Lutherbibel 1984 (LU84)
3

Die meisten Völker unterwerfen sich

31Da schickten die Könige und Fürsten von allen Städten und Ländern, von Syrien-Mesopotamien, Syrien-Zoba, Libyen und Zilizien ihre Boten. Die kamen zu Holofernes und sagten: 2Wende deinen Zorn von uns ab! 3Es ist doch besser, dass wir am Leben bleiben und dem Großkönig Nebukadnezar dienen und dir gehorsam sind, als dass wir umkommen, ohne unser Land dadurch vor schmählicher Knechtschaft zu bewahren. 4

3,4-5
1. Kön 20,3-4
Unsre ganze Herrschaft und all unser Besitz, alle Berge, Hügel, Äcker, Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde und Kamele und alles, was wir haben, dazu auch unsere Familien, gehören dir; verfüge darüber, wie du willst. 5Ja, auch wir mit unsern Söhnen sind deine Knechte. Nahe dich uns, gewähre uns Frieden und verlange von uns alle Dienste, wie dir’s gefällt.

6Da zog Holofernes vom Gebirge herab mit seinen Reitern und dem großen Heer und unterwarf alle Städte und alle Bewohner des Landes. 7Aus allen Städten wählte er die Tapfersten aus und nahm sie in seine Hilfstruppen auf. 8Da gerieten diese Länder so sehr in Furcht, dass die Fürsten und Vornehmen samt dem Volk ihm entgegenkamen und ihn aufnahmen mit Kränzen und Fackeln, im Reigentanz mit Pauken und Pfeifen.

9Aber sie konnten ihn dennoch mit solchen Ehrungen nicht milde stimmen; 10denn er zerstörte ihre Städte und ließ ihre

3,10
5. Mose 12,2-3
heiligen Haine umhauen. 11Denn der König Nebukadnezar hatte ihm befohlen, alle Götterbilder des Landes zu entfernen,
3,11
2. Thess 2,4
damit er allein als Gott gepriesen werde von den Völkern, die Holofernes unter seine Herrschaft bringen würde. 12Als er nun Syrien-Zoba, ganz Apamea und ganz Mesopotamien durchzogen hatte, kam er zu den Edomitern ins Land Gabaa, nahm ihre Städte ein und lagerte dort dreißig Tage lang. Unterdessen sammelte er seine ganze Heeresmacht.

4

Die Juden wollen sich wehren und tun Buße

41Als die Israeliten, die im Lande Juda wohnten, dies hörten,

4,1
Kap
fürchteten sie sich sehr vor ihm 2und es befiel sie Angst und Zittern,
4,2
Jes 10,10-11
dass er Jerusalem und dem Tempel des Herrn das Gleiche antun könnte, was er den andern Städten und ihren Götzentempeln angetan hatte. 3Darum sandten sie Leute durch ganz Samarien bis nach Jericho und besetzten alle Berghöhen 4und bauten Mauern um ihre Dörfer und legten Vorräte für den Krieg an. 5Und der Priester Jojakim schrieb an alle,
4,5
Kap
die bei Jesreël wohnten, der großen Ebene in der Nähe von Dotan, und an alle, bei denen die Feinde durchziehen konnten, dass sie die Zugänge ins Gebirge, die nach Jerusalem führen, besetzen und an den Stellen, wo der Weg durch Engpässe zwischen den Bergen geht, bewachen sollten. 6Und die Israeliten taten, was ihnen Jojakim, der Priester des Herrn, befohlen hatte.

7

4,7-8
St zu Est 3,2
2. Makk 3,19
Das ganze Volk schrie inständig und anhaltend zum Herrn, und sie und ihre Frauen demütigten sich mit Fasten und Beten. 8Die Priester zogen Bußgewänder an, die Kinder warfen sich vor dem Tempel des Herrn nieder, und den Altar des Herrn verhüllte man mit einer Bußdecke. 9Und sie schrien einmütig zum Gott Israels, dass ihre Kinder und Frauen nicht den Feinden zum Raub und zur Beute gegeben, ihre Städte nicht zerstört werden sollten und dass ihr Heiligtum nicht entweiht und von den Heiden nicht geschmäht und verspottet werden sollte.

