Lutherbibel 1984 (LU84)
44

Jeremia warnt vor der erneuten Verehrung der Himmelskönigin

441Dies ist das Wort, das zu Jeremia geschah an alle Judäer, die in Ägyptenland wohnten, nämlich in Migdol,

44,1
Kap
Tachpanhes und Memfis, und die im Lande Patros wohnten. 2So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Ihr habt gesehen all das Unheil, das ich habe kommen lassen über Jerusalem und über alle Städte in Juda; siehe, heutigentags sind sie wüst und niemand wohnt darin; 3und das um ihrer Bosheit willen, die sie taten, als sie mich erzürnten und hingingen und opferten und dienten andern Göttern, die weder sie noch ihr noch eure Väter kannten. 4Und ich sandte
44,4
Kap
immer wieder zu euch alle meine Knechte, die Propheten, und ließ euch sagen: »Tut doch nicht solche Gräuel, die ich hasse.« 5Aber sie gehorchten nicht und kehrten auch ihre Ohren nicht zu mir, dass sie sich von ihrer Bosheit bekehrt und andern Göttern nicht geopfert hätten. 6Darum ergoss sich auch mein Zorn und Grimm und entbrannte über die Städte Judas und die Gassen Jerusalems, dass sie zur Wüste und Öde geworden sind, so wie es heute ist.

7Nun, so spricht der HERR, der Gott Zebaoth, der Gott Israels: Warum tut ihr euch selbst ein so großes Unheil an, dass bei euch ausgerottet werden aus Juda Mann und Frau, Kind und Säugling und nichts von euch übrig bleibt,

44,7
Kap
8und erzürnt mich so durch eurer Hände Werke und opfert andern Göttern in Ägyptenland, wohin ihr gezogen seid, um dort zu wohnen, auf dass ihr ausgerottet und zum Fluch und zur Schmach werdet unter allen Völkern auf Erden? 9Habt ihr vergessen
44,9
Kap
die Sünden eurer Väter, die Sünden der Könige von Juda, die Sünden ihrer Frauen, dazu eure eigenen Sünden und die Sünden eurer Frauen, die sie getan haben im Lande Juda und auf den Gassen Jerusalems? 10Sie haben sich bis auf diesen Tag nicht gedemütigt, fürchten sich auch nicht und wandeln nicht in meinem Gesetz und in den Rechtsordnungen, die ich euch und euren Vätern gegeben habe.

11Darum spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Siehe,

44,11
Am 9,4
ich will mein Angesicht wider euch richten zum Unheil, und ganz Juda soll ausgerottet werden. 12Und ich will wegraffen, die übrig geblieben sind von Juda, die ihr Angesicht nach Ägyptenland gerichtet haben, um dorthin zu ziehen und dort zu wohnen; es soll ein Ende mit ihnen allen werden in Ägyptenland. Durchs Schwert sollen sie fallen und durch Hunger sollen sie umkommen, Klein und Groß; sie sollen durch Schwert und Hunger sterben und sollen zur Verwünschung, zum Entsetzen, zum Fluch und zur Schmach werden.
44,12
Kap
13Ich will auch die Einwohner in Ägyptenland mit Schwert, Hunger und Pest heimsuchen, gleichwie ich an Jerusalem getan habe, 14sodass von denen, die übrig geblieben sind von Juda und die hierher gekommen sind nach Ägyptenland, um hier zu wohnen, keiner entrinnen und entkommen soll. Sie sollen nicht mehr ins Land Juda zurückkehren, wohin sie gerne wiederkämen und wohnten, sondern es soll keiner dahin zurückkommen außer einigen Entronnenen.

15Da antworteten dem Jeremia alle Männer, die sehr wohl wussten, dass ihre Frauen andern Göttern opferten, und alle Frauen, die dabeistanden, eine große Menge, samt allem Volk, das in Ägyptenland und in

44,15
Jes 11,11
Patros wohnte, und sprachen: 16Den Worten, die du im Namen des HERRN uns sagst, wollen wir nicht gehorchen, 17sondern wir wollen all die Worte halten, die aus unserm eigenen Munde gekommen sind, und wollen der
44,17
Kap
Himmelskönigin opfern und ihr Trankopfer darbringen, wie wir und unsere Väter, unsere Könige und Oberen getan haben in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems. Da
44,17
Hos 2,7
hatten wir auch Brot genug und es ging uns gut, und wir sahen kein Unglück. 18Seit der Zeit aber, da wir es unterlassen haben, der Himmelskönigin zu opfern und Trankopfer darzubringen, haben wir an allem Mangel gelitten und sind durch Schwert und Hunger umgekommen. 19Und wenn wir Frauen der Himmelskönigin opfern und Trankopfer darbringen, das
44,19
4. Mose 30,11-13
tun wir ja nicht ohne den Willen unserer Männer, wenn wir ihr Kuchen backen, um ein Bild von ihr zu machen, und ihr Trankopfer darbringen.

