Lutherbibel 1984 (LU84)
63

Gottes Gericht über Edom

631Wer ist der, der von Edom kommt, mit rötlichen Kleidern von

63,1
Kap
Bozra, der so geschmückt ist in seinen Kleidern und einherschreitet in seiner großen Kraft? »Ich bin’s, der in Gerechtigkeit redet, und bin mächtig zu helfen.« 2Warum ist denn dein Gewand so rotfarben und dein Kleid wie das eines Keltertreters?
63,2
Offb 19,13
3»Ich
63,3
Joel 4,13
Offb 14,20
trat die Kelter allein, und niemand unter den Völkern war mit mir. Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn und zertreten in meinem Grimm. Da ist ihr Blut auf meine Kleider gespritzt, und ich habe mein ganzes Gewand besudelt. 4Denn ich hatte einen
63,4
Kap
Tag der Vergeltung mir vorgenommen; das Jahr, die Meinen zu erlösen, war gekommen. 5Und ich sah mich um, aber da war kein Helfer, und ich verwunderte mich, dass niemand mir beistand. Da musste mein Arm mir helfen, und mein Zorn stand mir bei. 6Und ich habe die Völker zertreten in meinem Zorn und
63,6
Kap
habe sie trunken gemacht in meinem Grimm und ihr Blut auf die Erde geschüttet.«

Buß- und Bittgebet des Gottesvolkes

7Ich will der Gnade des HERRN gedenken und der Ruhmestaten des HERRN in allem, was uns der HERR getan hat, und der großen Güte an dem Hause Israel, die er ihnen erwiesen hat nach seiner Barmherzigkeit und großen Gnade. 8Denn er sprach: Sie sind ja mein Volk,

63,8
5. Mose 32,520
Söhne, die nicht falsch sind. Darum ward er ihr Heiland 9in aller ihrer Not. Nicht ein Engel und nicht ein Bote, sondern
63,9
2. Mose 33,14-15
sein Angesicht half ihnen. Er erlöste sie, weil er sie liebte und Erbarmen mit ihnen hatte. Er nahm sie auf und trug sie allezeit von alters her. 10Aber sie waren widerspenstig und betrübten seinen Heiligen Geist; darum ward er ihr Feind und stritt wider sie.

11Da gedachte sein Volk wieder an die vorigen Zeiten, an Mose: Wo ist denn nun, der

63,11
2. Mose 2,5
aus dem Wasser zog den Hirten seiner Herde? Wo ist, der
63,11
4. Mose 11,17
seinen Heiligen Geist in ihn gab? 12Der seinen herrlichen Arm zur Rechten des Mose gehen ließ? Der
63,12
2. Mose 14,29
die Wasser spaltete vor ihnen her, auf dass er sich einen ewigen Namen machte? 13Der sie führte durch die Fluten wie Rosse, die in der Wüste nicht straucheln; 14wie Vieh, das ins Tal hinabsteigt, so brachte der Geist des HERRN uns zur Ruhe. So hast du dein Volk geführt, auf dass du dir einen herrlichen Namen machtest.

15So schau nun vom Himmel und

63,15
5. Mose 26,15
sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? Deine große, herzliche Barmherzigkeit hält sich hart gegen mich. 16Bist du doch unser Vater; denn Abraham weiß von uns nichts, und Israel kennt uns nicht.
63,16
5. Mose 32,6
Du, HERR, bist unser Vater; »Unser Erlöser«, das ist von alters her dein Name. 17Warum
63,17
Kap
lässt du uns, HERR, abirren von deinen Wegen und unser Herz verstocken, dass wir dich nicht fürchten? Kehr zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Erbe sind! 18Kurze Zeit haben sie dein heiliges Volk vertrieben,
63,18
Ps 79,1
unsre Widersacher haben dein Heiligtum zertreten. 19Wir sind geworden wie solche, über die du niemals herrschtest, wie Leute, über die dein Name nie genannt wurde.

63,19 Abweichende Verszählung statt 63,19b–64,11: 64,1-12.Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen,

64

641wie Feuer Reisig entzündet und wie Feuer Wasser sieden macht, dass dein Name kundwürde unter deinen Feinden und die Völker vor dir zittern müssten, 2wenn du Furchtbares tust, das wir nicht erwarten – und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen! – 3und das man von alters her nicht vernommen hat. Kein Ohr hat gehört, kein Auge hat gesehen einen Gott außer dir, der so wohltut denen, die auf ihn harren.

64,3
1. Kor 2,9
4Du begegnetest denen, die Gerechtigkeit übten und auf deinen Wegen deiner gedachten. Siehe,
64,4
2. Mose 32,8-10
du zürntest, als wir von alters her gegen dich sündigten und abtrünnig wurden. 5Aber nun sind wir alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Wir sind alle verwelkt wie die Blätter, und unsre Sünden tragen uns davon wie der Wind. 6Niemand ruft deinen Namen an oder macht sich auf, dass er sich an dich halte; denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und lässt uns vergehen unter der Gewalt unsrer Schuld.