10Und Jojakim, der Hohepriester des Herrn, ging umher,

4,10
5. Mose 20,2-4
ermutigte ganz Israel 11und sprach: Das sollt ihr wissen,
4,11
Sir 35,21
dass der Herr euer Gebet erhören wird, wenn ihr nicht ablasst
4,11
Mk 9,29
vom Fasten und Beten vor dem Herrn. 12Denkt an
4,12
2. Mose 17,11
Mose, den Diener des Herrn, der nicht mit dem Schwert, sondern mit heiligem Gebet die Amalekiter schlug, die sich auf ihre Kraft und Macht, auf ihr Heer, auf Schild, Wagen und Reiter verließen. 13So soll es auch allen Feinden Israels ergehen, wenn ihr so fortfahrt, wie ihr angefangen habt. 14Nach dieser Ermahnung blieben sie weiterhin im Gebet vor dem Herrn. Auch die
4,14
Joel 1,13
Priester trugen Bußgewänder und hatten Asche auf dem Haupt, wenn sie dem Herrn Brandopfer darbrachten. Und sie beteten alle zum Herrn von ganzem Herzen,
4,14
Joel 2,18
er möge sein Volk Israel gnädig heimsuchen.

5

Der Ammoniter Achior gibt Bericht über die Juden

51Und es wurde dem Holofernes, dem Feldhauptmann von Assyrien, gesagt, dass die Israeliten sich rüsteten und sich wehren wollten und die Wege im Gebirge gesperrt hätten. Da entbrannte sein grimmiger Zorn und er rief alle Obersten und Hauptleute der Moabiter und Ammoniter zu sich und fragte sie: 2Sagt mir: Was ist das denn für ein Volk, das im Gebirge wohnt? Wie viel Städte haben sie? Was haben sie für ein Heer und wie groß ist es? Welcher König führt ihr Heer? Warum sind sie die Einzigen im Morgenland, die uns verachten und uns nicht

5,2
Kap
entgegengekommen sind, um uns in Frieden zu empfangen?

3Da antwortete Achior, der Oberste aller Ammoniter, und sagte: 4Will mein Herr mich anhören, so will ich dir die Wahrheit sagen über dies Volk, das im Gebirge wohnt, und dich nicht belügen. 5

5,5-6
1. Mose 11,31
Dies Volk stammt von den Chaldäern ab. 6Es hat zuerst in Mesopotamien gewohnt. Weil sie aber nicht den Göttern ihrer Väter in Chaldäa folgen wollten, 7
5,7
Jos 24,14
verließen sie die Bräuche ihrer Väter, die viele Götter verehrten, um dem einzigen Gott des Himmels zu dienen,
5,7
1. Mose 12,1
der ihnen auch gebot, fortzuziehen und in Kanaan zu wohnen. 8Als nun über das ganze Land eine
5,8
1. Mose 41,54
Hungersnot kam,
5,8
1. Mose 46,5-6
zogen sie nach Ägypten hinab. Dort sind sie in
5,8
1. Mose 15,13
vierhundert Jahren
5,8
2. Mose 1,7
so viele geworden, dass man sie nicht mehr zählen konnte.

