Lutherbibel 1984 (LU84)
1

Die Heuschreckenplage und der Tag des HERRN

11Dies ist das Wort des HERRN, das geschehen ist zu Joel, dem Sohn Petuëls.

2Hört dies, ihr Ältesten, und merkt auf, alle Bewohner des Landes, ob solches geschehen sei zu euren Zeiten oder zu eurer Väter Zeiten! 3Sagt euren Kindern davon und lasst’s eure Kinder ihren Kindern sagen und diese wiederum ihren Nachkommen: 4Was die Raupen übrig lassen, das

1,4
Kap
fressen die Heuschrecken, und was die Heuschrecken übrig lassen, das fressen die Käfer, und was die Käfer übrig lassen, das frisst das Geschmeiß.

5Wacht auf, ihr Trunkenen, und weint, und heult, alle Weinsäufer, um den süßen Wein; denn er ist euch vor eurem Munde weggenommen! 6Denn

1,6
Kap
es zieht herauf in mein Land ein Volk, mächtig und ohne Zahl; das hat Zähne wie die Löwen und Backenzähne wie die Löwinnen. 7Es verwüstet meinen Weinstock und frisst meinen Feigenbaum kahl, schält ihn ganz und gar ab, dass seine Zweige weiß dastehen.

8Heule wie eine Jungfrau, die Trauer anlegt um ihres Bräutigams willen! 9Denn

1,9
Kap
Speisopfer und Trankopfer gibt es nicht mehr im Hause des HERRN, und die Priester, des HERRN Diener, trauern. 10Das Feld ist verwüstet und der Acker ausgedörrt; das Getreide ist verdorben, der Wein steht jämmerlich und das Öl kläglich. 11Die Ackerleute sehen traurig drein, und die Weingärtner heulen um den Weizen und um die Gerste, weil aus der Ernte auf dem Felde nichts werden kann, 12weil der Weinstock verdorrt ist und der Feigenbaum verwelkt, auch die Granatbäume, Palmbäume und Apfelbäume, ja, alle Bäume auf dem Felde sind verdorrt. So ist die Freude der Menschen zum Jammer geworden.

13Umgürtet euch und klagt, ihr Priester, heult, ihr Diener des Altars! Kommt, behaltet auch im Schlaf das Trauergewand an, ihr Diener meines Gottes! Denn Speisopfer und Trankopfer gibt es nicht mehr im Hause eures Gottes. 14

1,14
Kap
Sagt ein heiliges Fasten an, ruft die Gemeinde zusammen! Versammelt die Ältesten und alle Bewohner des Landes zum Hause des HERRN, eures Gottes, und schreit zum HERRN:

15O weh des Tages! Denn

1,15
Kap
der Tag des HERRN ist nahe und kommt wie ein Verderben vom Allmächtigen. 16Ist nicht die Speise vor unsern Augen weggenommen und
1,16
5. Mose 16,11
vom Hause unseres Gottes Freude und Wonne? 17Der Same ist unter der Erde verdorrt, die Kornhäuser stehen wüst, die Scheunen zerfallen; denn das Getreide ist verdorben. 18O wie seufzt das Vieh! Die Rinder sehen kläglich drein, denn sie haben keine Weide, und die Schafe verschmachten. 19HERR, dich rufe ich an; denn das Feuer hat die Auen in der Steppe verbrannt, und
1,19
Kap
die Flamme hat alle Bäume auf dem Felde angezündet. 20Es schreien auch die wilden Tiere zu dir; denn
1,20
Ps 104,10-11
die Wasserbäche sind ausgetrocknet und das Feuer hat die Auen in der Steppe verbrannt.

2

Schilderung des Heuschreckenheeres. Aufruf zur Buße

21Blast die Posaune zu Zion, ruft laut auf meinem heiligen Berge! Erzittert, alle Bewohner des Landes! Denn

2,1
Kap
der Tag des HERRN kommt und ist nahe, 2ein finsterer Tag, ein dunkler Tag, ein wolkiger Tag, ein nebliger Tag! Gleichwie die Morgenröte sich ausbreitet über die Berge, so
2,2
Kap
kommt ein großes und mächtiges Volk,
2,2
2. Mose 10,13-15
desgleichen vormals nicht gewesen ist und hinfort nicht sein wird auf ewige Zeiten für und für.