20Da sprach Jeremia zu dem ganzen Volk, den Männern und Frauen und allen Leuten, die ihm so geantwortet hatten: 21Nein, der HERR hat gedacht an das Opfern, das ihr in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems getrieben habt samt euren Vätern, Königen, Oberen und allem Volk des Landes, und er hat’s zu Herzen genommen, 22dass er nicht mehr leiden konnte euren bösen Wandel und die Gräuel, die ihr tatet; daher ist auch euer Land zur Wüste, zum Entsetzen und zum Fluch geworden, dass niemand darin wohnt, so wie es heute ist. 23Weil ihr der Himmelskönigin geopfert habt und wider den HERRN sündigtet und der Stimme des HERRN nicht gehorchtet und in seinem Gesetze, seinen Rechten und Mahnungen nicht gewandelt seid, darum ist euch solches Unheil widerfahren, so wie es heute ist.

24Und Jeremia sprach zu allem Volk und zu allen Frauen: Höret des HERRN Wort, ihr alle aus Juda, die in Ägyptenland sind! 25So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Ihr und eure Frauen habt mit eurem Munde geredet und mit euren Händen vollbracht, was ihr sagt: »Wir wollen unsere Gelübde halten, die wir der Himmelskönigin gelobt haben, dass wir ihr opfern und Trankopfer darbringen.« Wohlan, erfüllt doch eure Gelübde und haltet eure Gelübde!

26So höret nun des HERRN Wort, ihr alle aus Juda, die ihr in Ägyptenland wohnt: Siehe, ich schwöre bei meinem großen Namen, spricht der HERR, dass mein Name nicht mehr genannt werden soll durch irgendeines Menschen Mund aus Juda in ganz Ägyptenland, der da sagt: »So wahr Gott der HERR lebt!« 27Siehe,

44,27
Am 9,4
ich will über sie wachen zum Unheil und nicht zum Heil, dass, wer aus Juda in Ägyptenland ist, durch Schwert und Hunger umkommen soll, bis es ein Ende mit ihnen hat. 28Die aber dem Schwert entrinnen, werden aus Ägyptenland ins Land Juda zurückkommen als ein geringes Häuflein. So werden dann alle, die übrig geblieben sind von Juda und die nach Ägyptenland gezogen waren, dort zu wohnen, erkennen, wessen Wort wahr geworden ist, meines oder ihres.

29Und dies sei das Zeichen, spricht der HERR: Ich will euch an diesem Ort heimsuchen, damit ihr wisst, dass mein Wort wahr werden soll über euch zum Unheil. 30So spricht der HERR: Siehe, ich will den Pharao Hofra, den König von Ägypten, übergeben in die Hände seiner Feinde und derer, die ihm nach dem Leben trachten,

44,30
Hes 29,19
gleichwie ich Zedekia, den König von Juda, übergeben habe in die Hand Nebukadnezars, des Königs von Babel, seines Feindes, der ihm nach dem Leben trachtete.

45

Ein Wort für Baruch

451Dies ist das Wort, das der Prophet Jeremia zu Baruch, dem Sohn Nerijas, redete,

45,1
Kap
als er die Worte, wie Jeremia sie ihm sagte, auf eine Schriftrolle schrieb, im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda: 2So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, über dich, Baruch: 3Du sprichst: Weh mir, wie hat mir der HERR Jammer zu meinem Schmerz hinzugefügt! Ich seufze mich müde und finde keine Ruhe. 4Sage ihm: So spricht der HERR: Siehe, was ich gebaut habe, das reiße ich ein, und was ich gepflanzt habe, das reiße ich aus, nämlich dies mein ganzes Land. 5Und du begehrst für dich große Dinge? Begehre es nicht! Denn siehe, ich will Unheil kommen lassen über alles Fleisch, spricht der HERR, aber
45,5
Kap
dein Leben sollst du wie eine Beute davonbringen, an welchen Ort du auch ziehst.

46

Gerichtsworte gegen Fremde Völker

(Kapitel 46,1–51,64)

461Dies ist das Wort des HERRN, das zu dem Propheten Jeremia geschehen ist wider alle Völker.

Weissagung gegen Ägypten: Niederlage bei Karkemisch

(vgl. Jes 19,1-25; Hes 29,1–32,32)

2Wider Ägypten. Wider das Heer des

46,2
2. Kön 23,29
Pharao Necho, des Königs von Ägypten, welches lagerte am Euphratstrom bei Karkemisch und das Nebukadnezar, der König von Babel, schlug im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda:

3Rüstet Rundschild und Langschild und zieht in den Streit! 4Spannt Rosse an und lasst Reiter aufsitzen, setzt die Helme auf und schärft die Spieße und zieht Panzer an! 5Wie kommt’s aber, dass ich sehe, dass sie verzagt sind und die Flucht ergreifen und ihre Helden erschlagen sind? Sie fliehen und wenden sich nicht mehr zurück.