9

5,9
2. Mose 1,1114
Als aber der König von Ägypten ihnen die Zwangsarbeit auferlegte, aus Ton Ziegel zu streichen, um seine Städte zu bauen, schrien sie zu ihrem Gott.
5,9
2. Mose 7,14–12,30
Der schlug ganz Ägypten mit vielen Plagen. 10
5,10-11
2. Mose 12,33
14,5-31
Als nun die Ägypter sie aus ihrem Land gestoßen hatten und die Plage von ihnen abließ und man sie wieder fangen und zu ihrem Dienst zurückholen wollte, tat ihnen der Gott des Himmels auf ihrer Flucht das Meer auf, sodass das Wasser auf beiden Seiten stand wie eine Mauer und sie trockenen Fußes auf dem Grund des Meeres gingen und hindurchkamen. 11Als aber die Ägypter ihnen mit einem unzählbaren Heer nacheilten, wurden sie im Meer ersäuft, sodass kein Einziger übrig blieb, der es den Nachkommen hätte sagen können.

12

5,12-13
2. Mose 15,22-25
16,2-35
Und als dies Volk aus dem Roten Meer kam, lagerte es sich in der Wüste des Berges Sinai, wo vorher kein Mensch wohnen noch sich aufhalten konnte. 13Dort wurde das bittre Wasser süß, sodass sie es trinken konnten, und sie bekamen Brot vom Himmel vierzig Jahre lang; 14und wohin sie auch zogen ohne Bogen, Pfeil, Schild und Schwert, da
5,14
2. Mose 17,8-13
stritt ihr Gott für sie und siegte. 15Niemand konnte diesem Volk Schaden tun,
5,15
4. Mose 14,40-45
außer wenn es vom Dienst des Herrn, seines Gottes, abwich.

16

5,16-17
Ri 2,11-18
Sooft sie aber außer ihrem Gott einen andern anbeteten, wurden sie weggeführt, erschlagen oder in Schande gebracht. 17Sooft sie es aber bereuten, vom Dienst ihres Gottes abgefallen zu sein, gab ihnen der Gott des Himmels wieder die Kraft, ihren Feinden zu widerstehen. 18So
5,18
Jos 12,7-24
erschlugen sie die Könige der Kanaaniter, der Jebusiter, der Perisiter, der Hetiter, der Hiwiter, der Amoriter und alle Mächtigen von Heschbon und nahmen ihr Land und ihre Städte ein. 19Und es ging ihnen gut, solange sie sich nicht an ihrem Gott versündigten; denn ihr Gott hasst das Unrecht. 20Weil sie in früheren Zeiten von dem Weg abgewichen waren, auf dem sie gehen sollten, wie Gott ihnen geboten hatte, darum
5,20
2. Kön 24,10-16
25,8-11
wurden sie von vielen Völkern im Kampf besiegt, und die meisten von ihnen wurden gefangen in ein fremdes Land geführt. 21Aber nachdem sie sich zu ihrem Gott bekehrt hatten, sind sie jüngst
5,21
Esra 1,1-5
aus den Ländern heimgekehrt, in die sie zerstreut waren, und sind in dies Gebirge hinaufgezogen und wohnen jetzt wieder in Jerusalem, wo ihr Heiligtum steht.

22Darum, mein Herr, versuche zu erfahren, ob sie sich an ihrem Gott versündigt haben; dann wollen wir hinaufziehen, und ihr Gott wird sie dir gewiss in die Hände geben, sodass du sie bezwingst. 23Haben sie sich aber nicht an ihrem Gott versündigt, so richten wir nichts gegen sie aus; denn ihr Gott wird sie beschirmen, und wir werden vor aller Welt zum Gespött werden.

24Als Achior seine Rede beendet hatte, wurden alle Hauptleute des Holofernes zornig und dachten daran, ihn zu töten, und sagten zueinander: 25Wer wagt zu sagen, dass die Israeliten sich wehren könnten gegen den König Nebukadnezar und sein Heer? Das sind doch nur waffenlose Leute ohne Macht und Kriegserfahrung! 26Damit aber Achior sieht, dass er gelogen hat, wollen wir ins Gebirge hinaufziehen; und wenn wir ihre besten Leute gefangen nehmen, so werden wir mit ihnen auch Achior erstechen,

5,26
Kap
damit alle Völker erkennen, dass Nebukadnezar der Gott des Landes ist und sonst keiner.