3Vor ihm her geht ein verzehrendes Feuer und hinter ihm

2,3
Kap
eine brennende Flamme. Das Land ist vor ihm wie der Garten Eden, aber nach ihm wie eine wüste Einöde, und niemand wird ihm entgehen. 4Sie sind gestaltet wie Pferde und rennen wie die Rosse. 5Sie sprengen daher über die Höhen der Berge, wie die Wagen rasseln und wie eine Flamme prasselt im Stroh, wie ein mächtiges Volk, das zum Kampf gerüstet ist. 6Völker werden sich vor ihm entsetzen, und jedes Angesicht erbleicht. 7Sie werden laufen wie Helden und die Mauern ersteigen wie Krieger; ein jeder zieht unentwegt voran und weicht von seiner Richtung nicht. 8Keiner wird den andern drängen, sondern ein jeder zieht auf seinem Weg daher; sie durchbrechen die feindlichen Waffen und dabei reißt ihr Zug nicht ab. 9Sie werden sich stürzen auf die Stadt und die Mauern erstürmen, in die Häuser steigen sie ein, wie ein Dieb kommen sie durch die Fenster.

10Vor ihm erzittert das Land und bebt der Himmel,

2,10
Kap
Sonne und Mond werden finster, und die Sterne halten ihren Schein zurück. 11Denn der HERR wird seinen Donner vor seinem Heer erschallen lassen; denn sein Heer ist sehr groß und mächtig und wird seinen Befehl ausrichten. Ja, der Tag des HERRN ist groß und voller Schrecken, wer kann ihn ertragen?

12

2,12-13
Hes 33,11
Doch auch jetzt noch, spricht der HERR, bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen! 13Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehrt euch zu dem HERRN, eurem Gott! Denn
2,13
2. Mose 34,6
er ist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, und es gereut ihn bald die Strafe. 14Wer weiß,
2,14
Jona 3,9
ob es ihn nicht wieder gereut und er einen Segen zurücklässt, sodass ihr opfern könnt Speisopfer und Trankopfer dem HERRN, eurem Gott.

15Blast die Posaune zu Zion,

2,15
Kap
sagt ein heiliges Fasten an, ruft die Gemeinde zusammen! 16Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde, sammelt die Ältesten, bringt zusammen die Kinder und die Säuglinge! Der Bräutigam gehe aus seiner Kammer und die Braut aus ihrem Gemach! 17Lasst die Priester, des HERRN Diener, weinen zwischen Vorhalle und Altar und sagen: HERR, schone dein Volk und lass dein Erbteil nicht zuschanden werden, dass Heiden über sie spotten!
2,17
Ps 79,10
Warum willst du unter den Völkern sagen lassen: Wo ist nun ihr Gott?

Gottes Gnadenzusage

18Dann wird der HERR um sein Land eifern und sein Volk verschonen. 19Und der HERR wird antworten und zu seinem Volk sagen: Siehe, ich will euch Getreide, Wein und Öl die Fülle schicken, dass ihr genug daran haben sollt, und

2,19
will euch nicht mehr unter den Heiden zuschanden werden lassen. 20Und ich will den Feind aus Norden von euch wegtreiben und ihn in ein dürres und wüstes Land verstoßen, seine Spitze in das östliche Meer und sein Ende in das westliche Meer; er soll verfaulen und stinken, denn er hat Gewaltiges getan.

21Fürchte dich nicht, liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost; denn der HERR kann auch Gewaltiges tun. 22Fürchtet euch nicht, ihr Tiere auf dem Felde; denn die Auen in der Steppe sollen grünen und die Bäume ihre Früchte bringen, und die Feigenbäume und Weinstöcke sollen reichlich tragen. 23Und ihr, Kinder Zions, freut euch und seid fröhlich im HERRN, eurem Gott, der euch gnädigen Regen gibt und euch herabsendet

2,23
Jer 5,24
Frühregen und Spätregen wie zuvor, 24dass die Tennen voll Korn werden und die Keltern Überfluss an Wein und Öl haben sollen. 25Und ich will euch die Jahre erstatten, deren Ertrag die
2,25
Kap
Heuschrecken, Käfer, Geschmeiß und Raupen gefressen haben, mein großes Heer, das ich unter euch schickte. 26Ihr sollt genug zu essen haben und
2,26
5. Mose 8,10
den Namen des HERRN, eures Gottes, preisen, der Wunder unter euch getan hat, und mein Volk soll nicht mehr zuschanden werden. 27Und ihr sollt’s erfahren, dass ich mitten unter Israel bin und dass ich, der HERR, euer Gott bin, und sonst keiner mehr, und mein Volk soll nicht mehr zuschanden werden.