Lutherbibel 1984 (LU84)
8

Judit ruft auf zum Warten auf Gottes Hilfe

81Davon hörte Judit. Sie war eine Witwe, eine Tochter Meraris, des Sohnes des Uz, des Sohnes Josefs, des Sohnes Usijas, des Sohnes Hilkijas, des Sohnes Jamnors, des Sohnes Gideons, des Sohnes Rafains, des Sohnes Ahitubs, des Sohnes Malkijas, des Sohnes Enans, des Sohnes Natanjas, des Sohnes Schealtiëls, des Sohnes Simeons, des Sohnes Rubens. 2Ihr Mann hatte Manasse geheißen und war zur Zeit der Gerstenernte gestorben. 3Denn als er auf dem Felde die Arbeiter beim Garbenbinden beaufsichtigte, machte ihn die Hitze krank und er starb in seiner Stadt Betulia und wurde dort bei seinen Vätern begraben.

4Der hinterließ Judit; die war nun seit drei Jahren und sechs Monaten eine Witwe. 5

8,5-6
Dan 6,11
1. Tim 5,5
Sie hatte sich oben in ihrem Hause einen besonderen Raum hergerichtet, in dem sie sich mit ihren Mägden eingeschlossen hielt. 6Sie war bekleidet mit einem Trauergewand und fastete täglich, außer am Sabbat, am Neumond und an den andern Festen des Hauses Israel. Sie war wunderschön, und ihr Mann hatte ihr großen Reichtum und einen stattlichen Hausstand und ausgedehnten Besitz mit Rinder- und Schafherden hinterlassen. 7Auch hatte sie bei allen einen guten Ruf, da sie den Herrn fürchtete; und niemand konnte etwas Schlechtes über sie sagen.

8Als Judit nun hörte, dass Usija zugesagt hatte, die Stadt nach fünf Tagen den Assyrern zu übergeben, sandte sie eine Botschaft an die Ältesten Kabri und Karmi. 9Als diese zu ihr kamen, sagte sie zu ihnen: Was soll das sein? Hat Usija eingewilligt, die Stadt den Assyrern zu übergeben, wenn euch in fünf Tagen nicht geholfen wird? 10Wer seid ihr, dass ihr

8,10
5. Mose 6,16
den Herrn versucht? Das dient nicht dazu, Gnade zu finden, sondern vielmehr Zorn und Ungnade. 11Wollt ihr dem Herrn nach eurem Gefallen
8,11
Mt 24,36
Zeit und Tag bestimmen, wann er helfen soll? 12
8,12-13
Ps 103,8-9
Hos 11,9
Tob 3,14
2. Kor 5,19
Doch der Herr ist geduldig; darum wollen wir das bereuen und seine Gnade suchen mit Tränen. 13Denn Gott zürnt nicht wie ein Mensch, der sich nicht versöhnen lässt. 14Darum wollen wir uns von Herzen vor ihm demütigen und ihm dienen und mit Tränen zum Herrn beten, dass er nach seinem Gefallen Barmherzigkeit an uns erweisen wolle.

15Und wie wir jetzt trauern müssen wegen des Hochmuts der Assyrer, so wollen wir beten, dass wir uns nach diesem Jammer wieder freuen können, weil wir nicht der Sünde unsrer Väter gefolgt sind, die ihren Gott verließen und fremde Götter anbeteten;

8,15
Kap
darum wurden sie ihren Feinden übergeben und von ihnen erschlagen, gefangen und misshandelt. 16Wir aber kennen keinen andern Gott als ihn allein und wollen mit Demut von ihm Hilfe und Trost erwarten. 17So wird er, der Herr, unser Gott, uns das Leben retten vor unsern Feinden und alle Heiden, die sich gegen uns erheben, demütigen und zuschanden machen.

18Und weil ihr, liebe Brüder, die Ältesten des Volkes Gottes seid und ihr Leben in eurer Hand ist, tröstet das Volk mit eurem Wort, dass sie bedenken, wie unsre Väter auch

