Lutherbibel 1984 (LU84)
1

Hiobs Frömmigkeit und Glück

11Es war ein Mann im Lande

1,1
Jer 25,20
Klgl 4,21
Uz, der hieß
1,1
Hes 14,1420
Hiob.
1,1
Jak 5,11
Der war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse. 2Und er zeugte sieben Söhne und drei Töchter, 3und er besaß siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen und sehr viel Gesinde, und er war reicher als alle, die im Osten wohnten. 4Und seine Söhne gingen hin und machten ein Festmahl, ein jeder in seinem Hause an seinem Tag, und sie sandten hin und luden ihre drei Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken. 5Und wenn die Tage des Mahles um waren, sandte Hiob hin und heiligte sie und machte sich früh am Morgen auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl; denn Hiob dachte: Meine Söhne könnten gesündigt und Gott abgesagt haben in ihrem Herzen. So tat Hiob allezeit.

Hiob bewährt sich in schwerer Prüfung

6Es begab sich aber eines Tages, da die

1,6
Kap
Gottessöhne1,6 Das sind himmlische Wesen, die das Gefolge Gottes bilden (vgl. Kap 38,7; Ps 82,1) und vor seinem Thron erscheinen (vgl. 1. Kön 22,19); zu ihnen gehört auch der Satan (vgl. Sach 3,1). kamen und vor den HERRN traten, kam auch der
1,6
1. Chr 21,1
Satan unter ihnen. 7Der HERR aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen. 8Der HERR sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse.

9Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Meinst du, dass Hiob

1,9
Ps 73,13
Gott umsonst fürchtet? 10Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande. 11Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: was gilt’s, er wird dir ins Angesicht absagen! 12Der HERR sprach zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging der Satan hinaus von dem HERRN.
1,12
5. Mose 8,2

13An dem Tage aber, da seine Söhne und Töchter aßen und Wein tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen, 14kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide, 15da fielen die aus Saba ein und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte.

16Als der noch redete, kam ein anderer und sprach:

1,16
Ps 78,48
Feuer Gottes fiel vom Himmel und traf Schafe und Knechte und verzehrte sie, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte. 17Als der noch redete, kam einer und sprach: Die
1,17
Jer 51,24
Chaldäer machten drei Abteilungen und fielen über die Kamele her und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte. 18Als der noch redete, kam einer und sprach: Deine Söhne und Töchter aßen und tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen, 19und siehe, da kam ein großer Wind von der Wüste her und stieß an die vier Ecken des Hauses; da fiel es auf die jungen Leute, dass sie starben, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte.

20Da stand Hiob auf und zerriss sein Kleid und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief 21und sprach: Ich bin

1,21
Pred 5,14
1. Tim 6,7
nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!
1,21
Jak 5,11
22In diesem allen sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes wider Gott.

2

Hiob bewährt sich erneut in schwerer Prüfung

21Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den HERRN traten, dass auch der Satan unter ihnen kam und vor den HERRN trat.

2,1
Kap
2Da sprach der HERR zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen. 3Der HERR sprach zu dem Satan: Hast du acht auf meinen Knecht Hiob gehabt? Denn es ist seinesgleichen auf Erden nicht, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse und hält noch fest an seiner Frömmigkeit; du aber hast mich bewogen, ihn ohne Grund zu verderben.

4Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Haut für Haut! Und alles, was ein Mann hat, lässt er für sein Leben. 5Aber strecke deine Hand aus und taste sein Gebein und Fleisch an: was gilt’s, er wird dir ins Angesicht absagen! 6Der HERR sprach zu dem Satan: Siehe da, er sei in deiner Hand, doch schone sein Leben!

7Da ging der Satan hinaus vom Angesicht des HERRN und schlug Hiob

2,7
5. Mose 28,27
mit bösen Geschwüren von der Fußsohle an bis auf seinen Scheitel. 8Und er nahm eine Scherbe und schabte sich und saß in der Asche. 9Und seine Frau sprach zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb! 10Er aber sprach zu ihr: Du redest, wie die törichten Frauen reden. Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?
2,10
Kap
In diesem allen versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen.

