Lutherbibel 1984 (LU84)
2

Weheruf über die Machthaber, die das Volk berauben

21Weh denen, die

2,1
Ps 36,5
Schaden zu tun trachten und gehen mit bösen Gedanken um auf ihrem Lager, dass sie es frühe, wenn’s licht wird, vollbringen, weil sie die Macht haben! 2Sie
2,2
5. Mose 5,21
Spr 24,15
Jes 5,8
reißen Äcker an sich und nehmen Häuser, wie sie’s gelüstet. So treiben sie Gewalt mit eines jeden Hause und mit eines jeden Erbe.

3Darum spricht der HERR: Siehe, ich ersinne wider dies Geschlecht Böses, aus dem ihr euren Hals nicht ziehen und unter dem ihr nicht so stolz dahergehen sollt; denn

2,3
Am 5,13
es soll eine böse Zeit sein. 4Zur selben Zeit wird man einen Spruch von euch machen und klagen: Es ist aus – so wird man sagen –, wir sind vernichtet! Meines Volkes Land kriegt einen fremden Herrn! Wann wird er uns die Äcker wieder zuteilen, die er uns genommen hat? 5Jawohl, ihr werdet keinen Anteil behalten in der Gemeinde des HERRN.

6»Geifert nicht!«, so geifern sie.

2,6
Am 7,16
»Solches soll man nicht predigen! Wir werden nicht so zuschanden werden! 7Ist denn das Haus Jakob verflucht? Meinst du,
2,7
Am 6,3
der HERR sei schnell zum Zorn? Sollte er solches tun wollen?« Es ist wahr, meine Reden sind freundlich den Frommen.

8Aber ihr steht wider mein Volk wie ein Feind; denn wie Leute, die aus dem Kriege kommen, raubt ihr Rock und Mantel denen, die sicher dahergehen. 9Ihr treibt die Frauen meines Volks aus ihren lieben Häusern und nehmt von ihren Kindern meinen Schmuck auf immer. 10Darum macht euch auf! Ihr müsst davon, ihr sollt an dieser Stätte nicht bleiben! Um der Unreinheit willen muss sie unsanft zerstört werden.

11Wenn ich ein Irrgeist wäre und ein Lügenprediger und predigte, wie sie saufen und schwelgen sollen – das wäre ein Prediger für dies Volk!

Verheißung des künftigen Heils

12»Ich

2,12
Jer 31,10
will dich, Jakob, sammeln ganz und gar und, was übrig ist von Israel, zusammenbringen. Ich will sie wie Schafe miteinander in einen festen Stall tun und
2,12
Hes 36,37
wie eine Herde in ihre Hürden, dass es von Menschen dröhnen soll.« 13Er wird als ein Durchbrecher2,13 Gemeint ist im Gleichnis das Leittier der Herde. vor ihnen heraufziehen; sie werden durchbrechen und durchs Tor hinausziehen, und ihr König wird vor ihnen hergehen und
2,13
Jes 52,12
der HERR an ihrer Spitze.

3

Gegen die führenden Männer in Juda

31Und ich sprach: Höret doch, ihr Häupter im Hause Jakob und ihr Herren im Hause Israel! Ihr solltet die sein, die

3,1
Jer 5,5
das Recht kennen. 2Aber ihr hasst das Gute und liebt das Arge; ihr schindet ihnen die Haut ab und das Fleisch von ihren Knochen 3und
3,3
Ps 14,4
fresst das Fleisch meines Volks. Und wenn ihr ihnen die Haut abgezogen habt, zerbrecht ihr ihnen auch die Knochen; ihr zerlegt es wie in einen Topf und wie Fleisch in einen Kessel. 4Darum,
3,4
Spr 1,28
Hes 8,18
wenn ihr nun zum HERRN schreit, wird er euch nicht erhören, sondern wird sein Angesicht vor euch verbergen zur selben Zeit, wie ihr mit eurem bösen Treiben verdient habt.