8,18
5. Mose 8,2
versucht wurden, damit sie sich darin bewährten, dass sie Gott von Herzen dienten. 19Erinnert sie, wie unser Vater Abraham
8,19
1. Mose 22,1-19
1. Makk 2,52
versucht und
8,19
Jak 2,21-23
Gottes Freund geworden ist, nachdem er sich durch viele
8,19
Tob 12,13
Anfechtungen bewährt hatte. 20Ebenso sind
8,20
1. Mose 26,12-22
Isaak,
8,20
1. Mose 27,29-32
Jakob,
8,20
2. Mose 2,1-15
Mose und alle, die Gott lieb gewesen sind, standhaft geblieben und
8,20
2. Mose 17,1-7
4. Mose 16,1-35
haben viel Trübsal überwinden müssen. 21Andere aber wollten die Trübsal nicht mit Gottesfurcht annehmen, sondern haben in ihrem Leiden gegen Gott geklagt und gelästert und sind darum vom Verderber und durch die Schlangen umgebracht worden.
8,21
4. Mose 14,1-326-30
21,4-6
1. Kor 10,9-10
22Darum lasst uns nicht ungeduldig werden in diesem Leiden, sondern erkennen, dass es
8,22
Hiob 11,5-6
Weish 11,9-10
eine viel geringere Strafe ist, als wir mit unsern Sünden verdienen, und glauben, dass wir wie Knechte
8,22
Hebr 12,4-11
vom Herrn gezüchtigt werden zur Besserung und nicht zum Verderben. 23Darauf antworteten Usija und die Ältesten: Es ist alles wahr, was du gesagt hast, und an deinen Worten ist nichts zu tadeln. 24Darum bete für uns; denn du bist eine heilige Frau, die den Herrn fürchtet.

25Und Judit sagte: Wenn ihr erkennt,

8,25
1. Joh 4,1
dass von Gott kommt, was ich gesagt habe, so prüft nun, ob auch das von Gott kommt, was ich vorhabe, und betet, dass Gott es gelingen lässt. 26In dieser Nacht wartet am Tor, wenn ich mit meiner Magd hinausgehe, und betet, dass der Herr in diesen fünf Tagen, wie ihr gesagt habt, sich seinem Volk Israel zuwendet. 27Ihr sollt aber nicht dem nachforschen, was ich vorhabe, sondern nur für mich beten zum Herrn, unserm Gott; unternehmt sonst nichts, bis ihr wieder von mir hört. 28Und Usija, der Fürst Judas, sagte zu ihr: Geh hin in Frieden; der Herr sei mit dir und bestrafe unsre Feinde! Und sie gingen wieder von ihr weg.

9

Judit betet um Gottes Hilfe

91Danach

9,1
Kap
ging Judit in ihre Kammer und zog ein Bußgewand an,
9,1
Kap
streute Asche auf ihr Haupt und fiel nieder vor dem Herrn, schrie zu ihm und sprach: 2Herr, du Gott meines Vaters Simeon,
9,2
1. Mose 34,1-225-29
du hast ihm das Schwert gegeben, die Heiden zu bestrafen, die seine Schwester vergewaltigt und geschändet hatten, du hast ihre Frauen und Töchter gefangen nehmen und ihre Habe plündern lassen durch deine Knechte, die der Eifer um dich getrieben hat. Hilf mir armen Witwe, Herr, mein Gott! 3Denn
9,3
Ps 74,12
alle Hilfe, vorzeiten und immer wieder, hast du erdacht und gebracht, und
9,3
Ps 33,9
was du willst, das muss geschehen. 4Wenn du helfen willst, so kann’s nicht fehlgehen; und du weißt gut, wie du die Feinde bestrafen sollst.

5

9,5-7
2. Mose 14,5-924-28
Schau jetzt auf das Heer der Assyrer, wie du vorzeiten auf das Heer der Ägypter geschaut hast, als sie schwer bewaffnet deinen Knechten nachjagten und sich auf ihre Wagen, Reiter und ihr großes Kriegsvolk verließen. 6Als du sie aber ansahst, wurde es finster um sie, und sie wurden verzagt, 7die Tiefe des Meeres hielt sie fest, und das Wasser ersäufte sie. 8So geschehe jetzt auch denen, Herr, die auf ihre große Zahl vertrauen und auf ihre Wagen, Spieße, Pfeile und Lanzen pochen, aber nicht wissen, dass du selbst, Herr, unser Gott, es bist,
9,8
Ps 46,10
der den Kriegen wehrt von Anfang an, und dass du mit Recht
9,8
Ps 83,19
›Herr‹ heißt. 9
9,9
Ps 79,1-13
Strecke deinen Arm aus wie vorzeiten, und zerschmettere die Feinde durch deine Macht; lass sie umkommen durch deinen Zorn, die damit drohen, dein Heiligtum zu zerstören und
9,9
Ps 26,8
den Ort, wo deine Ehre wohnt, zu entheiligen und mit ihrem Schwert das Horn deines Altars abzuhauen.

10Herr, bestrafe ihn, den Hochmütigen, durch sein eignes Schwert; lass ihn durch seine eignen Augen gefangen werden, wenn er mich ansieht, und lass ihn durch meine freundlichen Worte betrogen werden. 11Gib mir die Festigkeit, keinen Ekel zu zeigen, und die Kraft, ihn zu stürzen. 12Das wird deinem Namen Ehre bringen, dass ihn eine Frau getötet hat.