46,5
Kap
Schrecken um und um!, spricht der HERR. 6Der Schnelle kann nicht entfliehen noch der Starke entrinnen. Im Norden am Euphratstrom sind sie gefallen und niedergestreckt.

7Wer ist’s, der emporstieg wie der Nil, und seine Wasser wälzten sich dahin wie Ströme? 8Ägypten stieg empor wie der Nil, und seine Wasser wälzten sich daher wie Ströme und es sprach: »Ich will hinaufziehen, das Land bedecken und die Städte verderben samt denen, die darin wohnen.« 9Wohlan, setzt euch auf die Rosse, rennt mit den Wagen, lasst die Helden ausziehen, die von Kusch und aus Put, die den Schild führen, und die Schützen aus Lud! 10Denn dies ist der

46,10
Jes 2,12
Tag Gottes, des HERRN Zebaoth, ein Tag der Vergeltung, dass
46,10
5. Mose 32,41-42
er sich an seinen Feinden räche, wenn das Schwert fressen und von ihrem Blut voll und trunken werden wird. Denn sie müssen Gott, dem HERRN Zebaoth, ein Schlachtopfer werden im Lande des Nordens am Euphratstrom.

11Geh hinauf nach Gilead und hole Balsam, Jungfrau, Tochter Ägypten! Aber

46,11
Kap
es ist umsonst, dass du viel Heilmittel gebrauchst; du wirst doch nicht heil. 12Deine Schande ist unter den Völkern erschollen, deines Heulens ist das Land voll; denn ein Held fällt über den andern und liegen beide miteinander danieder.

Weissagung gegen Ägypten: Die Babylonier fallen ein

13Dies ist das Wort des HERRN, das er zu dem Propheten Jeremia redete, als Nebukadnezar, der König von Babel, heranzog, um Ägyptenland zu schlagen: 14Verkündigt’s in Ägypten und sagt’s an in Migdol, sagt’s an in Memfis und Tachpanhes und sprecht: Setze dich zur Wehr! Denn das Schwert wird fressen, was um dich her ist. 15Wie geht’s zu, dass deine Gewaltigen zu Boden fallen und können nicht standhalten? Der HERR hat sie so gestürzt. 16Er macht, dass ihrer viele fallen, dass einer mit dem andern daniederliegt. Da sprechen sie: Wohlauf, lasst uns wieder zu unserm Volk ziehen, in unser Vaterland vor dem mörderischen Schwert! 17Nennt den Namen des Pharao, des Königs von Ägypten: »Prahlhans, der die Zeit versäumt hat«. 18So wahr ich lebe, spricht der König, der HERR Zebaoth heißt: Er wird daherziehen so hoch, wie der Berg Tabor unter den Bergen ist und wie der Karmel am Meer ist.

19Mache dir Fluchtgepäck, du Einwohnerin, Tochter Ägypten; denn Memfis wird wüst und verbrannt werden, dass niemand darin wohnen wird. 20Ägypten ist wie eine schöne junge Kuh; aber es kommt von Norden der Schlächter. 21Auch die darin um Sold dienen, sind wie gemästete Kälber; aber sie müssen sich dennoch wenden und miteinander fliehen und werden nicht standhalten; denn der Tag ihres Unheils wird über sie kommen, die Zeit ihrer Heimsuchung.

22Man hört sie heranziehen wie eine zischende Schlange; ja, sie kommen mit Heeresmacht und bringen Äxte über sie wie die Holzhauer. 23Die werden ihren Wald umhauen, spricht der HERR, denn sie sind nicht zu zählen; ihrer sind mehr als Heuschrecken, die niemand zählen kann. 24Die Tochter Ägypten wird zuschanden; denn sie ist dem Volk aus dem Norden in die Hände gegeben.

25

46,25-26
Kap
Der HERR Zebaoth, der Gott Israels, spricht: Siehe, ich will heimsuchen den Amon zu No und den Pharao und Ägypten samt seinen Göttern und Königen, ja, den Pharao mit allen, die sich auf ihn verlassen, 26dass ich sie gebe in die Hände derer, die ihnen nach dem Leben trachten, und in die Hände Nebukadnezars, des Königs von Babel, und seiner Großen. Aber
46,26
Hes 29,14
danach soll das Land bewohnt werden wie vor alters, spricht der HERR.

Trostwort an Israel

27Aber du,

46,27
Kap
mein Knecht Jakob, fürchte dich nicht, und du, Israel, verzage nicht! Denn siehe, ich will dir helfen aus fernen Landen und deinen Nachkommen aus dem Lande ihrer Gefangenschaft, dass Jakob zurückkommen soll und in Frieden sein und ohne Sorge, und niemand soll ihn schrecken. 28Darum fürchte dich nicht, du, Jakob, mein Knecht, spricht der HERR, denn ich bin bei dir! Mit allen Völkern, unter die ich dich verstoßen habe, will ich ein Ende machen; aber mit dir will ich nicht ein Ende machen.
46,28
Kap
Züchtigen will ich dich mit Maßen, doch ungestraft kann ich dich nicht lassen.