5So spricht der HERR wider die Propheten, die mein Volk verführen, die da predigen, es werde gut gehen, wenn man ihnen zu fressen gibt; wer ihnen aber nichts ins Maul gibt, dem predigen sie, es werde ein Krieg kommen: 6»Darum soll euch die Nacht ohne Gesichte sein und die Finsternis ohne Wahrsagung.« Die Sonne soll über den Propheten untergehen und der Tag über ihnen finster werden. 7Und die Seher sollen zuschanden und die Wahrsager zu Spott werden; sie müssen alle ihren Bart verhüllen, weil

3,7
Am 8,12
kein Gotteswort da sein wird.

8Ich aber bin voll Kraft, voll Geist des HERRN, voll Recht und Stärke, dass ich

3,8
Jes 58,1
Jakob seine Übertretung und Israel seine Sünde anzeigen kann.

9So hört doch dies, ihr Häupter im Hause Jakob und ihr Herren im Hause Israel, die ihr das Recht verabscheut und alles, was gerade ist, krumm macht; 10die ihr

3,10
Hab 2,12
Zion mit Blut baut und Jerusalem mit Unrecht 11– seine Häupter richten für Geschenke, seine Priester lehren für Lohn und seine Propheten wahrsagen für Geld – und euch dennoch auf den HERRN verlasst und sprecht:
3,11
Jer 7,4
»Ist nicht der HERR unter uns? Es kann kein Unglück über uns kommen«: 12Darum wird Zion um euretwillen wie ein Acker gepflügt werden, und
3,12
Ps 79,1
Jer 9,10
26,18
Jerusalem wird zu Steinhaufen werden und der Berg des Tempels zu einer Höhe wilden Gestrüpps.

4

Das kommende Friedensreich Gottes

41

4,1-3
Jes 2,2-4
In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über die Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen, 2und viele Heiden werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des HERRN gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und
4,2
Lk 24,47
des HERRN Wort von Jerusalem. 3Er wird unter großen Völkern richten und viele Heiden zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. 4Ein
4,4
1. Kön 5,5
Sach 3,10
jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des HERRN Zebaoth hat’s geredet.

5Ein jedes Volk wandelt im Namen seines Gottes, aber wir wandeln im Namen des HERRN, unseres Gottes, immer und ewiglich!

Die Begnadigung des zerschlagenen Volkes

6Zur selben Zeit, spricht der HERR, will ich

4,6
Jer 31,8
die Lahmen sammeln und
4,6
5. Mose 30,4
die Verstoßenen zusammenbringen und die ich geplagt habe. 7Und ich will den Lahmen geben, dass sie viele Erben haben, und will die Verstoßenen zum großen Volk machen. Und der HERR wird König über sie sein auf dem Berge Zion von nun an bis in Ewigkeit. 8Und du, Turm der Herde, du Feste der Tochter Zion, zu dir wird kommen und wiederkehren die frühere Herrschaft, das Königtum der Tochter Jerusalem.

9Warum

4,9
Jer 8,19
schreist du denn jetzt so laut? Ist kein König bei dir? Und sind deine Ratgeber alle hinweg, dass dich die Wehen erfassen wie eine in Kindsnöten? 10Leide doch solche Wehen und stöhne, du Tochter Zion, wie eine in Kindsnöten; denn du musst zwar zur Stadt hinaus und auf dem Felde wohnen und nach Babel kommen. Aber von dort wirst du wieder errettet werden, dort wird dich der HERR erlösen von deinen Feinden.

11Nun aber werden sich viele Heiden wider dich zusammenrotten und sprechen: Sie ist dahingegeben; wir wollen auf Zion herabsehen! 12Aber sie wissen des HERRN Gedanken nicht und kennen seinen Ratschlag nicht, dass er sie zusammengebracht hat wie Garben auf der Tenne. 13Darum mache dich auf und drisch, du Tochter Zion! Denn ich will dir eiserne Hörner und eherne Klauen machen, und du sollst viele Völker zermalmen und ihr Gut dem HERRN weihen und ihre Habe dem Herrscher der ganzen Welt.

14Aber nun zerraufe und zerkratze dich, denn man wird uns belagern und den Richter Israels mit der Rute auf die Backe schlagen.