9,12
Ri 4,9
5,26
9,53
13Denn du, Herr, bist stark auch ohne Heeresmacht, und
9,13
Ps 33,16-18
147,10
du hast keine Freude an der Stärke der Rosse; die Hoffärtigen haben dir noch nie gefallen; aber allezeit hat dir gefallen das Gebet der Elenden und
9,13
1. Petr 5,5
Demütigen. 14Du Gott des Himmels, Schöpfer der Wasser und Herr aller Dinge,
9,14
Kap
erhöre das Gebet einer armseligen Frau, die allein auf deine Barmherzigkeit vertraut. 15Denke, Herr, an deinen Bund, und gib mir ein, was ich reden und wie ich vorgehen soll, und gib mir Glück dazu, damit dein Haus nicht entweiht wird und
9,15
2. Kön 19,19
alle Heiden erkennen, dass du Gott bist und sonst keiner.

10

Judit geht zu Holofernes

101Als sie ihr Gebet beendet hatte, stand sie auf von dem Ort, an dem sie sich vor dem Herrn niedergeworfen hatte, 2rief ihre Magd und ging hinunter ins Haus, legte das Bußgewand ab und zog ihre Witwenkleider aus, 3wusch sich und salbte sich mit kostbarem Balsam, flocht ihr Haar und setzte sich einen Kopfputz auf, zog ihre schönen Kleider an und tat Schuhe an ihre Füße, 4schmückte sich mit Armbändern und Spangen, Ohrringen und Fingerringen und legte all ihren Schmuck an. 5Dazu gab ihr der Herr noch besondere Anmut; denn sie schmückte sich nicht aus böser Lust, sondern aus Gottesfurcht. Und der Herr machte ihre Schönheit so groß, dass sie allen unsagbar lieblich schien. 6Und sie gab ihrer Magd einen Schlauch voll Wein und einen Krug mit Öl und einen Sack, in dem sie Feigenkuchen, Mehl und Brot hatte; so ging sie fort.

7Und am Tor trafen die beiden Usija und die Ältesten der Stadt, die auf sie warteten. 8Sie bewunderten sie sehr, weil sie so schön war. 9Doch fragten sie nicht, was sie vorhätte, sondern ließen sie hinaus und sprachen: Der Gott unsrer Väter gebe dir Gnade und lasse dir gelingen, was du dir vorgenommen hast, damit Israel sich über dich freut und dein Name zu den

10,9
Ps 149,5-9
Heiligen und Gerechten gezählt wird. 10Und alle, die dort waren, sagten laut: Amen, Amen. 11Aber Judit betete und ging mit ihrer Magd zum Tor hinaus.

12Und als sie frühmorgens den Berg hinabging, begegneten ihr die Wächter der Assyrer, hielten sie an und fragten sie, woher sie käme und wohin sie wollte. 13Da antwortete sie: Ich bin eine hebräische Frau und bin vor ihnen geflohen; denn ich weiß, dass sie euch in die Hände fallen werden, weil sie euch verachtet haben und nicht um Gnade bitten und sich freiwillig ergeben wollen. 14Darum hab ich mir vorgenommen, zum Fürsten Holofernes zu gehen, um ihm ihre Geheimnisse zu offenbaren und ihm zu sagen, wie er sie leicht überwältigen kann, sodass er nicht einen einzigen Mann verliert. 15Als die Männer das hörten, betrachteten sie die Frau näher und waren ganz betroffen, dass sie so wunderschön war, 16und sagten zu ihr: Das rettet dir das Leben, dass du dich entschlossen hast, zu unserm Herrn herabzukommen. 17Denn wenn du vor ihn trittst, wird er dich gewiss gut behandeln und du wirst seinem Herzen sehr gefallen. 18Sie führten sie zum Zelt des Holofernes und sagten ihm von ihr.

19Als sie vor ihn trat, war Holofernes sogleich von ihr eingenommen. 20Und seine Diener sagten zueinander: Die Hebräer sind gewiss nicht zu verachten, wenn sie so schöne Frauen haben. Lohnte es sich für uns nicht schon um ihretwillen, diesen Krieg zu führen? 21Als nun Judit den Holofernes unter seinem Mückennetz sitzen sah, das aus Purpur- und Goldfäden gewirkt und mit Smaragden und Edelsteinen verziert war, verneigte sie sich und fiel vor ihm nieder. Aber Holofernes befahl seinen Dienern, sie wieder aufzurichten.