerspenstig sein.

22Ein

29,22
Kap
zorniger Mann richtet Streit an, und ein Grimmiger tut viel Sünde.

23

29,23
Mt 23,12
Die Hoffart des Menschen wird ihn stürzen; aber
29,23
1. Petr 5,5
der Demütige wird Ehre empfangen.

24Wer mit Dieben gemeinsame Sache macht, hasst sein Leben;

29,24
3. Mose 5,1
den Fluch hört er aussprechen und zeigt’s nicht an.

25Menschenfurcht bringt zu Fall; wer sich aber auf den HERRN verlässt, wird beschützt.

29,25
Mt 10,28

26Viele suchen das Angesicht eines Fürsten; aber eines jeglichen Recht kommt vom HERRN.

27Ein ungerechter Mensch ist dem Gerechten ein Gräuel; und wer recht wandelt, ist dem Gottlosen ein Gräuel.

30

Die Sprüche Agurs

301Dies sind die Worte Agurs, des Sohnes des Jake, aus

30,1
1. Mose 25,1214
Massa. Es spricht der Mann: Ich habe mich gemüht, o Gott, ich habe mich gemüht, o Gott, und muss davon lassen. 2Denn ich bin der Allertörichtste, und Menschenverstand habe ich nicht. 3Weisheit hab ich nicht gelernt, und Erkenntnis des Heiligen habe ich nicht. 4Wer ist hinaufgefahren zum Himmel und wieder herab? Wer hat den Wind in seine Hände gefasst? Wer hat die Wasser in ein Kleid gebunden? Wer hat alle Enden der Welt bestimmt? Wie heißt er? Und wie heißt sein Sohn? Weißt du das?
30,4
Hiob 38,28-34

5Alle

30,5
Ps 12,7
Worte Gottes sind durchläutert; er ist ein Schild denen, die auf ihn trauen. 6
30,6
5. Mose 4,2
Tu nichts zu seinen Worten hinzu, dass er dich nicht zur Rechenschaft ziehe und du als Lügner dastehst.

7Zweierlei bitte ich von dir, das wollest du mir nicht verweigern, ehe denn ich sterbe: 8Falschheit und Lüge lass ferne von mir sein; Armut und Reichtum gib mir nicht;

30,8
1. Tim 6,6-8
lass mich aber mein Teil Speise dahinnehmen, das du mir beschieden hast. 9Ich könnte sonst, wenn ich zu satt würde, verleugnen und sagen:
30,9
2. Mose 5,2
Wer ist der HERR? Oder wenn ich zu arm würde, könnte ich stehlen und mich an dem Namen meines Gottes vergreifen.

10Verleumde nicht den Knecht bei seinem Herrn, dass er dir nicht fluche und du es büßen musst.

11Es gibt eine Art, die ihrem Vater flucht und ihre Mutter nicht segnet; 12eine Art, die

30,12
Kap
sich rein dünkt und ist doch von ihrem Schmutz nicht gewaschen; 13eine Art, die ihre Augen hoch trägt und ihre Augenlider emporhebt; 14eine Art, die Schwerter als Zähne hat und Messer als Backenzähne und verzehrt die Elenden im Lande und die Armen unter den Leuten.

15Der Blutegel hat zwei Töchter, die heißen: »Gib her, gib her!«

Drei sind nicht zu sättigen, und vier sagen nie: »Es ist genug«: 16das Totenreich und der Frauen verschlossner Schoß, die Erde, die nicht des Wassers satt wird, und das Feuer, das nie spricht: »Es ist genug!«

17Ein Auge, das den Vater verspottet, und verachtet, der Mutter zu gehorchen, das müssen die Raben am Bach aushacken und die jungen Adler fressen.

30,17
Kap

18Drei sind mir zu wundersam, und vier verstehe ich nicht: 19des Adlers Weg am Himmel, der Schlange Weg auf dem Felsen, des Schiffes Weg mitten im Meer und des Mannes Weg beim Weibe.

20So ist der Weg der Ehebrecherin: sie verschlingt und wischt sich den Mund und spricht: Ich habe nichts Böses getan.

21Ein Land wird durch dreierlei unruhig, und viererlei kann es nicht ertragen: 22einen Knecht, wenn er König wird; einen Toren, wenn er zu satt ist;

30,22
Pred 10,6-7
23eine
30,23
5. Mose 24,1-4
Verschmähte, wenn sie geehelicht wird, und eine Magd, wenn sie ihre Herrin beerbt.

24Vier sind die Kleinsten auf Erden und doch klüger als die Weisen: 25die Ameisen – ein schwaches Volk, dennoch schaffen sie im Sommer ihre Speise;

30,25
Kap
26die Klippdachse – ein schwaches Volk, dennoch bauen sie ihr Haus in den Felsen; 27die Heuschrecken – sie haben keinen König, dennoch ziehen sie aus in Ordnung; 28die Eidechse – man greift sie mit den Händen, und sie ist doch in der Könige Schlössern.

29Drei haben einen stattlichen Gang, und vier gehen stolz einher: 30der Löwe, mächtig unter den Tieren und kehrt um vor niemandem; 31der stolze Hahn, der Widder und der König, wenn er einhergeht vor seinem Heerbann.

32Ob du töricht gehandelt und dich überhoben hast oder ob du recht überlegt hast: lege die Hand auf den Mund! 33Denn wenn man Milch stößt, so wird Butter daraus, und wer die Nase hart schneuzt, zwingt Blut heraus, und wer den Zorn reizt, ruft Streit hervor.