Lutherbibel 1984 (LU84)
24

241Warum sind von dem Allmächtigen nicht Zeiten vorbehalten, und

24,1
Pred 3,11
8,6
warum sehen, die ihn kennen, seine Tage nicht? 2Die Gottlosen
24,2
5. Mose 27,17
verrücken die Grenzen, rauben die Herde und weiden sie. 3Sie treiben den Esel der Waisen weg und nehmen das Rind der Witwe zum Pfande. 4Sie stoßen die Armen vom Wege, und die Elenden im Lande müssen sich verkriechen.

5Siehe, sie sind wie Wildesel: In der Wüste gehen sie an ihr Werk und suchen Nahrung in der Einöde als Speise für ihre Kinder. 6Sie ernten des Nachts auf dem Acker und halten Nachlese im Weinberg des Gottlosen. 7Sie liegen in der Nacht nackt ohne Gewand und haben keine Decke im Frost. 8Sie triefen vom Regen in den Bergen; sie müssen sich an die Felsen drücken, weil sie sonst keine Zuflucht haben. 9Man reißt das Waisenkind von der Mutterbrust und nimmt den Säugling der Armen zum Pfande. 10

24,10
Jes 58,7
Nackt gehen sie einher ohne Kleider, und hungrig tragen sie Garben. 11Gleich in den Gärten pressen sie Öl, sie treten die Kelter und leiden doch Durst.
24,11
Jak 5,4
12Fern der Stadt seufzen Sterbende, und die Seele der Säuglinge schreit. Doch Gott achtet nicht darauf!

13Sie sind Feinde des Lichts geworden, kennen Gottes Weg nicht und bleiben nicht auf seinen Pfaden. 14Wenn der Tag anbricht, steht der Mörder auf und erwürgt den Elenden und Armen, und des Nachts schleicht der Dieb. 15Das Auge des Ehebrechers lauert auf das Dunkel, und er denkt:

24,15
Ps 10,11
»Mich sieht kein Auge!«, und verdeckt sein Antlitz. 16Im Finstern bricht man in die Häuser ein; am Tage verbergen sie sich und scheuen alle das Licht. 17Ja, als Morgen gilt ihnen allen die Finsternis, denn sie sind bekannt mit den Schrecken der Finsternis.

18Er fährt leicht wie auf dem Wasser dahin, verflucht wird sein Acker im Lande, und man wendet sich seinem Weinberg nicht zu. 19Der Tod nimmt weg die da sündigen, wie die Hitze und Dürre das Schneewasser verzehrt. 20Der Mutterschoß vergisst ihn; die Würmer laben sich an ihm. An ihn denkt man nicht mehr; so zerbricht Frevel wie Holz. 21Er hat bedrückt die Unfruchtbare, die nicht gebar, und hat der Witwe nichts Gutes getan.

22Gott rafft die Gewalttätigen hin durch seine Kraft; steht er auf, so müssen sie am Leben verzweifeln. 23Er gibt ihnen, dass sie sicher sind und eine Stütze haben, doch seine Augen wachen über ihren Wegen. 24Sie sind hoch erhöht; aber nach einer kleinen Weile sind sie nicht mehr da; sie sinken hin und werden hinweggerafft wie alle; wie die Spitzen der Ähren werden sie abgeschnitten. 25Ist’s nicht so? Wer will mich Lügen strafen und erweisen, dass meine Rede nichts sei?

25

Bildads letzte Rede

251Da antwortete Bildad von Schuach und sprach:

2Herrschaft und Schrecken ist bei ihm, der Frieden schafft in seinen Höhen. 3Wer will seine Scharen zählen? Und über wem geht sein Licht nicht auf? 4Und

25,4
Kap
wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott? Und wie kann rein sein ein vom Weibe Geborener? 5Siehe, auch der Mond scheint nicht hell, und
25,5
Kap
die Sterne sind nicht rein vor seinen Augen – 6wie viel weniger der Mensch, eine Made, und das Menschenkind, ein
25,6
Jes 41,14
Wurm!

26

Hiobs dritte Antwort an Bildad

261Hiob antwortete und sprach:

2Wie sehr stehst du dem bei, der keine Kraft hat, hilfst du dem, der keine Stärke in den Armen hat! 3Wie gibst du Rat dem, der keine Weisheit hat, und lehrst ihn Einsicht in Fülle! 4Mit wessen Hilfe redest du? Und wessen Geist geht von dir aus?

5Die Schatten drunten erbeben, das Wasser und die darin wohnen. 6

26,6
Ps 139,8
Spr 15,11
Am 9,2
Das Totenreich ist aufgedeckt vor ihm, und der
26,6
Offb 9,1
Abgrund hat keine Decke. 7Er spannt den Norden aus über dem Leeren und hängt die Erde über das Nichts. 8Er fasst das Wasser zusammen in seine Wolken, und die Wolken zerreißen darunter nicht. 9Er verhüllt seinen Thron und breitet seine Wolken davor. 10Er hat am Rande des Wassers eine Grenze gezogen, wo Licht und Finsternis sich scheiden. 11Die Säulen des Himmels zittern und entsetzen sich vor seinem Schelten. 12Durch seine Kraft hat er das Meer erregt, und durch seine Einsicht hat er
26,12
Kap
Rahab26,12 d. i. der Drache der Urzeit. zerschmettert. 13Am Himmel wurde es schön durch seinen Wind, und seine Hand durchbohrte die
26,13
Jes 27,1
flüchtige Schlange. 14Siehe, das sind nur die Enden seiner Wege, und nur ein leises Wörtlein davon haben wir vernommen. Wer will aber den Donner seiner Macht verstehen?