7Aber nun, HERR,

64,7
Kap
du bist doch unser Vater!
64,7
Kap
Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk. 8HERR, zürne nicht so sehr und gedenke nicht ewig der Sünde! Sieh doch an, dass wir alle dein Volk sind! 9Deine heiligen Städte sind zur Wüste geworden, Zion ist zur Wüste geworden, Jerusalem liegt zerstört. 10
64,10
Ps 74,7
Das Haus unsrer Heiligkeit und Herrlichkeit, in dem dich unsre Väter gelobt haben, ist mit Feuer verbrannt, und alles, was wir Schönes hatten, ist zuschanden gemacht. 11HERR, willst du bei alledem noch zögern und schweigen und uns so sehr niederschlagen?

65

Verstoßung der Abtrünnigen, gnädige Annahme der Getreuen

651Ich ließ mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten,

65,1
Röm 10,20
ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten. Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: Hier bin ich, hier bin ich! 2Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist;
65,2
Röm 10,21
3nach einem Volk, das mich beständig ins Angesicht kränkt: Sie opfern in den Gärten und räuchern auf Ziegelsteinen, 4sie sitzen in Gräbern und bleiben über Nacht in Höhlen, essen
65,4
Kap
Schweinefleisch und haben Gräuelsuppen in ihren Töpfen 5und sprechen: Bleib weg und rühr mich nicht an, denn ich bin für dich heilig. Die sollen ein Rauch werden in meiner Nase, ein Feuer, das den ganzen Tag brennt. 6Siehe, es steht vor mir geschrieben: Ich will nicht schweigen, sondern heimzahlen; ja, ich will es ihnen heimzahlen, 7beides, ihre Missetaten und ihrer Väter Missetaten miteinander, spricht der HERR, die auf den Bergen geräuchert und mich auf den Hügeln geschändet haben. Ja, ich will ihnen heimzahlen ihr früheres Tun.

8So spricht der HERR: Wie wenn man noch Saft in der Traube findet und spricht: Verdirb es nicht, denn es ist ein Segen darin!, so will ich um meiner Knechte willen tun,

65,8
Kap
dass ich nicht alles verderbe. 9Ich will aus Jakob Nachkommen wachsen lassen und aus Juda Erben, die meine Berge besitzen; meine Auserwählten sollen sie besitzen, und meine Knechte sollen auf ihnen wohnen. 10Und meinem Volk, das nach mir fragt, soll
65,10
Kap
Scharon eine Weide für die Herde werden und das
65,10
Jos 7,26
Tal Achor ein Lagerplatz für das Vieh.

11Aber ihr, die ihr den HERRN verlasst und meines heiligen Berges vergesst und dem Gad65,11 Gad und Meni sind Schicksalsgötter. einen Tisch zurichtet und dem Meni vom Trankopfer voll einschenkt, – 12wohlan, euch will ich dem Schwert übergeben, dass ihr euch alle zur Schlachtung hinknien müsst; denn

65,12
Kap
ich rief und ihr habt nicht geantwortet, ich redete und ihr habt nicht gehört, sondern tatet, was mir nicht gefiel, und erwähltet, wonach ich kein Verlangen hatte.

13Darum spricht Gott der HERR: Siehe,

65,13
Kap
meine Knechte sollen essen, ihr aber sollt hungern; siehe, meine Knechte sollen trinken, ihr aber sollt dürsten. Siehe, meine Knechte sollen fröhlich sein, ihr aber sollt zuschanden werden; 14siehe, meine Knechte sollen vor Herzenslust jauchzen, ihr aber sollt vor Herzeleid schreien und vor Jammer heulen. 15Und ihr sollt euren Namen meinen Auserwählten zum Fluch überlassen »Dass dich Gott der HERR töte«; aber
65,15
Kap
meine Knechte wird man mit einem andern Namen nennen. 16Wer sich segnen wird auf Erden, der wird sich im Namen des wahrhaftigen Gottes segnen, und
65,16
Kap
wer schwören wird auf Erden, der wird bei dem wahrhaftigen Gott schwören. Denn die früheren Ängste sind vergessen und vor meinen Augen entschwunden.

Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde

17Denn siehe,

65,17
Kap
ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. 18
65,18-19
Kap
Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, 19und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk.

Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. 20Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern

65,20
Sach 8,4
als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. 21Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und
65,21
Kap
ihre Früchte essen. 22Sie sollen nicht
65,22
5. Mose 28,30
bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein
65,22
Hiob 14,7
wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen. 23Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. 24Und es soll geschehen:
65,24
Kap
Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. 25
65,25
Kap
Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber
65,25
1. Mose 3,14
die Schlange muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.