Hiob wird von drei Freunden besucht

11Als aber die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie, ein jeder aus seinem Ort: Elifas von

2,11
1. Mose 36,15
Jer 49,7
Teman, Bildad von
2,11
1. Mose 25,2
Schuach und Zofar von
2,11
Jos 15,41
Naama. Denn sie waren eins geworden hinzugehen, um ihn zu beklagen und zu trösten. 12Und als sie ihre Augen aufhoben von ferne, erkannten sie ihn nicht und erhoben ihre Stimme und weinten, und ein jeder zerriss sein Kleid und sie warfen Staub gen Himmel auf ihr Haupt 13und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.

3

Hiobs Klage

31Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag. 2Und Hiob sprach:

3Ausgelöscht sei

3,3
Jer 20,14-18
der Tag, an dem ich geboren bin, und die Nacht, da man sprach: Ein Knabe kam zur Welt! 4Jener Tag soll finster sein und Gott droben frage nicht nach ihm! Kein Glanz soll über ihm scheinen! 5Finsternis und Dunkel sollen ihn überwältigen und düstere Wolken über ihm bleiben, und Verfinsterung am Tage mache ihn schrecklich! 6Jene Nacht – das Dunkel nehme sie hinweg, sie soll sich nicht unter den Tagen des Jahres freuen noch in die Zahl der Monde kommen! 7Siehe, jene Nacht sei unfruchtbar und kein Jauchzen darin! 8Es sollen sie verfluchen, die einen Tag verfluchen können, und die da kundig sind, den Leviatan3,8 d. i. ein Riesentier, nach der Art des Krokodils (Kap 40,25). zu wecken! 9Ihre Sterne sollen finster sein in ihrer Dämmerung. Die Nacht hoffe aufs Licht, doch es komme nicht, und sie sehe nicht die Wimpern der Morgenröte, 10weil sie nicht verschlossen hat den Leib meiner Mutter und nicht verborgen das Unglück vor meinen Augen!

11Warum bin ich nicht gestorben bei meiner Geburt? Warum bin ich nicht umgekommen, als ich aus dem Mutterleib kam? 12Warum hat man mich auf den Schoß genommen? Warum bin ich an den Brüsten gesäugt? 13Dann läge ich da und wäre still, dann schliefe ich und hätte Ruhe 14mit den Königen und Ratsherren auf Erden, die sich

3,14
2. Sam 18,18
Grüfte erbauten, 15oder mit den Fürsten, die Gold hatten und deren Häuser voll Silber waren; 16wie eine Fehlgeburt, die man verscharrt hat, hätte ich nie gelebt, wie Kinder, die das Licht nie gesehen haben. 17Dort haben die Gottlosen aufgehört mit Toben; dort ruhen, die viel Mühe gehabt haben. 18Da haben die Gefangenen allesamt Frieden und hören nicht die Stimme des Treibers. 19Da sind Klein und Groß gleich und der Knecht ist frei von seinem Herrn.

20Warum gibt Gott das Licht dem Mühseligen und das Leben den betrübten Herzen 21– die auf den Tod warten, und er kommt nicht, und

3,21
Offb 9,6
nach ihm suchen mehr als nach Schätzen, 22die sich sehr freuten und fröhlich wären, wenn sie ein Grab bekämen –, 23dem Mann, dessen Weg verborgen ist,
3,23
Kap
dem Gott den Pfad ringsum verzäunt hat? 24Denn wenn ich essen soll, muss ich seufzen, und mein Schreien fährt heraus wie Wasser. 25Denn was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, hat mich getroffen. 26Ich hatte keinen Frieden, keine Rast, keine Ruhe, da kam schon wieder ein Ungemach!